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Samstag den 8. November

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ichener Anzeiger

Schulstraße B. 18.

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durchzusetzen ist.

Ferner hat der VereinConcordia" sich zur Ausgabe gestellt, regelmäßige Berichte über die Preise der Wohnungen und der sür die Arbeiter wichtigsten Lebensmittel bet dem üblichen Bezüge im Kleinen und über die Höhe der Arbeitslöhne in den verschiedensten Gegenden zu veröffentlichen. Es soll damit eine wünschenswerthe Ausgleichung aus dem Arbeitsmarkte herbeigesührt wer­den, da die Erwerbslosigkeit in Folge zeitweiligen Arbeitsmangels meist local ch. Zur Durchführung dieses Planes hat sich der Verein an sämmtltche

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Fabrtk-Znspectorcn (Gewerberäthe) und Städte mit der Bitte gewendet, ent- sprechend ausgearbeitete Tabellen auszufüllen. (Be"l. Tgbl.)

Berlin, 5. Novbr. Die durch den Zolltarif eingcführten neuen und erhöhten Eingangszölle machen, wie dies aus dem Staatshaushalis-Etat pro 188081 ersichtlich, eine verstärkte Bewachung der Grenzen gegen das Zoll- ausland und eine Vermehrung des zur Revision und Abfertigung der ein- geh°nden Maaren angestellten Beamtenpersonals erforderlich; es sind hierfür vorläufig 787,769 Mk. mehr angesetzt. Die in Kraft getretenen Holzzolle, sowie die am 1. Januar 1880 eintretenden Zollerhöhungcn, ingleichen die Ausführung des Tabaksteuergesetzes werden eine wettere Verstärkung des Be- amtkiw-rso-ials nothwcndig machen; die Besoldungen hierfür sind nach den angestellten vorläufigen Ermittelungen auf 300,000 Mk. fixirt worden. Im Ertraordinariu .i werden 100 000 Mk. zur Beschaffung neuer Waffen für das Grenzaussichtspersonal gefordert mit der Motivirung, daß die seit über 40 Jahren in Gebrauch befindlichen Schußwaffen der Grenzaufsichtsbeamten in veralteten P-rcussionsgewehren und Pistolen bestehen, die den Beamten »et Ausübung ihrer Dienstes den erforderlichen Schutz und die nothwcudtge Auto- rität zu gewähren nicht mehr geeignet sind. Als Einnahme im Etat figu- riren 180,000 Mk. als Entschädigung sür die durch die Statistik des Maa- renverkchrs mit dem Auslande erwachsende» Kosten. Nach dem betreffenden Reichsqejetze wird vom 1. Jauuar 1880 ab sür die im deutschen Zollgebiet zur Ein- und Ausfuhr gelangenden Maaren eine statistische Gebühr erhoben werden, deren Ertrag tu Preußen zu etwa 270,000 Mk. jährlich zu veran­schlagen tst. Die Entrichtung der Gebühr soll durch Verwendung von Reicho- stempelmark-ii erfolgen, deren Debit wahrscheinlich die Postverwaltung über­nehmen würde. - Was die Tabaksteuer betrifft, so steht zu erwarten, daß das Soll der Steuer in Preußen sür die Ernte von 1880 die Hohe von etwa 800,000 Mk. erreichen wird. Die für Branntwein zu gewerblichen Zwecken, namentlich zur Essigfabrication zu bewilligenden Bontficationen, worüber bekannt»» ein Reichsgesetz in der letzten Retchstagssesston erlaffen wurde silid von der vom Bundesrath einberusenen Enquete-Commisston zu sährlich 1,440,000 Mk. für das Gebiet der Branntweinsteuer-Gemeinschaft veranschlagt. Davon fallen nach dem Verhältnisse, in welchem bisher Essig aus Branntwein bereitet worden ist, auf Preußen die von ihm zu entrichten­den Bonificationen, im Etat mit 956,764 Mk. angesetzt.

