ist. — Die Petenten besprechen in derselben die dem Hause zugegangene Vorlage und bezeichnen solche als die Interessen des ArbeiterstanveL schädigend. Nach Einführung so hoher Sätze, wie sie die Vorlage in Aussicht nehme, müsse der Consum zurückgehen, und seien Arbeiterent- laffungen in Folge hiervon zu befürchten; die Llcenzsteuer deute darauf hin, daß man die Idee deS Monopols noch nicht aufgegeben habe und die Nachversteuerung endlich werde eine furchtbare Stockung im Geschäft herbeiführen. In richtiger Würdigung der unausbleiblichen Nachwirkungen einer Nachversteuerung wird, unter näheren Ausführungen, darauf hingewiesen, daß Händler und Fabrikanten wohl längere Zeit keinen Absatz finden würden und letztere dann Aichr in der Lage wären, die Arbeiter weiter beschäftigen zu können.
Die Unterzeichner bitten deßhalb:
„Der bohe Reichstag möge die Vorlage ablehnen, wenn e- aber gar nickt anders gehen könne, als daß Tabak überhaupt höher besteuert werden müsse, bann wolle er es doch bei einer ganz geringen Erhöhung bewenden lassen unter Beseitigung der Licenzgebühr und Verwerfung jeder Nachversteuerung."
Die Petition schließt mit den Worten:
„Wir nahen uns vertrauensvoll dem hohen Reichstage und hoffen, daß es demselben gelingen werde, die großen Gefahren, welche einen Theil des arbeitenden Volkes in Elend und bittere Noth zu bringen geeignet sind, von demselben abzuwenden." Der Umstand, daß die hier besprochene Petition von weit über 2000 Arbeitern unter zeichnet wurde, dürfte das sich so nennende Tabaksteuer: Comit^ wohl nicht länger im Zweifel darüber lassen, daß sein Vorgehen von dem hiesigen Arbeiterstande mißbilligt wird und demnach sein Mandat als erloschen zu betrachten ist.
— Se König!. Hoheit der Großherzog traf heute Mittag H,23 von Alsfeld kommend auf hiesigem Bahnhof ein und reiste mit der Weser-Bahn 11,41 nach Darmstadt wieder ab.
— Für nächsten Sonntag sehen wir in dem 6. (letzten) Concerte des Gießener EoneertVereinS einem seltenen musikalischen Genüsse entgegen. Mit Freuden begrüßen wir das Auftreten des Violinisten Herrn Co n c ert meist er Heermann aus Frankfurt a. M , der mit seinem seelenvollen gediegenen Spiele schon wiederholt das kunstsinnige Publikum unserer Stadt in hohem Grade beglückt hat und bei Vielen noch in dankbarer Erinnerung steht. Fräulein Frl lunger, Cone'ertsängerin aus Frankfurt a M., gehört unbedingt zu den bedtu- tendsten Sopranstimmen unserer Tage, namentlich entfaltet sie in der hohen Lage ihrer Stimme einen entzückend schönen gewinnenden Reiz, wie er nur selten einer Stimme innewohnt. Schon längst ein Liebling des Frankfurter Publikums hat sie sich daselbst stets bet freunblichsten Begrüßung unb des lebhaftesten Beifalls zu erfreuen. Am letzten Charsreitag sang sie die Sopranpartie in Back's Matthäus-Passion in Darmstadt und zwar zur höchsten Befriedigung der Concertbesucher. In Herrn Dingeldey, einem Schüler Liszt's sehen wir eine junge aufstrebende musikalische Kraft, dem jetzt schon der Ruf eines bedeutenden Claviervirtuosen »oraußgeht unb der nicht allein ben KreiS seiner nahen Verwandten in unserer Stabt burch sein Spiel hoch erfreuen sonbern auch zweifelsohne ben hohen Anforberungen der kunstverständigen Besucher unseres Coneertes vollkommen genügen wird. — Bei frühzeitiger Bestellung wird es an guten Spersitzen nickt fehlen, da — wie wir hören — bei dem bedeutend kleineren Podium, das für bas bevorstehenoe Coneert nöthig fein wirb, eine größere Zahl Sitze neu hergerichtet werben können.
