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Str. 132. Mittwoch den 11. Juni I87rr.

chiehener Wnzeiger

Anzeige- Mi KmlsbM für iti Kreis Gieße«.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags

Schulstraße B. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Tßeil.

Gießen, am 7. Juni 1879.

B etreffend: Die ständigen Beiträge der Gemeinden zum allgemeinen Schullehrer-Pensionssond.

Das Großherzoqliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Durch die Verlegung des Etatsjahres auf die Zeit von Anfang April bis Ende März des folgenden Jahres ist die Verrechnung der Staats- ausgaben für das I. Quartal 1879 in der Rechnung der Großberzoglichen Hauptstaatskasse für 1878 angeordnet worden und ergibt sich hieraus die Not­wendigkeit, daß die oben genannten, zur Deckung der Ausgaben bestimmten Beiträge für das I. Quartal 1879 mit 5 für jede beitragspflichtige Lehrerstelle für sich und für die Folge die Jahresbeiträge immer für die Zett vom 1. April bis 31. März des folgenden Jahres erhoben werden.

Indem wir Sie hiervon benachrichtigen, beauftragen wir Sie, die Beiträge für die Zeit vom 1. Januar 1879 bis Ende März 1880 in der Rechnung für 1879 verrechnen zu lasten und den Gemeinde-Einnehmern hiernach entsprechende Anweisung zu erthetlen.

Dr. Boekmann.

Aokitischer Pheit.

Zur Goldenen Hochzeitsfeier des deutschen KaiferpaareS.

In unserer unruhigen und keineswegs sorgenfreien Zeit blickt das deutsche Volk seit vielen Jahren dankbar auf das in allen schweren Lagen des mensch­lichen Lebens oft hart geprüfte und doch stets seinem Gott ergebene und ver­trauende deutsche Katserpaar. Ein hehres Vorbild in allen Tugenden, hat es sich die Liebe des Volkes erobert, in Treue wie in Ehrfurcht blickt zu ihm Deutschlands Bevölkerung empor wie zu einer Leuchte auf dunklem Pfad. Die Geschichte der letzten Jahrzehnte hat die Namen Kaiser Wilhelm und Kaiserin Augusta mit ehernem Griffel in ihre lorbeerbekränzten Taf-ln ein­gegraben, aber das Denkmal, das sie sich im Herzen eines dankbaren Volkes begründet, ist dauernder denn Erz, von Geschlecht zu Geschlecht wird die deutsche Nation ihre Namen ehren, so lang' die deutsche Zunge klingt. Unter diesen Verhältniffen wird die heutige Feier der Goldenen Hochzeit des deut­schen Kaiserpaares zu einem wahren Nattonalfeste.

Es ist ein seltenes Ereigr., welches eine gütige Vorsehung das Kaiser­paar feiern läßt, und das Volk fühlt das Außerordentliche destelben. Mit Recht wird eine Goldene Hochzeit überhaupt an einem Ehepaar wie eine be­sondere Gnaee Gottes betrachtet, und wenn man bedenkt, daß ein solches Wethefest gekrönten Häuptern fast niemals beschieden war, so mag es Deutsch­land als ein glückliches Omen preisen, daß seinem ersten deutschen Kaiser und seiner Kaiserin die hehre Ertnnerungsseier an den vor 50 Jahren ge­schloffenen Ehebund beschieden ist. Es liegt etwas Patriarchalisches in dem Ereigniß. Vor uns steht jenes schöne Bild, welches Kaiser Wilhelm im Kreise seiner Familie darstellt, neben sich die beglückte Kaiserin und rings herum die kronprtnzltche Familie. Seit wenigen Wochen werden Kaiser und Kaiserin als Urgroßeltern begrüßt; als Großeltern blicken sie bereits auf Enkel, die sich zu Master und zu Lande" auf chren späteren hohen Berus vorberetten, und als Eltern aus den kaiserlichen Sohn, der auf dem Schlachtfelde die höchsten militärischen Ehren erworben und bereits in schweren Stunden mit fester Hand die Zügel der Rcichsregierung als Stellvertreter seines kaiserlichen Vaters er­griffen hatte. Das leuchtende Bild des glücklichen Familienlebens kann einem großen Volke nicht herrlicher als Muster geboten werden, als auf dem Thron und an seinen Stufen. Innigere Liebe, einfachere Sitten, edlere Erziehung, größerer Trost im Leid, glücklichere Freude am Familienleben, dies Alles dürfte reiner und selbstloser im wetten deutschen Reiche nicht gesunden werden. Selbst in der Ergebung in schweres Unglück und tiefe Trauer leuchtet uns das hohe Katserpaaar als Muster voran.

Wir wollen heute nicht die reichen Blätter der Geschichte umwenden, welche schon jetzt Wilhelm I. von Deutschland die ehrenden Beinamen des Siegreichen und des Heldengreises verliehen hat, den die Nachwelt einst noch begeisterter als den Schöpfer des einigen Deutschlands feiern wird als die Mitwelt, weil sie oft im erbitterten Kamps um die Meinungen des Tages vergißt, welches Heil ihr widerfahren ist, als Kaiser Wilhelm mit jugendlichem Muth, aber mit der gereisten Besonnenheit eines wahren Feldherrn, würdig der Ahnen, des großen Kursürften und des unvergeßlichen alten Fritz in das Rad der Weltgeschichte eingriff und sein Volk von Sieg zu Steg sührte. Zweimal erschien in Flammenschrist der Aufruf:An mein Volk", welcher an die Freiheitskriege erinnnerte, und wer denkt heute nicht zurück an den 19. Juli 1870, als Kaiser Wilhelm das eiserne Kreuz wieder aufleben ließ? Zu aller Zett unb an jedem Platz wußte Wilhelm von Deutschland, als König, wie als Kaiser die rechten Männer, die besten Rathgeber zu finden, so daß die Namen der deutschen Feldmarschälle, Kanzler und Minister für immer so hell in der Weltgeschichte erglänzen, wie die Namen der Blücher, Scharnhorst, Gnetsenau und eines Fretherrn von Stein.

