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mündliche Verhandeln vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, zurückweisen (eine Bestimmung gegen die Winkeladoocatur). Wenn eine bet der Verhandlung belheiiigte Person aus diesen Gründen oder zur Aufrechterhaltung der Ord­nung entfernt worden ist, so kann in ihrer Abwesenheit weiter verhandelt werden.

Ueber die ganze Verhandlung nimmt der Gerichtsschreiber ein Protokoll auf, welches alle wesentlichen Punkte enthalten muß. Es wird den Parteien vorgelesen oder vorgelegt, und darunter bemerkt, daß dies geschehen und Ein­wendungen nicht erhoben sind. Das Protokoll wlrd vom Vorsitzenden und dem Gerichtsschreiber (nicht von Rechtsanwälten und Parteien) unterschrieben.

Deutschland.

Berlin, 5. Octbr. Die amerikanischen Commisiace, welche von ihrer Regierung hierher gesandt worden, um eine anderwette Gestaltung der mit Deutschland bestehenden Verträge über den Austausch von Postanweisungen anzubahnen, haben sehr eifrig alle postalischen Einrichtungen in Augenschein genommen und dabet ein besonderes Entgegenkommen der dieffeitigen Postbe­amten gefunden. Die erwähnten Vertragsverhandlungen nehmen einen raschen Fortgang und werden zur Beseitigung mancher im bisherigen Verkehr hervor- getretenen Schwierigkeiten führen. Die Umgestaltung des Berliner Zeug­hauses in eine Waffen- und Ruhmeshalle beginnt bereits Gestalt zu gewinnen. Der Ausbau der inneren Räume wird sichtbar gefördert und das Erdgeschoß beginnt man bereits für das Artillerie-Museum herzurtchten. Täglich wird dort die Aufstellung von Geschützen vorgenommen, welche in histo­rischer Reihenfolge angeordnet ist. Gleichzeitig ist seit einigen Tagen die be­sonders eingerichtete Zeughausverwaltung thättg, an deren Spitze der Oberst­lieutenant Ising steht, während der Profeffor Weiß, als Nachfolger des verstorbenen Georg Hiltl, mit der Anordnung der Waffensammlungen betraut ist. Die Entwürfe und Zeichnungen werden eifrig in dem Bureau der Com­mission angefertigt, um bet seiner Rückkehr dem Kaiser unterbreitet zu werden, welcher bekanntlich der Zeughaus-Angelegenheit ein besonders reges In­teresse widmet.

Das Reichspatentamt hat kürzlich entschieden, daß Veröffentlichungen in Druckschriften des In- und Auslandes in deutscher oder fremder Sprache, welche vor der Anwendung einer Erfindung erfolgt sind, der Patentertheilung unbedingt entgegenstehen, und dies auch besonders von gedruckten Patent­schriften des Auslandes gilt, zumal Veröffentlichungen auswärtiger Patent­ämter unbedingt als öffentliche Druckschriften im Sinne des Patentgesetzes an­zusehen sind.

Berlin, 5. Octbr. Unter Benutzung des Siemens'fchen Fernsprechers sind bei ter deutschen Telegraphen-Verwaltung bis jetzt schon 685 Orte an das Telegraphennetz angeschloffen worden. Die Entfernung, auf welcher eine zuverlässige Uebermiltlung von Depeschen noch möglich ist, beträgt etwa 75 km. Welch' ausgedehnte Verwendung würde dieser wunderbare Apparat wohl er­langen, wenn mit demselben eine unmittelbare mündliche Verständigung auf größere Entfernungen gelingen sollte? Den auf die Vervollkommnung der Fernsprech-Einrtchtungen gerichteten Bestrebungen hat die Reichs-Telegraphen- Verwaltung seither die größte Aufmerksamkeit zugewandt; dieselbe will weitere Bestrebungen, welche darauf gerichtet sind, mittelst des Fernsprechers Entfer­nungen von 50 bis 100 Meilen zu überwinden, nicht nur durch Gestattung von Versuchen auf den vorhandenen Telegraphenleitungen, sondern bei entschie­den günstigem Erfolge auch durch Gewährung angemeffener Belohnungen unterstützen.