— (Gentiana verna.) Die gutgemeinten Worte zu Gunsten unserer lieblichen Alpen»
pflanze sinb sehr dankenswerth und zeitgemäß; möchten sie nun auch etwas nützen! Noch einige Jahre der Verwüstung in jetzt üblicher Weise unb bas schöne Pflänzcken, bas sonst weit und breit nicht vorkommt, ist total verschwunben. Das Ausstechen mit Wurzeln ist um so tabelns- werther, als es ganz zwecklos ist. Denn man sollte doch endlich gelernt haben, daß dieser Enzian überhaupt nicht mit Erfolg cultivirt werden kann, weder in freiem Lande noch im Topfe. ' h.
Obiger uns freundlichst zugesandten Notiz möchten wir unsererseits noch zufügen, daß es namentlich den Eltern angelegen sein möge, die Kinder blos zum Anschauen des liebliche« Blümchens anzuhalten. Wer z. B. am Sonntag Nachmittag nach dem Philosophenwalde, resp. der dortigen Restauration ging, wird mit Bedauern bemerkt haben, daß bort verschiebentlich unter Tischen unb Bänken bte Blümchen zerstreut lagen. So viel Liebe zur Natur muß man een Kleinen beibringen, baß sie bas, was ben Naturfreunb mit Bewunberung unb Freube erfüllt, nicht zerstörungslustig oder unbedacht abrupfen, um es nach einigen Minuten wegzuwerfen. Ueberdies dürfte es auch Sache der Waldhüter sein, ein aufmerksames Auge zeitweilig auf haben. D Red.
— Herr Lindner, Jjer beliebte Komiker am hiesigen Theater hat den Lony'schen Bierkeller pachtweise übernommen. Er glaubt ein recht aufmerksamer, freundlicher und unterhaltender Kneipwtrth zu werden, bei welchem die Gäste sich bald heimisch finden würden Seine zahlreichen Freunde sind wohl derselben Ansicht und begrüßen mit Freuden das Unternehmen des beliebten Papa Lindner.
Handel und Verkehr.
Gießen, 6 Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 85 bis 90 H, Hühnereier, per Stück 4 H,°2 Stück 9 Gänseeier, ver Stück — Enten der, per Stück 5 H, 2 Stück — Käse, per Stück 5—8 H, Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 18 H, Linsen, 1 Liter 22 H, Tauben, bas Paar 65 Hühner, per Stück X 12", Hahnen, per Stück X 1.30, Enten, per Stück X -, Kartoffeln, per 100 Kilo X 6—7, Zwiebeln, per Etr. X 12—13. Ocksenfleisch 70 A per Pfd., Kuh» und Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 58 — 60 H, Kalbfleisck 46 -50
Frankfurt, 5. Mai. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 X 39, Nr. 2 X 37 Nr. 3 X 31, Nr. 4 X 27, Nr. 5 X 21. Roggenmehl o/t (Berliner Marke) X 21.50, do. I (Berliner Marke) X 19.50—20, bo. 11 (Berliner Marke) X 14.50—15.50. Weizen, effeetiv hiesiger ab Bahnhof hier X 21—21.25, ab unserer Umgegenb X 20,50—21, do. fremder je nach Qualität X 20,50 — 21, Roggen, je nack Qualität X 13;—15.75, Gerste X 17-19, Hafer X 13.50 — 14.50, Kohlsamen X 27 —29, Erbsen X 19 bis 27, Wicken X 14—16, Linsen X 17—36, Söhnen, weiße, X 19.50, Roggenkleie X 10, Weizenkleie, grobe unb feine X 8—9, Nüböl, detail, X. 6«. Stimmung ruhig. Dringend offerirt russischer Roggen Hauptsächlich gefragt war — (Die Preise verstehen sichAsämmtlick per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo )
Frankfurt, 5. Mai. Der heutige Viehmarkt war ziemlich gut befahren. Angetrieben waren ca. 360 Ochsen, 200 Kühe und Rinder, 180 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 65—67, 2. Qual. X 6' —62, Kühe 1. Qual. X 60 bis 62, 2. Qual. X 52-54, Kälber 1 Qual. X 63-65, 2. CluaL 58—60, Hämmel 1. Qual. X 62—64, 2. Qual. X 52—54 per 100 Pfund Flelschgewicht. Schweine das Pfund 54 Pfg.
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