Ausgabe 
9.8.1879
 
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erregende Fall betraf einen etwa 12jährigen Knaben mit drei Ohren, welcher diese Mißbildung schon seit seiner Geburt besitzt. Gegenüber dem rechten, normal gebauten Ohre saß auf dem hervortretenden Backenknochen der rechten Wange eine vollständig entwickelte Ohrmuschel mit Knorpel und Ohrläppchen, jedoch ohne weitere Ausbildung üks Gehörganges. Herr v. Langen- bcck hob die überaus große Seltenheit dieser Art von Mißbildung hervor, indem er erklärte, daß er diesen Fall zum ersten Male in seiner Praxis sehe und in der gesammten medictntschen Literatur noch kein derartiges Vorkommniß verzeichnet wäre. Natürlich hat er den Knaben von dieser, das ganze Gesicht entstellenden Mißbildung befreit, indem er das dritte Ohr aus der Wangenhaut und von dem Backenknochen, mit dem es innig verwachsen war, löste und abtrennte.

Für Briefmarkensammler der ganzen Welt dürfte die Nachricht nicht ohne Interesse sein, daß das General-Postamt zu Washington neue Postmarken hat anfertigen lassen, welche unvollständig frankirtcn Briefen aufgeklebt werden und den Portobetrag anzeigen, welcher vom Empfänger des Briefes nachzuzahlen ist.

Stuttgart, 3. August. Am Samstag Abends nach 5 Uhr ereignete sich, wie wir dem St. f. W." entnehmen, am Neubau des Real-Gymnasiums, gegenüber der neuen Garnisons­kirche, ein schrecklicher Unfall. Es wurde an der nordwestlichen Ecke desielben ein 55 bis 60 Ctr. schwerer Stein des Hauptgesimses aufgezogen und er war wohl 17-18 Meter weit oben, die bereitstehenden Maurer langten schon aus, um den Stein in die Richtung zu bringen, da kam durch eine noch nicht aufgeklärte Ursache, vielleicht durch das Nachgeben der Trommel, der Stein in's Fallen; das Kammrad der Aufzugsmaschtne mit den anliegenden Maschinentheilen wurde zertrümmert, die eisernen Trümmerstücke flogen mit großer Vehemenz nach verschiedenen Seiten auseinander, der mächtige Stein stürzte in die Tiefe, die Walze mit der aufgewickelten Aufzugskette ihm nach, und oben standen auf dem Gerüste die 6 Arbeiter, der Polier, welcher das Aufziehen zu überwachen hatte, neben ihnen, alle sieben unversehrt. Auch das Baugerüst war unbeschädigt geblieben und unten lag der Stein, von welchem die schwere eiserne. Trommel mit der aufgewickelten Kette nur eine Ecke abgeschlagen hatte. Während die nächststehenden Arbeiter wie durch ein Wunder verschont blieben, wurde eine andere dem Schauplatz ziemlich fernstehende Person das bedauernswerthe Opfer des Unfalles. Von den Maschinentrümmern waren zwei Stücke in weitem Bogen über das Gaab'sche Haus an der Kanzleistraße in den Wirthschaftsgarten des Stadtgartens, also auf eine gradlinige Entfernung von mindestens 170 Schritt geschleudert worden und eines derselben das andere fiel vor dem Wirthschaftßbuffet auf den Kiesboden, ohne Jemand zu beschädigen, traf eine hoch­betagte Dame, die Freifrau v. Einsiedel, Obersten Wittwe, mitten auf die Stirn und mit solcher Wucht, daß der obere Theil des Hauptes vom Rumpfe getrennt wurde; die Unglückliche sank augenblicklich tobt vom Stuhle Zum Glück war der Stadtgarten bei der tropischen Hitze wenig besucht. Durch die anderen Maschinenstücke, wovon eines sogar bis über den Stadt, garten hinaus, ein anderes in entgegengesetzter Richtung über die kleinen Thürmchen der Garnisonskirche hinweg auf die Staffel ver Herb'schen Restauration geschleudert woroen war, wurde Niemand verletzt, auch kein Schaden durch dieselben angerichtet. Das Schicksal der 81jährigen allverehrten Dame erweckte in der Stadt allgemeine Theilnahme. Ueber die Ursache des Unfalles wird die eingeleitete Untersuchung näheres Licht verbreiten.

Eingesandt.

