Ausgabe 
9.2.1879
 
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Petersburg, 7. Februar. Officiell wird aus Astrachan vom 6. d. gemeldet: In Weiltanka und Umgegend ist fein Pestkranker. In Zeltstrennoje ist von den am 3. Febr. verbliebenen 3 Kranken einer am 4. Febr. gestorben, einer genesen und der dritte in Behandlung verblieben. Der Krankenstand in Tschernojarsk ist unverändert. Der Thermometer zeigt in Tschernojarsk 5 Grad, in Jenotajewsk 2 Grad Kälte.

Bukarest, 7. Februar. Das amtliche BlattMonitorul" veröffent­licht das Decret, betreffend die Piäventivmaßregeln gegen die Pest. Dasselbe enthält ein Einfuhrverbot von Provenienzen aus Rußland und Bulgarien conkorm den Wiener Beschlüssen. Correspondenzen und Geld sollen systematisch des- inficirt werden. Der Eintritt zu Lande oder Wasser ist J-dem unterlagt, der seit weniger als 20 Tagen einen inficirten oder verdächtigen Ort verlassen bat. Für Waggons erster und zweiter Claffe auf den Eisenbahnlinien Unqheni- Jaffy und Bender-Galatz ist der Eintritt verboten; Waggons dritter E'affe und Güterwaggons müssen zuvörderst deSinficirt werden. Sch'ff' aus russtsch-n und bulgarischen Häfen unterliegen der Sinitätsrevision und Quarantäne- Maßregeln sammt den daraus befindlichen Personen und Waaren. Pässe der aus Rußland und Bulgarien kommenden Reisenden müssen das Visum eines rumänischen Consuls haben behufs Bestätigung, daß die bez. Personen aus pestsreien Ortschaften kommen. Der letzte Artikel des Decrets tritt acht Tage nach dessen Notificirung in Petersburg in Kraft, die anderen Artikel schon von heute an.

Braunschweig, 7. Februar. Die Verhandlungen der Landtags- Commission über das Regentschafts-Gesetz sind noch nicht beendigt, auch liegt der Schlußbericht noch nicht vor. Nich "essen Eingang wird eine nochmalige Commissions-Sitzung zur endgültigen Feststellung stattfinden. U-brig?ns stad in der Commission wesentliche Meinungsverschiedenheiten gegenüber den An- schauungen der Regierung nicht hervorgetreten. Die Regierungsvorlage wird demnach mit unwesentlichen Veränderungen zur Annahme empfohlen werden.

Wien, 8. Februar. DieWiener Zsttung" veröffentlicht zwei kasserl. Handschreiben, das eine an den Ercherzog Kar! Ludwig, welch-s anläßlich der Pariser Ausstellung demselben volle Anerkennung und wärmsten Dink aus­spricht, und das andere an den Handelsminister Chlumetzky mit gleichem In­halte. Ferner bringt das Blatt eine große Liste von Auszeichnungen für Aussteller

Madrid, 7. Februar. Die Sanitätsb-börde hat für Provenienzen aus dem Schwarzen Meere in allen spa ischen Hälen Qnarantäne aineordn-t; die nämliche Maßregel wird voraussichtlich für Provenienzen aus dem Aegäi- schen Meere verfügt

Lokales.

Gießen, 8. Februar. Ueber das Oefterreichische Damen-Quartett, das bereits am Freitag Abend hier angelangt ist, äußert sich dasWiener Fremdenblatt" wie folqt:

Der gestrige Künstlerabend im Musikvereinssaale brachte dem Wiener Publikum eine Ueberrasckung. Es trat nämlich hier zum ersten Male dasGrazer Damen-Quartett" vor dem Wiener Publikum auf und eroberte sich sofort im Sturme die Gunst des Publikums. Die Künstlerabende werden von der Elite der Gesellschaft besucht; in den ersten Reiben sah man den Ministerpräsidenten Fürsten Auersperg, den Minister Dr. v. Stremayr, die Fürstin Metternich, den Reichssinanzminister u. s. w.

Zum Schluß entnehmen wir noch eine Rccenston aus derAllgemeinen Deutschen Mustk-Zeitung- tDerlin, 31. Januar 1879):

Wiesbaden, 24. Januar. Im hiesigen Kursaal gastirte das österreichische Damen- Quartett; mit Vorführung desielben bat sich die Kurdirection abermals den Dank aller Kunst­freunde gesichert. Wir können die Leistungen desselben mit einem einzigen Prädikatvollendet" bezeichnen. Die Reinbeit der Intonation, der Wohlklang der Stimmen, die feinsinnige Wieder- gäbe gestalten jedes Concert zu einem harmonischen Ganzen. Mit richtigem Takt haben die Damen das Volkslied der verschiedenen Nationalitäten zur eigenen Domäne erwählt, ohne daß ihre weiteren Vorträge (eine Perle ist das Potpeschntgg'sche Abendlied) darunter Einbuße erleiden.

