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Hrauenvereins der Beiträze für 1879

Samstag den 11. Oktober

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187A

iehener "Anzeiger

ZMige- unb AmtchIM für btn Kreis Gieße«.

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| Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50

Amtlicher Hyei L Bekanntmachung.

Betreffend: Die Geschäftsordnung für die Gerichtsschretbereien der Amtsgerichte.

Auf Grund des $ 4 der Geschäftsordnung für die Gerichtsschreiber der Amtsgerichte wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß unsere Gerichtsschreiberet täglich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, von Vormittags 9 bis 11 Uhr dem Publikum geöffnet ist und daß Rechts­suchende darum nur tn diesen Stunden auf Beförderung rechnen können.

Grünberg, den 1. October 1879. Großherzogliches Amtsgericht Grünberg.

____Fritz, Oberamtsrtchter.

Bekanntmach u n g.

Diejenigen Einwohner von Gießen, welche Tauben halten, werden hiermit aufgefordert, dieselben ohne Ausnahme vom 10. October bis 7. November l. I bei Metdung der in Art. 79 des Feldstrafgesetzes vorbestimmten Strafe in den Schlägen eingesperrt zu halten.

Gießen, den 8. October 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

_______________________________________________ Fresenius.

politischer Hheil.

Deutschland.

Darmstadt, 7. Octbr. Im Jahre 1878 wurden laut amtlicher Ausweise 2962 Centner Eier in das Großherzogthum Hessen etngeführt. Von Hühnereiern gewöhnlicher Größe gehen 88 Stück auf ein Pfund, woraus sich ergibt, daß die etngeführten Eier der Zahl nach rund 2,400,000 Stück waren. Ein Et zu nur 5 Pf. gerechnet, so zeigt ein einfaches Rechenexempel, daß wir an das Ausland 120,000 Mk. für Eier bezahlt haben, welche im eigenen Lande productrt werden könnten, wenn der Geflügelzucht größere Be­achtung gewidmet würde.

München, 6. Octbr. Das Octoberfest auf der Theresienwiese nahm heute vom Wetter begünstigt seinen herkömmlichen Verlauf. Die Bethetligung von Stadt- und Landvolk war eine ungeheuer starke und seit einer Reihe von Jahren hatte sich keine so große Menschenmenge, die wohl über 100,000 Per­sonen betragen mochte, eingefunden. Hauptsächlich hat zu diesem enormen Besuche die weitverbreitete Nachricht betgetragen, Se. Maj. der König werde dem Feste beiwohnen, in welchem Glauben namentlich eine Masse Landvolk herbeigeftrömt war. Der Festplatz wallte von zahllosen Flaggen in den deutschen, bayerischen und Stadtfarben; reges, buntes Treiben herrschte in den Schau- und Wtrthsbuden. Im Königszelte hatte sich bis gegen 2 Uhr Staatsminister v. Pfeuffer, Regierungspräsident Freiherr v. Hermann, Polizei­präsident Freiherr v. Feilitzsch, Bürgermeister Dr. Ehrhardt mit Deputationen der städtischen Collegien und das landwtrthschaftliche Centralcomite, endlich andere geladene Gäste etngefunden. Vom Königlichen Hause war Niemand erschienen. Der Minister des Innern, v. Pfeuffer, nahm für die in theil- weise wahrhaft prächtigen Exemplaren vorgeführten Pferde- und Hornvieh- Gattungen die Pretsverthetlung vor, worauf das Pferderennen folgte, welches ohne merklichen Unfall in ordnungsmäßiger Weise verlief. Die ganze Dauer des dreimaligen Umrittes war 6 Minuten 35 Secunden.

Hesterreich.

Wien, 4. Octbr. Die hochoffictöse WienerMontagsrevue" vom 5. October bespricht die politische Lage nach dem Besuche des Fürsten Bismarck in Wien und sagt, das Gefühl menschlicher Jsoltrung werde allerdings schwer auf Rußland lasten, doch sei die Jsoltrung wesentlich selbstverschuldet, da innerhalb des Dreikatserbundes kein Raum für den Panslavismus gewesen, welchen die russische Regierung ntederzuhalten oder zu desavouiren ohnmächtig oder nicht gewillt sei. Innerhalb Europas sei kein Raum für so weitreichende turbulente, alle bestehenden Verhältnisse bedrohende nationale Bestrebungen. Der panslavtsttsche Chauvinismus habe die Wirkung erzielt, daß die Stellung der Friedensrichter Europas Rußland gegenüber rl.nc andere geworden. Ueb- rtgens sei es in Petersburg bekannt, daß die deu^ch-österreichtsche Verbindung für Niemand eine Herausforderung oder Bedrohung enthalte, jedoch vom Ge­danken an deren Abwehr beherrscht und geleitet werde. Rußland sei ein auf­richtiger Anschluß freigestellt. Bisher stehe Rußland im Verdacht beabsichtigter Selbstausschließung, und erst, wenn dieser Verdacht beseitigt, werde Europa das Gefühl voller Beruhigung wiedergegeben sein.

