Telegraphische Depeschen.
Wagner'« telegr. T»rresppuveur«vurea«.
Berlin, 4. August. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Seine Majestät der König hat, um Seiner Anerkennung der treuen Dienste, welche ihm und
der Monarchie der Staatsminister Falk in seinem bisherigen Amte mit aufopfernder Hingebung unter schwierigen Verhältniffen geleistet hat, in der Familie orterbende Erinnerung zu geben, dem einzigen Sohne des Ministers Falk den Adel verliehen.
München, 4. August. Abgeordnetenkammer. Auf die Interpellation Ziendorfer's, betreffs der Baupflichten bet organisirten Pfarreien, erklärt Minister v. Lutz, die Angelegenheit gehe auch den Finanzminister an, daher sei erst in einigen Tagen die Beantwortung möglich. Die Legitimationen der Abg. Dürrschmitt und Stenglein werten anerkannt. Schels äußert, auch hier zeige sich die Nothwendigkett der Wahlgesetz-Reform. — Bei der Berathung der Gebühren-Ordnung wird der Antrag Äub, den Gemeinden einen Anthetl an dem Erträgniß der Jagdkarten zu überweisen, abgelehnt. Finanzminister Riedel gtebt eine Darlegung der bayerischen Finanzlage: Bei den Einnahmen ergeben sich Ausfälle im Betrage von rund 25,327,000. Dabet stehe eine Erhöhung der Ausgaben in Aussicht. Der Ertrag der Zollreform im Reich werde voraussichtlich die Verchetlung von 95 Millionen an die Emzelstaaten ergeben, für nächstes Jahr jedoch nur 60 Millionen. Davon entfielen auf Bayern 11, resp. 7 Millionen, so daß für nächstes Jahr ein Deficit von 16 Millionen zu decken sei. — Morgen Fortsetzung der Berathung.
.London, 4. August. „Times" meldet die Suspenfion der Consolidated Bank of Canada. Ferner suspendirten George Wall Company in Colombo und London, Kaffeeplantagen-Besitzer und Exporteure mit 300,000 L. Passiva.
Wien, 4. August. Meldung der „Poltt. Corresp." aus Bukarest. Das letzte russische Husaren-Regiment in Silistria ist nunmchr nach Reni etnge- schifft, woselbst 30,000 Ruffen auf Weiterbeförderung durch die Eisenbahn harren. c _
Paris, 4. August. Im 8. Arrondtffement von Parts wurde der Con. servattve Riant zum Mitglied des Gemetnderaths gewählt.
Nancy, 4. August. Gelegentlich der Beantwortung eines Toastes kündigte der Maire von Belfort an, daß Belfort eine ähnliche Feier wie die hiesige vorbereite.
London, 4. August, Abends. Unterhaus. Auf Befragen Dllke s thetlt Unterstaatssecretär Bourke mit: Die Pforte hat die Rote vom 27. Juni, betr. Reformen, nicht formell beantwortet, aber gegenüber Layard versichert, sie beabsichtige nicht die ihr im Berliner Vertrage auferlegte Verantwortlichkeit zu umgehen. Die Reformen seien nur verzögert, weil sie eine zeitraubende Erwägung erforderten. Die Pforte hoffe diese Erwägungen in einigen Tagen zu beendigen und alsbald die Angelegenheit zu regeln. — Auf eine Anfrage Goldshmtd's erklärt Northcote: Es sei im Wesentlichen richtig, daß durch die erfolgte Absetzung des Khedive Egyptens Privilegien nicht geändert seien, aber der Ferman sei noch nicht erlaffen. Unvahr sei, daß die Pforte die Erhöhung des Tributes vor Gewährung des Fermans fordere. Auf Anregung von Jenkin's erklärt Bourke: Es liege keine officielle Mittheilung vor über Höhe und Beschaffenheit des Elgenthums, welches der ehemalige Khedive mitgenommen hat. Weder England noch eine andere Macht hat bezügliche Schritte gethan.
Darmstadt, 5. August. Dem Vernehmen nach wird die Kaiserin von Rußland nächste Woche nach Jugenheim kommen.
Lok a l e S.
England.
