Ausgabe 
11.5.1879 Zweites Blatt
 
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Lämmern bevorstehenden Kämpfen bildeten die Verhandlungen der Generalräthe, von denen sich ein fiel er Theil für, ein g öß rer gegen jene Vorlagen aus­sprach. Die Klerikalen sind nachgerade so rreit g^ga 'gen, daß sie wgar tn den VolkSichulen Petitionen gegen r ie Ferry'fcken G setzmtwürfe colportiren ließen. E fre licher Werse scheint die Regierung indeß nut aller Entlchieden- hett auf der Durchführung ih-er Pläne beharren zu wollen. Nicht nur, daß sie den Petitionsmffug in den Schulen abzustellen befohlen, sie hat auch Ite bekannte Rede Ferry'S, in welcher er die Vertre bnng der Jesuiten als Haupt­ziel darstellte und d-e vollständige Einigkeit der Minister mit dem Präsidenten Grevy über diesen Punkt hervo-hob, im ganzen Lande verbreiten loffcn. Aller­dings rst nicht zu verkennen, daß die in der Wahl Blanqui's zu Tage getre­tene radicale Strömung eine gewisie Reaciion der öffentlichen Meinung ver- anlaßt und der Regierung tn der jüngsten, zu Gunsten des bonopartlstlschen Candidaten ausgefallenen Ersatzwahl zur Kammer eine Niederlage gebracht hat. Die Minister werden sich daher vor weiteren Fehlern hüten muffen. Schon jetzt ist die Rede von einem bevorstehenden C ibinetswechsel. Da Gmibeita indeß, nach seiner Entfernung aus Parts zu uriheilen, seine Zeit noch nlch für gekommen hält, so droht der Regierung für den Augenblick wohl noch keine ernstliche Gefahr.

Die belgische Repräsentantenkammer hat die Debatte über das neue Schulgesetz fortgesetzt. Einen beionoers tiefen Eindruck machte die Rede des Abgeordneten für Tournay gegen das Unwesen der Bruoerschaftsschulen, denen er geradezu die Entsittlichung der Jugend vorwa'f. Die Wulh der Klerikalen über die Vorwürfe, welche sie über sich ergehen lassen müffen, ist grenzenlos. Die Jahresversammlung der katholischen Vereine beschloß natürlich, den von der Regierung beabsicht-gtenSchulen ohne Gott" einen energischen Wider­stand zu leisten. Wird aber Alles i ichts helfen I

Garibaldi hat vor seiner Abreise nach Rom noch ein Manifest au die Italiener veröffentlicht, in welchem er die Bildung einer demokratischen Liga zur Erlangung der thatsächlichen nationalen Souv.ränetät anzeigt und naiver Weise erklärt, die Liga werde mit friedlichen Mitteln arbeiten, so lange sie nicht durch die Regierung gehindert werde. Letztere hat sich indeß nicht geuirt, die Veibreitung des Manifestes durch Maueranschlag zu verbieten. Gleich­zeitig ist sie 'n den Kammern mit ihren Reformplänen hervorgetreten. Einer­seits hat sie das neue Wahlges'tz eingebracht, welches die Zahl der Wähler von 600 000 auf ca. 1 500,000 erhöht, andererseits Gesetzentwürfe über Ein­führung neuer Steuern vorgelegt, um dadurch die Abschaffung der drückenden Mahlsteuer zu ermöglichen. Erfreulich ist die Nachr cht, daß die Kammern den mit Deutschland und Italien abgeschloffenen Zusatzvertrag über die Gott- bardbahn genehmigt bat: damit kann die R-construction des großartigen Unternehmens als abgeschloffen geben.

B- rlin. DerVerein zur Förderung der Handelsfreiheit" hat soeben eine voll­ständige Vergleichung des Procentoerhältnisses der bisherigen Zollsätze und der in dem neuen Zolltarif vorgeschlagenen zum Werthe der zollpflichtigen Gegenstände veröffent­licht. Die der Berechnung zu Grunde gelegten Werthe sind, soweit sie Durchschnitts­sätze für die Tarifnummern bezeichnen, der amtlichen Reichsslaffstik für 1877 entnommen, soweit es sich um bestimmte Waarcngattungen handelt, nach dem officiellen Hamburger Preis Courant und nach den Mittheilungen Sachverständiger angegeben. Für einige Haupt Categorien von Maaren ergibt sich nach dieser Zusammenstellung bei den neuen Zollsätzen folgendes Resultat:

l. Zölle auf landwirthschaftliche Produkte:

Weizen 5,00 pCt.

Hafer ..... 7,14

Roggen......3,57

Gerste 2,50

Mais ...... 4,17

Buchweizen 2,78

Hülsenfruchte .... 5,00

Anis, Kümmel rc. . . 4,17

Raps und Rübsaat . . 1,00 ,

Fleisch, zubereitetes . 12,77

Sännalz 12,50

Butter ..... 11,11

Käse 15,15

Eier 3,75

Honig ..... 5,00

Stiere . .....2,00

Kühe 2,22

Ochsen 6,67

Jungvieh 6,67

Kälber 3,33

Schweine ..... 3,79

Schafe 3,33

Lämmer ..... 3,33

Fleisch, frisches .... 12,00

Hopfen.......7,94

Getrocknetes Obst . - . 7,14

Bau- und Nutzholz, roh 2,00

ff ff ff Dv I uBl *

Holzborke und Gerberlohe 3,85

pCt.

