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Sonntag, den 9. Februar
1879
Nr. 34
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«xpedittsnsbureaur f Schulstraß-S. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenr-Bureau.
Berlin, 7. Februar. Die morgen nach den von der Pest ergriffenen russischen Gebielstheilen abretsenden Acrzte Hirsch, Sommerbrod und Kühner begeben sich von Warschau über Moskau direct nach Zarizin; erst auf russischem Boden erhalten dieselben einen deutschen Consularbeamten zugetheilt. Der Rückkehr der Aerzte wird erst gegen Mitte bis Ende nächsten Monats entgegengesehen.
Rom, 7. Februar. Deputirtenkammer. Auf eine Anfrage Ntcoteras erwiderte Ministerpräsident de Pretts: Alle Maßregeln gegen die Pest seien getroffen, die Nachricht von dem Ausbruch derselben in Salontchi sei unbegründet. — Anläßlich des Sterbetages des Papstes Pius IX. wurde in der sirttnischen Capelle ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten, welchem der Papst, die Cardinäle, sämmtliche kirchliche Würdenträger, die Botschafter und viele andere hochgestellte Personen beiwohnten.
Bukarest, 7. Februar. Der Minister des Auswärtigen, Camptneano, ging den Berathungen des Senats in ausführlichster Weise auf die Frage der Juden-Emancipation ein, wobei er hauptsächlich geltend machte, daß die politische Lage des Landes die politische Gleichstellung der Juden zu einer unabweisbaren Nothwendigkeit mache.
Berlin, 7. Februar. Die von der national-liberalen Partei zum Generalbericht der Budget-Commission des Abgeordnetenhauses vorgeschlagene Resolution bezüglich des Eisenbahnwesens ist von Lasker, v. Benda, v. Sybel, Hammacher und Lauenstein unterzeichnet und lautet: Das Haus erklärt, daß, unbeschadet der Frage, ob und in welcher Weise das Staatsbahn-System über seinen bisherigen Umfang auszudehnen sei: 1) die derzeitige Lage der Staatsfinanzen nicht gestattet, auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens mit Unternehmungen vorzugehen, bei welchen die Rentabilität nicht genügend gesichert ist; 2) es dringend erforderlich ist, die Ziele und Grundsätze der Etscnbahnpolillk der Regierung klar darzulegen und eine Verständigung darüber zwischen Lanc tag und Regierung herbeizusühren.
Deutschland.
Darmstadt, 7. Februar. In der heutigen (II.) Sitzung der zweiten Kammer der Stünde wurde, unter Aussetzung der Budgetverhandlungen, zur Berathung über die Vorlage Großh. Ministeriums der Justiz, den Gesetzentwurf, die Ausführung der deutschen Civtlproceß Ordnung und Concurs-Ordnung betr., geschritten, und die erste Lesung des Entwurfs beendet. Derselbe wurde mit einer Reihe vom Ausschuß beantragter Abänderungen und Zusätze im Wesentlichen in der von der Regierung vorgelegten Fassung angenommen.
Darmstadt, 7. Februar. Wie man hört, beabsichtigt die Regierung demnächst eine Vorlage zu machen, durch welche die Compeienzen der Mtni- sterial-Sectionen sür das Innere und der Justiz gesetzlich geregelt werden sollen. — Desgleichen ist der Erlaß eines Hausgesetzes in Aussicht genommen. _ Der Finanzausschuß hat seinen Bericht über den Verkauf der Main- Weser-Bahn soweit ferttggestellt, daß die Berathung im Laufe der nächsten Woche stattfinden kann.
Berlin, 5. Februar. Der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Handelsfreiheit hat heute dem Präsidenten der Tarif-Commission, Herrn v. Varnbüler, eine Anzahl Exemplare einer Abhandlung übersandt und die Bitte daran glknüpst, daß dieser Herr die Schrift seiner Aufmerksamkeit würdigen und unter die Mitglieder der Taris-Commission vertheilen möge. Die Arbeit, welche die Nr. 4 „der Mtttheilungen des Vereins" bildet, führt den Titel: „Deutschlands Getreideverkehr mit dem Auslande" (Berlin bei Simiov). Sie gibt auf dem geringen Raume von 19 Seiten in sorgfältig ermittelten Zahlen die ganze Entwicklung des Getretdeverkehrs in den letzten 40 Jahren und führt mittels dieser Zahlen den unwiderleglichen Beweis, daß Deutschlands gesteigerte Ernährungsbedürfniffe ohne Zufuhr vom Auslande nicht mehr befriedigt werden können, daß also Vertheuerung des Lebens und Entbehrung die unvermeidliche Folge eines Getreidezolls sein muß. Der objektive Ton, die genaue Ermittelung und Zusammenfassung der Zahlen, sowie die knappe Darstellung machen diese Abhandlung zu einem classtschen Muster wirth- schastlicher Beweisführung. Sie gipfelt in dem Schlüsse: der Zoll auf Getreide nähere sich dem Ideal einer Abgabe, wie sie nicht sein soll. (Köln. Ztg.)
Berlin, 6. Februar. Wie wir hören, hat die national.ltberale Fraktion in ihrer heutigen Vormittags-Sitzung beschlossen, den von der Budget- Commission zum Generalbericht über den Staatshaushalts-Etat 1879/80 gestellten Antrag, die Regierung möge von dem Ankauf von Vollbahnen Abstand nehmen, abzulehnen. Heute Abend wird sich die national-liberale Fraction über einen anderen Antrag schlüssig machen, dessen Redaction den Abgg. Lasker und Benda, Rickert und Hammacher übertragen ist.