London, 2. August. „Times" verbreitet sich über die hochbedeutenden Ergebniffe. welche durch den Berliner Vertrag bisher schon erreicht seien, und nimmt aus der allgemeinen Befriedigung über dieses Resultat Veranlaffung, die besonderen Verdienste des Fürsten Bismarck um das Zustandekommen des Vertrages in warmer Weise hervorzuheben. Dem Staatsmanne, welcher gewiffermahen als Schiedsrichter des diplomatischen Streites fungirte, dürfte sicher nicht die Anerkennung versagt werden, daß das Zustandekommen des Vertrages in hervorragendem Maße seinem festen und umsichtigen Einflüsse zu verdanken sei. „Times" knüpft hieran die ermuthigende Hoffnung, daß die orientalische Frage auch künftig einen befriedigenden Verlauf nehmen und der Berliner Vertrag die permanente Basis der zukünftigen Entwickelung der europäischen und asiatischen Türket bilden werde.
Rußland.
Aus Rußland. ließet den angeblichen Grund der auffallend schnellen Rückkehr des russischen Kaiserpaares aus Ltvadia schreibt man der „Erml. Ztg." aus dem Czarenreiche: Obwohl officiell die Nachricht verbreitet war, daß der Kaiser den ganzen Sommer und einen Theil des Herbstes in Livadia zubringen werde, ist die kaiserl. Familie unverhofft in die Hauptstadt zurückgekehrt. Die Politiker zerbrechen sich die Köpfe, auf welche diplomatische Ursache dieser schnelle Restdenzwechsel zurückzuführen sei. Hier erzählt man sich ein trauriges, aber die ganze Sache leicht zu erklärendes Ereigntß. Ungeachtet aller Vorsichtsmaßregeln entdeckte der die Runde machende Officier im kaiserl. Parke zwei unbekannte Individuen, welche bet seinem Erscheinen sofort verschwanden. Bet einer genauen Durchsuchung des Gartes wurden die beiden verdächtigen Personen nicht gefunden, wohl aber ein in den letzten Zügen liegender Wachtposten, der nach einigen Stunden verschied, ohne daß er einen Augenblick zum Bewußtsein zu bringen war. Die Aerzte constatirten bei der Section des Leichnams Vergiftung. Diese unheimliche That habe besonders die Kaiserin in einen solchen Schrecken versetzt, daß das sonst so ruhige und geliebte Livadia als höchst verdächtig sofort wieder von der kaiserl. Familie verlaffen wurde. _______________
10. Sterbefälle. Gestorben sind: am 29. Juni der Revisionscontroleur i. P. Heinrich Karl Philipp Thomin zu Mainz; am l Juli der Landgerichrs- affeffor i. P. Karl Kleinschmidt zu Darmstadt; am 12. Juli der evang. Pfarrer Philipp August Victor zu Groß-Rohrheim; am 13. Julr der Friedensrichter K„aus zu Alzey; am 14. Juli der Zahlmeister i. P. Albert Wilhelm Bruno Kirchhoff zu Mainz; an dems. der Schullehrer Wilhelm Müller zu Worms; am 16. Juli der Schullehrer t. P. Georg Dtntelmann zu Altheim ; am 17. Julr der charakteristrte Major i. P. Friedrich Wilhelm Heß zu Darmstadt.
Darmstadt, 4. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: ,
Am 28. Mai den Repetitor an der Thterarznerschule zu Hannover, Dr. Friedrich Eichbaum, zum außerordentlichen Profeffor bei der medtcini- schen Fakultät der Landes-Universität mit Wirkung vom 30. Juli d. Js. zu ernennen und in der genannten Eigenschaft zu berufen.
Frankreich.
Versailles, 2. August. Die Deputirtenkammer hat das Gesetz, betr. den Dienst des Generalstabes, definitiv angenommen. Der Vorsitzende der Zolltarifcommisston, Malezieux, sprach die Hoffnung aus, daß die Tanfe noch vor Ende dieses Jahres angenommen sein würden.