Aküdesheim, 5. Octbr. Der Vorstand desKathol. Männervereins" erläßt imRhemgauer Boten" folgende Erklärung: Unterzeichneter Vorstand desKathol. Männervereins" erklärt es auf Grund der theils spärlichen, theils gewiffenlosen Abstimmung der Mitglieder am 30. Septbr. mit feiner Ebre und Stellung unvereinbar, noch fernerhin denKathol. Männeroerein" zu leiten. Wir sind nach dieser bedeutungsvollen Wahlschlacht Feldherrn gleich, die von ihrer Armee verlassen, verrathen und verkauft werden. Lieber gehe der Verein unter, als daß er schmachvoll weiter existtre. Die Schuldi­gen mögen es verantworten, daß unsere heilige Sache hierorts Roth leidet und untergeht. Im Bewußtsein, unsere Pflicht als Vorstand nach bestem Vermögen gethan zu haben, aber der elenden Charakterlosigkeit und der feigen Menfchenfurcht dermalen nicht gewachsen, lösen wir mit dem Wunsche, daß bevorstehende Nöthen noch zeitig zur Erkenntniß führen möchten, hiermit den Verein auf. Zur Regulirung der Vermögens-Angelegenh.it des Vereins wlrd demnächst eine Besprechung anberaumt und nach § 12 der Statuten ver­fahren werden.

Rüdes heim, den 1. October 1870.

E. Siering, Präsident. I. Welcker, Vicepräsident.

Amerika.

New-Jork, Der Kamps, welchen die Bundestruppen mit den India­nern in Colorado gehabt haben, begann, nach ausführlichen Berichten, am Morgen des 29. September in Mill Creek in der Uti-Reservation. Die auf dem Marsche zum Entsätze der lange bedrohten White-River-Agentur befind­lichen Truppen entgingen mit knapper Roth der Gefahr, in einer tiefen Schlucht in einen Hinterhalt zu fallen. Sie wurden später von den Jndia- nein umzingelt. schlugen sich aber durch, wobei Major Thurnburg getödtet wurde. Der Kampf dauerte den ganzen Tag hindurch und die Truppen unter dem Commando des Hauptmanns Payne benutzten die Waggons und tobten Thiere als Brustwehren. Die Zahl der gelödteten Weißen beträgt 17, der Verlust der Indianer ist nicht so groß, wie anfänglich gemeldet wurde. Das Gewehrfeuer verstummte beim Einbruch der Nacht. Hauptmann Payne hat eine befestigte Stellung eingenommen und hofft im Stande zu sein, bis zur Ankunft der von Rawlins an der Pacific-Eisenbahn, 100 km nach Norden, im eiligen Anzuge befindlichen Verstärkungen Stand halten zu können. Man fürchtet, daß sämmtltche Mitglieder der White-River-Agentur niedergemetzelt worden sind.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. Correspondenz - Bureau.

München, 6. Octbr. Die Kinder des deutschen Kronprinzen sind in Begleitung des Hofmarschalls Graf Eulenburg heute früh 8 Uhr hier einge- troffen und um 9 Uhr 10 Mtn. mit dem Kronprinzen nach Italien abgereist. \

Das preußische Gesandtschaftspersonal und der Polizeipräsident waren am Bahnhof anwesend. Mittelst desselben Zuges reiste der päpstliche Nuntius Roncetti mit seinen Secretären ab.

Berlin, 6. Octbr. Der Vicepräsident des Staatsministeriums Graf Stolberg ist gestern wieder hier eingetroffen und hat den gestern und heule stattgehabten Sitzungen des Staatsministeriums beigewohnt. Fürst Bismarck und Gemahlin begaben sich heute Nachmittag nach Potsdam, um dem Staats- secretär Minister v. Bülow einen Besuch abzustatten.