Kaiserin Augusta sahen wir nicht allein als liebende Mutter und als edle Wohltäterin in bürgerlichen Kreisen. Groß wie ihre Zeit ergriff sie die Aufgabe, welche die Humanität in schwerer Kriegszeit an das daheim in banger Erwartung harrende, mit seinem Herzen aber bei den wehenden Fahnen befind­liche deutsche Volk stellte. Sie ward zur Bannerträgerin des rothen Kreuzes

und organisirte rastlos thätig und geschickt jene großen Verbindungen zur Pflege verwundeter und erkrankter Krieger, welche bis auf den heutigen Tag chren segensreichen Beruf erfüllen. Zu ihr jubelte das Volk empor, wenn eine neue Siegesbotschaft eintraf, in ihre Hand floffen jene reichen Spenden, welche bewiesen, daß die Opferwilligkeit unserer Vorfahren ebensowenig auS- gestorben waren, als ihre Begeisterung und ihr Muth, und durch die Kaiserin fanden die Gaben den rechten Weg an die Adreffe der Leidendsten undHülfs- bedürftigsten. Und noch heute steht die deutsche Kaiserin, eine Priesterin der Charitas, an der Spitze aller größeren Vereinigungen, welche der Nächstenliebe und Humanität ehrende Denkmale errichten. Ihre Gaben sind bekannt auf dem weiten Erdenrund, wo es nur irgendwo große Noth zu lindern gibt, und wer sie daheim als Samariterin kennen lernen will, der mag bei den Wittwen und Waisen, in Hospitalen und in Volksküchen, in den Rettungsanstallen und in den wohlthätigen Vereinen nach ihr fragen; heute gedenkt Ihrer das Volk im Gebet, die Unmündige und Verwaiste, Blinde und Taubstumme, Arme und Elende tagtäglich segnen.

Unsere Zett ist in Unruhe. Wilde Stürme haben an dem Bollwerke des jungen deutschen Reiches gerüttelt. Statt des erwarteten Segens für schwere Kämpfe und Opfer hat Gott in unersorschlicher Weisheit für gut be­funden, sowohl dem Herrscherhause als dem Volke schwere Prüfungen aufzuer­legen. Für uns, für sein Volk hat Kaiser Wilhelm gelitten, um uns eine edle Kaiserin geweint. Noch leuchtet uns nicht die klare Sonne eines socialen und kirchlichen Friedens, noch kämpft das deutsche Volk einen schweren Kampf um sein tägliches Brod. Aber mit Vertrauen blicken wir heute empor zu dem Jubelpaar auf kaiserlichem Thron. Mit ihm erhoffen wir den endlichen Sieg der Wahrheit und des Rechts, den Sieg der Tugend und Beständigkeit, den Lohn für ein treues und redliches Leben, für ein den edelsten Zielen zuge­wandtes Streben. Von Neuem hat das kaiserliche Paar seinen Verdiensten um das Volk ein Lorbeerblatt hinzugefügt, indem es verzichtete auf allen äußeren Glanz der Feier des Tages und auf alle reichen zugedachten Ehrengaben. Der Segen, der aus einer Fülle milder Stiftungen erquillt, ist ihr schönster Lohn. Am heutigen Ehrentage, wie für die Zukunft steht unser Katserpaar vor uns als ein Hort des Friedens, ein Fels des Vertrauens, ein Vorbild aller mensch­lichen Tugenden, als die Leuchte aller unserer Hoffnungen für eine bessere Zett. Im Chor von Millionen ertönt am Tage, wo der goldene Myrthen- zweig auf dem Katserthron erglänzt, der Ruf und das Gebet: Heil dem kaiserlichen Jubelpaar! Gott schütze und erhalte Kaiser Wilhelm und Kaiserin Augusta von Deutschland!

Deutschland.

Darmstadt, 6. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 31. Mai den Gerichtsaccesststen Dr. August Dietz aus Gießen zum Polizetcommissär zweiter Klaffe bet dem Polizeiamt Darmstadt unter Ver­leihung des Amtstitels:PolizetJnspector" zu ernennen.

Berlin, 7. Juni. DieNordd. Allg. Ztg." bringt folgende Mitthei­lung aus Wien von gestern: Hiesige und auswärtige Blätter verbreiten das Gerücht, die österreichisch-ungarische Regierung habe die Initiative zu irgend welchen gemeinsamen Schritten der Nachbarstaaten gegen die handelspolitischen Entschließungen des deutschen Reiches ergriffen. Holland hätte bereits dem von hier ausgegangenen Antrag zur Abhaltung einer Zollconserenz zngestimmt. Alle diese und ähnliche Ausstreuungen entbehren, wie auf Grund authentischer Informationen versichert werden kann, jeglicher Begründung.

DerNordd. Allg. Ztg." zufolge wurden die im Laufe der Woche eingetroffenen Delegirten Ostrumeliens, welche die Wünsche der ostrumelischen Bevölkerung zur Kenntntß der Berliner Signatarmächte bringen sollen, hier ebensowenig an amtlicher Stelle empfangen, wie die Mitglieder der albanesi- schen Deputation, die sich unlängst hier aufhielt, um gegen die Einverleibung epirotischen Gebiets in Griechenland zu protestiren. Gegenüber den kriti­schen Aussührungen über die deutsche auswärtige Politik, welche die gestrigen