Ausgabe 
7.8.1879
 
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srr. 181, Donnerstag den 7. August 1879,

Mchener Anzeiger

Aijkige- unb Amtsblatt fit den Kreis Gießen.

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Schulstraße B. 18.

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politisch

Politische Uebersicht.

Obwohl bis jetzt ke>ne Maßregel einen Anhalt bietet, daß die Reactton, welche unverkennbar auf dem politischen und wirthschaftlichen Gebiete herrscht, schon in nächster Zett auf dem Gebiete der Kirche und Schule in Preußen Triumphe zu feiern gedenkt, so wird doch von vielen Seiten alssicher bevor­stehend" der baldige Beginn dieses Feldzugs gemeldet. Die Frommen im Lande erstreben allerdings die Aufhebung der obligatorischen Civilehe, die Ab­schaffung der wiffenschaftltchen Staatsprüfung für die evangelischen Candtdaten der Theologie, die Wiedereinführung der kirchlichen Schulaufsicht, die Beseiti- gung der Maigefetze, soweit sie die evangelische Kirche betreffen, die Einführung der Stiehl'schen Regulative, eine strengere Sonntagsheiligung u. s. w. Aber das Alles sind Dinge, die man für Preußen mit Hülfe der Polizei nicht allein durchsetzen kann; die Vorbedingung wären doch mindestens reaktionäre Landtagswahlen. Daß ferner diese Bestrebungen für das Reich sich äußern könnten, dafür fehlt trotz der allerdings auch der kirchlichen Reactton günstigen Stimmung doch jeder Anhalt und sogar der Punkt, wo der Hebel anzusetzen ist. Es scheint also, als ob die Bäume auch hier nicht in den Himmel wachsen werden.

Der Rücktritt Lasker's von der parlamentarischen Bühne wird dementirt. Offen gestanden würden wir es nicht nur erklärlich gefunden, son­dern auch nicht bedauert haben, wenn er dem Beispiele v. Benntgsen's gefolgt wäre. Das Auftreten Lasker's hat in jüngster Zeit vielfach die persönliche Verbitterung im Reichstage verschärft, nicht allein zwischen dem Reichskanzler und den national-liberalen Führern, sondern überhaupt zwischen den hervor­ragenden Mitgliedern aller Parteien. Die Liberalen im Lande, welche Lasker als das Gewissen des Reichstages proclamirt hatten, find daran Schuld, daß Lasker seit Jahren an einer Art Ueberhebung leidet, als sei er der maßgebende Interpret aller parlamentarischen Zwischenfälle; er hatte zuletzt etwas Schul- meisterliches an sich, wenn er über die Regierung oder die Parteien urtheilte; wie ein Präsident eines Schwurgerichts hatte er sich angewöhnt, immer das letzte Wort zu ergreifen und eine Art Resums über alle Reden zu geben, welches er stets mit einem Appell an die Nation, deren gedeihliche Entwicke­lung über Allem stehe, schloß. Eine freiwillige Muße von seiner angestrengten parlamentarischen Thättgkeit hätte weder ihm noch dem Lande geschadet. Aber Lasker selbst scheint der Meinung zu sein, daß esohne ihn nicht ginge."

Die Neuordnung der Dinge in Elsaß-Lothringen bezeichnet einen wichtigen Abschluß in der Geschichte der Reichslande. Es ist interessant, daß sir in denselben Tagen in Kraft tritt, da in der Grenzstadt Nancy, die nicht zum wenigsten von dem Kriege vor 9 Jahren zu leiden hatte, die Statue des großen Bürgers sich erhebt, welcher die Friedensbedingungen zur Ausführung brachte und Deutschland so rasch mit den Milliarden überschwemmte, daß ein großer Theil über die Grenze nach Frankreich zurückfloß.

