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Dienstag den 9. September
Nr. 209
icliciier Aiijetger
AMize- und Amtsblatt fit den Kreis Gießen
«ed-rtt-»»bttre«»r 1 Schulstraße B. 18.
ExpedttisnSbrrreau r J w 1
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
8. Sept.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 P^
Gesetz über die Schulaussicht wollen wir nicht preisgeben. An der Forderung eines Unterrtchtsgesetzes halten wir fest- Wir werden zu verhüten streben, daß die Verwaltung der Schule in einem anderen Geiste gesührt werde, als demjent- gen, welcher die Amtsführung des Ministers galt beseelte.
— Der Wahlaufruf der National-Liberalen ist unter Andern mitunter- zeichnet: v. Bernuth, Baumstark, Borettus, Braun, Böttcher, Burg, Bunsen, Dohrn, Dernburg, v. Forckenbeck, Harnier, Lasker, Lipke, Lammers, Leffe, Miquel, Alexander Meyer, Mommsen, Oppenheim, Rickert, Röpell, Schröder (Berlin), Werner, Siemens, Thtlenius, Techow, ». Unruh, Wachler und Wölfel.
— geldmarschall v. Manteuffel, welcher vorgestern aus Bromberg hier wieder etniraf, reist heute Nachmittag nach Topper ab. — Der russische Gesandte in Aihen, Gchelmerath Saburoff, welcher, von Petersburg kommend, einige Tage hier verwetlte, ist gestern von hier via Dresden nach Wien ab- gereift und kehrt von dort nach Athen zurück.
Berlin, 6. Septbr. Die kriegsgerichtliche Untersuchung über die Frage, ob und in wieweit die Befehle und das Verhalten des Capitäns zur See, Grafen v. Monts, an dem Untergang des „Großen Kurfürsten" Schuld tragen, scheint nach einer Mtttheiluug der „Sielet Ztg." wiederum ergebnißlos bleiben zu sollen. Wenigstens versichert das genannte Blatt, das sich in dieser Angelegenheit zu verschiedenen Malen als wohlunterrichtet erwiesen hat, daß das zuletzt abgehaltene dritte Kriegsgericht es als solches abaelehnt hat, Experimente mit dem Modell des „Großen Kurfürsten" als Bewetsmaterial gegen den Angeklagten in Betracht zu ziehen. Das Modell soll, wie die „Köln. Ztg." wiffen will, die darauf gesetzten Erwartungen allerdings keineswegs erfüllt haben. Denn als bei offenen Compartements und Wallgängen der Leck geöffnet wurde, neigte sich das mit Wasser gefüllte Schiffsmodell zwar zur Sette — aber es kenterte nicht.
Königsberg, 6. Septbr., Abends. Bei dem beutigen Diner von 380 Gedecken im königlichen Schlöffe, zu welchem die Spitzen der Ctvilbe- Vörden geladen waren, brachte der Kaiser folgenden Trtnkspruch aus: Die Kaiserin und Ich haben mit sreudigem Gefühle Ostpreußen und die alte Krönungsstadt, welche für Uns so reich an Erinnerungen tst, wieder betreten. Mtr find diese Gefühle verschiedenster Art und der Wechsel der Geschicke im Leben nirgends lebhafter wie hier entgegengetreten, denn Ich war hier in der Zett der größten Roth des Vaterlandes und dann erlebte Ich hier den höchsten Glanz Meiner irdischen Lausbahn. Die Freudigkeit, mit der Wir hier empfangen worden sind, gibt Zeugntß von der patriotischen Gesinnung, in welcher Stadt und Land zu allen Zeiten sich in sreudiger Opserwilltgkett hervorragend gezeigt haben. Ich erhebe daher Mein Gias und trinke aus das Wohl Ostpreußens und der Stadt Königsberg. — Der Oberpräsident v. Horn dankte für die ausgesprochene Huld und Gnade in bewegten Worten.
Hesterreich.
Wien, 6. Septbr. Die „Polit. Corresp." meldet aus Serajewo: Feld- zeugmeister Herzog von Württemberg ist mit dem G-neralstabschef Oberst Älbori beute über Gorazda nach Sajniea aufgebroch-n, tim dem am 8. Sept, erfolgenden Einmarsch in das Sandschak Novibazar zu letten.
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Irankreich.
Paris, 6. Septbr. Der „Agence Havas" zufolge ist die Nachricht verschieden-r Blätter, die Regierung habe beschloffen, den Art. 7 des Ferry- schen Gesetzentwurfs fallen zu laffen, gänzlich unbegründet.
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Keutschland.
Berlin, 4. Septbr. Die heute Morgen erfolgte Abreise des Kronprinzen nach Königsberg war noch gestern zweifelhaft und ist erst in letzt.r Stunde beschlossen worden. Heute Morgen ist auch der Kriegsminister, General v. Kameke, abgereist, um sich dem Gefolge des Kaisers bei den Manö- vern in Königsberg und Stettin anzuschließen; auch nach Elsaß-Lothrtngea wird der Kriegsminister dem Kaiser folgen. General-Feldmarschall v. Manteuffel dagegen wird den Kaiser nach Beendigung der Mcmöer in Ostpreußen bereits verlaffen und am 1. October in Straßburg zur Uebernahme seines Amtes als Statthalter von Elsaß-Lothrtngen eintreffen.
