kommen. Montag den 22. Septbr. hielt sie eine von etwa 150 Teilnehmern besuchte öffentliche Sitzung, welche vom Präsidenten des Congreffes, Herrn Le Monnter, eröffnet wurde. Derselbe entwickelte in kurzen Zügen die Geschichte der Vereine, welche „Krieg dem Kriege erklärt haben"; „12 Millionen der kräftigsten Männer", sagte der Redner, „stehen gegenwärtig in Europa unter den Waffen und 16 Milliarden an Geld verschlingt dieser Moloch : das ist die Bilanz Europas."
Frankreich.
Paris, 1. Octbr. Es wird jetzt wieder Modesache der Pariser Blätter, jede Gelegenheit zu ergreifen, um an die Wiedererlangung Elsaß- Lothringens zu mahnen. Wir müssen dieser Herzensergteßungen unserer republikanischen Nachbarn gedenken, legen im Uebrigen aber wenig Gewicht darauf, da es in Frankreich zum Parteiwerkzeuge gehört, der Rache von Zett zu Zett ein Schaf zu opfern, ohne das Wort „Revanche" auszusprechen. Dem „Temps" ist die Wtedererwerbautg Elsaß-Lothringens „das Bedürfntß Frankreichs", zu den alten Bedingungen des National-Lebens zurück zu gelangen." Nun, die Deutschen sind 1870 ja auch nur zu den Bedingungen ihres National-Lebens zurückgekehrt, die Ludwigs XIV. Räuberhand gestört hatte. Der „Temps" ermahnt, nicht voreilig zu klagen und aus der Schule zu plaudern, sondern zu schweigen und sich stark zu machen. In Deutschland wird man sich dies gesagt sein lasten und nie vergessen, daß zu Waterloo und Sedan noch ein dritter Tag nöthig werden könnte nach den deutschen Sprichwörtern: „Aller guten Dinge sind drei!" und „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus!"
England.
London, 1. Octbr. Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus Simla vom 1. ds.: General Roberts tritt heute den Vormarsch nach Kabul an. Der Gesundheitszustand der britischen Truppen ist befriedigend.
Belgien.
Brüssel, 1. Octbr. In einer sehr zahlreichen Versammlung der Eisenwerksbesitzer des Bezirks Charleroi wurde constattrt, daß Bestellungen auf lange Termine eingelaufen seien, sowie daß das Gesammtbild der Nachrichten vvn den auswärtigen Plätzen zu der Annahme berechtige, daß ein Wiederaufschwung der Industrie eingetreten sei, welcher umsomehr Aussicht auf Dauer verspreche, als er sich auf alle Länder zu erstrecken scheine.
Kußland.
Petersburg, 1. Octbr. Der Kaiser begab sich von Livadia nach Sebastopol, hielt daselbst gestern Truppenschau und kehrte Nachmittags 5 Uhr über Jalta zurück. General-Adjutant Tergukasoff ist durch kaiserlichen Ukas zum Commandeur des zweiten kaukasischen Armee-Corps ernannt._______
Telegraphische Depeschen.
Waguer'S telegr. Korrespondenz • Bureau.
Leipzig, 2. Octbr. Das'zur Feier der Eröffnung des Reichsgerichts gestern Abend im Stadttheater veranstaltete Fest verlief auf das Glänzendste. Das Haus war nach einem von dem Baudtrector Licht entworfenen Plan in einen prachtvollen Festpalast umgewandelt. Sämmtliche Mitglieder des Reichsgerichts, Präsident Stmson an der Spitze, waren mit ihren Familien erschienen und wurden ausis Herzlichste bewillkommt.
Berlin, 2. Octbr. Die „Prov.-Corresp." hebt hervor, bet der Wahl der Abgeordneten handle es sich darum, ob das Land durch eine regierungsfreundliche, selbstständig und gewissenhaft prüfende Mehrheit dazu helfen will, die Reform der staatlichen und wtrthschaftlichen Verhältnisse weiter zu führen oder ob eine zu Mißtrauen und Opposition neigende Mehrheit den Staat in die Gefahr bringen soll, von der bisherigen festen und stetigen Leitung entweder zu einer Reihe von Confltcten zu gelangen oder in eine Parteiregierung zu verfallen, welche die schwerste Verwirrung über das Land bringen würde.