Zur selben Zeit soll auch im fernen Osten Alles, was noch an den Kriegszustand erinnerte, beseitigt sein. Das russische Cabinet hat versprochen, die Räumung der Balkan-Halbinsel am 3. August vollständig been­det zu haben, und die Türkei wird von diesem Tage ab wieder Herrin auf ihrem Gebiete sein. Sie hat nun Zett, alle versprochenen Reformen zu erfüllen. Leider scheint es, als ob der kranke Mann durchaus fremder Stützen bedürfte. Die neuesten Mtntsterveränderungen haben einen so demonstrativ alttürkischen Charakter, daß die Großmächte muthwillig erbittert werden und die kaum begrabene orientalische Frage wieder als Gespenst auftaucht.

Wie tief Rumänien durch die Judenfrage aufgeregt wird, beweist die Vertagung der Kammern, die Mtntsterkrise und die Rundreise des Ministers Sturdza. Die Motive gegen den Humanitären Fortschritt, welchen der Ber­liner Vertrag durchgeführt wissen will, sind klägliche. Die Wahrheit ist ganz einfach, daß der größte Theil des Grundbesitzes den Juden verschuldet ist, und daß er, wenn die Juden Grundbesitz erwerben dürfen, ihnen anheimfällt. Man verschweigt aber dabei, daß die Juden keineswegs sämmtlich Wucherer sind, sondern daß sie alle Handwerke treiben, daß sie aus verkommenen Dör­fern Marktorte geschaffen und den ganzen rumänischen Handel organisirt haben.

In Hayti hat eine große Parlamentschlacht stattgefunden. Die Herren Deputirten schossen auf einander mit ihren Äevoloern, so daß fünfzig getödtet, der Präsident leicht verwundet wurde. So schlimm war es in Ver- satlles doch nicht!

Deutschland.

Berlin, 3. August. Nach Allem, was in den, der Regierung nahe­stehenden Blättern gegen die Socialdemokratte jetzt vorgebracht wird, will es scheinen, als ob irgend ein Nachtrag zu dem Gesetze vom 21. October v. Js. nach der Richtung vorbereitet wird, einzelne voriges Mal abgelehnte Besttm- munflcn mit Zusätzen wieder vorzulegen. Bestimmtes steht darüber in keiner Weise fest, auch verlautet nichts von legislativen Vorbereitungen oder Vorbe- rathungen; inzwischen wird doch auch die geflissentlich verbreitete Nachricht zu beachten sein, daß die Socialtsten nächstens mit irgend einem Coup hervor-

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treten werden. Es liegt auf der Hand, daß, wenn Derartiges wirklich beab­sichtigt sein sollte, es nicht vorher in die Oeffentlichkett kommen wird.

DieNordd. Allg. Ztg." redet der Prügelstrafe das Wort. Anläß­lich der jetzt erfolgten Verschärfung des englischen Militärstrafgesetzes sagt das Blatt:Man ging bet uns in der Milde häufig so weit, über dem Mitleid gegen den Verbrecher die Rücksicht auf das Opfer aus den Augen zu ver­lieren ; spectell bet absoluter und vollständiger Abschaffung der Letbesstrafen aber, die man im Widerspruch mit der Menschenwürde fand, übersah man einerseits, daß gewisse Verbrechen nur denkbar sind unter Voraussetzung einer vollständigen Entmenschung, andererseits, daß jede Strafe, welche nicht als Züchtigung empfunden wird, für rohe Naturen ihre Bedeutung verliert. Die gemachten Erfahrungen haben bereits zur Revision des Strafgesetzes geführt; sie werden dazu nöthigen, die Revisionsarbett noch fortzusetzen, und dann kann nicht auöbletben, daß auch die Frage der körperlichen Züchtigung wieder in Erwägung gezogen wird, namentlich mit Rücksicht auf die Brutalttätsverbrechen. Wenn schon für die gewohnheitsmäßigen Verbrecher die Freiheitsstrafe wenig Abschreckendes hat im Vergleich mit den Vorthetlen der Unterkunft und sor­genfreien Ernährung, so wird die Bestialität, welche gewisse Kategorien von Verbrechen charaktertstrt, von selbst zur Androhung von Strafen nöthigen, von denen allein man die Bändigung derBestie" erwarten kann."

