Donnerstag, den 6. März
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1879.
RedatttsnSbitreau r 1 » , rn , D ,o «xpeditionsbureau- } «^ulstraß« B. 18.
'1 April -Kttshttg.
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Kießemr 'Zinreiger
Aussige- aii AmtsdlM für des Kreis Gießen.
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bett 4. und 5 März:
der Gesellschaft Minen.
Ubr.
Politische Uebersicht.
Tie Etatsberathung tm Reichstage ist vielfach zu einer Kritik der allgemeinen Lage des Staates benutzt rroi bm , wie dies auch früher zu ge- fitehen pflegte. Die Versuche einzelner Corservativcr, diese Freiheit zu beein- ßusf'N und durch Rufe „zur Sache" die Redner zu stören, sind sowohl von dem Präsidenten, als von einzelnen Rednern zurückgewiesen worden. Fürst Bismarck hatte sich, wie man hört, seine entscheidenden Reden für die Zeit aufgefpart, in welcher die wtrthfchastliche Reform zur Berathung stehen wird, indesien erwartet man dieser Tage von ihm eine längere Antwort auf die Angriffe, welche bet der EtatSberorhung laut geworden sind.
Die Tarifcommission beschleunigt ihre Arbeiten ungemein, so daß vielleicht schon Anfangs April dem Reichstage eie Gesammtvorlage zugehen kann.
Die Haltung des Centrums wird in den wirtbschaftllch»n Fragen eine große Rolle spielen. Doffelbe steht anscheinend Gewehr bei Fuß bereit, für die Regierungsforderungen in der Wlithschafteresorm zu stimmen, aber diese Bereitwilligkeit von seiner Sondetpoltttk abhängig machend. Wäre bis jetzt der Frieden mit Rom geschloss.n. so hätte Fürst Bismarck, das unterliegt keinem Zweifel, gegenwärtig gerade in dem C^nttum feine zuverlässigste Stütze. Aber nicht dieses Moment tritt für jene Wahrscheinlichkeitsrechnung so sehr in Betracht, als die von vielen, selbst ultr aa ontanen Mitgliedern des Reichstages geiheilte Voraussicht, daß die Wirchschaflsfrage durch die bisherige stramme Geschloffenheit der Partei einen R'ß machen werde. Die im Centrum sehr stark, namentlich aus dem Süten Deurschlands, vertretene Land- wirthschast, sowie die klerikalen Vertreter der Großindustrie werden, das hält man für unzweifelhaft, ohne Rücksicht auf alle politischen oder kirchlichen Nrbenlntereffkn mit dem Fürsten Bismarck gehen.
In der hohen Politik sind die orientalischen Angelegenheiten wieder einmal tm Vordergründe des Jntereffes. Deutschland und Frankreich sollen energisch darauf dringen, daß es „da unten" endlich einmal zu geordneten Zuständen und zur Ruhe kommt und sich bemühen, die türkisch- griechischen Grenzstreitigketten beizulegen. Auch in England werden Stimmen laut, daß der Beiliner Vertrag endlich allseitig und mit Energie dlwchgcführt werden möge.
Die augenblickliche Zurückhaltung der russischen Regierung in der orientalischen Frage entspringt zwei sehr gewichtigen Ursachen: den schlimmen Unat zverhältmffen und der sehr großen Unsicherheit der inneren Lage. Es ist deshalb auch nicht zu erwarten, daß es wegen der bulgarischen oder rumelt- fchen Frage jetzt zu irgend welchen Verwickelungen kommen sollte.
Der Sultan scheint zur Zeit all' seine Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in Bulgarien und Ostrumelten zu concentriren. In Tirnowa, wo die erste bulgarische Nationalversammlung vom russischen Fürsten Dondukoff- Korsakoff eröffnet und mit einem Verfassungs-Entwurf bedacht wurde, der an zretsinnigkeit kaum etwas zu wünschen übrig läßt, wirst die bevorstehende Mrstenwahl ihre Schatten vor sich her, nicht minder aber treten dort auch öle panbulgartschen Tendenzen in den Vordergrund, welche, sobald die Ruffen ihren Abzug aus Ostrumelien vollzogen haben werden, möglicherweise in dieser Provinz zu Hellen Flammen emporlodern dürsten. Es sind dies Symptome, welche das Wiener Cabtnet seinerseits nur immer in der Absicht bestärkt, Novi- Vazar zu besetzen und damit dem ägäischen Meer, d. i. dem Hafen von Sa- lvnichi immer näher zu kommen. Trotz aller offictösen Ableugnungen bleibt ties das Ziel der Ouentpolitik, wenn nicht des Grafen And ras sy, so doch W Kaisers Franz Joseph.