Augsburg, 2. Octbr. Der „Allg. Ztg." wird aus Straßburg tele- graphirt, daß das Fortbestehen des München-Straßburg-Pariser Nachtzuges als gesichert zu betrachten ist.
Berlin, 2. October. Die „Provinztal-Correspondenz" bringt einen „Zur letzten Wahlentschetdung" betitelten längeren Artikel, in dessen ersten Thetl sie zur Charactertstik des Parteiwesens und zur Klarstellung der Ansichten, welche eine liberal-oppositionelle Mehrheit eröffnen würde, an den Ruf Rtchter's, der Reichskanzler muß aufhören zu regieren, und an die Aeußerung der fortschrittlichen „Parlament. Corresp.", Fürst Bismarck muß fort von seinem Platze, und an das Wort eines nationalltberalen Abgeordneten, Fürst Bismarck brauche nicht erst von der Nachwelt verurthetlt zu werden, er sei schon gerichtet, sowie an die zur Zeit der Forckenbeck'schen Städtetags-Rede gebrachten Aeußerungen erinnert und das Zugeständntß der gemäßigt liberalen Organe hervorhebt, daß eine liberale Partei systematischer Opposition, ein äußerster Fortschritt nach dem Maße Eugen Richter's dahin gelangen werde, Fürst Bismarck den Weg in Bezug auf feine wesentlichen Ziele zu verlegen. Dte Wahlmänner, welche bisher an dem äußeren und inneren Aufschwünge Preußens und Deutschlands patriotische Befriedigung und Freude gehabt, hätten dem Fürsten Bismarck die Fortsetzung seines Wirkens und Schaffens erleichtern helfen wollen und würden daher ihre Stimme nicht Männern geben können, welche voraussichtlich einer politischen Gemeinschaft verfielen, die dem Kanzler die Wege zu seinen nationalen Zielen verlegen würde. Der zweite Thetl des Artikels sagt: Von liberaler Seite würden täuschende Wahlparolen ausgegeben, um dte Wähler glauben zu machen, daß in der Regierung ein Umschwung zu einer freiheitsfemdltchen Reaction etugetreten sei. Alle solche Behauptungen seien lediglich Erfindungen des Parteiwesens. Der Regierung sei es allerdings voller Ernst mit der Pflicht, dte umfassende Gesetzgebung der letzten zehn Jahre vor threm wünscheuswerthen wetteren Fortbau gründlich darauf zu prüfen, Inwieweit sie sich im wirklichen Leben bewährt habe. Die in Betreff der Reform der inneren Verwaltung bereits stattgehabte sehr eingehende Prüfung habe ergeben, daß die Gesetzgebung vielfache Verbesserungen sowohl in Betreff der Zuständigkeit wie des Verfahrens bedürfe, jedoch kein Anlaß vorliege, an den Grundzügen der Reform zu ändern, vielmehr sich empfehle, gleichzeitig mit den durch praktisches Bedürfniß gebotenen Verbesserungen auch eine Ausdehnung der Gesammtreform in Angriff zu nehmen. Von einem Aufgeben der dte Reform bisher leitenden Grundsätze sei keine Rede. Namentlich habe dte liberale Agitation die schwebenden Verhandlungen zwischen der Regierung und der römischen Curie zu Besorgnissen auszubeuten versucht.