Berlin, 4. August. DerReichs-Anz." publictrt die Ernennung des Feldmarschalls v. Manteuffel zum Statthalter von Elsaß-Lothringen, und des seitherigen Unterstaattzsecretärs Herzog zum Staatssecretär des Ministeriums für Elsaß-Lothringen mit dem Range eines Staatsmtnisters und dem Prädi­kateExcellenz." Zu Unterstaatssecretären und Abtheilungs-Vorständen sind ernannt: der Geh. Oberregierungsrath v. Pommer-Esche für Inneres, Cultus und Unterricht, General-Advocat v. Puttkamer (Kolmar) für Justiz und der bayerische Ministerialrath Mayr für Finanzen und Domänen.

England.

London, 4. August. Eine Depesche des Generals Wolseley meldet: General Chelmsfort kehrt nach England zurück. Von König Cetewayo, welcher sich angeblich mit seinen Weibern und einem kleinen Gefolge im Wald von Ugomc befindet, liegen keine Nachrichten vor. Die unterworfenen Häupt­linge erklären, daß sie ihn nicht mehr als König anerkennen wollen. General Wolseley beabsichtigt eine Brigade nach Transvaal zu dirigiren.

Italien.

Aus Nom, 1. August, meldet dieAgence Havas" telegraphisch:Non- cetti, der neue apostolische Nuntius in Bayern, wird den modus vivendi überbringen, wie er zwischen Deutschland und dem Vatican auf folgenden Grundlagen vereinbart worden ist: Die Anwendung der Mai-Dtsciplinar- gesetze wird aufgegeben, dagegen erkennt der Vatican den Status quo bis zur Revision der Matgesetze an. Die extltrten Bischöfe und Geistlichen kehren zurück, wenn sie um Begnadigung bitten und sich verpflichten, sich den rein bürgerlichen Bestimmungen, welche nicht den geistlichen Vorschriften wider­sprechen, anzubequemen. Freie Ausübung der den Bischöfen gelassenen geist­lichen Macht; dieselben verpflichten sich, den Staat nicht za beunruhigen. Beide Parteien sind einig, die Maigesetze im geeigneten Zeitpunkte zu revi- diren. Der modus vivendi ist mit dem Fürsten Bismarck vereinbart worden und es bleibt nur noch die Frage der Unterschriften zu regeln." Wir brauchen wohl kaum hinzuzusetzen, daß ausländische Nachrichten über die Verhandlungen zwischen Deutschland und der Curie stets mit Zweifel aufzunehmen sind.

Spanien.

Madrid. Die Angaben über die bevorstehende Neuvermählung des Königs Alfonso haben sich in neuester Zett stark widersprochen; zuletzt wurde jeder derartige Plan gänzlich in Abrede gestellt. Zu allerletzt aber kommt nun die oft wohlunterrichteteBohemia" und sagt ausdrücklich, Erzherzogin Chri­stine sei mit ihrer Mutter, Erzherzogin Elisabeth, von Wien nach Biarritz ab- geretst, um ein Zusammentreffen mit dem König Alfonso herbeizuführen. Das WienerVaterland" schreibt schon:Es ist nun nicht mehr daran zu zwei- fein, daß Ihre Königl. Hoheit Frau Erzherzogin Christine in nicht ferner Zett den spanischen Königsthron einnehmen wird."

Bulgarien.

Sophia, 4. August. Von Setten der Regierung wird mitgethetlt, daß die beschränkte Art von Belagerungszustand, welche von der bulgarischen Regierung über das Departement Varna und einige Bezirke der Departements Tirnowa und Rustschuk verhängt worden ist, durch das von Räuberbanden beurlaubter tüikischer Soldaten getriebene Unwesen veranlaßt wurde. Der­selbe trägt den Charakter einer reinen Präventiv-Maßregel. Auch durch Baschi-Bozuks und selbst durch reguläre türkische Truppentheile finden unaus­gesetzt Grenzverletzungen, Plünderung und andere Gewaltthättgkeiten statt. Fürst Alexander wandte sich deshalb telegraphisch an die Pforte in Konstan­tinopel. Der gestrige Namenstag der Kaiserin von Rußland, der Schwester