Donnerstag den 11. September
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Nr. 211
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Emeute des Bolts in Kabul in Frage gestellt-. Die englische Gesandtschaft ist vom Volke belagert, vollständig niedergenutzelt worden. — Gleichzeitig erwächst dem britischen Reiche eine neue große Schwierigkeit mit dem Könige Thebaw von Birma. Dieser grausame Fürst soll die ernste Absicht hegen, es zu einem Bruche mit England kommen zu lasten, und zwar wegen der Provinz Karennee, von welcher selbst die Engländer bisher nichts gehört hatten. Die Provinz blieb bisher unabhängig von Birma, wie von der bri- tischen Herrschaft in Indien; jetzt erhebt Thebaw Ansprüche, welche England sich angeblich nicht gefallen lasten kann. Die Engländer scheinen indesten die kriegerischen Absichten des indischen Generalgouverneuiö n,cht zu theilen, zumal auch sie zur Zeit ihre Aufmerksamkeit dm inneren wtrthschaftlichen Fragen zu- wenden wollten.
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Politische Ueberficht.
Die angestrengte militärische Thätigkeit, welche Kaiser Wilhelm soeben bei den ostpreußischen Manövern entwickelt hat, nöthigt „ns ein Gefühl des Staunens und der Hochachtung vor dem greisen Herrscher oL, der inmitten seiner angestrengten Regterungsarbeit und nach der bedeutsamen Entrevue von Alexandrowo in so eingehender und fast strapaziöser Weift seine Pflichttreue in der Pflege der Armee bekundet. Das großartige milttä- rische Schauspiel gewinnt dadurch eine große Bedeutung, daß es den Kaiser mit seinen alten Paladinen dem Continent als einen Monarchen zeigt, der sein schneidiges Werkzeug, die Armee, zu pflegen nicht vergißt.
Die Zusammenkunft der Kaiser von Rußland und Deutschland hat der jüngsten Zeit em hochpolitisches Gepräge verliehen. Es stellt sich nunmehr heraus, daß der Czar die Besprechung gewünscht und veranlaßt hat. Damit ist ganz Europa, vor Allem aber dem erregten Rußland selbst klar gemacht worden, daß Kaiser Alexander seine persönlichen Freundschaftsgefühle über die Plänkeleien der russischen Presse, hinter denen Gortschakoss steckte, stellt. So lange beide Kaiser am Leben sind, wird dem Aufeinander, platzen der diplomatischen Geister ein Aufetnanderplatzen der militärischen Körper nicht folgen.
Die neu bestätigten Friedensbürgschaften bieten Deutschland den großen Vortheil, daß es ohne Sorgen um auswärtige Verwicklungen in den Wahlkampf eintreten und seine Aufmerksamkeit voll und ganz seiner inneren Entwicklung zuwenden kann. Der Ausfall der preußischen Landtags- Wahlen wird für das ganze Reich von Bedeutung sein. Die Wahlbewegung wirb Seitens der Regierung mit schutzzöllnerischen Schlagworten eröffnet. Nur langsam kommt die liberale Agitation in Fluß; — in einem Punkte t,scheint ein gemeinsames Wirken aller liberalen Parteien nicht nur möglich, sondern auch dringend geboten. Ein Wahlsieg der conservativen und ultramontanen Elemente stellt eine Revision der neuen Kirchen- und Schulge- setzgebuna in sichere Aussicht. Dann hätten wir nach den Wahlen ohne Weiteres den modua vivendi auf Kosten des Staates, den vermeiden zu wollen vielleicht die preußische Regierung selbst nicht abgeneigt ist. Leider scheint es, als'ob, wie die letzte Reichstagswahl sich vollzog unter dem Feld- qeschrei: „Nieder mit den Socialdemokraten!" und eine schutzzöllnertsche Majorität ergab, jetzt der Ruf: „Schutz der nationalen Arbeit!" zum Schein ertönte, um Preußen mit einer Revisionskammer für die Maigesetze und was sonst mit der kirchlichen und politischen Reaction zusammenhängt, zu beglücken.
In Oesterreick hat sich ein ähnliches, trügerisches Schauspiel vollzogen, als das Ministerium Ta affe in den Wahlkampf eintrat. Man »ptelte dort verführerische verfassungstreue Melodien, bis endlich ein Coalittvns- Mtnisterium zu Stande kam, welches den Czechen und Ultramontanen aus Kosten der Deutschen und der Verfaffungspartei schlimme Concessionen machte. So ist die slavische Aera etngebrochen, deren Beseitigung das nächste Ziel d<r Deutschen sein muß, ehe sie sich wieder den gemeinsamen Culturaufgaben widmen können. ~
Die Polemik der russischen Blätter wendet sich allmältg wieder von Deutschland ab und richtet sich gegen Oesterreich. Als willkommenes Thema figurtrt dabet der Besuch des Fürsten von Montenegro in Wien. Man kündigt dem Herrn der schwarzen Berge die unbarmherzige Feindschaft Rußlands an, falls er sich betkommen laffen sollte, freundschaftliche Gesinnungen gegen Oesterreich zu bekunden. Fürst Nckita mag sich nicht wenig ge- schmeichelt fühlen, daß er aus einmal ein so vtelumworbener Mann geworden ist. Selbst der Czar ist auf seine Bundesgenoffenschaft eifersüchtig!
