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Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Eorrespondenr-Burea«.

Petersburg, 6. März. Der seithertqe britische Botschafter Loftus verabschiedete sich gestern vom Kaiser. Der Minister des Innern hat der Petersburger Deutschen Zeitung den Straßenoerkaus entzogen. Ein Tele­gramm der internationalen Telegraphen-Agentur aus Taschkent vom 5. ds. meldet: Nach dem am 21. Februar zu Mazarischeriff erfolgten Tode Schir Ali's brach daselbst ein Ausruhr aus, aus welchem Jakub Khan als Sieger hervorging. Als Prätendenten für den erledigten Thron Afghanistans werden außer Jakub Khan gerüchtweise auch Schir Ali's Sohn Ibrahim Khan und Schir Alts Enkel Achmed Khan bezeichnet.

General Graf Loris-Melikoff telegraphirt aus Astrachan vom 5. d.: In Wetlianka starb ein 14 Monate alter Knabe an der bräunigen Lungen­entzündung und Ruhr, welche sich aus einer zweimonatlichen chronischen Krank­heit entwickelten. Die Section durch den österreichischen Pros. Dr. Biesiadecky im Beisein von Dr. Krasiowskt und anderer russischer und ausländischer Aerzte bestätigte diese Diagnose.

Die Russische Petersburger Zeitung meldet: Gestern habe Professor Levin aus Berlin die Wyliesche Klinik besucht und den daselbst befindlichen Prokoffjeff untersucht, jedoch keinerlei Anzeichen syphilitischer Erkrankung gefunden.

Berlin, 6. März. DerReichsanzetger" meldet: Amtlichen Nach- rlchten zufolge haben sich in den Dtstrtcten Smyrna, Salonicht, Cavalla, Varna,

nieder und der stellvertretende Vorsitzende, Herr Keilpstug, schloß sodann gegen 1 Uhr den Congreß. , , , , ,

Der bevorstehende Abzug der Ruffen aus Bulgarien bringt bereits bedenkliche Erscheinungen zu Tage. Wie zum Beispiel aus Abrtanopel ge- meldet wird, herrscht dort noch immer eine so bedeutende Aufregung, daß die Wohnung Reuf Pascha's und die Residenz des griechischen Metropoliten D'v- nysius Tag und Nacht von russischen Militär-Detachements bewacht werden muffen. Auch ein Versuch bewaffneter Bulgaren, vor dem englischen Consulat zu demonstriren, ist durch russische Militär-Patrouillen vereitelt worden. Die russischen Autoritäten wurden durch anonyme Anzeigen von dem in den Kreisen des bulgarischen Pöbels ventilirten Plane benachrichtigt, den griechischen Erz­bischof unter den Fenstern der Wohnung Reuf Paschas aufknüpfen zu wollen. Ein dem General Totleben direct zugegangenes Telegramm des Kaisers Alexan­der befiehlt demselben, die an dem A'tentate gegen den griechischen Erzbischof Schuldigen exemplarisch bestrafen zu laffen. Infolge deffen ist General Stolypin mit dem russischen Krlegsgerichts-Prokurator Mordwinoff in Adrianopel ein­getroffen. Bisher sind 16 Thetlnehmer an dem Attentate eruirt und in Hast gebracht. Unter diesen sind aber der größere Theil Griechen. Die russischen Räumungs- und türkischen Vorrückungs Bewegungen sind conoenttonell derart geregelt, daß die türkische Avantgarde bei der Vorrückung dieselbe Distanz eiuhält, welche die russische Arrtere-Garde bei ihrem Rückmärsche zurücklegt. Die Commandanten der vorrückenden türkischen Truppen, Mehrmed und Selauu Pascha, wirken überall unermüdlich, um die Bevölkerung durch Zusicherung der vollsten Sicherheit und verschärfte Disciplin und Mannszucht ihrer Truppen zu beruhigen.

Im Reichstag vermehrt sich die Zahl der freihändlerischen und schutz- zöllnertschen Petitionen für oder gegen die Wirthschaftspolitik des Reichskanzlers, resp. die in Aussicht genommene Belastung gewiffer Rohproducte und Jndustrie- Erzeugniffe mit Eingangszöllen. So sind auch Petitionen von württembergischen Schuhwaaren-Fabrikanten mit vielen hundert Unterschriften im Reichstage ein- gebracht worden, welche gegen jede Erhöhung des Zolls aus Leder, spectell das amerikanische, Verwahrung einlegen. Es wird darauf htngewtesen, daß vom Auslande Repreffalien ergriffen werden würden, wodurch die Hauptabsatzgebiete der württembergischen Schuhmacherei (Schweiz und Savoyen) bedroht werden könnten. Die betreffenden Petitionen sollen demnächst veröffentlicht werden.

Gesterrelch.