Berlin, 5. Novbr. Die Verwendung von Tabak-Surrogaten, welche bekanntlich durch das neue Gesetz über die Tabaksteuer verboten ist und nur in Ausnahmefällen von dem Bundesrath unter Bestimmung der nöthigen Eon- trole gestattet werden darf, hat Seitens des Bundesraths sehr umsaffende Erhebungen veranlaßt und schließlich dazu geführt, daß sich die Bewilligung für setzt aus Kirsch- und Weichselblätter beschränken soll. Ferner soll der Ab­gabensatz sür die Surrogate mit 65 Mk. sür 100kg normirt werden, so daß die Befürchtung einer Ausdehnung der Surrogate bei höherer Belastung des inländischen Tabaks ausgeschloffen wird. Bezüglich der Conttole der Surrogat- Verwendung bei der Tabaksabrication sollen die Vorschriften, welche im Anschluß an dos Brausteuergesetz vom 31. Mai 1872 erlaffen sind, analog zur Anwen­dung kommen. Es tst dem Bundesraihe zur Beschlußnahme ein Entwurf von 7 Paragraphen vorgelegt, welcher sich im Wesentlichen an die letzterwähnten Vorschriften anfchließt, jedoch die Verarbeitung von Surrogaten nur sür solche Fabriken gestattet, welche jährlich mindestens 100kg solcher Stoffe verwenden. Es sollen von diesen Surrogaten 2 bis 5 pCt. bei der Fabrtcation von Rauchtabak verbraucht werden, so daß bet einer Annahme von 5 pCt. ein mit 100kg vermischtes Fabrikat eine Gewichtsmenge von 2000kg darstellen. Der Entwurf schlägt vor, daß die Abgabe auf dem Wege der Centirung, verbunden mit vierteljährigen Bestandsansnahmen, ermittelt und vierteljährlich entrichtet werden soll.

Schweiz.

Bern, 1. Novbr. Wie man soeben an« Göschenen meldet, hat gchern Morgen 8 Uhr 45 Min. der Richtstollen auf der Nordseite des großen Gott- hardiunnels reffen Mitte, im Profil 7460 Meter, erreicht. Es ist dies eine Nachrichl, welche wohl auch im fernen Norden Deutschlands mit Jntereffe entgegengenommen werden wird. Aus das Bestimmteste versicher man jetzt, daß der ganze Richtstollcn noch bis Ende dieses Jahres vollendet sein wird und die letzte Scheidewand zwischen Nord- und Südseite zur Sywesterfeier in nächster Neujahrsnacht Schlag 12 Uhr fallen soll. Gewiß eine Sylvesterfeier seltener Art!

> England.

London, 4. Novbr. Der November hat einen kalten Einzug gehal- tpn im nördlichen England *nb in Schottland gar mit Schnee. Doch scheint da«'winterliche Wette/den Scher, bei der alljährlichen M-r des Vorabend von Allerheiligen in Balmoral nicht gestört zu haben. Die Königin wohnte dieser Keier wie gewöhnlich mit der Prinzessin Beatrice und ihrem G s g B ( Gegen 300 Leute nahmen nach altschottischer Weise an dem Theil. Ein mächtiger Schetterhausen war errichtet; abenteuerliche Gestalten,

"ratbunq sind denn, mit Wiflen und Zustimmung Puitkamer's, die Dementi- ruugen tu derPost", derNordd. Allg. Ztg." u. A. erschienen; v. P»ttkamer selbst war zu der Überzeugung gekommen, daß er selbst mehr gesagt, als lm jntereffe des Auswärtigen Amtes liege; das große Aufsehen aber, welches sein Auftreten beim Reichskanzler und den andern Ministern gefunden, hat Herrn v. Puttkamer veranlaßt, feine Entlastung beim Kaiser einzurelchen und sich zur Verfügung zu stellen. Der Kaiser aber hat sie nicht angenommen, weil man von de» Gesichtspunkte ausgeht, daß-der gegenwärtige Moment, wo eben die Kammern zusammengetreten sind und bei der Unklarheit m hrer ffusammens.tzung nicht die rechte Zeit sei, um einen Mtnisterwechsel eintrete., jii lassen. Doch gilt die Stellung des Ministers überhaupt bi RegierungS- kreisen sür ganz unhaltbar.

__ Der Herzog von Cumberland macht wieder von sich reden. Erne anscheinend offictöse Notiz meldet nämlich Folgendes: Die Königin von Däne­mark und die Exkönigin von Hannover haben ihn bearbeitet, sich wenigstens die Thronfolge in Braunschweig zu sichern; der Herzog von Braunschweig soll ihn nämlich, so ist der Plan, als Mitregent annehmen; der Herzog von Cumberland aber soll die Erklärung abgeben, daß er dem Reichsgeseß unbe- vingr und ganz und gar gehorsam sein wolle und aus die Nachfolge m Han­nover nur dann seine Ansprüche wieder aufleben lassen wolle, .wenn Fürsten und Völker die Wiederherstellung Hannovers beschließen." Nun, daraus kann ote R^ierung wohl eingehen, denn erstlich wird dies nie der Fall sein, und wenn es wäre, könnte Bismarck auch nichts dagegen thun.

