Reform des gesammten Schulwesens. Mittlerweile wird der Streit zwischen dem liberal und dem klerikal gesinnten Theile der Bevölkerung nachgerade so erbittert, daß man schon von der Möglichkeit eines religiösen Bürgerkrieges zu sprechen anfängt! Die mit den Klerikalen verbündeten Legitimisten haben, um den Sturz der Republik herbetzuführen, neuerdings einen Aclions- teretn gegründet, der im ganzen Lande eine große Sparkasie für die Partei- genoflen und zugleich eine besondere Kaste für den „Roy" einrichten soll. Andererseits machen auch die Radikalen der Regierung genug zu schaffen, da sie bei der in Bordeaux stattgehabten Deputirtenwahl dem Verschwörer Blanqui, trotzdem daß derselbe amtlich für nicht wählbar erklärt worden, ihre Stimmen gegeben haben, so daß derselbe mit den republikanischen Candidaten in die engere Wahl kommt.
Nachdem das Leffeps'sche Project einer Durchstechung der Landenge von Panama gescheitert ist, hat der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, General Grant, erklärt, daß er bereit sei, den Vorsitz in einer Gesellschaft für den Bau eines Canals durch die Landenge von Nicaragua zu übernehmen: letzterer wird nämlich von den Amerikanern für weit vorcheilhafter gehalten, als der Panama-Canal.
Haben die Maschinen das Loos der Arbeiterbevölkerung verbessert oder verschlechtert?
Diese Frage ist eine schon lange und oft ventttirte. Die Antwort darauf ist verschieden ausgefallen. Der nordamerikanische Congreß hat sie, nachdem er eingehende Beobachtungen angestellt, zahlreiche, statistische Tabellen über die betreffende Sache aufgestellt hatte, bejaht; ebenso geschah und geschieht es noch von einem groben Theil der amerikanischen Presse. In unserem Erdtheile ist die Frage theils bejaht, theils verneint worden. In Deutschland namentlich ist von verschiedenen Standen, Parteien und Volkswirthschaftlern, besonders von mittelalterlich gesinnten Reaktionären, Agrariern und anderen Feinden des Fortschritts, auch von socialistischer Seite die Meinung verfochten worden, daß die Maschinerien und das daraus entstandene Fabrik- wesen das geistige und physische Wohl der hier in Frage kommenden Arbeiterttaffen gehemmt und zu einem menschenunwürdigen gemacht hätten. Wer hat nun Recht- Der Leser, welcher dies gerne erfahren möchte, mag sich erst dann ein Urtheil bilden, wenn er unsere objektiven, auf genaue Statistiken und auf wissenschaftliche Berechnungen fußenden Erörterungen gelesen. Daß zunächst jede Maschine, von der einfachsten an bis zur complicirtesten, eine Blüthe menschlichen Geistes, ein Product tiefen Denkens und Sinnens ist, steht außer Zweifel. Wer das leugnen und die Menschheit zwingen wollte, keine Maschinen mehr zu erfinden, wäre ein größerer Finsterling, als alle die Hemmschuhe der Entwickelung der Völker und Geschlechter, die wir aus den finsteren Zeiten des Mittelalters kennen. Die Mechanik und ihre Früchte verbieten, hieße den Krebsgang antreten. Es ist ferner eine ausgemachte Sache, daß die Maschine mehr und Feineres leistet, als es die menschliche Hand allein vermag. Von den zahlreichen Beweisen mögen für diese Ansicht nur folgende sprechen: Ein Dampfhammer von Krupp hat 2500 Centner Fallgewicht; ein anderer in Woolwich wiegt 80 Gentner und kann in jeder Minute bis 300 Schläge thun. Eine Maschine nut 6 Hebeln, deren langer Arm lOmal länger als der kurze ist, kann ein Arbeiter mit 1 Million Pfund Wirkung bewegen- Es existiren Pumpmaschinen, welche 110,000,000 Pfund Wasser in 1 Secunde 1 Fuß hoch heben bei Verbrauch von einer Büschel Steinkohlen Blechwalzwerke dehnen in 1 Secunde 1 LH-Zoll auf 36 lÜ-Zoll aus. 7000 Dampfpferdekräfte auf Dampfschiffen wirken ebenso wie 40,000 Pferde. Eine Stickerin an der gewöhnlichen Nähmaschine kann m einer Minute 100 Stiche hervorbringen, das