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-kr. 3». Dienstag, den 11. März 1879»
Meßmer Wnreiger
Aüffize- eii AMghW fit htn Kreis Gieße«.
Redaettorrlbureaur 1 6„ r i*
ExpedittonSburednrr J ^chulstraße . S.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS
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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hßeil.
B e k a n n t m a ch u n g.
Wegen Verlegung des Landgerichts Locals in das frühere Gymnasium auf dem Brand fallen die Amtstage am 25. und 26. März l. Js. aus und können in der letzten Woche des Monats März im Uebrigen nur dringende Angelegenheiten Erledigung finden.
Gießen, den 10. März 1879. Großherzogkiches Landgericht Gießen.
____________ Erdmann.
Gefundene Gegen ft ander
1 Boa, 1 weißleinenes Taschentuch, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Päckchen wollenes Garn, 1 Scheere, 1 Horngriff von einem Stock, mehrere Schlüssel.
Gießen, am 8. März 1879. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fres enius.
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politisch
Französische Wirren.
Die Rückkehr der Communards wirft ihren Schatten voraus und nicht ohne Besorgniß betrachtet man die Entwickelung der nächsten Zukunft Fronk- ceich.s. Vorläufig ist in der Ministerkrtsts nur entschieden, daß Tirard das Handelsministerium übernimmt, nachdem er sich mit Waddington und Leon Say über die Tarife und die Handelsverträge verständigt hat. Jede Stunde aber kann neue Aenderungen bringen, so erregt ist die Stimmung und so gährt es in allen Kreisen. Die jetzige partielle Ministerkrisis ist veranlaßt durch die heftigen und fortgesetzten Angriffe der radikalen Organe gegen den Minister des Innern, v. Marcere. Grevy selbst scheint geneigt, Marcöre zu opfern, ui b man spricht bereits von der Ersetzung deffelben durch Jules Ferry, dem gegenwärtigen Unterrichtsmtnister. Die Radikalen würden selbstverständlich für oteses Portefeuille ebenfalls ihre Vorschläge haben, und so wäre es denn in kurzer Zeit des Bestehens der definitiven Republik glücklich dahin gekommen, daß radikale Scandal-Organe, wie „Laterne", „Marseillaise" rc., Minister ab- fetzen und einsetzen, und damit den Weg zur Disretlttrung der Selbstverwaltung betreten. Marcöre gilt übrigens um so mehr als „geopfert", als die Republtque srancatse" sich bereits darüber ausläßt, daß die Regierung seinen Nachfolger nicht aus dem linken Centrum wählen, auch den Unterrtchtsminister Jules Ferry nicht in das Ministerium des Innern versehen dürfe, sondern ein Mitglied der „mehr fortgeschrittenen" Fraktion der Kammer für diesen wichtigen Posten ernennen müsse. Man sieht, die Dinge kommen allmälig in Fluß. Die Ciubherrschaft, die seit dem Sturze Mac Mahon's in den Vordergrund trat, prägt sich immer deutlicher aus.
Je mehr man im deutschen und französischen Jntereffe die Befestigung der gemäßigten und liberalen Republik in Frankreich wünschen muß, um so sorgfältiger müffen wir die Gefahren in's Auge fasten, die sich gegen diese Gestaltung der Dinge bei unseren Nachbarn erheben. Und sie sind nicht so gering, wie es nach der gehobenen Stimmung des Augenblicks scheinen könnte. Sie liegen in dem Vordrängen der radikalen Partei. Mau darf nicht verkennen, daß die Volks-Elemente, auf die sich gegenwärtig die Republik stützt, größtentheils innerlich ganz conservativer Natur sind; die Wähler, die in letzter Zeit den Sieg der Republikaner durchgesetzt haben, waren der Meinung, damit für die Befestigung der politischen Zustände, für eine ruhige, dauernde Entwickelung, für Frieden und Versöhnung im Innern gearbeitet zu haben; sie wollten aber keineswegs das Gemeinwesen den Abenteurern und Experimenten radikaler Staatsverbefferer preisgegeben haben. Nichts ist den sog. conservattven Parteien srüherhin zu statten gekommen, wie das weitverbreitete Mißtrauen, ob die Republik im Stande sein werde, den Mächten des Umsturzes und der Anarchie energisch zu wehren. Dieses Mißtrauen schwand in demselben Grade, als die Haltung der republikanischen Parteiführer an Besonnenheit und Mäßigung zunahm, als die Republik die Fähigkeit bewies, ein staats- und ordnungshaltendes Regiment zu führen. Leider haben die neuesten Ereigntste bewiesen, daß das Mißtrauen ein sehr berechtigtes war.
Deutschland.
