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Nr. 32. Freitag, den 7. Februar 187S.

(Siebener Mnzeiger

Anzeige- itnb Amtsblatt für den Kreis Gießen.

RedaetionSbureau r

Gxpedittsnsbureau r

Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

nee

politisch

Deutschland.

Darmstadt, 5. Februar. In der heutigen (9.) Sitzung der zweiten Kammer wurde mit der Berathung des Budgets (1. Theil, Ausgabe) sorrge- sahren. Die Anstellung eines zweiten Ass fsorS am Kreisamt dahier wurde genehmigt, der für den zweiten Commtffär am Polizetamt Darmstadt ausgesetzte Gehalt nur für den gegenwärtigen Inhaber bewilligt. Die für die evangelische Landeskirche für 18791881 jährlich geforderte Summe von 174,257,42 wurde nur für das Jahr 1879 bewilligt.

Die für Crtminal- und Polizeikaffen und Gesängnißanstalten geforderte Summe von 312,815 JC. wurde bewilligt.

Endlich nahm die Kammer die Anträge des Ausschusses, betreffend den Staatszuschuß für die katholische Kirche, gegen eine kleine Minorität an.

Es ist begründete Aussicht dafür vorhanden, daß die Zahl der Rent­ämter in Starkenburg und Oberhesien auf 10 herabgemtndert werde. Den Ständen soll bald ein Dtsctplinargesetz für die Ctvilbeamten vorgelegt werden. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer constattrt die vielfachen Klagen über mangelhafte Unterhaltung der Staatsstraßen, die in erster Linie auf das nicht ausreichende Deckungsmaterial zurückg« führt werden und dringt auf deß- sallsige Abhülse. Für den Neubau eines Hafklocals in Offenbach ist Be­willigung der angesorderten 110,000 JL beantragt. (Fr. Jour.)

Berlin, 3. Februar. Der Verzicht Oesterreichs auf die Ausführung des Artikels 5 des Prager Friedens ändert an dem thatsächltchen Verhältnis wenig. Preußen hatte Dänemark wiederholt das R'cht bestritten, selnerseits die Ausführung des Artikels 5 zu beanspruchen. Preußen hatte nur Oister- retch ein solches Recht zuerkannt, und auch dies wurde als streitig behandelt, seit die diesseits wegen einer Vereinbarung mit Dänemark unternommenen Versuche fruchtlos geblieben find. Die Lage der Sache wird jedoch durch den Verzicht Oesterreichs ohne jeden Zweifel vereinfacht, und in so fern hat die Meldung einen günstigen Eindruck Hervorgeblacht. Die Verhandlungen haben sehr wahrscheinlich ohne Betheiligung Dänemarks stattgefunden. Man bringt die Inangriffnahme der Frage in diesem Augenblick natürlich mit den letzten Vorgängen m Kopenhagen in Verbindung, die denn doch eine nachhaltigere Verstimmung hervorgerufen hätten, als gewöhnlich angenommen wurde. Der Verzicht Oesterreichs wird von den dortigen Blättern als ein Beweis guten Einvernehmens, als ein Freundschaftsdienst aufgefoßt. Auch läßt sich nicht verkennen, daß ein anderes Mti.isterium in Wien einmal wieder mit dem Artikel 5 Preußen Verlegenheit bereiten foi-nte. In der politischen Welt hat man aud) wohl geforscht, welche Gegenleistung Oesterreich dafür erwartet haben mochte, und die Vermuthungen streiften unter Anderm den Orient. Doch ist angesichts des gemeinsamen Entschluffes der Mächte, auf die Aus­führung des Berliner Friedens zu dringen, nicht ersichtlich, welche Anhalts­punkte eine derartige Conjectur haben sollte. Was den Welsenfonds angeht, so will ein Gerücht wissen, es sei von einer Seite angeregt, ihn mit dem han­noverschen Prooinzialsonds in irgend einer Weise in Verbindung zu bringen. Dies wird indeffen aus mehr als einem Grunde der Aufklärung und Bestäti­gung bedürfen.