Der VereinConcordia" hat in seiner letzten Central-Ausschußgtzung beschlossen, bezüglich des wichtigsten Punktes seines Programmes einen Schritt vorwärts zu thun und die freiwillige Versicherung der arbeitenden Klosse in möglichstem Umfange anzuregen. Man geht davon aus, daß der Trieb des Arbeiters, sich sreiwillig zu versichern, leider nut gering sei. Im Jntereffe der Herbeiführung einet gtößeten Betheiligung mürbe es liegen, den Versicher- ten eine gewiste Prämie dadurch zu verleihen, daß Seitens der Commune den Censiten der untersten Steuerstufen ein entsprechender Steuernachlaß in Aussicht gestellt wird. Sie müßten jedoch eine Beiheiligung an einer von der Commune anerkannten Pensionskaste nachweisen. Der Verein hat sich mit sämmtlichen Städten Deutschlands in Einvernehmen gesetzt und Mittheilung ihrer Ansichten resp. Emschlüste erbeten. Denselben wurde dargethan, daß der Steuernachlaß ein höherer sein müßte, wenn die Pensions-Versicherung mit einer Wittwen- und Waisen-Verstcherung verbunden sei. Gerade die Unter­stützung der Wittwen und Waisen bildet einen Haupiposten der städtischen Armenbudgets. Vielleicht könnte es auch erreicht werden, eine allgemeine aus Gegenseitigkeit beruhende Arbeiter-Versicherung in's Leben zu rufen, zu welcher die Arbeitgeber eine entsprechende Quote des Beitrages ihrer Arbeiter zu- schösten und letzteren selbst vorschußweise auszahlten. Der Verein ist der An­sicht, daß ein solches Opfer Seitens der Stadt nicht gescheut werden dürfe, weil der auf der einen Seite entstehende Ausfall jedenfalls bald doppelt und dreifach durch Ersparnis im Armenbudget eingebracht würde. Zu dem Zwecke ist eine Commission eingesetzt worden, um eingehende Vorschläge zu machen, in welcher Weise eine allgemeine Arbeiter-Versicherung anzuregen, resp.

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Deutschland.

Darmstadt, 6. Novbr. Seine Großberzogliche Hoheit der Prinz Alexander nebst durchlauchtigster Gemahlin sind auf Einladung Ihrer Maj. der Kaiserin von Rußland h.ute mittelst des Ftuhzuges der Hesfffchen Lud- Ägsbahn nach Cannes a63ete.fi. Höchstdieseiben werden einige Wochen da-

' ' ' " ' . PreiK vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerlohn.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MorttagS. 2)ur$ bie Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50

Berlin, S. Novbr. Neber die famose Rede des Herrn v. Puttkamec in Essen erfährt ein hiesiger Korrespondent desRhein. Kur." noch einzelne nicht uninter.ffante Details: Di-ie Rede hat in allen Regieru ^sk-esen und auch b-im Reichskanzler das allgemeinste Aufsehen erregt; man hat nicht nur eine Taktlosigkeit in derselben gesunden, sondern auch eine Überschreitung der Befugnisse des Ministers, weil beschlvffen worden «ar, über die Vorgänge, welche sich an die Wiener Abmachungen schließen, das strengste Geheimuch zu bewahren, und weil andererseits auch der Zeitpunkt noch nicht sür gekommen erachtet wurde, darüber beglaubigte und osstcielle Offenbarungen zu machen. Man wollte sich die Hand frei behalten, um die bisher durchgesickerten , auch officiösen Nachrichten zu dementiren, wenn es im Jntereffe des Staates läge. Fürst Bismarck hat deshalb sofort nach Bekwtntwerden der Effener Rede an q rri. Iben Grafen Stolberg telegraphirt; in Folge dessen trat sofort ein Mwister- 29 Tath zusammen, um zu berathen, was zu thnn sei. Als Etgebn.ß der Be-

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