II. Zölle auf Industrie-Produkte r

Baurnwollenwaaren: rohe dichte Gewebe, rohe Nesseln

Wollenwaaren:

Halbs eidenwaaren

10,00

rohes . . . 15,7925,00

7,27

ff

5,77

16,87

6,94

10,42

17,65

15,00

11,36

10,71

9,37 10,00

2,00 10,71 13,33 22,22

2040 33,33 31,25

5,13

2,50

6,25

26,67

12,90

grobe Lederwaaren . . feine.......

glasirtes Töpfergeschirr anbcie Thonwaaren weißes Porzellan . . farbiges bemaltes Por­zellan

unbedruckte Tuchwaaren unter 1/z Millimeter Stärke . . do von Vr Millimeter Stärke und darüber unbedruckte Filz- und Strumpfwaaren . . Fußteppiche............

wollene Fußdecken Posamentier- und Knopfmacherwaaren . .

44,44 pCt.

32,00 ,

sonstige grobe Eisen- waaren .....

Locomotiven, Locomo-

i (Emballagen) ..... ungefärbt, unbedruckt, ungebleicht

14,1568,18 9,4345,45 9,09 41,67 23,84 11,36

Jutegewebe

Leinwand, i

Men ......

Maschinen aus Guß­eisen ......

Maschinen aus Schmiede- Eisen

Weißblech

Draht......

Wmkeleisen,

Schienen . . . . . ganz grobe Eisen- waaren (Guß) . .

ganz grobe Eisenwaaren (Schmiede) . . .

Leder (Sohlleder rc) Handschuhleder . . . grünes Hohlglas . . weißes . . .

Fenster- und Tafelglas farbiges bemaltes Glas, Glasmaaren . . .

16,57 4,00-13,33 8,33-17,14 " . 8,33 pCt.

gefärbt rc-, Damast, Tisch- und Bettzeug Seidenwaaren . . . 10,00 pCt. Roheisen..... 20,00

Stangeisen .... 15,62 Eisenblech,

« . andere

undichte Gewebe, Strumpf- und Posamen- tierwaaren ..........

alle anderen undichte Gewebe (wie Jaconet rc) Spitzen und Stickereien....... .

III. Finanzzölle auf Verzehrmigsgegenstände rc.:

37,50 pCt. Wein in Fässern .... 30,00 pCt

17,30 Flaschen . . . 18,46

60,24 Bier........16,67

66,67 Arrac, Rum 40,00

75,00 versetzter Branntwein . . 66,67

13,33 anderer ..... 109,09 ,

41,67 Petroleum ..... 30,00

Kaffee, Brasil « Java

Pfeffer . . . Rosinen . .

Korinthen Reis, geschälter Thee . . .

Vermischtes.

Offenbach, 6. Mai. Die Versammlung, welche gestern Abend im Saalezum Schwanen" behufs Bildung der für das 11. mittelrheiniiche Turnfest nothwendtgen Commissi­onen abgehalten wurde, war sehr zahlreich besucht Fast sämmtliche Herren, welche von dem Vorstande des Turnvereins gemeinschaftlich mit dem Dieizehner-Comite für die Commissionen in Aussicht genommen und provisorisch eingetheilt worden waren, haben da- ihnen zugedachte Amt bereitwilligst übernommen, sodaß die Commissionen Definitiv gebildet wurden. Gleichzeitig wurden die Obmänner der verschiedenen Commissionen gewählt. Obmann der Finanzcommission ist Herr Heinrich Merzback, Obmann der Etnquartierungscommission Herr Hofrath Dr. Walther, Obmann der Baucommisston Herr Stadtbaumeister Raupp, Obmann der Musitcommission Herr Hofgerichtsadvokat Dr. Strecker, Obmann der Empfangs- uud Ordnungscommission Herr Fabrikant Ludwig Lautz, Obmann der Wirthschaftscommission Herr Rentier Clemens Knipp, Obmann der Dekorations und Platzcommission Herr Kunst- und Hondelsgärtner Justus Petermann, provisorischer Obmann der Preßcommtssion Herr Lehrer Karl Hofmann. Das Centralcomitc besteht aus den Obmännern und dem Vorstande des Turnvereins. Die Zahl der Männer, die den Commissionen angehören, beträgt bis jetzt gegen 300, darunter die Ein- quartierungßcommission mit ca. 160. In zuvorkommendster Weise hat Herr Bürgermeister Schäfer sein großes Terrain in der Moltkestraße dem Turnverein zur Verfügung gestellt, dem­nach den nämlichen Platz, auf welchem 1860 das großartige erste mittelrheinische Turnfest abgehalten wurde. Das Fest findet am 3. und 4. August statt. Wer der gestrigen Versamm­lung beiwohnte und..sich die Männer ansah, in deren Hände die Ausführung des Festes gelegt wurde, der kann wohl keinen Augenblick im Zweifel sein, daß das Fest, günstige Witterung vorausgesetzt, einen brillanten Verlauf nehmen wird. (O. Z )

Schiflfisberteilt. Mitgethetlt von dem Agenten deS Norddeutschen Lloyd ($,- W. Dietz in Gießen.

Southampton, 6. Mai. Der Postdampfer Main Capt. I. Barrc, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 27. April von Newyork abgegangen war, ist heute 11 Uhr Vormittags wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton 'ev stimmten Passagiere, Post und Ladung 1 Uhr Nachmittags Die Reise nach Bremen fortgesetzt Der Main überbringt 174 Passagiere und volle Ladung.

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