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Magie mtntanUn allem Dr.WUjalte
Deutschland.
Darmstadt, 4. März. Se. Kaiser!, und König!. Hoheit der Kron- Pinz des Deutschen Reichs und von Preußen sind gestern Nachmittag um 5 Uhr von hier über Bonn und Brüssel nach England abgeretst. Se. Kaiser!. Hoheit der Kronprinz werden in Windsor mit Ihrer Kaiser!. Hoheit der Frau ^wnprinzessin Zusammentreffen, um den Vermählungs-Feierlichkeiten des Herzogs von Connaught betzuwohnen.
Berlin, 3. März. Die „Nordd. Allg. Ztg " schreibt: Die Tendenz ber Gegner der Regierung sei augenscheinlich weniger auf dtrecte Bekämpfung als auf Verschleppung der Tarifrevision gerichtet. Nachdem die Hoffnung, daß (8 richt gelingen werde, noch im Laufe der jetzigen Session die Tarif-Frage an den Bundesrath und Reichstag zu bringen, geschwunden sei, scheine man jetzt den Plan zu verfolgen, die Tartfrevtston durch Verweisung an eine permanente Reichstags-Commission ad Calendas Graecas zu vertagen; die Bundesregierungen würden sich jedoch nicht darauf einlaffen. Auch die Nation verlange eine rasche endgültige Erledigung der Frage. Die „Nordd. Allg. ßtfl." glaubt nicht zu irren in der Annahme, daß jeder Versuch einer dilato- nfchen Behandlung oder Thetlung der Tarisreform von Setten der Regierung als deren Ablehnung werde angesehen werden.
Berlin, 3. März. Ueber den Entschluß des Sohnes Napoleon's HI., an lern Kriege gegen die Kaffern Thei! zu nehmen, schreibt man der „Köln.
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Z g " aus London: In Frankreich wird man über diesen Abstecher entweder lach ln oder hinter ihm einen tiefangelegten Znkunftsplan der bonapartistischen Partet vermuthen. Hier zu Lande legt man sich das Ding viel einfacher zurecht. Der Prinz ist jung, sagt man, der Prinz hat unter den jetzigen Ver- hältnisien wenig Aussicht, entsprechende Beschäftigung in Frankreich zu finde,, er langweilt sich und möchte, da er nun einmal Soldat ist, einen wirklichen Krieg mit ansehen. Da sei es denn begreiflich, daß er sich dem Feldzuge gegen die Zulus anschließe; eines freundlichen Willkomms unter seinen alten Kameraden von Woolwich könne er gewiß sein. Trotz dieser einfachen Erklärung, wie sie hier die geläufigste ist, versäumt es die „Times" doch nicht, der möglicherweise aufgeregten Empfindlichkeit der Franzosen einige beruhigende Worte zu widmen. Alle Parteien in Frankreich würden, so hofft sie, begreifen, daß die Gastfleundfchaft, welche Kaiserin Eugenie und ihr Sohn auf engli- schem Boden genießen, schlechterdings nichts mit der Politik gemein habe. Es sei eben nur eine Gastfreundschaft, wie sie England allen politischen Flüchtlingen jedweden Ranges und Glanbensbekenntniffes unverbrüchlich habe zu Theil werden laffen. Wenn aber der Wtttwe und dem Sohne Napoleon's III. besondere Theilnahme gezeigt werde, so sei dies nur ein schuldiges Gefühl gegen den verstorbenen Kaiser, der unter allen Verhältnissen und nicht selten im Widerspruche mit den Anschauungen seiner eigenen Landsleute auf politischem wie auf volkswuthschaftlicheut Gebiete treue Bundesgenoffenschaft mit England gehalten und sich dadurch den Dank der englischen Nation verdient habe. Mit den dynastischen Interessen der verbannten Kaisersamilte habe England schlechterdings nichts zu thun; derZFriede und die Ruhe Frankreichs liege ihm zu sehr am Herzen, als daß es sich jemals in jene einmtschen oder auch nur d-ren Existenz anerkennen sollte.
