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Mittwoch den 6. August
Nr. ISO
1879
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Schulftraße B. 18.
Erscheint tciglich mit Ausnahme des Montags.
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Deutschland.
Darmstadt, 3. August. Das Großherzogltche Regierungsblatt (Beil. Nr. 18) enthält:
1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 20. Juni l. Js. dem Sergeant Johann Michael Krebs von der 3. Compagnie des 2. Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116, aus Lanzingen, im Königr. Preußen, fü.r die von ihm mit Muth und eigener Lebensgefahr vollbrachte Errettung des Oeconomen Konrad Noll von Gießen von dem Tode des Ertrinkens das
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Zur allgemeinen politischen Lage.
Die allgemeine politische Lage zeigt andauernd ein ziemlich friedliches Bild. Fürst Alexander von Bulgarien hat sofort nach seinem Regierungsantritt Schritte gethan, um die Agitation unter der bulgarischen Bevölkerung der angrenzenden Provinzen zu beschwichtigen. Der Gouverneur von Ostrumelten soll nach dem Abzug der Russen nur dann türkische Truppen tn's Land rufen, wenn die internationale Commission es einstimmig wünscht. Die griechische Frage tritt augenblicklich, trotzdem die Pforte endlich Commtsiare für die Verhandlungen über die Grenzfrage ernannt hat, hinter der brennend gewordenen egyptischen in den Hintergrund. Letztere bietet aber, trotz der Energie, mit welcher die Westmächte in Konstantinopel auf Wiederherstellung der früheren, fast vollständigen Unabhängigkeit des Vtcekönigs dringen, Hine Gefahren für den Frieden, da Frankreich und England dabei im Etnverstäni>- niß mit den übrigen Mächten vorgehen, es also an einer Erledigung der Frage nach den Wünschen Europas, welches unter allen Umständen eine geordnete Finanzverwaltung und Justizpflege verlangen muß, schließlich nicht fehlen wird.
Der schwärzeste Punkt am östlichen Horizont ist leider die traurige Lage der Dinge in Konstantinopel und in der Türket überhaupt. In Folge der gänzlichen Unberechenbarkeit des geistig kranken Sultans sind die Zustände in der Hauptstadt geradezu unhaltbar geworden. Kaum hatte z. B. der Telegraph gemeldet, daß der bisherige Großveztr Khereddtn unter Bewilligung seiner Forderungen in seinem Amte bestätigt sei, so kommt gleich hintendrein die Nachricht von dem plötzlichen Sturz der gesammten Regierung und der Aufhebung des Großvezirats. Bei solcher Zerfahrenheit im Mittelvunkt des Reichs ist es denn nicht zu verwundern, daß der Zersetzungsproceß auch in den Provinzen rasche Forschritte macht: von allen Seiten her werden Aufstände gemeldet, und englische Minister geniren sich nicht, öffentlich zu erklären, der Türket sei durch den Berliner Vertrag eine „Gnadenfrist" gegeben, von deren Benutzung ihr Schicksal abhänge. Bet der Unfähigkeit der Pforte, wirk- liche Reformen etnzuführen, wie sie durch das englische Blaubuch über diesen Gegenstand jüngsthin constattrt ist, kann der Zerfall des osmanischen Reichs nicht lange mehr auf sich warten lassen.
Glücklicher Weise tritt nach dem demnächst vollendeten Rückzug der russt- ichen Truppen Oesterreich als ausschlaggebende Macht auf den Schauplatz ; der Balkan-Halbinsel. Und da man in Wien weiß, daß man bei der Mission Oesterreichs, die europäische Cultur nach dem Südosten zu tragen, die mächtigste aller europäischen Regierungen auf seiner Sette hat, da der Kaiser i^ranz Joseph selbst soeben durch den eigenster Initiative entspringenden Wunsch nach einer persönlichen Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm in Gastein ein laut sprechendes Zeugntß von den festen Freundschaftsbeziehungen liefert, welche zwischen den Herrschern und Regierungen der beiden Nachbarreiche obwalten, so braucht man sich über etwaige üble Folgen eines Vorrückens österreichischer Truppen nach Novtbazar und selbst weiter nach Süden hin keine Sorge zu machen.
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Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Retttung von Menschenleben" Allergnädtgft zu verleihen geruht.
2. Bekanntmachung Großherzogltchen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.
3. Bekanntmachung desselben Ministeriums, die Ergebniffe der Vermal- tung der Wittwen- und Watsenkaffe der Volksschullehrer vom Jahre 1877 betr.