Wir hatten gestern Abend Gelegenheit einer Theater-Vorstellung (Direction von Herrn Jockisch) auf Textor's Hardt beizuwohnen und können als Freunde der Kunst konslatiren, daß die beiden zur Aufführung gelangten PossenLustige Studenten­streiche" undBerliner Sonntagsjäger" wirklich ganz vorzüglich über die Bühne gingen. Ebenso haben wir mit Vergnügen bemerkt, daß das Publikum ein ganz auserwähltes war und war das Urtheil über die Leistungen der, Gesellschaft einstimmig ein sehr günstiges. Wir können daher Herrn Jockisch von nun an zu seinem Unternehmen nur gratuliren und empfehlen allen Freunden der Kunst wiederholt die Vorstellungen recht häufig zu besuchen. (5223

Mehrere Theaterfreunde.

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Petersb?urg. DerHerold" erzählt: Jrn Hausgärtchen des Hotel Dernuth fand kürzlich ein äußerst mysteriöses Diner statt. Eines Tages in der Mittagsstunde erschien daselbst em älterer, überaus fein gekleideter Herr und bestellte ein exquisites Diner für sechs Personen. Er besprach mit Herrn Pintscher, dem Leiter des Restaurants, alle Einzelheiten des Menus, wählte die dazu gehörigen Weine, bezüglich jeder Sorte mit minutiöser Genauigkeit den Wärme- arao genau vorschreibend und empfahl vor Allem das gewiffenhafteste Frappiren des Cham­pagners, von .dem er zwei FlaschenHeydsieck-Monopol" bestellte. Indem der Herr den Betrag des Diners sofort erlegte, ersuchte er noch sehr bringend, dasselbe Schlag 7 Uhr bereit zu halten. Zur selben Stunde erschien denn auch der Besteller des Diners und wurde nach dem Parterrezimmer geleitet, in dem das Diner servirt werden sollte. Auf die Frage, ob die Ge­sellschaft balv erscheinen werde, erwiderte der Herr, daß dieselbe bereits vollzählig beisammen sei und das Diner sofort aufgetragen werden könne. Laut Auftrag des Herrn mußte von jedem Gerichte jedem ver abwesenden Gäste servirt, jedes der Gläser derselben mit dem entsprechenden Weine gefüllt werden. Der alte Herr von jeder Speise mit sichtlichem Appetit und brachte, so oft er sein Glas leerte, dieses mit all den anderen fünf Gläsern in klingende Berührung. Als der Champagner in den Kelchgläsern perlte, erhob sich der Festgeber von seinem Sitze und hielt an feine abwesende Gesellschaft eine Rede, aus der die servirenden Kellner entnahmen, daß zu dem Mahle Gäste geladen worden seien, die sich nicht mehr unter den Sterblichen be­finden. Als der alte Herr seinen Toast gesprochen, sein Glas mit allen anderen Gläsern in Berührung gebracht und bann geleert hatte, sagte er zu bem ihn überrascht anblickenben Herrn Pintscher:Ich feire heute bas Erinnerungsfest an meine theuren Angehörigen, an meine Gattin und Tochter, an meine drei Söhne, von denen zwei im letzten Kriege geblieben sind. Fürchten Sie nichts; ich bin nicht wahnsinnig; es hat mir überaus wohlgethan, mit meiner Familie wieder einmal beisammen zu fein." Der alte Herr dankte in den herzlichsten Worten für das vortreffliche Diner und die prompte Bedienung, ließ einen geschloffenen Wagen vorfahren, und mit bem Versprechen, im nächsten Jahre wiederzukommen, fuhr er von bannen.

Basel. Davon, was ein Schützenbecher kosten kann, haben Viele keinen Begriff. Ein deutscher Schütze, welcher durchaus der wartenden Gattin zu Hause einen Becher von Basel mitbringen wollte, verwandte hierzu nicht mehr und nicht weniger als 1540 Schüsse. Das machte einen Kostenaufwand von 385 Fr. für 1540 Kehrmarken zu 25 Centimes; diese 1540 Schüsse haben nöthig 1540 Stück Schießbedarf zu 7 Cent., macht 107 Fr. 80 Cent-, zusammen 492 Fr. 80 Cent. Hierzu kommt noch die übliche Becherverschwellung. Rechnen wir für Cham­pagner und Zubehör noch 107 Fr. 20 Cent., so haben wir genau 600 Franken. Solche ein­trägliche Schützen für die Festkaffe hat ein Schützenfest viele. Daß auch von dieser Becher- schweüung die harrende Gattin zu Hause etwas erfährt, ist nicht gerade nöthig.