notier circulaire in derselben Zeit 480,000. Die Eisenbahnen haben Maschinen, welche an einem Tage 70,000 Billets drucken. Eine Cattundruckmaschine bedruckt täglich 12,000- Ellen mit verschiedenen Farben zugleich; die Handarbeit bringt dies nur auf 30ü bis 400 Ellen. Mit ihren Maschinen schufen die Amerikaner in ganz kurzer Zeit im Seceslionskriege eine Flotte, welche die Welt in Erstaunen setzte. Nagelmaschmen fertigen in 1 Minute 150 Stück Nägel. Die Firma Riebel und Müller tn Mühlhausen liefert wöchentlich 3 Vz Million Maschinenstccknadeln. Birmigham fertigt jährlich 1000 Millionen Stahlfedern. Wheeler und Wilson produeiren jährlich 50,000 Nahmaschinen, die Singer-Company 80,000 Stück; die von Dampf getriebenen Nahmaschinen geben 2000 Stiche in der Minute. Die landwirthschaftlichen Maschinen m ihrer Leistungsfähigkeit wollen wir auch nicht vergessen. Daß die Maschinen sehr oft
nur Schlechtes in Masse hervorbrachten, ist nur die Schuld geld- und gewinnsüchttger Fabrikanten. Mit der Maschine ist Stoffcrfparniß gekommen. Man braucht unter anderem weniger Papier. Aus einem zolldicken Brette kann heute der Tischler mit der Fourmcrsäge 24 Blätter schneiden. Häute werden durch Maschinen gespalten. Die Reichendach'sche Theilmaschine macht 25,MO Striche auf einen Zoll; die Perreaux'fche zerlegt den Millimeter in 3000 Theile. Man glaubte bei Einführung der Maschinen, die Arbeiter müßten zum Theile brodlos weiden; kam es ja zu verschiedenen Revolten und Demolirungen. Die Gefahr ist nicht emgetreten. Brod- und arbeitslose Zeiten haben immer andere Ursachen. Als W- Hunt im Jahre 1838 die Nähmaschine erfand, sprach feine Frau die Befürchtung aus, Näher und Näherinnen würden nun verdienst- los; Hunt räumte Howe das Feld und ließ seine Maschine verschwinden. Wie kam es aber nach der gemachten Erfindung und deren Anwendung? Im Jahre 1850 kam in einem Staate Nordamerikas auf 445 Einwohner ein Schneider, im Jahre 1870 trotz der Maschinen auf 361 Einwohner ein Tailleur. In demselben Jahre waren in demselben Staate 17,372 Arbeiter mit Nähmaschinenfabrikation beschäftigt; es exlstirten 3152 Maschinenhändler rc. Seit mir Maschinen haben, sind im großen Ganzen die Löhne gestiegen. Die Frau, welche früher in Amerika mit Schuhnähen beschäftigt war, verdiente früher 50 Cents täglich, jetzt 1 Dollar; die Männer erzielen jetzt tägliche Löhne von 2 Dollar 50 Cents gegen 1 Dollar 25 Cents früher. Die Zahl der Arbeiter hat zugenommen. Im Jahre 1860 gab derselbe Staat 37,301,710 Dollar Löhne aus, im Jahre 1870 deren 70,401,367 Dollars. In Europa zeigte sich dasselbe. Daß wir heute gedrückte Verdienste haben, rührt anderswoher. Die Maschinen ersparn dem Arbeiter physische Kraft; sie bedürfen in vielen Fällen nur der leitenden Hand und des beobachtenden Auges. Daß diese Kraftersparmß der Arbeiterbeoölkerung nicht immer zu Gute gekommen, ist leider wahr. Wenn man die Fabrikarbeiter zwang, um so viel länger an der Maschine zu stehen, als Kraft gewonnen war, so ist dies Folge der Ausnutzungösucht gieriger Arbeitgeber gewesen, wie z. B- Arkwright, der Erfinder der Spinnmaschinen, zugleich Schöpfer des belüchtigten Drucksystems wurde, welches darin gipfelte, daß den Arbeitern der Lohn in Viktualien, Kleidungsstücken rc., nicht in klingender Münze, ausgezahlt wurde. Leider ist in vielen Fabriken dieses Verfahren heute noch im Gange. Es könnten ganz gut Organisationen auf dem Gebiete des Fabrikweseus geschaffen werden, die dem Arbeiter bei verkürzter Arbeitszeit den den jeweiligen Verhältnissen angemessenen Lohn bezahlen. Dies klingt zwar socialistisch in den Gram mancher Großindustrieller, ist es aber nicht, sondern nur eine gerechte Forderulig der Humanität- Jeder Feind der Maschinen muß schließlich doch mindestens zugestehen, daß