Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz- Bureau.
London, 8. Januar. Gemäß etvqezogener Erkundigung hat der Gtchl- anfall Beaconefield's nachflelaffen, so daß derselbe Vormiltegs 10 Uhr das Bett verließ; der allgemeine Gesundbeitszuftand ist nickt alterirt.
Berlin, 8. Januar. Abgeordnetenhaus. Die fünf ersten auf der Tagesordnung stehenden Gesetzentwürfe wurden in dritter Lesung ohne Debatte genehmigt. Die Vorlagen über die Rheinschifffahrts- und Elbzoll-Gerickte wurden in erster Beratbung an die Commission für die Justizgesetze, der Antrag Krech und Genossen, betreffend die Ablösung der den geistlichen and Schul Instituten zustehenden Rcalberecktigungen an die Aararcommission überwiesen. Den Gesetzentwurf bezüglich der sächsischen Domstifter nahm das Haus in zweiter Lespng nach den Lommijsionsbescklüffen an. Wäbrend der Debatte war Minister Graf Eulenburg wiederholt für die Annahme der Regierungsvorlage, namentlich für Beibehaltung der Benennung „Dom eapttel" anstatt der von der Commission vorgeschlagenen Bezeichnung „Stiftsverwaltung" ein- aetreten. Der Minister hob hervor, die Regierung lege besonderes Gewickt auf die Bezeichnung Domcapitel", schon wegen der historischen Continuttät, weil sie die verdienten Männern als Auszeichnung zugedachten Stellen mit einer gewissen Dignität bekleidet zu sehen wünsche Er wie« ferner darauf bin, daß doch in naher Zett Domhcrren-Etellen zur Erledigung kommen würden Komme kein Gesetz zu Stande, so werde die Regierung genöthigt sein, neue Domherren zu ernennen, was den Wünschen des Hauses gewiß nicht entspreche. — Nächste Sitzung Monuersta,
Konstantinopel, 8. Jiriuar. Die russisck türkischen Fitte"ensoer- handluvgen mbm'n ohne flicke Schwierigkeit ihren Fortgang. Sämmtliche Mächte, ausgenommen Rußland, hoben nunmehr officieU der bevorstebenden E«nennung Rustem Paschas zum Gouverneur von Oftrumelien beigestimmt. __ Die Pforte empfahl dem Dey von Tunis, den Reclamationen Frankreichs M genügen. — Die Abreise Sovskt Paschas nach Paris ist noch m gewiß.
London, 8. Januar. Der „Standard" meldet, daß der Gichtanfall Lord Beaconsfields b'ftiper als je und der Zustand des Kranken besorgniß- erregend sei. Die üb igen Morgenblätter stellen die ernstliche E'kranku' g Lord Beaconsfield's in Abrede. — „Standard" meldet vom 4. Januar: General Siiwart's Division ist tr Kobchi, fünf Tagemärscke von Kandabar. angekommen. Der Commandant der Porbut ber chtete, der Gouverneur von Kandahar nebme eine Position am Tarnek-Flnsfe ein. Die Genergle Stewart und Biddulpb
haben sich am Taktipul concentrirt, um den Vormarsch auf Kandahar am 8. Junior a»mei"sam anzutreten.
Wien, 8. I H'uar. Meldungen der „Pollt. Corresp. Aus Kon- stanttnop-l. Man spricht von der Eventualität einer ausgiebigen Reductwn ber lürklschen Armee. Kmmll Pascha und Ai Bey sind nach Skutart abgegangen mit ver Instruction, Oie gegen die Herrschaft Montenegros widerstrebenden mohamedan'schen Bewohner zur Auswanderung nach der Türkei aufz so dern. — Aus Athen Die Einwohner von J mina und des gleichnamigen Districtes pelit'vnirten bei dem König von Griechenland und bei Waddingto um Vereinigung mit Griechenlannd.
Kalkutta, 8. Januar. Häuptlinge von Beludfchistan boten 1000 Retter zum Die-.ste in Dera Ismail Khan an. Die britischen Truppen griffen Marodeure der SulimankheiiS an und tödteten 70 derselben. Der Verlust der Briten war gering. Diese wichtige Operation dürste die Ruhe an der Grenze Herst-llen.
Petersburg, 8. Januar. Die „Agence Ruffe" hält das Telegramm des „N-w-D'ik Harald" aus Taschkent, wonach der Emir von Afghanistan, welcher die Verwaltung des Landes seinem Sohne übertragen, russischen Boden betreten habe, für richtig. Unrichtig sei hingegen die Meldung, daß der Emir von Tnipppn begleitet sei.