Ministerpräsident Waddington verlas im Senate und in der Deputirtenkammer ein Dekret, durch welches die Session für geschloffen erklärt wird. Die Wiedereröffnung der Kammern wird in Paris zwischen dem 25. November und dem 1. December ftattfinden.
gtancb, 3. August. Die feierliche Enthüllung des Standbildes Thiers fand unter sehr großer Theilnahme der Bevölkerung statt. Fünf Mitglieder des Ministeriums und viele parlamentarische Notabilitäten wohnten der Feierlichkeit bei. ^uleS ©imon kennzeichnete in seiner Gedenkrede den Ruhm Thiers' als Geschichtsschreiber und Staatsmann. Thiers sei stets ein unwandelbarer Verteidiger der Freiheit gewesen. Handelte es sich um feine Ueberzeugung, verstand er es auch, auf seine Popularität zu verzichten und seiner eigenen Pattei die Spitze zu bieten. Diese edle und kluge Festigkeit 1 einer Ueberzeugung machte ihn zum großen Manne. Er habe den Krieg zu verhindern gesucht Während des Krieges habe er sich bei Europa für Frankreich verwandt. Als er zur Macht gelangt sei, habe er drei große Kämpfe zu bestehen gehabt, gegen d-e Commune, gegen den Feind und gegen die Nationalversammlung. Thiers habe Frankreich die größten Dienste geleistet. Auch in seiner Zurückgezogenheit fei er Frankreichs Führer und Frankreichs Hoffnung gewesen. Er habe den Sieg der Republik voraus- aesaat und Recht behalten, vermöge des allgemeinen Stimmrechts und vermöge der Haltung des Parlaments. Frankreich sei gerettet und besitze für immer eine republikanische Regierung, die Freiheit zu denken, zu lehren und zu schreiben Die Republik habe den Kampf, in welchem sie ihre Feinde besiegen mußte, hinter sich, um m eine Periode der Macht zu treten, wo sie diese Feinde beruhigen und an sich ziehen muffe. Die Revolution von 1870 finde ihre definitive Form. Diese sei.die confervative und liberale Republik, wie sie Thiers gewollt. — Nach Jules Simon hielt der Minister des Innern Lepere, eine Rede, worin er erklärte, die Regierung sei anwesend, um eine glänzende Huldigung Demjenigen darzubringen, der den ruhmreichen Titel eines Be- tteiers des Landes verdiene. w . ...
In einem Rückblick auf die Thätigkett Thiers' wies der Minister darauf hm, wie Thiers es verstanden, das Land so rasch zu befreien, trotz der Schwierigkeiten, die unübersteiglich geschienen. Das Land sei in einem Bürgerkriege, die Staatsnnanzen erschöpft gewesen und Requisitionen hätten die Bürger belastet, die Festungen leien entweder genommen oder geschleift, die Armee gefangen und die Nationalversammlung gespalten gewesen. Thiers habe Allen Muth gegeben, wieder Hülfsquellen entdeckt und schließlich eine Regierung des Landes durch das Land geschaffen, die er m einer parlamentarisch-constitutionellen Monarchie glaubte gefunden zu haben, 'ähnlich der englischen trotz der Verschiedenheit der politischen und socialen Gebrauche beider Lander. Thiers habe acht Regierungen stürzen gesehen und sei dahm gekommen, die Republik anzuerkennen, welche die Revolution gekrönt habe und welche für Frankreich fortan Die einzig mögliche Regierungsform gewesen sii. Der Redner erinnerte an das was Thters durch seinen Rath und seine Klugheit gethan, um dre Republik zu bereftigen Die Regierung habe beschlossen, den hohen Ideen Thiers' in der konservativen Republik treu zu bleiben, indem sie das Volk aufkläre, Unterricht und Arbeit in jeber Weise unterstütze und mit chimärischen Utopien abbreche. Die Regierung wolle alle Freiheiten achten und die legitimen Interessen beschützen Sie wolle die Schutzerm sein der Rechte des Staates, der socialen Errungenschaften der französischen Revolution, sowie der nationalen Traditionen und des gerechten Einflusses Frankreichs m Europa und in der Welt.
SehlfFsberictit. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Llovd ^Ne?yott, 2. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Dn Postdan^fcr Wes^ Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Juli von Bremen u am 22. Juli von Southampton abgegangen war, ist heute 8 Uhr Morgens wohlbehalten hu* angekommen.
Gießen 5. August. Am 6. October a. c. feiert der Großh. Rabbine der Provinz Obtthessen Sr. Ehrwürdcn Herr Dr. Levi dahier, sein 50jähriges Amtsjubiläum.
Gleichwie ihm zur Zeit seines Doctorjubiläums am 7. November v. I. zahlreiche Beweise der Hochachtung und Verehrung geworden, so regt es sich auch schon jetzt und ist man bestrebt, die so seltene Feier zu einer angemessenen und würdigen zu gestalten. Möge vas Be- müden allseitige Unterstützung finden. . .