nur durch sie Bequemlichkeit erlangt haben, die man früher nicht gekannt. Das Dampfschiff legt heute die Linie London-Melbourne in D/z Monaten zurück; früher waren dazu Jahresreisen nothwendig. Wer dächte nicht hierbei zugleich an die gefährlichen, mühe- und zeitvollen Landreifen in früheren Jahrhunderten, an die antiquirte Diligence auf den holperigen Straßen und dem gegenüber an den pfeilgeschwinden Dampfwagen und unsere sich immer mehr die Bahn brechenden Straßenlocomotiven! Hungersnoth, in dem Maße wie früher, ist in unseren Tagen nicht mehr möglich; Maschinen bringen schleunigst au5 erntereichen Ländern Nahrungsmittel in die Diftricte des Mißwachses. Daß durch Maschinen mancherlei Unglücksfälle zu verzeichnen sind, ist wohl wahr. Häufig sind sie aber nur durch die Unvorsichtigkeit der Arbeiter entstanden, und in früherer Zeit ist die „verhältnißmäßige'' Zahl der Unglücksfälle, die nur anderer Art waren, feine niedrigere gewesen. Das läßt sich leicht nachweisen. Es kommt in letzter Reihe der Hauptvorwurf, der von Seiten der Gegner des Maschinenwesens diesem gemacht worden ist. Man hat behauptet, daß in Industrie- und Fabrikbezirken Sterblichkeit, Krankheit und Unsittlichkeit gegenüber anderen, namentlich land- wirthschaftlichen, Ländertheilen, immer die größte werde oder schon sei. Wir wollen keineswegs verhehlen, daß durch das Zusammensein der Arbeiter unter einander, der Arbeiter mit Arbeiterinnen, und nun vollends die Benutzung der Kinder in feuchten, miasmatischen, gasgeschwängerten Fabrikräumen Krankheiten erzeugt, Seuchen verbreitet, socialistische Träume geweckt, Unmoralität, namentlich in sexueller Beziehung geboren, die Sterblichkeit erhöht wird. Wir wünschen von Herzen, daß diese Schäden alle nicht chronisch werden mögen, weil wir auch in der genannten Hinsicht an bessere Zustände glauben dürfen, wenn die ächte Bildung an die Arbeiter, die wahre Menschenliebe an die Arbeitgeber gekommen sein wird. Es muß übrigens anderseits auch bemerkt werden, daß die Sterblichkeit nach den neuesten statistischen Ausstellungen in Deutschland am stärksten im inbuftriearmen Ostpreußen, die Zahl der unehelichen Geburten die größte im agriculturreichen Oberbaiern ist. Weg also mit dem Wahne, die Maschinen hätten unser modernes Elend allein geschaffen, weg auch mit der Meinung, sie müßten wieder verschwinden, wir wiederholen es noch einmal, das hieße den erleuchteten Geist unserer Zeit tobten. Die Zukunft wirb Mittel unb Wege finden, das Maschinen- unb Fabrikwesen von denjenigen üblen Factoren zu befreien, welche demselben anhaften und die kaum schlimmer sind, als diejenigen vieler anderer Thätig- keitskreise.
Twaii nun i 11
Grummetgras- Bersteigerung.
DaS Grummetgras der cameral-fis- caltschen Wiesen tn den Gemarkungen Alten-Buseck, Wieseck und Gießen soll versteigert werden:
1) in der Gemarkung Alten-Buseck von 7 Hektaren
Mittwoch de» 10. Septbr.,
des Morgens um 9 Uhr, bei Wirtb Krämer daselbst.
2) in der Gemarknng Wieseck von
41 Hektaren
Donnerstag den 11. Septbr«,
des Morgens um 10 Uhr, bei Wirth L enz daselbst, und
3) in der Gemarkung Gießen von 36 Hektaren
an demselben Tage,
des Nachmittags um 2 Uhr, bet Wirth Leib am Philosophenwald.
Der Großh. Wtesenwürter Müller zu Alten-Buseck ist bereit auf Verlangen die Wtesenloose vor der Versteigerung vorzuzeigen oder nähere Auskunft darüber zu geben.
Gießen, den 4. September 1879. Großherzogl. Oberförsterei Gießen.
5737)___Lang^ ___
Dienstag den 9. September,
Nachmittags 2 Uhr, wird im Hause des Pumpenmachers Philipp Weber im Gartfeld dahier eine Dampfmaschine mit Zugehör öffentlich gegen Baarzahlung versteigert.
Gießen, den 3. September 1879.
Ullrich K Weber in Liquidation. 5716) M. Pilger, Liquidator.
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