Kalkutta, 8. Januar. Eine M ldung des Majors Cavagnart erwähnt abermals ' es Gerüchts, daß Jakub Khan sich anschicke, Schir Ali zu folgen, da er in Kabul machtlos und die Häuptlinge der Ghilzais ihm feindlich feen.
Petersburg, 8 g-inuar. Der „R'glerungsbote" meldet: In der q str-gm aHno.deutUchen Sonf-renz d-s M vicinMaths und mehrerer De- part-mentschefs unter dem Vorsitz des Ministers des Innern wurde beschlosien, angesichts des ansteckenden Charakters der Epidemie im JenorajewSk'tchen Hx.jrk, welche der ärztlchei Beoandlung nicht nachgeb-, stre-g- Quarantäne anzuordnen, erprobte hyg'-nisch- Muß rahmen zu ergreifen und die Ziifl der Aerste im Gouveruemen, Astrachan sofort zu verstärken. Der Gouverneur von Astrachan hat tebg apdtrt, die Zahl der neuen Erkrankungen im Dorf W-t- Itanka sei gert- g ob oohl die Eprdemie den früheren ansteckenden und unheilbaren Charakter b-hilte. D-r Handels- und Postoerkehc über die Moskauer V ikehrslmle ist eing.stellt; ders-lbe wird über andere Wege geleitet.
Aesterreich.
Wien, 7. Januar. Einer Meldung d-r „Polit. Corresp." aus Kon- stantinopel zufolge ist dortselbst Nichts davon bekannt, daß die russisch-türkischen Friedens Verhandlungen durch irgend welche angeblich neuere russitche Erklärungen betr. die Uebergabe der im Berliner Vertrag- Montenegro zuge- fprochenen türkischen Gebietstbeile unliebsam gestört worden wären. — Die Polit Corresp " meldet aus Skutart in Albanien: Heute findet in Zogai bei Tkutari in Folge Auftrags der Pforte eine Conferenz zwischen Hufiein Prscha und den montenegrinischen Delegirten behufs Uebergabe von Podgo- ritza, Spuz und Zabljtk an Montenegro und Räumung der von den Monte- grinern occupirtcn albanestschen Küste statt.
Irankreich.
Paris, 6. Januar- Das Ergebniß der gestrigen Wahlen blldet heule ausschließlich das Tagesaespräch. Selbst ein großer Thetl derer, welche bis jetzt noch zur Reaction hielten, stimmt in das Jubelgeschrei ein. Zu diesen gehören auch viele Staatsbeamte, und ich könnte ihnen mehrere hohe Polizei- beamte nennen, welche gestern ihren Freunden offen erklärten, daß sie in Za- kunst der Republik/die das Land in der That wolle, treu und redlich dienen würden. Besonders entmuthigt sind die Bouapartisten. Ihre Führer sind ganz außer sich, daß die qroße Maffe derer, welche bis jetzt noch zum „Empire" hielten, dies.m nun den Rücken kehre. Die Bonapartisten halten gestern über vierzig Candidaten aufgestellt und sie brachten nur zwei derselben durch, nämlich Batbie und de Gavardie, die im Grunde genommen aber nicht einmal zu ihnen gehören, sondern nur in Departements gewählt wurden, in denen sie bis jetzt herrschten. Die Legitimisten trösten sich damit, daß sie von allen reactio- uären Parteien den meisten Erfolg g babt h^ben.
Eingesandt.
Nack der au8 dem „Rhein. Courier" in den „Gießener Anzeiger- vom 7. er. über- g>flTiffluna über die Ausführung der Secundärbahn Kölbe Biedenkopf-Laasphe macht die pr^euß'sche^Staatsregierung Bau und Betrieb der betreffenden ßinte von dem Awerbe d^ Großbe^oglich Hessischen Antheits ver Main Weser.Bahn abhängig. So sehr wir es wünschen, daßdem berechtigt n Verlangen des früheren hessischen Hinterlandes entsprochen werde, so zu- versichtlich hatten wir an d?r Ueberzeugung fest daß bte ®roS^^0l^Äe ^taat«re^n8 fa wenig, wie insbesondere die Lanbesvertretung ihre Einwilligung dazu ertheilt, daß eine gant unter' ftewve? Verwaltung stehende Bahn durch das hessische Geriet ziehe Wirsind d« Ueberzeugung, daß kein Bundesglied des deutschen Reiches — sei denn bei völliger au»- natzmslottr Durchführung des Reichseisenbahnprojectes - eine fremde Bahn im eigenen Lande dulde und wir vertrauen deßhalb gerne darauf, daß es den «bgeordne en v. Rabenau^und Genoffen aelingt, die Durchführung jenes Ansinnens der preußischen Regierung, das tohr ffc den vorliegende M nack keiner Richtung hin für begründet halten können, zu verhindern. Daß eine Bahn durch das hessische Hinterland so geführt werden muß, daß sie nicht nur dem localen Interesse, sondern insbesondere unter Fortführung nach Altenhunden dem durchgehenden Verkehr diene/ scheint uns hier um so beachtenswerther, als jenes Glied ganz besonders daz» berufen ist, eine hervorragende Stellung zur Vermittlung der großartigen Maffentranspa»te zwischen der Ruhr und Süddeutschland einzunehmen.