In England erregen die Nachrichten aus Afghanistan große Bestürzung. Das friedliche Resultat des englischen Feldzuges ist durch eine
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Deutschland.
Darmstadt, 9. Septbr. Das heute ausgegebene Großh. Regierungsblatt Nr. 40 enthält: p
1. Gesetz, die Ausführung des deutschen Gerichtskostengesetzes und der deutschen Gebührenordnungen für Gerichtsvollzieher und für Zeugen und Sachverständige betreffend.
2. Verordnung, die Gerichtskosten und Gebühren betreffend.
— Das am 27. August erlaffene Ausschretben Großh. Oberconfistoriums Nr. 14 betrifft die Berichtigung der Besoldungsverzeichniffe der evangelischen Psarrstellen.
Berlin, 7. Septbr. Die „Neue Pr. Ztg." schreibt heute: „Ueber das Börsentretben hörten wir einmal die Aeußerung: „Die Leichtfertigkeit, mit welcher auf der Börse und zum Zweck der Börsenspeculattonen Nachrichten erfunden und ausgestreut werden, wird nur noch Überboten von der Leichtgläubigkeit, mit welcher die Börse und das mit ihr verkehrende Publikum solche Tendenzgerüchte aufnehmen." Dieses Urtheil hat in den letzten Tagen wieder eine rechte Bestätigung gesunden durch das Fangeballspiel, welches man mit dem angeblichen Gntlaffungsgesuche des Fürsten Bismarcks getrieben. Unser Börsenbericht vom 4. d. meldete darüber: „Gestern nach Schluß des diesigen osficiellen Verkehrs ward gerüchtweise verbreitet, der Fürst Bismarck gedenke um seine Entlastung nachzusuchen; daraufhin verliefen die Abendbörsen in Frankfurt, Hamburg und Wien matt. Die Wiener Vorbörse sandte zwar etwas bestere Notirungen; aber dieselben vermochten nicht die hier herrschende Verstimmung wieder zu heben. Fast ausnahmslos setzten daher hier die Spielpapiere niedriger ein und erlitten da, wo sich etwas Geschäft zeigte, rasch weitere Rückgänge." Hierzu kam noch eine „höchst (!) ungünstige (!) Auffassung der Reise des Kaisers nach Alexandrowo"; die Haltung wurde in Folge besten „fortgesetzt matter" und schließlich die „Verstimmung immer allgemeiner." Also am 3. b., Nachmittags, wird hier in Berlin das Gerücht von dem Entlastungsgesuch des Reichskanzlers — erfunden und in Umlauf gesetzt; es geht sofort telegraphisch nach auswärts, verstimmt dort die „Abenb- börsen" und kehrt nach gethaner Arbeit nach Berlin zurück, um hier Tags daraus sein Werk sortzusetzen. Zu guter Letzt bringen es feine Köpfe bis zu einer „höchst ungünstigen" Austastung der Kaiser-Zusammenkunst in Alexandrowo, und die Geschichte endet mit einer allgemeinen Verwirrung, welche etn Fischen im Trüben begünstigt und den Mistenden gestattet, den nach Widerlegung des Gerüchts zu erwartenden Rückschlag im Voraus zu „escomptiren." Wetter etn Wort über solche „Börsenmache" noch zu verlieren, ist nicht nöthig; sie spricht sich selber ihr Urtheil."
Berlin, 8. Septbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Unsere neu- liche Richtigstellung der Notiz der „Nat.-Ztg.", wonach Fürst Bismarck die Jnittatwe zur Sendung des Feldmarschalls v. Manteuffel nach Warschau er-
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In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat August 1879 veröffentlicht:
Hafer Mk. 15,30, Heu Mk. 3, Stroh Mk. 3 per 100 Kilogramm.
Gießen, am 8. September 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Bookman n.
---------~ ~ Hungen, am 4. September 1879.
Betreffend: Das Porto für Hin- und Hersendung von Gewerbspatenten.
Das Großherzoglichc Steiiercommiffariat Hungen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.
Nach Verfügung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen, müssen zum Visiren an die Großher- zoglichen Steuer-Commissariate eingesendete Gewerbspatente von den Absendern frankirt werden.
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