Berlin, 4. Februar. Von gewöhnlich gut unterrichteter Seite geht demBerl. Tagebl." die Nachricht zu, daß Fürst Bismarck von vornherein gewillt gewesen sei, in dem Reichstags -Dtsciplinargesetz eventuell den Paffus über den Strafrichter fallen zu lasten. Daß das Gesetz nicht doch in der einen oder anderen Weise zu Stande kommen werde, gilt für höchst unwahr­scheinlich. Dem Anschein nach erwartet man, daß alle beiheiligten Faktoren sich schließlich über einen aus der Mitte des Reichstags selbst hervorgegange- j en Gesetzentwurf einigen werden, um so denberechtigten Kern" aus der An­regung dee Reichskanzlers zu reiten.

Berlin, 4. Februar. Die Commission für Schutzmaßregeln gegen die Pest hat grstern Abend ihre Berathungen über den nächsten Theil ihrer Auf­gabe abgeschlossen, d. h. über die Maßregeln bet dem jetzigen Stande der Epidemie, wohin gehören die Anstalten an der Grenze für Desinfectton rc. Die Commission sprach außerdem den Wunsch aus, daß von Seiten der Re­gierung allgemeine sanitäre Maßregeln zur Sicherung uiid Pflege des Gesund­heitszustandes der Einwohner an der russischen Grenze getroffen werden. Die Commissionsprotokolle sollen dem- ächst veröffentlicht werden, um dem Publikum Einsicht in Charakter und Zw»ck der Maßregeln zu gewähren. Die Subcom­missionen arbeiten noch fort und berathen Schutzmaßregeln für weitere Even­tualitäten, bei deren Eintritte die Frage wegen der Grenzsperre und der Ein­richtung einer Quarantäne praktisch werden könnten. Prof. v. Pettenkofer ist heute früh nach München abgerelst.

Gesterreich.

Wien, 4. Februar. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Zu General-Gouverneuren wurden ernannt: Mahmud Nedim in Mostul, Achmed Befik in Brusta, Hamdi in Bagdad, Server Pascha tu Smyrna und Reuf Pascha in Adrtanopel. Edhem Pascha wurde zum Botschafter in Wien ernannt. Die Pforte hat beglaubigte Informationen erhalten, nach welchen '

er Hheit.

die Rusten fortfahren, bedeutende Truppenmasten bei Adrtanopel zu concen- trtren und letztere Stadt stark zu befestigen. Gestern hat nach einer Conferenz zwischen dem Grafen Achy und Karatheodori Pascha eine neue Zusammenkunft der russischen und türkischen Friedens-Bevollmächtigten stattgefunden. Der Abschluß des Friedens wird noch immer durch Detailfragen verzögert. Der Friedensvertrag wird den officiellen Titel führen:Vertrag, welcher die durch den Berliner Vertrag nicht erledigten Fragen regelt." Die Pforte entsandte den Quarantäne-Arzt Gobtadis zur Berichterstattung nach Astrachan. Die Beschlüste der Wiener Commission wurden der Pforte amtlich mitgetheilt. Auch die serbische Regierung hat bereits Schritte gethan, sich den vereinbarten Maßregeln anzuschließen.

ßngland.

London, 4. Februar. Gestern sand ein Cabinetsrath statt. Earl Parmoulh ist zum Controleur des Haushaltes der Königin ernannt worden. Standard" meldet aus Hazarpir vom 3. d.: Jakub Khan zieht rings um Kabul die Trüummer der Streitkräfte zusammen, welche früher in Herat, Kandabar, dem Khutum- und dem Khyber-Paste standen.

London, 4. Februar. Dem ,,Daily Telegraph" wird aus Peters- bürg gemeldet, daß der Kaiser Alexander sehr erschöpft aus sehe und viel von Asthma zu leiden habe.

