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Freitag dm 7. November

Str. 260.

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Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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PreiK vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringer lohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50

Gießen, am 4. October 1879.

Betreffend: Den Rundgang der Feldgeschwornen im September und October 1879.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die GroßherzogliAen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, an die Erledigung der Verfügung vom 13. September l. I.

im Anzeiger Nr. 216. ^r- B o ekm ann.

Deli 1 ifcher Hy ei L.

Die nihilistische Propaganda in Rußland.

Die Spaltung in den Reihen der Nihilisten scheint der rastlosen Energie des radikalen Flügels keinen Abbruch gethan zu haben. Allerdings hatten sich die Gemäßigten gänzlich von ihren früheren Genoffen losgesagt und man ging so weit, diese Trennung als eine neue Epoche der politischen Entwicke- lung in Rußland zu bezeichnen, als den Anfang vom Ende des Nihilismus. Indessen wird dem radikalen Fanatismus fortwährend neue Nahrung zugeführt, und sind leider auch die Mittel vorhanden, den Kreuzzug wider das Be­stehende fortzusetzen. Das beweist das Erscheinen neuer geheimer Blätter. Vor der Spaltung der Nihilistenpartei hieß deren OrganLand und Frei' t)ett"; die Gemäßigten nennen ihr neues BlattDie schwarze Schaar", die Radikalen das ihrigeDer Volkswillc." Im ersteren wirb die Reform gepredigt, im letzteren werden die Ideen der unversöhnlichen rochen Revolutio­näre entwickelt.

Die Original'Nthilisten, die wahren Jakobs also, sind entschloffen, ihre absurden, hirnverbrannten Principien des Meuchelmordes, der Brandstiftung und der Ausrottung alles deffen, was sich ihren Plänen entgegenstellt, auf­rechtzuerhalten. Sie erklären imBolkswille" der Regierung den Krieg bis aus's Meffer, einen unerbittlichen Vertilgungskrieg. Sie wollen fortsahren, unter dem Volke die Werkzeuge für ihre Zwecke zu gewinnen, ohne die von den Abtrünnigen empfohlenen Mittel einer stilleren Propaganda anzunehmen. Ein im heroischen Style gehaltenes Pronunciamento verkündet den unerbitt­lichen Kamps; die Correspondenzen aus allen Theilen deS Reiches predigen die flammende Revolution. Ein Zug düsterer Verzweiflung und einer Schwär­merei, welche an den Sieg glaubt, begegnet sich in dem Blatte, besten Er­scheinen in Rußland Sensation erregt.

Diese wirklichen Nihilisten sind incurabel; sie machen keine Mode mit, sondern ihre Theorien sind ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. In diesem Sinne urtheilt ihr Landsmann Nicolai Karlowicz:Wie und womit soll man auf einen Menschen wirken, der Himmel und Hölle, Pflichtgefühl, Ehre und Anstand nicht anerkennt und sich nur für em Stück thierischen Kadavers hält, in welchem Nerven und Gehirn rhätig sind? Mit der Kuh, oeren Milch er trinkt, mit dem Ochsen, desten Fleisch er ißt, stellt sich der Nihilist auf eine Stufe, und annullirt alle ideellen und Familienbegriffe, welche diese Thiere nicht auch haben Das Erhabene erscheint dem wirtlichen Nihilisten schon deshalb lächerlich, weil Andere es erhaben finden und vom Studium und von geistiger Arbeit hält er nichts."

Man glaubt noch heute in Rußlands osficiellen Kreisen, man habe es nur mit einer Handvoll von Fanatikern zu thun, deren Propaganda im Volke mißglückt ist und welche die Regierung nur durch ihre Energie, nicht durch ihre große Anzahl terrorisiren. Der Nachwuchs, welcher sich aber fortwäh­rend zeigt, beweist, daß man damit die Verbreitung der Bewegung unter­schätzt. Die Absolutisten behaupten, daß die jetzige Regierung die einzig lei­stungsfähigen Elemente in sich begriffe, aber nicht nur die unversöhnlichen und gemäßigten Nihilisten, sondern die weiten Kreise, welche eine Constitution wünschen, sind darüber anderer Meinung. Die Despotie verschuldet den Um­stand, daß man in den Salons das treue Festhalten an Thron und Altar lächerlich macht und frivol die Regierung bespöttelt. Da man für den gering» Yen Fortschritt feine Duldung kennt und in Polizeiwillkür und Militär­despotie noch immer die einzige Rettung sieht, so wird dem unversöhnlichen Nihilismus immer von Neuem Leben eingehaucht.

Deutschland.

Darmstadt, 5. November. (Militär-Dienstnachricht.) v. Wuffow, Oberst und Commandeur des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1, wurde unter Beförderung zum Generalmajor zum Commandeur der 50. Infanterie-Brigade (2. Grohherzogl.) ernannt.

Berlin, 3. November. Von der preußisch-russischen Grenze schreibt man:In Königsberg dauert die gedrückte Lage, in welcher Handel und Verkehr sich befinden, noch immer fort und der dortige Bahnhof ist ein Bild der Verlassenheit. Der Hauptverkehr auf der königlich preußischen Ostbahn besteht augenblicklich in bedeutenden Kartoffel-Transporten, welche von Eng­ländern aufgekauft und nach Stettin dirigirt werden. Die Getreidezufuhren aus Rußland bleiben jedoch aus und das wenige Getreide, welches in Königs-

birg ankommt, rührt aus der Provinz her und trifft mit den sog. Auslade­zügen ein."