Herborn, 6. August. Ein von 103 hiesigen Einwohnern unterzeichnetes, an den Gemeinderath gerichtetes Gesuch,an Stelle des Sedanfestes das Kirchweihfest in früherer Weise wieder zu feiern", hat großes Aufsehen in den Zeitungen hervorgerufen, und mit Recht sprechen sich viele derselben in mißbilligender Weise hierüber aus. Wer aber in dieser Angelegen­heit Localkenntniß hat und auf den Ursprung der fraglichen Petition zurückgehen kann, findet, daß derselbe sehr harmloser Natur war. Es wünschte nämlich eine Anzahl meistens junger Leute, wohl auch unterstützt von Einigen aus geschäftlichen Jntereffen, baß bas früher auf ben letzten Sonntag im August gefeierte Volksfest, welches in ben letzten Jahren zur Feier bes Sebantages auf ben 2. September verlegt unb ihm bie Bebeutung beffelben gegeben war, baß bieses Fest wieber auf den Sonntag zurückverlegt werbe. Es würbe durchaus nicht beabsichtigt, gegen eine Sedanfeier zu agitiren, sondern nur um bie Verlegung bes Festes von einem Werk­tag auf ben Sonntag zu bitten. Der mit Abfaffung des Gesuchs Beauftragte hatte baffelbe auch zu begrünben, unb ihm allein fällt es zur Last, baß biese Begrünbung ganz auf eine politische Seite gelegt würbe und bie Petition als eine politische Agitation gegen bas Sebans- fest erschien, bie, Einzelne vielleicht ausgenommen, von den Unterzeichnern derselben gar nicht beabsichtigt war. Allerdings hätte der Wortlaut derselben sie von der Unterzeichnung abhalten sollen, aber leider kam es denselben mehr auf bie Erreichung bes Zwecks, bie Feier bes Volks­festes auf ben Sonntag verlegt zu sehen, als auf ben Wortlaut ber Petition an, dieser letztere schien ihnen Nebensache zu sein- Haben doch mehrere selbst erklärt, daß sie die Petition gar nicht gelesen hätten, der ihnen bekannte Zweck, bas Fest auf ben Sonntag verlegt zu sehen, fei ihnen genügenb gewesen. Unglücklicherweise brachte nun ein hiesiger Corresponbent bes Rhein. Kuriers" biese ursprünglich unbebeutenbe locale Angelegenheit an bie Oeffentlichkeit mit Angabe von Grünben, welche zur Einreichung ber Petition geführt haben sollen, bie wahrhaftig von dem Patriotismus ber Herborner keine hohe Meinung Hervorrufen konnten, unb welche mit Recht bie Mißbilligungen vieler Zeitungen erfuhren. Er stellte sich unb seine Vaterstabt, wie <8 scheint unbewußt, in ein keineswegs günstiges Licht. Es möge hier eine Probe folgen, wie bas in Berlin erscheinende Witzblatt,Die Wespen", wenn auch in nicht besonbers geist­reicher Weise, in Folge besten sich ausläßt.

Eingabe an ben Gemeinderath in Herborn im Regierungsbezirk Wiesbaden: Weisester Gemeinderath, hör' uns, ehe es zu spat,

Hör' die Bitt' aus unserm Munde, eh' wir alle geh'n zu Grunde, Eh' ber Pest- und Reblausbringer, eh' ber mächt'ge Gottesfinger Schleudert in der Hölle Graus diese Stavt mit Mann unb Maus!

Ach, bem schönen Kirchweihfest gabst, Unsel'ger, bu ben Rest, Se't es nicht mehr wirb begangen, mehren sich ber Sünbe Schlangen, Mehren sich ber Sünde Unken, ist bic Stabt im Pfuhl versunken, Hergestellt aus's Neue sei s in der alten Väterweis'!

Dafür schwinben wieber mag ber Sebcm! bieser Tag Mahnt uns nur an Schmach unb Schaube, beim ach um bie beutschen Lanbe Schlang er frech o bie Gemeinheit! - jenen Strick ber beutschen Einheit, Den wir heute schleppen noch nur als Last und Qual unb Joch.