Vermischtes.

Frankfurt, 5. Februar. Wie wir erfahren, bat sich eine Gesellschaft gebildet, um tn der hiesigen Markthalle nach dem in Paris, Brüssel, London und anderen größeren Städten üblichen Systeme öffentliche Versteigerungen abzuhalten. Dem Markte sollen täglich frische Waaren und zwar Seefische, Austern, französisches und italienisches Geflügel, Wildprett, neue Gemüse, Südfrüchte, Eier rc. zugeführt und zwar Alles direct aus den Productionsländern bezogen werden.. In erster Reihe wird dadurch den Detailhändlern, den.Gastwirthen, Restau­rateuren rc. Gelegenheit geboten, ihren jeweiligen Bedarf täglich decken zu können; dann aber entspringt auch aus dieser Einrichtung dem großen Publikum der Nutzen, unter wesentlich wohlfeileren Bedingungen jeweilig Küche und Keller auch mit sogenannten Leckerbissen zu ver­sehen. Sicherem Vernehmen nach werden die täglich unverkauft gebliebenen Waaren sofort nach kleineren Absatzquellen dirigirt, so daß hier stets frische Sachen zur Versteigerung gelangen. Wir können in dieser neuen Einrichtung nur einen großen Fortschritt begrüßen und zweifeln nicht, daß sich das Unternehmen auch bei uns rasch einbürgern wird. Die Eröffnung der Markthalle findet am 10. b Mts. und werden einige Tage später die oben erwähnten Ver­steigerungen ihren Anfang nehmen.

Handel und Verkehr.

Gießen, 8. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter, per Pfd. 7578 H, Hühnereier, per Stück 7 Enteneier, per Stück 8 Käse, per Stück 5 bis

10 H, Käsematte, per Stück 3 Erblen, 1 Liter 20 H, Linsen, 1 Liter 24 H, Tauben, das Paar 85 Hühner, per Stück JL 1.5o, Hahnen, per Stück JL 1.70, Enten, per Stück JL 2 20 H, Kartoffeln, per 100 Kilo JL 5.50-6 50, Zwiebeln, ver Ctr. JL 8-9. Ocbsenfleisch 70-72 H per Pfd., Knh- und Rindfleisch 5660 H, Schweinefleisch 57-60 Kalbfleisch 5060 H, Hammelfleisch 60 65 H.

Theater.

Die am Sonntag den 9. Februar stattfindende Aufführung des effectvollen Schauspiel« Marianne^ wird gewiß von allen Theaterfreunden mit Freuden begrüßt werden, da dies ein gern gesehenes Stück und lange Jahre nicht gegeben worden ist! Die Hauptrollen befinden sich in den Händen der Damen Alberti und Häser und der Herren Lindner 1. und Möge auch diesmal das Stück seine Zugkraft bewähren und wir ein gut besetzte« Haus sehen! p.

Auszug au» den Standesamlsregistern des Standesamts Gießen

Vom 1. bis 7. Februar 1879.

Aufgebote.

1. Februar. Fabrikarbeiter Heinrich Karl Post von Feldkrücken mit Katharine Bäcker. Tochter des verstorbenen Leinwebers Heinrich Becker von Michelbach. 4. Eilenqießer Heinrich Karpf von Ruppertsburg mit Elisabethe Rink, Tochter des verstorbenen Polizeidieners Gwrq Rink von Frankenbach. 5. Der Großherzogliche Hofqerichts-Rath Johann Karl Friedrich Otto Pistor zu Gießen mit Karoline Louise Elisabeths, Wittwe des Directors der Ackerbauschule Or. August Häuster, geborene Helmreich, zu Friedberg, Tochter des zu Mannheim verstorbenen Kaufmanns Hermann Wilhelm Helmreich. 6. Der Regierungshauptcassen-Assistent Friedrich Ludwig Lauer von Tholey mit Marie Becker, Tochter des Post - Secretärs Jacob Becker zu Gießen.

Eheschließungen.

2. Februar. Gendarm Ludwig Scheer von Romrod mit Johannette Karoline Clar, Tochter des zu Gießen verstorbenen Buchbinders Jacob Karl Clar. 4. Lieutenant und Bataillons Adjutant Karl Theodor Berthold Ebel im II. Großherzoglich Hessischen Infanterie­regiment Nr. 116 zu Gießen mit Katharine Sophie Louise, W.ttwe des Secondetieutenants und Bezirks Adjutanten Heinrich Friedrich Karl Julius Rahn, geborene Kornmcffer, Tochter des Großherzoglichen Hofgerichtsraths Theodor Kornmesser zu Gießen.

Geborene.