Der russische Großfürst Thronfolger und seine Gemahlin werben am Ende der Woche in Berlin erwartet, wo sie nicht versäumen dürsten, die kaiserliche Familie zu begrüßen.

Wenn auch Fürst Bismarck wiederholt an empfindlichen Schmerzen leidet, so ist es doch, wie Erkundigungen aus zuverlässiger Quelle ergeben, durchaus übertrieben, von einer bedenklichen Krankheit zu reden. Wahrschein­lich zieht man aus dem Umstande, daß der-vor zehn Tagen nach Varzin be­rufene Hausarzt des Fürsten bis jetzt daselbst verweilt, zu weitgehende Folgen. Em solcher längerer Aufenthalt des Geh. Raths Dr. Struck bei dem auf seinen Gütern wrilenden Fürsten ist indeß nichts Ungewöhnliches, da Letzterer auch bei seinen gewohnten kleineren Leidey den altbewährten Hausarzt nur ungern entbehrt.

Ein ans Malta eingegangenes Telegramm meldet, daß die Rohlfs'sche Expedition die Oasengruppe Kusara erreicht und durchforscht habe, aber da« selbst ausgeplündert worden sei. Die Mitglieder derselben, Hofrath Gerhard Rohlfs und Dr. Anton Stecker, sind in Folge deffen nach Benghasi zurückge­kehrt, hoffen aber, daß die türkische Provinzial - Regierung den Schaden ersetzen werde.

Der am 30. Oct. plötzlich am Herzschlage verstorbene General der Ka­vallerie und General-Jnspecteur der Artillerie, Eugen Anton Theophil v. Pod- bielski, war am 17. October 1814 zu Köpenick geboren, trat 1831 als Avantageur in das 1. Ulanen-Regiment, wurde 1833 Seconde-Lieutenant, besuchte 18361839 die Kriegsakademie, war dann lange Jahre Regiments- Adjutant und wurde 1855 unter Versetzung in den Generalstab Major. Im Jahre 1858 erhielt er das Commando des 12. Husarenregiments, wurde 1859 Oberstlieutenant und 1861 Oberst, im Jahre 1863 wurde er zum Commandeur der 15. Kavalleriebrigade und kurze Zeit darauf zum Oberquar- tiermeister der nach Schleswig-Holstein entsandten Armee ernannt. Vom däni­schen Krieg bis 1866 war er Stabschef beim Obercommando in den Elbher- zogthümern. 1866 trat er als Generalmajor und Director des allgemeinen Kriegsdepartements in das Kriegsministerium und erhielt im Kriege gegen Oesterreich die Stellung eines Generalquartiermeisters der Armee. Im Jahre 1867 avancirte er zum Generallieutenant und wurde im Kriege gegen Frank­reich 1870/71 abermals zum Generalquartiermeister ernannt, wodurch fein Name zu einem der bekanntesten der preußischen Armee wurde, da er unter zahlreichen, durch ihre lautere Wahrheit und knappe Kürze ausgezeichneten Kriegsdepeschen zu lesen stand. SeinNichts Neues vor Paris. Podbielski" hat fast die Bedeutung eines geflügelten Wortes erlangt. Im Februar 1872 wurde General v. Podbielski zum Generalinspecteur der preußischen Artillerie und am 2. Septbr. 1873 zum General der Kavallerie ernannt. Keine Waffe ist seit dem deutsch-französischen Kriege einer solchen Umwälzung unterzogen worden wie die Artillerie, deren Wichtigkeit gegen früher ganz unverhältniß- mäßig gestiegen ist. Um diese Aenderung durchzuführen, bedurfte es eines Mannes von hervorragendem Organisationstalent, und als der Kaiser den Kavalleriegeneral Podbielski zum Generalinspecteur der Artillerie berief, schüt­telte man, namentlich in artiller stischen Kreisen, vielfach den Kops und ver­sprach sich nicht viel Gutes. Diese Befürchtung ist aber glänzend widerlegt worden und Podbielski hat cs verstanden, nicht nur die große Organisation durchzuführen, sondern auch sich das Vertrauen feiner Officiere zu gewinnen, für deren Interessen er unablässig besorgt war. Es wird nicht leicht fallen, einen Nachfolger zu finden, der ihn vollständig ersetzt. Als Nachfolger in der Stellung als Generalinspecteur der Artillerie bezeichnet man in militärischen Kreisen allgemein den Generallieutenant, Generaladjutantr« und Commandeur der 12. Division, Prinzen Kraft zu Hohenlohe «Ingelfingen, der 1845 als Secondelieutenant bei der Garde-Artilleriebrigave angestellt wurde, 1866 das Garde-Feldartillerie-Regiment und 1870/71 die Garde-Artillerie-Brigade com- manbirte. (Köln. Ztg.)

Frankfurt, 3. Novbr. Der letzte Theil der von der hessischen Lud- wigsbahn erbauten Mannheim-Frankfurter Bahn, die Strecke von der preußtsch- hrssischen Grenze bis zur Station Goldstein ist nunmehr soweit vollendet, daß die polizeiliche Abnahme stattfinden kann. Mit der alsdann baldigst zu^er,var- tenden Inbetriebnahme des anschließenden Theils bis zur Riedbahn-Station Erfelden-Goddelau wird auch die weitere Thellstrecke von Biblis nach Lam-