Kiel, 3. März. Die „Kieler Ztg." schreibt: „Wie uns aus parla- mentaitzch^n Kreisen geschrieben wird, ist man sehr gespannt, ob das in der Angelegenheit des „Großen Kurfürsten" gefällte Urtheil des Kriegsgerichts die kaiserliche Bestätigung finden wird. Man glaubt zu wtffen, daß das Erkennt- niß bereits seit 8 Tagen dem Kaiser vorltegt. Wenn die Bestätigung des kriegsgerichtlichen Spruches erfolgen sollte — worüber allerdings Zweifel laut werden —, so erwartet man in Retchstagskreisen, daß dem Parlamente sämmtliche auf diese traurige Angelegenheit bezügliche Documente, als die Gutachten der Havarie-Commission, die Acten der Kieler gerichtlichen Untersuchungs- Commission, die technischen Gutachten der Admirale Jachmann und Klatt, das kriegsgerichtliche Erkenntniß nebst den Protokollen über die Abstimmungen und deren Morivirnng fördersamst vorgelegt werde. Die jetzt vielfach auftretende Ansicht, daß mit dem kriegsgerichtlichen Spruche die ganze Angelegenheit ihr Ende erreicht haben werde, theilt man in parlamentarischen Kreisen keineswegs. Für die Vertretung des deutschen Volkes sind und bleiben die Fragen nach wie vor die entscheidenden: 1) wen in letzter Linie die Verantwortung der furchtbaren Katastrophe trifft, und 2) welche Maßregeln getroffen worden sind, um in Zukunft die Wiederkehr so großen Unglücks, so weit es in menschlichen Kräften steht, zu verhindern. Es sind zwar in den letzten Monaten, wie man weiß, Anweisungen ergangen, welche die sorgsamste Ausbildung der Rekruten fordern, aber die Zeit für die Vorbildung bleibt nach wie vor eine sehr knappe. Es sind auch Vorkehrungen getroffen, um einen Stamm von tüchtigen Steuerleuten heranzubtlden. Die Hauptfrage aber bleibt immer, zu untersuchen, ob die Entwicklung der deutschen Marine sich in den richtigen Bahnen bewegt, ob ihre Leistungen sich in einem richtigen Verhältntß befinden zu der Leistungsfähigkeit und der natürlichsten und wichtigsten Aufgaben der Marine, welche die deutschen Küsten tm Falle eines Krieges zu schützen hat."
ßngkand.
London, 28. Febr. Heute ist die Kunde von zwei traurigen Schiffsunfällen eingelaufen. Bei Salerno scheiterte der Schraubendampfer „Silistrta", bet Dünkirchen der Dreimaster „Adrtatic." Von der Mannschaft des ersteren gingen 18, von der des letzteren 42 Mann zu Grunde.
London, 3. März. Der Dampfer „Warwick-Castle" hat am 28. Febr. ein neues Bündel meist befriedigender Nachrichten vom südafrikanischen Kriegsschauplatz nach Madeira gebracht. Darunter wettere Gtnzelheiten aus dem traurigen Ueberfall bei Jsandula, namentlich über die außerordentlich hohe Zahl von Gefallenen (insgesammt 13—1400, nämlich 63 Officiere, 740 europäische Soldaten, 300—400 Bundesgenossen und 200 Nichtcombattanten). Mittlerweile gewährt diese Schätzung in so wett Beruhigung, als sie die Befürchtung widerlegt, als ob einzelne Truppen fahnenflüchtig geworden feien. Die Fahne des 24. Regiments ist gerettet worden, — d. h. sie wurde auf der Nataler Seite des Flnffes bei den Leichnamen der Lieutenants Melville und Coghill unbeachtet vorgefunden. Die Zulus waren sich offenbar der Dc- deutung des bunten Tuches nicht bewußt.
Türkei.
Konstantinopel, 3. März. Die „Agence Havas" meldet: Der russische Botschafter Lobanoff überreichte der Pforte am 28. v. Mts. eine Note, welche an Rußlands Prioritätsrecht vor allen neuen Gläubigern der
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