London, 4. Februar. In Liverpool und Birkenhead ist in den letzten Tagen ein neuer großer Arbeiterstrike zum Ausbruch gekommen. In Birken­head stellten die Arbeiter der großen Schiffbauerfirma Laird am Dienstag die Arbeit ein, in Liverpool begann die Einstellung am Samstag. Die Arbeits­herren hatten angesichts der gldrückten Geschäftslage eine Lohnherabfitzung um 71/2 pCl5 angekündigt. Die Arbeiter schlugen Halbtrung dieses Betrages vor und stellten, als die Arbeitgeber darauf nicht etngehen wollten, die Arbeit ein. Es sind dabei Werftarbeiter, Kesselschmiede, Maschinenbauer und andere Handwerker.

Türkei.

Konstantinopel, 3. Februar. Vier frühere Großveziere wurden zu General-Gouverneuren ernannt. Um Aufklärungen wegen eines in Prevesa auf ein griechisches Boot abgefeuerten Kanonenschustes angegangen, hat die Pforte dem französischen Botschafter erklärt, baßes ein blinder Schuß gewesen sei, welcher das Boot vor der Annäherung an Torpedos warnen sollte.

Amerika.

Washington, 3. Febr. Das gelbe Fieber hat während des letzten Halbjahres tn den südlichen Staaten der Union insgesammt 15,000 Personen hingerafft.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz- Bureau.

Berlin, 5. Februar. In einem Artikel derProv.-Corresp.", welcher die Aufhebung des Art. 5 des Prager Friedens bespricht, heißt es: Abgesehen von der großen Wichtigkeit der Sache selbst, zumal auch tn ihren Beziehungen nach manchen anderen Seiten, ist der Abschluß des Vertrages in der That ein vollgültiger bedeutsamer Beweis für den Wunsch des Kaisers von Oesterreich, die zwischen beiden Mächten bestehenden freundschaftlichen Bande noch enger zu schließen, und wird in solchem Sinne nicht blos von der Regierung unseres Kaisers, sondern auch von dem preußischen und deutschen Volke dankbar ge­würdigt werden. Betreffs der Pest bemerkt die nämliche Correspondenz: Neuere Nachrichten taffen annehmen, daß eine Ausdehnung der Epidemie neuer­dings nicht ftattgesunden hat. Die Correspondenz bestätigt ferner, daß Fürst Bismarck dieser Tage hier zurückerwartet wird.

Köln, 5. Februar. Der Berliner Courierzug ist heute nahe bei Porta entgleist. Die Locomotive, der Pack-, Post- und 2 Personenwagen find den Damm herunter bis zu einer Glashütte gefallen. Verschiedene Zugbeamte und 5 Postbeamte sind verletzt, darunter 2 schwer; außerdem find auch mehrere Passagiere verletzt.

Wien, 5. Februar. DiePolit. Corresp." meldet aus Skutart vom 5. ds.: Vorgestern wurde in Virbazar von den türkischen und montenegrinischen Bevollmächtigten das Protokoll unterzeichnet, wonach Spuz am 7. d. und Podgoiitza am 8. d. definitiv Montenegro zu übergeben find. Dieselbe Corre- spondenz meldet aus Konstantinopel: Die russischen Truppenconcentrirungen bei Adrtanopel sind auf die Räumung bezweckende Vorbereitungen zurückzuführen. Die Befestigung Adrianopels bestätigt sich nicht, dagegen werden die Befestig- ungsalbeiten am Schipkapaffe von Seiten der Ruffen fortgesetzt. Die Polit. Corresp." meldet aus Bukarest: Es verlautet bestimmt, Rumänien sei entschloffen, in der Frage der Räumung des Forts Arabtabia sich nur dem Willen Europas zu fügen und es auf eine Gewaltthat von russischer Seite ankommen zu laffeu.

Petersburg, 5. Februar. Osficielle Meldung aus Astrachan von gestern: In Wetlianka und Umgegend befindet sich kein Kranker. In Celi-

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