Pesth, 5. März. In der österreichischen Delegation antwortete Gras Andraffy aus verschiedene Fragen: Die staatsrechtliche Stellung der occupirten Länder werde, wenn der Zeitpunkt herangetreten, von den beiderseitigen Legis­lativen bestimmt werden. Heute wäre eine Discussion hierüber nachtheilig. In Betreff Novtbazars handle es sich nicht um eine Occupatton, sondern um bloses Garnisonsrecht in einzelnen Orten unter Aufrechterhaltung der türkischen Herrschaft. Von einem Aufgeben dieses Rechtes sei keine Rede; aber die Re­gierung habe auch gegenwärtig keine Veranlaffung, die Ausübung dieses Rechtes zu beschleunigen, das in voller Freundschaft mit der Türkei ohne wesentliche Opfer vollzogen werden solle. Rußland fordere die Mächte in Betreff der Grenzfrage auf, an die Delimitations-Commission detaillirte Instructionen zu erlassen, doch sei die Revision des Berliner Vertrages von keiner Seite ange-' regt worden und würde auch von keiner Seite angenommen werden. In der Arab-Tibia-Frage sei allerdings eine definitive Lösung durch die Botschafter- Conferenz in Aussicht genommen, worüber verhandelt werde. Ein positiver Antrag wegen Aushebung der Beschränkung, daß der Gouverneur von Ost- Rumelien Christ sein müsse, sei nicht gestellt worden. Die Bulgaren ver­langten auch die Balkanabhänge zur Sicherung ihrer Defenstostellung. Die Frage werde eben dem Studium der Delegations-Commission vorbehalten. Eine Botschafter-Conferenz in Berlin sei von keiner Seite angeregt worden.

ArarrLreich.

Paris. Aus Paris, 28. Februar, wird der Wiener Montags- Revue geschrieben:Der Sohn Napoleon's III. hatte schon im vergangnen Somuter den Wunsch, einem Feldzug beizuwohnen, und eines der Motive der Anwesenheit der Kaiserin Eugenie in Wien war, von Kaiser Franz Josef die Erlaubniß zu erlangen, daß ihr Sohn den bosnischen Feldzug in der öster­reichisch-ungarischen Armee mitmache. Einige Details und Etiquette-Schwierig- keiten verzögerten die sofortige Verwirklichung dieses Planes und als dieselben endlich gehoben waren, hatte der Feldzug bereits einen so glücklichen Verlaus genommen, daß der Prinz all das Lehrreiche, das er sich davon versprochen, nicht mehr erwarten zu dürfen glaubte und ganz darauf verzichtete. Be­kanntlich hat der Prinz von Wales sich zur Pflege seiner Gesundheit nach Pau begeben. Er reiste incognito und hielt sich in Paris nur kurz aus. Nach der Versicherung eines Augenzeugen hat das Aussehen des hohen Gastes sich seit dem Schlüsse der Ausstellung bis zur Unkenntlichkeit verändert."

Rustschuk und Adrianopel keine pestverdächtige Symptome gezeigt; die Gesund- heilsverhältniffe der dortigen Bevölkerung sind durchaus normal.

Die Budget-Commission des Reichstags lehnte den für das Gebäude des Reichsgesundheilsamtes geforderten Betrag von 312,000 JC. gegen acht Stimmen und die für Ankauf der Casa Zuccast in Rom geforderten 325,000 Jl. einstimmig ab. Für den Retchs-Oberanwalt wurden anstatt des beantragten Gehaltes von 15,000 nur 14,000 bewilligt.

Kairo, 5. März. Die Mmisteikrisis ist nunmehr beendet. Der Erb­prinz Tewfik übernimmt das Präsidium des Ministerkonseils, Nubar Pascha das Ministerium des Aeußern. Bezüglich der Gründung der neuen National­bank sind Verhandlungen zwischen der egyptischen Regierung und der anglo- egyptiscken Bank etngeleitet.

Berlin, 6. März. DerReichsanzeiger" meldet: Eine Bekanntmachung des Reichskanzlers beruft die ordentliche Generalversammlung des Reichsbank- antheilseigner auf den 26. März nach Berlin ein zur Entgegennahme des Derwaltungsberichts nebst der Bilanz und Gewinnberechnung pro 1878 und zur Vornahme der für den Centralausschuß nöthigen Wahlen.

Heute Mittag fand eine Plenarsitzung des Bundesraths unter Vorsitz des Ministers Hofmann statt. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Besetzung der Stelle des Unterstaatssecretärs im Reichsschatzamt wird gutem Vernehmen nach bis zur Berathung der Steuervorlagen im Reichstage erfolgen. Der Entwurf des Tabaksteuergesetzes wird in Kurzem als preußischer Antrag dem Bundesrath zugehen. Die Einbringung im Reichstag dürfte noch vor Ostern erfolgen. Die Tarif-Commission hofft ihre Arbeiten in dritthalb Wochen zu beendigen; über die bezüglichen Vorlagen dürste der Bundesrath noch vor Ostern sich schlüssig machen und die Einbringung derselben im Reichs­tag kurz nach Ostern erfolgen.