— Es bestätigt sich von Neuem, daß der Bericht der Eisen-Enquete- Commisfion noch nicht dem Bundesrathe zugegangen ist. Doch steht außer Zweifel, daß er in diesen Tagen zur Persection gelangt. Wie wiederholt versichert wird, werden in demselben keine bestimmten Anträge für die Einführung des Zolls gestellt. In eingeweihten Kreisen verlautet indessen, daß die Fassung des Berichts eine sür diesen Zweck günstige ist, auch wird angenommen, daß im Bundesrathe die Einführung des Etsenzolls eine Majorität findet.
— Bezüglich des internationalen Vertrages über den Etsenbahn-Fracht- verkehr haben die Bundesausschüsse vorgeschlagen: „Der Bundesrath wolle stch damit einverstanden erklären, daß vorbehaltlich der Ratificationen und abgesehen von den durch die wetteren Verhandlungen etwa nöthtg werdenden Modifikationen auf der Grundlage der vorgelegten Entwürfe und unter thun- l'chster Berücksichtigung der von den Ausschüssen empfohlenen Aenderungen Namens des deutschen Reiches ein Vertrag mit den übrigen in der Berner Konferenz vertreten gewesenen Regierungen abgeschlossen werde." Die Versammlung faßte über die wüvschenswerthen Aenderungen vorläufig Beschluß, bat sich aber die Schlußabstimmung noch sür eine der nächsten Sitzungen Vorbehalten.
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Stuttgart, 6. Februar. Abgeordnetenkammer. Für die heutige Verhandlung des Antrags von Ebner und Gen. (Volkspartei und Ultramontane), die Regierung zu ersuchen, dem Gesetzentwurf, betreffend die Strafgewalt des Reichstages, im Bundesrathe nicht zuzustimmen, stellen Schmidt und 42 Gen. (Regierungspartei und deutsche Partei) den Gegenantrag, „in vertrauensvoller Erwartung, der Reichstag werde das für die Redefreiheit der Mitglieder nöthige Maß constitutioneüer Rechte und Garantien selbst aufrechterhalten aus Tageso^nung.^ nntgetheilte Antrag Schmidt auf motivirte Tagesordnung wird mit
55 gegen 22 Stimmen angenommen; Ministerpräsident v. Mittnacht erklärt, die Regierung überlasse es der Kammer, ob sie sich in der Sache auösprechen wolle. Die Regierung könne über ihren Standpunkt jetzt nichts mittheilen und werde jedem Beschluß der Kammer mit Achtung begegnen Sie habe ihren Vertreter so instruirt, wie sie es dem Lanvestntereffe entsprechend erachte und nach Austrag der Sache vor der Landesvertretung verantworten zu können glaube Die Möglichkeit, mit 14 Stimmen eine Verfassungsänderung im Bundesrathe zu hindern, sei eine schwerwiegende Waffe, deren Handhabung sorgfältig zu erwägen sei. Er glaube, daß auch in dieser schwierigen Frage die hochgehenden Wogen sich wieder glatten und eine Uebereinstimmung unter den maßgebenden Factoren hergestellt werde.
Oesterreich.
Wie», 6. Februar. Meldungen der „Polit. Eorresp." Aus Triest vom 6. d. Der heute aus Konstantinopel mit 29 Passagieren eivgetroffene Lloyd-Dampser „Appollo" wurde zu 24stündtger Beobachtung in Quarantäne gelegt. Ein anderer heute fälliger Lloyd-Dampfer, der die thestaltsche Linie befährt und Salonichi berührt, dürfte eine mehrtägige Quarantäne halten wüsten. — Aus Konstantinopel, 5. d. Der Ministerrath genehmigte den in seiner Gesamwtheit endgültig vereinbarten türkisch - rusfischcn Friedensvertrag und beschloß, dem Sultan die Ratification des Vertrages nach erfolgter Unterzeichnung destelben zu empfehlen. Im Hinblick auf die bevorstehende Räu- mung Adrianopels Seitens der Rusten hat die Pforte eine Commission eingesetzt, welche die Retnstallirung der türkischen Civilverwaltung in Rumelien vorbereiten soll.
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Gießen, am 3. Februar 1879.
Betreffend: Die vierte Auflage von Dr. F. G. Kapffls illustrirten Feuerlösch-Regelu, herausgegeben von W. Kitz in ger in Stuttgart- Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir benachrichtigen Sie, daß derRedacteur der deutschen Feuerwehr-Zeitung, W. Kitzinger zu Stuttgart, von dem Werke „Dr. g. G. KaPffs illustrirte Feuerlöschregeln für Jedermann" eine neue (die vierte) Auflage mit 125 Holzschnitten herausgegeben hat. Ter Preis eines broschtrten Exemplars dieses Werkes ist aus 2 80 , eines gebundenen Exemplars auf 3 Jl. 40 festgesetzt, bei Abnahme einer größeren Parthie tritt eine erhebliche
Ermähigemgfeim Großherzoglichen Ministeriums des Innern machen wir Sie auf diese gediegene und reichhaltige Schrift aufmerksam und
empfehlen Ihnen deren Anfchaffung.
Dr. Boekmann.
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Anzeige- uni Amtsblatt für den Kreis Gießen.
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