30. Januar. Dem Staatsanwalts-Substitut Wilhelm Müller, eine Tochter, noch ohne Bornamen 29. Walther, Sohn des Großherzoglichen Professors Ludwig Weiland. 30. Dem Restaurateur Karl Fuhr, ein Sohn, noch ohne Vornamen. 1. Februar. Dem Schneider Jacob Schreine^ ein Sohn, noch ohne Vornamen. 30. Januar. Katharine, Tochter des Schreiners Ludwig Rohrbach. 4. Februar. Margarethe Katharine, Tochter des Arbeiters bei der Ober­hessischen Bahn Ludwig Schmidt VI. 1 Fritz, Sohn des Post-Secretärs Carl Franz Heinrich Kaus. 31. Januar. Adam Philipp, Sohn des Steinhauers Jobann Joseph Wolf. 4. Febr. Minna Franziska, Tochter des Steigers im Braunstetnbergwerk Johannes Muth.

Gewordene.

o . ^bruar. Peter Marx, 75 Jahre alt. 1. Elisabethe Louise Emilie, 4 Jahre

2 ^0^6 9 Sage alt. Tochter des verstorbenen Apothekers Johann Arnold Moritz Theodor Sell 2 Kellner Philipp Becker, 41 Jahre alt. 3. Karl, 4 Monate 14 Tage alt, Sohn des Metzgermeisters Heinrich Georg Meister. 3. Taglöhner Jacob Strack, 36 Jahre 7 Monate 27 Tage alt. 3. Marie Wilhelmine, 8 Tage alt, Tochter des Gepäckträgers bei der Cöln- Minvener Bahn Johann Gottfried Henze. 3. Dem Magaztnsdiener bei der Oberhe!sischen Bahn Balthaser Wleßner ein todtgeborener Sohn. 4. Lehrer Carl Enners, 25 Jahre alt, von Gleiberg, Kreis Wetzlar. 6. Marie Wilhelmine Elise, 6 Monate 27 Tage alt, Tochter des Htlfswarters bei der Oberhessischen Bahn Johannes Diehl. 6. Heinrich Wilhelm Hermann, 6 Jahre 11 Monate 26 Tage alt, Sohn des Güterexpeditionsgehilfen Julius Adolph Gerndt 6. stud. ehern. Karl Flach, 24 Jahre 3 Monate 9 Tage alt.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 2. Februar. Ludwig Scheer, Gensdarm dahier, des verst. Leinwebers in Romrod Ludwig Scheer II., ehel. Sohn, und Johannette Karoline Magen, geborene Clar, des verst. Buchbinders in Worms Jakob Karl Clar, ehel. Tochter.

Den 4. Februar. Karl Theodor Berthold Ebel, Seconde < Lieutenant und Bataillons- Adjutant im II. Großh. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 116 dahier, des Ober-Appellations-und Casiations'Gerichtsraths und Geheim - Raths i. P Friedrich Eitel Moritz Ebel in Darmstadt, ehel. Sohn, und Katharine Sophie Louise Rahn, geborene Kornmesser, des dahier verst. Seconde- Lieutenants und Bezirks-Adjutanten Heinrich Friedrich Karl Julius Rahn, Wittwe.

Getaufte

Den 1. Februar. Dem Gepäckträger an der Cöln« Mindener Bahn Johann Gottfried Henze, eine Tochter, Marie Wilhelmine, geb. den 27. Januar.

Den 2. Februar Dem Schneidermeister Wernhard Brück, ein Sohn, Maximilian Karl, geb. den 23. November.

Denselben. Dem Bierbrauer Aloys Blum, em Sohn, Heinrich, geb den 16. Januar.

Denselben. Dem Bterverkäufer Christian Noll III., eine Tochter, Emilie Julie, geb. den 9 September.

Denselben. Dem Güterexpeditions-Gehilfen Julius Adolf Gerndt, eine Tochter, Karo­line Laura, geb. den 27. December.

Denselben. Dem Bergmann Johannes Roth, ein Sohn, Karl, geb. den 29. Juni.

Den 6. Februar Dem Wirth Johannes Thoma, eine Tochter, Ernstine Marie Mar­garethe, geb. den 2. Januar.

Den 7. Februar. Dem Wirth Wilhelm Hofmann, ein Sohn, Jean Wilhelm, geb. den 31. December.

Beerdigte.

Den 4. Februar. Philipp Becker, Lohndiener dahier, des verst. Maurers in Alt-Buseck Kaspar Becker, ehel. Sohn, alt 41 I 5 M 13 T, gSst. den 2. Februar.

Den 7. Februar. Karl Enners, Lehrer in Grcnzhausen, des zu Obergleen verst. Lehrers Ludwig Enners, ehel. Sohn, alt 25. I., gest. den 4. Februar.

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