Denn bas Lied die Wacht am Rhein bracht uns keinen Nickel ein; An der Einheit, bie erschienen, war kein Markstück zu verbienen. Größerer Crebit zu kriegen, war nicht nach ben beutschen Siegen: Doch im Kirchweihfeste blüht jährlich allerlei Profit!

(Folgen bie Unterschriften vieler Herbornirten.)

Der Gerneinberath lehnte bas fragliche Gesuch in seiner Sitzung am 29. Juli ab unb <s bleibt bei ber in ben letzten Jahren eingeführten Feier bes Sebansfestes am 2. September.

Berlin. (Ein Knabe mit brei Ohren) Eine ber seltensten Mißbilbungen hat kürzlich Herr Geh. Rath v. Langenbeck in ber Klinik seinen Zuhörern vorgestellt. Der große Sensation

Allgemeine

Sehmteberieht. Mitgetheilt von bem Agenten bes Norbdeutschen Lloyd <E. W. Dietz in Gießen.

Southampton, 6. August. Der Postdarnpfer Mosel, Capt. H. A. F. Neynaber, vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 26. Juli von Newyork abgegangen war, ist heute 4 Uhr Morgen^ wohlbehalten hier angekommen unb hat nach Lanbung ber für Southampton bestimmten Passagiere, Post unb Labung 6 Uhr Morgens bie Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Mosel überbringt 125 Passagiere unb volle Labung.

Irischböcker in Gießen.

Sonntag, den 10. August. Daniel Rühl, Marktplatz. Emil Sauer, Seltersweg. Martin Lenz, Marktplatz.

Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde suGießen.

Gottesdienst:

Sonntag ben 10. August.

Morgens: Pfarrer Dr. Seel. Nachmittags: Mitprediger Drescher.

(Sonntag, den 10. August, Feier des heiligen Abendmahls.)

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 10. bis 16. August besorgt Pfarrrvicar Schöner.

r Anzeiger.

11 Zugendfest. -----

Die Herren Zugführer werden freundlichst ersucht, sich heute Abend 7 Uhr zur Empfangnahme ihrer Züge in Oswalds G-arten. einzufinden.___________________Das Comite.

Bürger - Club.

MrWe aus Den -Slimlciiömj

am 10. August.

Extrazug. Abfahrt 2 Uhr 45 Min.

Rückfahrt von Lollar 9 Uhr 30 Min.

Billete hierzu ä 60 und für Kinder ä 30 sind zu haben bei den Herren

Ernst Balser, Emil Fischbach und Gebr. Michel.

5172)_________________________________________Der Vorstand.

Die Mineralwasser-Handlung von Julius Wallach tu Gießen empfiehlt alle Sorten Mineralwaffer in stets krticben^LüllunaLu___

XIV. Jugendfest.

5148) Mit Bezug auf unsere Mittheilung in Nr. 174 und 176 d. Bl. richten wir an Vie geehrten Eltern und an alle Freunde der Jugend wieder­holt die ebenso sreundliche wie dringende Bitte, uns wodl- wollend durch Beiträge au Geld und durch V« tabreichung der zu Spielpreisen für Kinder geeigneten Gegenständen zu unterstützen. Die Betheiltgung unserer Jugend hat wie schon früher erwähnt diesmal eine niemals erreid te Höhe erlangt. Leider sind aber die bis jetzt em^egangenen Spenden an Geld rc. noch sehr unbedeutend und stehen in gar keinem Ver- hältniß zu den sür die würdige Begehung des Festes aus­zuwendenden Kosten. Wir dürfen uns jedoch wohl der angenehmen Hoffnung hingeben, daß sich in den nächsten Tagen noch recht oie'.e Herzen und Hände der Unterstützung der schönen aber höchst mühevollen Aufgabe des Comitä's öffnen werden! Auch die kleinste Gabe ist willkommen!

Jeder der Unterzeichneten ist zur Empfangnahme gerne bereit.

Gießen, den 5. August 1879.

Reallehrer Albach. Stadtverordneter Baist. Bürgermeister Bramm. Reallehrer Dr. Buchner. Lehrer Curschmann. Lehrer Felsing. Lehrer Franz. Stadtverordneter llanetein. Lehrer lung. Turnlehrer Bübeamen. Realschuldirector Soldan. Schulinspector Vigelius. Gymnasiallehrer Dr. Weiffenbach.

W"äS auf alle Hauptplätze von Amerika sind stets rum Tn-_