Wien, 8. October. Meldung derPolit. Correspondenz" aus Cet- ttnje vom 8. ds.: Die Montenegriner schicken sich an, von den ihnen durch den Berliner Vertrag zuerkannten Gebieten von Gusinje und Plava Besitz zu ergreifen. Da Albanesen sich in der Richtung von Andrijevica tn starken Haufen zusammenrotten und Miene machen, die montenegrinische Besitzergreifung mit bewaffneter Hand zu hindern, so treffen die Montenegriner alle Vor­kehrungen für einen Kampf. In Andrigevica ist viel montenegrinischer Pro­viant und Muntttonsvorrath aufgestapelt.

Nußland.

Petersburg, 9. Octbr. Der Minister des Innern suspendtrte die ZeitungRuffkaja Prawda" auf 5 Monate.

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr. Correspondenz Bureau.

Berlin, 9. Octbr. Der Kaiser und die Kaiserin hatten gestern mit der Kaiserin von Rußland auf deren Durchreise nach Cannes eine Begeg­nung in Oos.

- Fürst und Fürstin Bismarck sind heute Morgen um 8y2 Uhr nach Varzin abgeretst.

Berlin, 9. October. Die evangelische Generalsynode wurde heute Vor­mittag 10 Uhr 20 Mtn. durch den Präsidenten des Oberktrchenrathes Hermes eröffnet. Die Mitglieder der Synode waren fast vollzählig erschienen. Am Regierungstische waren anwesend der Cultusmintster v. Puttkamer und einige Commissarten des Ministeriums und des Oberktrchenrathes, darunter Minister,«!- dtrector Lucanus und Propst Brückner. Nachdem Präsident Hermes die Ver- sammlung eröffnet hatte, leitete Generalfuperintendent Büschel die Verhand­lungen ein durch Verlesung eines Psalmes und Gebet. Alsdann folgte die Eröffnungsrede des Präsidenten Hermes, worin Vorlagen über die Trauungs­ordnung und ein Gesetzentwurf über die Verletzung kirchlicher Pflichten, welche beide tn Folge der veränderten Rechtslage als unaufschtebltches Bedürfntß er- schienen, angekündtgt wurden. Zum ersten Präsidenten wurde durch Acclamation Graf Arnim Boytzenburg, zum Vtcepräsidente» sodann mit 114 gegen 65 Stimmen Superintendent Rübsamen gewählt.

Berlin, 9. Octbr. DieProv.-Corresp." bespricht das Ergebniß der preußischen Landtagswahlen und die Veränderungen, welche in der Stärke der Parteien gegen die frühere Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses ein- getreten sind, und äußert hieran anknüpfend: Unter allen Umständen darf die Regierung das Ergebniß der Wahlen als hocherfreultche Kundgebung des preußischen Volkes begrüßen und in der neuen Landesvertretung eine ausrei­chende Unterstützung für die Durchführung ihrer nächsten wichtigen Aufgaben auf dem wtrthschaftiichen und politischen Gebiete zu finden hoffen. Die­selbe Correspondenz meldet: Die Eröffnung des Landtags ist auf den 28. Ok­tober festgesetzt.

Stuttgart, 9. Octbr. DerSchwäb. Merk." berichtet aus Hohen- zollern: Unter Enthaltung der liberalen Wahlmänner wurden die bisherigen Abgg. Maier und Schmid (beide ultramontan) wiedergewählt.

Paris, 9. October. Der chilenische Consul in London empfing, wie dieAgence Havas" vernimmt, von dem Bankhaus Edward in Valparaiso ein Telegramm vom 8. d-, welches meldet, daß die Chilenen daS peruanische PanzerschiffHuascar" erbeutet hätten.

London, 9. Octbr. Eine Lloydsdepesche meldet ebenfalls von einem Treffen zwischen der chilenischen und peruanischen Flotte, bei welchem die Chilenen das peruanische KriegsschiffHuascar" Wegnahmen.

Wien, 9. Octbr. DiePolit. Corresp." meldet aus Belgrad: Der türkische Gesandte forderte, daß der bulgarische diplomatische Agent dem Für­sten Milan den Investitur-Ferman überreichte, womit der Fürst von Bulga- rien installirt wurde. Ristic wies diese Forderung zurück. Das Recht Bul. gartens, einen Vertreter tn Serbien zu unterhalten, wurde durch die von Seiten des Fürsten Milan erfolgte Entgegennahme der Creditive des bulgari­schen Agenten anerkannt.

New-Uork, 9. Octbr. Die Utah-Indianer tödteten den Agenten Mecker und sämmtltche männliche Beamten der Agentur des Weißen Flusses, verschonten aber Frauen und Kinder. General Merrit bot den Indianern Frieden an, falls sie die Waffen ntederlegten; der Vorschlag wurde jedoch zurückgewiefen.

Wien, 9. Octbr. DiePolit. Corresp." meldet: Heute Mittag überreichte Sectionschef v. Calice mit den Beamten des auswärtigen Mini- steriums dem Grafen Andraffy eine von sämmtltchen Beamten des auswärtigen Amtes unterzeichnete Adresse. Graf Andraffy dankte tief ergriffen und sagte er habe sich aus Gesundheitsrücksichten in's Privatleben zurückziehen müssen-