Kopenhagen, 6. März.Dagebladet" bezeichnet die umlaufenden beunruhigenden Gerüchte, betreffend die Beziehungen zwischen Dänemark und Deutschland, sowie bezüglich angeblich von deutscher Seite gestellter Propo- sitionen und Forderungen als unbegründet. Das Blatt erfährt aus guter Quelle, die dänische Regierung habe sich mittelst einer sehr gemäßigten Rote in Berlin hinsichtlich der Tendenz des Vertrages vom 11. October erkundigt, indem es nahe liege, anzunehmen, daß Preußen durch den Vertrag sich nur von der internationalen Verpflichtung und von den im Art. 5 des Prager Friedens vorgeschriebenen Modalitäten befreien wollte. Die dänische Regierung habe daher geglaubt, daß der Vertrag nicht beabsichtigte zu verneinen, daß dieselben Rücksichten, welche Preußen bestimmt hätten, sich auf Retrocession eines Theiles von Nordschleswig einzulaffen, noch beständen. Bei Uebermitte- lung der Note in Berlin habe ein mündlicher Meinungsaustausch stattgefunden; eine schriftliche Erwiderung sei demnächst zu erwarten; keinerlei Grund aber sei, zu glauben, daß die Beziehungen beider Staaten dadurch beeinflußt würden.

Serajewo, 6. März. Die muhamedanischen Flüchtlinge aus Nicfic kehrten heute ebendahin zurück; seitens der Regierung wurden denselben Trans- portmtttel zur Verfügung gestellt.

Wieu, 6. März. Meldung derPollt. Corresp." aus Konstantinopel. Lobanoff bemüht sich energisch, die Pforte zu diplomatischer Intervention ber den Berliner Signatarmächten wegen eventueller Einsetzung eineS europäischen Gmeralgouoerneurs in Ostrumelien zu veranlassen, hatte aber bisher, ungeachtet einer gewissen Annäherung zwischen Rußland und der Türket, keinen Erfolg. In Macedonien ist die Spannung zwischen Bulgaren und Griechen im Wachsen ; Colltstonen werden als unausbleiblich betrachtet wegen der demonstrativen bul­garischen Propaganda gegen die Abtretung von Janina an Griechenland. Die Bulgaren pakttren offen mit den Albanesen in Epirus und bieten letzteren bewaffnete Hülfe an.

Madrid, 6. März. Marschall Serrano ist hier angekommen und hatte

eine Unterredung mit dem König. t .

Neapel, 6. März. Die Verhandlung im Proceffe Paffanante hat heute begonnen. Der Schwurg-richtssaal und die Zugänge zu demselben sind dicht besetzt. Bei Verlesung der Anklage zeigt Paffanant« eine feste Haltung und lächelnde Miene. Die von dem Angekiasten herrührenden, in der Sitzung verlesenen Schriften enthalten verworrene Ideen und fordern ein eigene« R-> aierungssyst-m, deffen Grundzüge Paffanante entwickelte. Der Eintritt Eairoli« und Degtovanuis erregt Sensation. Dieselben sagen einfach über den Vorgang bei dem Attentat aus. Sodann folgen da« Verhör des Vaters des Ange- klagten, seiner Quartiersfrau, des Verkäufer« des Mordmeffer« und auderer Zeugen, woraus die Sitzung geschloffen ®itk . . .

Pesth, 6. März. In der heutigen Sitzung des Budget-Ausschuffts der österreichischen Delegation sprach Graf Andraffy des Längeren über di- Som- petemfrage in Angelegenheit der Administration Bosniens un> der Herzego­wina Er erklärte, es sei di- Aufgabe beider Regierungen fich über diesen Gegenstand zu einigen. In einer g-wiff-n principiellen Rtchtunz seien die- selben auch schon einig, entweder durch formelle Erklärung oder durch eine Bill ad hoc eine Lösung der noch offenen Fragen in Angelegenhetteo Bosniens den legislativen Körperschaften vorzuschlagen. Destnitive Maßnahmen wären dabei natürlich ausgeschloffen und ganz d-n L-gt-lationen Vorbehalten. Reichs- finan, Minister Baron Hoffm.nn erklärte di-Z-ttungsnachncht daß d,-b°sn,sch- Commifston zu -xchiren aufgchört und er die Comp-tenz-n derselben hätte, für vollständig unbegründet. Di- Eommisffon, welche ein berathendes Organ der gemeinsamen Regierung sei, bestehe nach wie vor in ihrer früheren Zusammensetzung fort. _

Lokales.

cutfcen, 7. Marz. Aus ben Verhandlungen der ^oßhnzogltchen Handelskammer.

n 9luf btc Vinladuna der Handelskammer zu Frankfurt a. M. zu einer Vorkonferenz (ÜT die von den Handelskammern Hamburg und Leipzig beabsichtigte Vereinigung in Berlm zue Beraihung^^Igender.des Princips der Zollpfllchtigkeit aller über die Grenze eingehenden Gegenstände

k A,,Ksribrliölle und Durcbfuhrabqaben sind in keiner Weile zulüll'g .

wird rrwidnt,"k.^r«-:m-r, im M,-m-in-n auf

welcher durch diese Tagesordnung zum Ausdrucke gebracht ist, von der Bethemg ng n , ersten B sp^ch Handelsveikeins dahier theilt in Ausführung, deS^e^lusseS «ntt

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