Darmstadt, 8. März. Es steht nunmehr fest, daß die beiden Kam- mern unmittelbar hintereinander und bezw. nebeneinander tagen werden. Der Zusammentritt der ersten Kammer ist für den 11. d. Mts., der der zweiten Kammer für den 12. d. Mts. bestimmt. Auf der ersten Tagesordnung der ersten Kammer steht der erste Theil des von der zweiten Kammer bereits durchbe- Tathknen Staatsbudgets, in den folgenden Sitzungen werden namentlich die Ge- ßetze über das Verfabren in Sachen der nicht streitigen Gerichtsbarkeit, über Vie Ausführung der Strafproceßordnung, der Civtlproccß- und Concursordnung ihre Erledigung finden. Etwaige Recommunicationen können dann sofort von der zweiten Sammer in Berathung genommen werden. An neuen Angelegenheiten kommen auf die Tagesordnung der zweiten Kammer namentlich: Das
er Hheil'.
Finanzgefetz, Etatsgesetz, der neue Etat der Richter- und Kretsrathsgehaw, die Gesetze über die Reorganisation des Verwaltungsgertchtshoss, das elterliche Erziehungsrecht bezüglich der Religion der Kinder und die Landescultur- Rentenkasse. (Fr. Journ.)
Darmstadt, 6. März. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 5) enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Erbauung einer Eisenbahn von Friedberg nach Hanau betreffend.
2. Dienstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: den auf die evang. Pfarrstelle zu Holzheim präsentirten evang. Pfarrer H. W. Siebel zu Gebhardshain zu bestätigen.
Dem Schullehrer Joh. Linn zu Daubringen wurde die Schulstelle zu Nieder-Erlenbach, dem Schullehrer Joh. Hünergarth zu Heidelbach die Schulstelle zu Ehringshausen übertragen, der auf die Schulstelle zu Nonnenroth prä- sentirte Schullehrer W. Listmann zu Malchen bestätigt und dem Schulamts- Aspiranten H. Kretzmüller aus Gambach eine Lehrerstelle zu Ranstadt übertragen.
3. Ruhestandsversetzung. Der Schullehrer Joh. Martin Engeldrum zu Heppenheim a. d. W. wurde auf fein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.
4. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Steinbuch mit einem Gehalt von 900 «X (das Präsentationsrecht steht dem Grafen zu Erbach-Fürstenau zu); die Lehrerstelle an der evang. Schule zu Udenheim mit einem Gehalt von 900 die Lehrerstelle zu Volxheim mit einem Gehalt von 900 JL; die Lehrerstelle zu Ellenbach mit einem Gehalt von 900 «/&; eine Lehrerstelle zu Lollar mit einem Gehalt von 900 Jl.; die Lehrerstelle zu Lehnheim mit einem Gehalt von 900 J4; die Lehrerstelle zu Altenschlirf mit einem Gehalt von 900 «X
5. Sterbefälle. Gestorben sind: am 8. Febr. der Schullehrer Karl Fischer zu Stangenrod; am 12. Febr. der Forstwart Joh. Scbaffnitt zu Elpenrod ; am 13. Febr. der Steuerausseher L P. Philipp Walldorf zu Mainz.
Berlin, 8. März. Se. Majestät der Kaiser glitt gestern Nachmittag beim Promeniren auf glattem Parquetboden aus und zog sich eine leichte Con- tusion der rechten Hüfte zu. Nach gut vollbrachter Nacht nahm der Kaiser heute in gewohnter Weise die regelmäßigen Vorträge entgegen.
— Der „Reichs-Anz." veröffentlicht eine Bekannmachung des Reichskanzlers, welche die Rinderpest im gejammten Reichsgebiete für erloschen erklärt.
— In den heute stattgefundenen Verhandlungen zwischen den Commissa- rien der Regierung und der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft beharrte die Regierung aus den in den Präliminarien vereinbarten Bedingungen. Die Entscheidung ist der Generalverjammlung Vorbehalten.
Berlin, 8. März. Ueber den Sr. Majestät dem Kaiser zugestoßenen Unfall meldet der „Reichs-Anz.": Der Kaiser ist gestern Abend, als er mit der Kaiserin in den oberen Sälen des Palais auf und ab ging, auf dem glatten Parquet ausgeglitten und mit der rechten Körperseite auf den Boden gefallen und hat sich hierdurch eine Quetschung der rechten Brustseite zugezogen. Der rechte Arm erlitt keinen Schaden. Das allgemeine Befinden des Kaisers blieb ungestört. Die Schmerzen an den gequetschten Stellen sind heute geringer als in den gestrigen späten Abendstunden. Der Kaiser hat heute Vormittag die täglichen Vorträge entgegengenommen und den Prinzen Karl empfangen.
Berlin, 8. März. Der „Nordd. Allg. Ztg." wird die Zeitungsmeldung, daß in der Angelegenheit des „Großen Kurfürsten" bereits die Ent- scheidung durch Se. Maj. den Kaiser vollzogen sei, als durchaus unzutreffend bezeichnet; die Salbe sei überhaupt noch nicht bis zu diesem Stadium gediehen.
Berlin, 8. März. Reichstag. Fürst Bismarck ist bereits vor Beginn der Sitzung anwesend. Das Haus beginnt die zweite Berathung des Etats. Der Etat des Reichskanzlers wird ohne Debatte genehmigt. Bei dem Etat des Rcichskanzleramts äußert Hänel sein Befremden darüber, daß nicht auch dem Reichstage Gelegenheit geworden, sich über die Der-


