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06/07/1879 Erstes Blatt
 
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KST. Erstes Blatt. Sonntag den 6. Zuli 1879.

Meßmer "Anzeiger

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Amtlicher HHeil. Bekanntmachung.

Der erlediate Kehrbezirk Grünberg, bestehend aus den Orten, welche früher zum Kreise Grünberq gehörten und in 1874 dem Kreise Gießen zugetheilt wurden, ist von uns nach Anhörung des Kreisausschusses dem Kawinfegermeister Johann Heinrich Detter in Laubach übertragen worden. Derselbe hat seinen Wohnsitz von Laubach nach Grün berg zu verlegen.

Gießen, den 4. Juli 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Bookman n.

Bekanntmachung.

Betreffend: Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.

Der landwtrthschastliche Bezirksverein Gießen wird , f Ä r

Samstag den 12. Juli I. I., Vormittags 10 Uhr, zu jungen im Solmfer Hofe

eine Generalversammlung halten, zu welcher alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirtschaft, insbesondere die Herren Ortsvorstände und

Lehrer ein geladen werden.

Tagesordnung:

1) Vorlage der Rechnung für 1878.

2) Berathung des Voranschlags für 1879.

3) Berathung über folgende Fragen:

a. welche Futterkartoffeln haben sich im verfloffenen Jahre am besten bewährt?

b. ist es vortheilhaft, im Vereinsbezirke Kälber zu mästen?

c. über die Zweckmäßigkeit von landwirthschaftlichen Localvereinen und Abwechselung der Orte der Zusammenkunft;

d. die Anlage einer Obstbaumschule für den ganzen Kreis.

4) Geschäftliche Mitteilungen.

Nach beendeter Generalversammlung findet ein gemeinsames einfaches Mittagessen im Solmfer Hofe statt.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben.

Gießen den 4 Juli 1879. Der I. Direktor des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.

vr. Boek mann.

Gefundene Gegen st ände:

1 Kinderhut, 7 leinene Herrenkragen, 1 Kinderkragen, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Regenschirm, 1 Hausschlüssel.

Die Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Schloßgasse 258) aufbewahrt.

Gießen, den 5. Juli 1879. Großherzogltche Poltzeiverwaltung Gießen.

F r e s e n i u 6.

Die Vorbereitung zu beiden Versammlungen übernimmt der Vorstand

I.

II.

machens. Referent: Pfarrer Köhler von Heidelbach.

2. Referat über die neuesten Erfindungen auf apistischem Gebiet und ihre Bedeutung für die practtsche Bienenzucht. Ref.: Pfarrer Detchert von Groß-Buseck.

d) Specielle Gegenstände der Dtscussion:

1. Die vortheilhasteste Vereinigung des Schwärmens und Ableger-

des Alsfelder Zweigvereins.

Am 16. Juli, Vormittags 810 Uhr, Besichtigung der Ausstellung und Vornahme praktischer Demonstrationen an Stöcken mit lebenden Völkern.

Programm für die XVIH. Wanderversammlung des Bberhessischen Bienenchchtervereins )u Altenburg bei Alsfeld am 16. Juli 1879 im Anschluß an die Jahresversammlung des Alsfelder Zweigvereins.

III. Die Verhandlungen, von 10 Uhr an beginnend:

a) Einleitende Berichterstattung des Vorsitzenden des Haupt-Vereins,

b) Rechnungsablage,

c) Wahl der Commission für Prämiirung (die Kosten für Prämiirung übernimmt der Hauptverein),

IV. Wahl des nächstjährigen Versammlungsortes.

V. Statutenmäßige Wahl des Vorstandes.

VI. Prämiirung.

VII. Nachmittags 2 Uhr gemeinschaftliches Mittagessen.

VIII. Verloosung des Alsfelder Zwetgvereins.

A lsfeld und Gießen, den 13. Juni 1879.

Für den Vorstand des Zweigvereins:

K. Schlitt, Vicepräsident.

W. Lehr, Schloßgärtner, Schriftführer,

Für den Vorstand des Haupivereins: Detchert.

politisch

Die Ministerkrisis.

Die offictösen Nachrichten stellen außer Zweifel, daß die Entlasiungs- gesuche der drei Minister Hobrecht, Falk und Friedenthal angenommen werden. Wie immer werden die Gesundheitsrücksichten ihre Rolle spielen und die große Arbeit, welche man den scheidenden Ministern nachrühmen kann, sichert ihnen für alle Zett nicht nur die Anerkennung des Volkes, sondern auch die Huld des Kaisers. Es muß hierbei constatirt werden, daß Hobrecht in der That leidend ist und sich nach einer ruhigeren Stellung sehnt, Frieden­thal gleichfalls überarbeitet ist und die bestimmte Absicht vorher erklärt hatte, bei Schluß der Reichstagssession zurückzutreten, und endlich der Abgang Falkas ein längst erwarteter war, seitdem die Kirchenpolttik gegen Rom schwankend und der abermalige Sieg der Orthodoxen in der nächsten preußischen Generalsynode, wie in der preußischen Landeskirche überhaupt außer Zweifel gestellt worden ist. Schon vor Jahresfrist hat Falk erklärt, er halte die fortwährenden Nadel­stiche nicht mehr aus.

Selbstverständlich hat die neueste Wendung der parlamentarischen Ver­hältnisse im Reichstage so zu sagen dem Faß den Boden ansgeschlagen. Man wird gut thun, allen mannigfaltigen Gerüchten gegenüber daran festzu- balten, daß in ihnen wohl ein Körnchen Wahrheit steckt, daß aber der Grund zum Rücktritt in ganz allgemeinen Verhältnissen steckt, welche den Ministern, wie allen einsichtigen Politikern kund thun, daß eine gedeihliche Thättgkeit und ein harmonisches Zusammenwirken der scheidenden Minister mit der Reichs-

er Hheit.

regierung, wie mit dem preußischen Staatsmtnisterium einfach in das Ge­biet der Unmöglichkeit verwiesen werden mußte. Streng ge­nommen, ist der Franckenstein'sche Compromtß, wie er angenommen ist, nur durch andere Minister durchführbar; es mag bedauerlich scheinen, aber es ist im Grunde echt konstitutionell, wenn die jetzt herrschend gewordene kon­servativ-klerikale Majorität im Reichstage auch ihre entsprechende Vertretung in der Reichsregierung findet.

Eine Fülle von Combinationen in der inneren deutschen Politik drängt sich hervor, wenn wir neue Männer konservativerer Färbung nunmehr die Regierung werden übernehmen sehen. Schon seit Monden wird das reiche Füllhorn der Reaction in Gerüchten über das Volk ausgestreut. Es giebt fast nichts Rückschrittliches, was nicht bereits als möglich und zu bevorstehender Einführung ausposaunt worden ist. Man kann sich dabei nur trösten, daß die Bildung des deutschen Volkes denn doch zu wett vorgeschritten ist, als daß der morsche Baum der Reaction bis in den Himmel wachsen könnte. Er schlägt noch ein­mal lustig aus und treibt sonderbare Blüthen, aber sein Stamm ist verfault. Die Herrlichkeit der Reaction wird nicht lange dauern; sie wird wirthschaften, um für immer abzuwirthschasten. Die Opfer, welche das deutsche Volk für seine Einheit gebracht hat, werden auch seiner freiheitlichen Entwickelung wieder zu gute kommen, wenn auch jetzt ein Rückschlag eintrttt, der im Rücktritt von drei tüchtigen Ministern Preußens feinen schroffsten Ausdruck sindet. Der Schwer­punkt der Volksthättgkett wird in die Wahlen zurückverlegt; dort wird es