Lokales.
Mieffen, 9. Januar. In der gestrigen Vormittags-Sitzung verurtheitte der Schwur- gericktshof den Conrad Schäfer von Rainrod, wegen Körperverletzung mit todtlichem Erfolg, in eine Gefängnißstrafe von vier Jahren.
Gestern Nachmittag wurde Friedrich Scheer von Lauterbach, wegen Körperverletzung mit todtlichem Erfolg zu einer Gefängnißstrafe von 3 Jahren verurtheilt.
__ou einem Metzger vor dem Neuenweger Thor kam am Dienstag Abend ein Mädchen, der Kleidung nach zu urtheilen ein Dienstmädchen und entnahm auf den Namen eineS Restaurateurs 5 Pfb. Solperfleisch und bestellte für den folgenden Tag 8 Pfv. Koteletten mit dem Bemerken, selbige müßten reckt schön gemacht sein, sonst kaufe der Herr nichts mehr und fluche alles durcheinander. Das Fleisch wird, weil der Besteller -in guter Kunde verabfolgt und als am anderen Tage die Koteletten besorgt werden sollten stellte sich ^heraus, daß gar keine bestellt worden und der Metzger grob beschwindelt war. Zur Warnung möge dieses anderen Geschäftsleuten dienen, damit sie nicht auch hereinfallen.
theologijchkn Fakultät der Lavdes Universität Gicßen — zu ernennen und in den gedackten Eig nschaften zu berufen.
Berli», 7. Jan. Der „Reicksanz." veröffentlicht einen Erlaß des Hm. delsmiickst.re vom 4. Jan. an die Regierungen und Landdrosteicn, worm denselben di- Reformtrung der bestehenden Innungen und drc Ernchiung neuer Innungen ürnerhalb des Rahmens der Gewerbeordnung anempfohlen wird. Als yaupr- anfgabe der Innungen wird hierbei bezeichnet, durch rege Belhe'l'gung aller Genoffen di- gemeinsamen Jntereffen des ganzen Gewerbes zu filtern, insbe- ,andere den G-meinsinn und die S'andesehre zu wecken den gewerblichen Betrieb der Jnnungsmttglieder zu unterstützen, die Nutzbarmachung techmicher Fortschritte zu era öglichen, in Unglücks-, Krankheits- und Todesfällen Unterstützung zu gewähren, das L-Hrlwgswesen gemeinschaftlich zu regeln und zu pflegen, das gewerbliche Fortbildungswesen zu unterstützen, und -in befferes Berhäitniß zwischen Meistern und Gehulfen herberzusuhren. D>e a geregten Organisationen könnten eine wesentliche Handhabe btet-n bedrohliche M.ßstände ans dem socialen Gebiete wirksam zu bekämpfen und durch SelbstthäNukeit der Betheil'g, n di- Hebung urb Stärkung des Gewerbestandes b-rbeizusuhren. Der Minister fordert im Monat Juli Bericht über das zur Erledigung des E l _ Dtt dem Bundesrathe vorgelegte Gesetzentwurf, betr. die Anreiae- vfltckt Bei dem Auftreten gemeingefährlicher Krankheiten für bas deutsche Reich, bat iolaenden Wortlaut: § 1. Von jedem Falle einer E-krankung an d-r Cholera oder an den Blattern hat der b.handelnde Arzt sowie, das Haupt der Familie, in welcher der Fall sich ereignet, spätestens 12 «tunten nach -rlangt.r Kenntniß unter Angabe des Namens und Alters, der Wohnung und Beschäftigung des Erkranklen bei der nächsten Polizeibehörde Anzeige zu erkalten. Ist «in Familienhaupt nicht vorhanden oder ist es behindert so liegt die Anzeige demjenigen ob, in dessen Wohnung oder Behausung der Fall sich ereignet S 2 Von dem Auftreten anderer mit gemeiner G«fahr v rbundenen Krankbeiten «ine gleiche Anzeige zu erstatten, kann den Aerzten und bezüglich
der Krankheiten der Wöchnerinnen auch den H-bammen durch Beschl,ß des
Bundesratbes zur Pflicht gemacht werden. § 3. Wer die nach § 1 unb Z
ihm obliegende Anzeige unterläßt, wird mit Geldstrafe bis zu 100 Mk. be-
Di- Strafverfolgung tritt im Fall- des § 1 nicht ein, wenn die Ai- »iae obwohl nicht von dem zunächst Verpflichteten, doch rechtzeitig erstattet ist Landesrechtliche Bestimmungen, welche eine weitergehend- Anzeigepflicht begründen, werden durch dieses Gesetz nicht berührt.