' Dem ehrwürdigen Jubilar aber möge es vergönnt ,em, die,en seinen Ehrentag in ungetrübtem körperlichen wie geistigen Wohlbefinden, umgeben von Kindern unv Enkeln, von Schülern und Freunden zu verleben, und möge noch eine lange Reihe von Jahren der beruflichen Wirksamkeit und gemeinnützigen Thättgkeit ihm beschieden sein.
Gießen, 5. August. Vor einigen Wochen ist hier in Gießen die berüchtigte Wasierpesi (Elodea canadensis) gefunden worven und zwar in einem kleinen Teiche dicht an der Lahn (beim Schmall'schen Eiskeller oberhalb des Promenadenhauses), welchen sie in ungeheurer Menge erfüllt. Möge das Publikum nicht versäumen, das niedliche und doch so gefährliche Pflänzchen einmal ju Ibetr die Pflanze nicht so sehr gefährlich sein, da es nur Mutter
pflanzen ohne Samenvermehrung sind, welche sich an obigem Platze finden. Wurde hier auch die Fortpflanzung durch Samen anstatt einfacher Weiterverbreitung durch Abzweigungen stattfinden, dann könnte allerdings in ganz kurzer Zeit eine Versperrung resp. Verfilzung eines damit betroffenen Wassers eintreten. D- Red.)
Gießen 5. August In der gestrigen Vormittagssitzung des Schwurgerichtshofei wurde Heinrich'-Heeres von Schlotzau wegen Vergehen oes Diebstahls zu 6 Monat Gefängnis und Erstattung der Kosten des Verfahrens, jedoch unter Anrechnung von 3y2 Monat Unter suchungshaft, vcrurtheilt.
' _ In der Nachmittagssitzung kam die Anklagesache gegen Johannes Prang von Nös
berts wegen Raub und widernatürlicher Unzucht zur Verhandlung. Der Beschuldigte wurei ,u 7 Jahr 1 Monat Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer vor 3 Jahren vcrurtheilt. 4 Monat erlittene Untersuchungshaft kommen auch hier in Abzug.
— Heute Vormittag passirte eine Batterie Artillerie unter klingendem Spiel die Straßer 61 taJ Aus einer Wiese bei Rödgen fiel gestern ein Mann (Wiesenwärter Weller vor Wieseck) von einem beladenen Heuwagen so unglücklich, daß er an einer erlittenen Gehirn erschütterung alsbald verstarb.
Gießen, 5. August- Bei dem am 2., 3. und 4. d. M- m Offenbach a. M. statt- gehabten XI. Mittelrheinischen Turnfeste wurden von den hiesigen Turnern 4 Preil- erzielt und zwar der 3., 5., 2l^und^30^^reis^^——gi
_ mischt e S.
Frankfurt 1 August. Der seit zwei Jahren in Frankfurt a. M. bestehende Frauev- bildungsvere.n hat es'sich zur'Ausaabe gestellt, Frauen und Mädchen zu, gewerblicher Thätigkec und selbständigem Erwerb auszubilden und hat in der kurzen Zeit ,eines Bestehens schon rech aünfl ac Erkolae erzielt. In der Fortbildungs- und Gewerbeschule wurden circa vierhunbert M Je Tn!internet in allen Zweigen weiblicher Arbeit In der Kochschule: da ersten dieser Art in Süddeutschlanv, ist em großer Zudrang von Schülerinnen und d e damU verbundene Speiseanstalt für Damen wird von Einheimischen unv Fremden gern besuch. »uy der mit der Anstalt verbundene Kindergarten wird von circa hundert Kindern benutzt. L)a» Lokal dieser verschiedenen Anstalten liegt im Mittelpunkte der Stadt, durch einen Durchgang - aeqenüber dem Russischen Hof mit der Zeil verbunden. Es sind schöne luftige Raume und ea ?d?attiqcr ©arten, weßhalb wir den angenehmen Aufenthalt, der auch eui Lesezimmer enthalt, allen Damen warm empfehlen. Die Speisen und Getränke sind gut und preiswürdig und zu allen Zeiten zu haben. Eine der Vorsteherinnen ist gegenwärtig und zui jeder Auskunft gera bexeit. — Auswärtige Schülerinnen finden daselbst Pension und gute Aufsicht^