Der französische Botschafter in Petersburg, General Chanzy, ist gestern Nachmittag vom Fürsten Bismarck empfangen worden und Abends nach Petersburg weitergeretst.

Ottawa, 6. Octbr. Durch eine Verordnung des General-Gouver­neurs von Canada werden die belgischen Schiffe von den beschränkenden Be­stimmungen der canadischen Küstengesetze entbunden, da auch die britischen Schiffe zum belgischen Küstenhandel zugelaffen sind.

Kopenhagen, 6. Octbr. Der Reichstag wurde eröffnet und die früheren Präsidenten der beiden Kammern als solche wiedergewählt.

London, 6. Octbr. Meldung des Reuter'schen Bureaus aus Simla: Der Gouverneur von Jellalabad hat dem General Gough seine Unterwerfung angezeigt. Ein Expedtttonscorps unter Oberst Zytler, bestehend aus 3 Reiter­regimentern. 2 Fußregimentern und Artillerie, ist bestimmt zur Züchtigung der Ausschreitungen der Zymucks und Orukzais.

Standard" erfährt: In Folge der ernsten Situation in Mandalay und der augenscheinlichen Gefahr des dortigen britischen Vertreters ersuchte das indische Amt die Admiralität, einige Kriegsschiffe in Rangun zu stationiren.

Daily News" äußert die Vermuthung, der heutige Cabinetsrath werde die Rathsamkeit einer Einberufung des Parlaments vor Weihnachten discutiren.

London, 6. Octbr Osficielle Meldung aus Simla vom 5. ds.: General Roberts wurde gestern in Folge Mangels an Transportmitteln in Zahidabad zurückgehalten; derselbe rückt heule biö Charasaib, einen Tages­marsch von Kabul, vor.

Petersburg, 6. Octbr. Die russischeSt. Petersburger Zeitung" meldet, dieser Tage habe die Polizei eine geheime Druckerei in einem Hause in Petersburg entdeckt. Die Verbrecher seien auf frischer That bei dem Setzen einer verbotenen Brochüre betroffen. DieNeue Zeit" meldet, der Finanz- Minister beabsichtige, in kürzester Zeit die ausländischen Jmportwaaren von der Stempelung und Plombtrung zu befreien.

New-Aork, 6. Octbr. In Folge eines heftigen Sturmes scheiterten bei Tobasco an der mexikanischen Küste folgende Schiffe:Helgoland" (nor­wegisch),Elisa Esonch" (deutsch),Amelia" (holländisch),Grijaloa" (dä­nisch),Lawrence" undMelaine" (französisch).

Lokales.

Giestcn, 7. October. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag den 9. Oktober 1879, Nachmittags 4 Uhr, tm alten Nealschul- gebäude:

1 Die Reorganisation der höheren Mädchenschule in Gießen.

2. Die Anstellung eines Forstwarten für die Forstwartei Wieseck-Hangelstein.

3. Straßenanlagcn zwischen Neuenweger Thor und Wallthor.

4. Den Canal zwischen dem Clubgebäude und dem Hause des Ferdinand Burkhardt betr.

5. Gesuch des Louis Petri III. um käufliche Ueberlassung von städtischem Gelände.

6. Gesuch des Balthasar Schmidt II. um käufliche Ueberlassung von städtischem Gelände.

7. Expropriationsversahren gegen IeremiaS Friedel s Wittwe.

8. Gesuch des Jacob Steinbach um Erlaubmß zur Erbauung eines Nebengebäudes.

9 Gesuch des Louis Kauf um Crlaubniß zur Errichtung eines Spalters.

10. Gesuch wegen Rückvergütung vorausbezahlter Communalsteuern.

Gießen, 7. October. Die Jury für die Beurteilung der hervorragendsten Leistungen auf der Landcs-Gcwerbe Ausstellung in Offenbach hat nachstehenden Finnen aus Gießen und der Provinz Obcrhcffcn folgende Prämien zuerkannt:

». Goldene Medaille r

Gebrüder Buderus, Main-Weser-Hütte bet Lollar.

b. Silberne Medaille r

Hermann Bücking Söhne, Zeugweberet in Alsfeld

A. Finger & Co-, Preßspan, Pappen- und Jacquardkarten-Fabrikanten in Lauterbach.

Georg Langheinrich, Fabrikant von Leinenwaarcn in Schlitz.

Dr. Hugo v. Ritgen, Geh. Baurath und Profeffor in Gießen.

e. Broncene Medaille r

Gg. Dietrich Bücking, Leinrnfabrikant in Alsfeld.

Georg Collmann, Bierbrauer in Alsfeld.

Droescher & Simon, Mineral- und Farbmühlen-Bttrieb, Gießen.

Heinrich & Boeing, Fabrik feuerfester Steine in Bad Rauheim.

Heyligenstaedt & Co., Werkzcugfabrikanten tn Gießen.

LouiS Loh, Gcrder tn Gießen.

Ernst Mohrmann, Gießen (Hufeisen und Gerälhr für den Hufbeschlag).

Ottens & Jughardt, Leinen und Baumwollen-Wrberet in Gießen.

Carl Stückrath, Mechanische Bautischlerei in Gicßen.

Wilh. Zurbuch, Lack- und Firnißfabrik in Gießen.

d. Ehrenvolle Erwähnung r

Fr. Baumann, Uhrmacher in Gießen.

Äug. Dickore, Büchsenmacher in Gießen.

Fürstlich Useuburg'Büdingeu'sche BraunkohlengrubeHedwig" bei Büdingen,

Gewerkschaft Oberheffen (Sitz Frankfurt a. M., Friedrich Graf zu Solms-Laubach Eigcnthümer der Gruben).

Wilh. Grandhomme, Möbelfabrikant in Schotten.

K Häuser, Fabrik landwirthschaftlicher Maschinen in Friedberg.

I. Hiukel's Nachfolger, Liqueurfabrikant in Vilbel,

Gebr Homberger & Söhne, Mechanische Buntweberei in Gießen.

Kaffel & Pfänder, Woügarnipinneret in Schotten.

Georg Kees, Essig- und E'sigspritfabrck in Ortrnberg.

Conrad & Theodor List, Leinen- und Baumwollwaarcn-Fabrik in Lauterbach.

Gg. Marguth Instrumentenmacher in Butzbach.

Jean Marguth, Instrumentenmacher in Bad Nauheim.

Adam Menges, Maschinenfabrikant in Gießen.

Georg Nenjel, Maschinenfabrikant in Gießen.

I. B- Rätter, Leinenfabrikant in Alsfeld.

M Seligmann, Glacs Lrderfabrikant in Friedberg.

Karl Urich, Fürst!. Forstmeister in Büdingen.

Chr. Werner, Lebrer an der Musterschule in Friedberg.

Karl Wiegandt, Dau. und Kunstschlosser In Gießen.

Th Ziußer, Spengler in Bad Nauheim.

NB. DaS vollständige Prämiirungsverzeichniß werden wir, soweit es der Raum unseres BlatteS gestattet, in Fortsetzungen bringen. Prämiirt sind im Ganzen 447 Aussteller. Hiervon erhielten 44 goldene, 81 silberne, 163 broncene Medaillen. Ehrenvolle Erwähnungen wurden 159 verliehen.

D e r ur i s ch t es.

Bockrnhetm, 2. October. Dienstag Nachmittag wurde ein zu 5 Jahren Festung »erurtheilter Husar von hier nach Mainz zur Verbüßung seiner Strafe abgeführt. Derselbe

Gießen, 7. Oc

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