Vermischtes.
- Die 3." erhält Zuschrift: ^^deu, 3. Januar 1879. An die verehrlicke Redaktion der „Magdeburgischen Zeitung".
Ick ersuche Sie um gefällige Aufnahme nachstehender Mittheilung:
Im Laufe des Monats December fand sich in Ihrer Zeitung eine Mitteilung de« Lerrn Dr Oberbrtyer: „Zum Titelschwindel", aus welcher hervorgeht, daß in England und Amerika noch immer Doktordiplome der Universität Gießen feilgebotcn werden. DerarUge Diplome sind Fälschungen, da an unserer Hochschule der Doktortitel ausnahmslos nur So chen ertbeitt wird welche eine genügende Vorbildung nachgcwiesen und durch «ne^gedruckte Differ- tation, sowie' durchs ein Examen b-n Beweis g°U-s»^ben,^a^e des D°kt°Melswmb^stnb.
Friedberg. Nach Erkundigungen an competenter Stelle beschränkt sich der „Einsturz" der Eckartshäuser Kirche darauf, daß einige Schraubenmuttern an dem Hängewerk das die Decke trägt, absprangen, wodurch sich die Decke gesenkt hatte. Der ganze Schaden ist bereits wieder reparirt.
Biedenkopf, 4. Januar. Die freiwillige Selbstbesteuerung zu Gunsten unserer Eisen- bahn hat bis jetzt hie^ in Biedenkopf ein ganz erfreuliches Resultat geliefert.
Die Summe der Gesammtzeichnung von Privaten beziffert sich hier bis heute auf oo 155 U Als die Höckstbesteuernden figuriren in unserer Liste, die Ludwtgshütte Mit X ie mit 3000 JL, Hrn. Schäfer und Rehm hier mit 1000
jüngst zu Wallau mit 1000 Hrn. P. W. Heinzerling hier mit 1000 JL fiw’ Job Kraft^Werner hier mit 500 JL Es folgen dann 10 Jntereffenten m,t )e 300 JL, drei mit 250 X vier mit 200 J4, einer mit 12 -, zwölf mit 100 JL, der Rest vertheilt sich unter die übrigen 11s Zeichner, so daß im Ganzen sich E Personen b,s jetzt betheili^ baben - Die Ludwigshülte, Amalienhütte, Friedrichshutte beabsichtigen Dem Vernehmen nach im Ganzen 40,000 X für das Unternehmen zur Verfügung zu stellen, wenn die Bahn von Buchenau bis Biedenkopf auf der linken Lahnseite bleibt, weil dadurch eine kürzere Lmie her- gestellt wird, als wenn die Bahn bei Buchenau auf die rechte Se te der Lahn nach Wolfgruben und dann wieder bei Eckelshausen auf das linksseitige Ufer geht andernfalls werden sie sich nur mit 2400 ' X in Summa betheiligen. — Die StaDtgemeindei BieDenkopf hat bekanntlich ^0 000 4L aereicknet noch weitere Zeichnungen von Bedeutung stehen m Aussicht, wir dürfen deßhalb mit ^Bestimmtheit hoffen, daß Die vom Staate uns gestellten Bedingung^ unserersett» »ünttlt&jrfuDt »«rt=ng t) 1ÄabQmt B. tpi «ine noch «ch» hübfch« D°m«. die nu«
den Rebler bat daß ihre Stimme etwa» rauh ist. Die Dame sucht frMch diesen Mangel etwa» in »«beräen und auszugleichen, aber es gelingt ihr nicht immer. Jungst begegnete sie einem blinden Bettler blieb Neben zog ihren Geldbeutel, drückte dem Mann ein Geldstuck in die Hand"un7flb7ete chm Ä freu^iiche Worte « SD« «®ejM* W lauschte und sagte dann gerührt: „Ich danke Ihnen schön, Herr Oberst! ________________