4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Friedberg, die Erhebung einer nachträglichen Umlage der israelit. Religions-Gemeinde Rodheim v. d. £. für 1877/79 betreffend. J
5. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines ftemden Ordens.
6. Namensveränderungen.
7. Dienstnachrtchten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädtgst geruht: am 24. Juni dem evang. Pfarrer Friedrich Jacob Flick zu Ober-Seemen die evang. Pfarrstelle zu Reichelsheim zu übertragen; am 27. Juni den von dem Herrn Fürsten zu Ysenburg-Büdingen auf die dritte evang. Pfarrstelle zu Büdingen mit Herrnhag präsentirten Pfarrer Ferdinand Heumann von Ober-Mockstadt für diefe Stelle zu bestätigen.
Am 18. Juni wurde Hülfsconducteur Jacob Rodrian aus Fürfeld zum Conducteur bei der Main-Neckar-Eisenbahn ernannt; am 6. Jult wurde dem Schullehrer Theodor August Friedrich Grünewald zu Reichelsheim im Odenwald eine erledigte Lehrerstelle an der Volksschule zu Worms, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Georg Zimmermann zu Armsheim eine erledigte Lehrerstelle an der Volksschule zu Worms ü^?ttragen; an dems. Tage wurde Katharina Diehm aus Gießen zur Oberhebamme an der Entbindungsanstalt zu Gießen auf Widerruf, am 17. Juli wurde der Brückenwärter bet der Mainüberfahrt zu Kostheim Balthasar Gönner zum Brückenwärter bei der Schiffbrücke zu Mainz ernannt.
8. Ruhestandsversetzungen. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 24. Juni den Forstwarten der Forstwartei Gontershausen Förster Johann Georg Seibel zu Haarhausen auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, am 4. Juli den Canzlet- Jnspector bei dem Haus- und Staats-Archiv Archivregistrator Adam Budde aus Anlaß der veränderten Organisation des Archivdienstes mit Wirkung vom 1. August l. Js. an, am 11. Juli den Bahnmeister der Bahnmeisterei Darmstadt der MaiN'Neckar-Eisenbahn Johannes Saß auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.
Am 15. Juli wurde der erste Universitätsdiener Heinrich Zimmermann zu Gießen, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als 65jährigen treuen und eifrigen Dienste, mit Wirkung vom 1. October d. Js. an in den Ruhestand versetzt.
9. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Worms mit einem jährlichen Anfangsgehalte von 1200 X, nach Klaffen aufsteigend bis 2200 X Die evang. Pfarrstelle zu Romrod; dotationsmäßiger Gehalt 2138 «X. Eine mit einem kath. Lehrer zu befetzende Lehrerstelle an der Gemeindefchule zu Pfeddersheim, mit einem nach dem Dienst- alter sich bemeffenden Gehalte von 1000 bis 1400 X Sechs Lehrerinnenstellen an der Volksschule zu Mainz mit einem Gehalte von je 1200 x.\ von diesen Stellen sind vier mit katholischen und zwei mit evangelischen Lehrerinnen zu besetzen. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Griedel mit einem Gehalte von 900 «X.; das Präsentationsrecht steht dem Herrn Fürsten zu SolmS-Braunfels zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Geiß-Nidda mit einem jährlichen Gehalte von 900 «X. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Leeheim mit einem Gehalte von 900 X. Die evang. Pfarrstelle zu Armsheim; dotationsmäßiger Gehalt 2224 X.
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Die Schußlinie geht von der Einbuchtung der Lahn gegen den Ostrand der Teufelsberge. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der zunächst betheiligten Gemeinden wollen dies noch besonders ortsüblich verkündigen lasten. Gießen, den 4. August 1879. Großherzogltches Kreisamt Gießen.
__________ Dr. Boekrnann.
Nr. 30 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 1. l. M., enthält:
(Nr. 1327.) Gesetz, betreffend die Anfechtung von Rechtshandlungen eines Schuldners außerhalb des Concursverfahrens. Vom 21. Juli 1879.
Nr. 31 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 2. l. M., enthält:
1879 Vom 23$^uli 1879^^"""^ $crmin für Ausführung des Gesetzes, betreffend die Verfaffung und Verwaltung Elsaß-Lothringens, vom 4. Juli
(Nr. 1329.) Verordnung, betreffend die Uebertragung landesherrlicher Befugniffe auf den Statthalter in Elsaß-Lothringen. Vom 23. Juli 1879
Gießen, am 4. August 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ö
__________________________________________ Dr. Boekrnann.
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A«?eige- iinii Amtsblatt für den Kreis Gießen.