— Die Bestimmungen der Ersatzordnung, welche die Meldung von Militärpflichtigen der jüngsten Jahresklaffe zum freiwilligen Diensteintrttt im Musterungstermin behandeln, haben eine so verschiedenartige Auslegung erfahren, daß die Minister des Krieges und des Innern sich veranlaßt gesehen haben, folgende nähere Bestimmungen als Norm sestzusetzen: „1) Den Freiwilligen steht gesetzlich die Wahl des Truppentheils, bet welchem sie ihrer activen Dienstpflicht genügen wollen, innerhalb des Deutschen Reiches frei. Diese gesetzliche Vorschrift ist Lurch § 62, 8 und 83, 4 der Ersatzordnung nicht beschränkt und es ist deshalb jedem sich im Musterungsiermine zum fret- williaen Diensteintritt meldenden Militärpflichtigen der jüngsten Jahrwklasse ein Meldeschein zu ertheilen; 2) die in Rede stehenden Freiwilligen sind nach Maßgabe des § 49, 4 der Ersatzordnung in Verbindung mit § 75, 7 a. a. O. von der Loosung auszuschließen und an die Spitze der Vorstellungsltste E. zu sitzen; 3) durch die im Musterungstermin ertheilte Erlaubntß zum freiwilligen Diensteintritt ist eine Zurückstellung von der Aushebung nicht bedingt Der ertheilte Meldeschein hat deshalb nur bis zum Aushebungsgeschäft Gültigkeit, 1 und sind deshalb alle diejenigen Freiwilligen, welche bis zu diesem Termine von einem Truppentheil nicht angenommen worden sind, ohne Weiteres aus- mheben und einzustellen." r Ä Q . . _ ~
— Ueber das Zusammentreffen des deutschen Kaisers und des Czaren tn Alexandrowo wird der „Köln. Ztg." Folgendes gemeldet: Der Beschluß ! zu der Zusammenkunft der beiden Kaiser ist kaum 24 Stunden vor Abreise des Kaisers Wilhelm gefaßt worden. Am Montag fand ein lebhafter Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und dem Feldmarschall v. Manteuffel statt. Der Letztere übermittelte die dringende Einladung des Kaisers Alexam der zu einer Begrüßung unseres Kaisers an der Grenze auf dessen Rche nach Königsberg. Die Vorbereitungen dazu sind so geräuschlos und heimlich betrre- b-en worden, daß das Gefolge des Kaisers erst gestern Nachmittag Kunde von der Reise erhalten hat. Wenn nun auch mit besonderer Betonung sofort gemeldet wird, daß der Kaiser nur mit militärischem Gefolge reist, so wird trotz alledem Niemand glauben wollen, daß man es hier mit einem Ereigntß ohne erhebliche politische Tragweite zu thun habe. Gegenüber diesem erscheint die osficiöse Ungeschicklichkeit, welche den politischen Charakter der Mission Manteuffels in Abrede zu stellen suchte, erst tn ihrem Lichte.
Berlin, 6. Septbr. Der „Reichs-Anzeiger" und königlich preußischer Staats-Anzeiger" veröffentlicht ein neues Reglement über die Ausführung der Abgeordnetenwahlen für den Umfang der Monarchie mit Ausnahme von Hohenzollern, unter Aufhebung der früheren Reglements vom 10. Juli 1870 und 23. August 1876.
— Die hiesigen Morgenblätter veröffentlichen den Wahlaufruf der National-Liberalen, welcher bis auf den Paffus über die Schule mit der tereitg bekannten Veröffentlichung der „Neuen Fr. Pr." buchstäblich uberein- tftimmt. Der bezügliche Paffus lautet in der heutigen Veröffentlichung: Das
Man bringt hiermit zur Kenntniß derjenigen, welche die Deutsche Collektiv-Ausstellung von Molkerei-Produkten, veranstaltet vom Ä' Sff ’X* "«■*
ffrpdl butter) b sGruvve 50)- Dauer-Butter (cured butter). 2) Fremde Käse (foreign cheese).
(fresh Käse werden in Hamburg eingeliefert. Adreffe und Termin der Einlieferung bleibt später Bestimmung Vorbehalten.
Die Anmeldung wird bis zum 10. September d. I. erbeten und hat beim Oeconomierath Petersen in Oldenburg ^ßherzogthum und auf ,u beziehenden Anmeldern zu geschehen. Eine -iwatg« Verlängerung de« Anwetdeterwins wild später bekannt gemacht werden. Auskunft über
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Am 17. l. M. wird der letzte Amtstag bei uns abgehalten. Gießen, den 6. September 1879. ' ... -
Großb. Stadtgericht Gießen. Großh. Landgencht Greßen.
Langsdorfs. I. V. d. L.-R.:
Oppermann, Stadtgenchts-Affessor.