Das Wort des Kanzlers von dem Gang nach Canossa werde sehr leichtfertig gegen ihn gewandt. Bet den bezüglichen Verdächtigungen vergesse man, daß der Ausspruch des Kanzlers nicht eine rednerische Wendung, sondern der Ausdruck einer seit Jahren gereiften Ueberzeugung gewesen sei, daß Fürst Bismarck schon in den vorbereitenden Stadien des vaticanischen Concils in Mahn- ungen nach Rom die grundsätzlich maßgebende Stellung der preußischen Ktrchen- politik festgestellt, diesen staatlichen Standpunkt gleich nach dem Concil den Bischöfen gegenüber gewahrt und seitdem alles weitere Vorgehen der Regierung durch seine Autorität ermöglicht und gedeckt habe, daß von der Durchführung des gewaltigen Kampfes ohne seine grundsätzliche Mitwirkung überhaupt nicht dte Rede fein konnte. Man vergesse aber ferner, daß der Kanzler in der Rede, worin er laut verkündete: Nach Canossa gehen wir nicht! die Pflicht der Regierung gegen die katholischen Mitbürger hervorgehoben Hal, Wege aufzusuchen, auf denen die Regelung der Grenze zwischen der geistlichen und weltlichen Macht am schonendsten und in confesflonell am wenigsten verstimmender Weise gefunden werden könne — daß der Kanzler endlich kurz darauf unter Hinweis auf dte Möglichkeit, daß demnächst ein friedlicher Papst an die Regierung gelange, der Hoffnung Ausdruck gegeben habe, den Frieden zu finden, unter dem unsere Väter Jahrhunderte lang in confessioneller Einigkeit gelebt.
Der vom Kanzler in Aussicht genommene Fall sei etngetreten; Papst Leo habe seine friedliebende Gesinnung bekundet; dte Friedensgrundlage habe in dem Schreiben des Kronprinzen an den Papst Ausdruck gefunden. Wenn nun auf beiden Seiten der redliche Wille bestehe, zum Frieden zu gelangen, wenn das ganze Verhalten des Fürsten Bismarck in dieser Frage bisher von dem Vertrauen des preußischen und deutschen Volkes getragen war, wie sollte man glauben, daß es gelingen könne, durch ohne Begründung hin- geworfene Zweifel dieses Vertrauen' zu erschüttern und den Kanzler, welcher im eminentesten Sinne der geistige und politische Führer in dem langjährigen Kampfe gewesen, in den Verdacht zu bringen, von seinem eigenen Streben abzufallen. Wie sollte das gesammte Volk nicht gerade in diesem Augenblicke mit noch erhöhtem Vertrauen auf den Mann blicken, welcher soeben auf's Neue bethätigte, daß fein unermüdliches Streben nur der Größe und dem Glücke des Vaterlandes der Sicherung eines gedeihlichen Friedens gilt — welcher um dieses Strebens willen Ansehen und Vertrauen wett über das Vaterland hinaus genießt — dessen ganze Stellung in Europa unserem nationalen Ansehen und der Förderung unserer Interessen zum höchsten Vorthetl gereicht? Wohlan denn, mögen dte Wahlmänner der Regierung bei Lösung ihrer schwierigen Aufgabe zur Seite stehen, indem sie tn den Landtag nicht mtßmuthige, mißtrauische Tadler und Kritiker, sondern ernste und gewissenhafte, aber zum Vertrauen und zu fruchtbringender Mitarbeit willige Helfer entsenden!
New-York, 2. Octbr. Die Indianer tn Utah griffen die Unions- Truppen am 29. Septbr., Morgens, am Colorado an. Der Kampf währte den ganzen Tag. Die Unions-Truppen verloren 17 Mann und einen Officier. Es werden schleunigst Verstärkungen abgesandt; tndeß wird befürchtet, daß sämmtliche Mitglieder der Redriver-Agentur ntedergemetzelt worden sind, zu deren Entsatz die Untons-Truppen unterwegs waren.
Berlin, 2. Octbr. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge tritt der Aus- schuß des Bundesraths für das Etsenbahngüter-Tarifwefen voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats wieder zusammen, nachdem inzwischen die Materialien bezüglich der von den betheiligten Regierungen für angemessen erachteten Gliederung des Tarifs bezüglich der Normal-Einheitssätze und der zulässigen Abweichungen davon eingegangen sein würden. Der Gegenstand dürfte in der nächsten Reichstagssession zur Erledigung kommen. Dte Meldung verschiedener Blätter, daß dem Fürsten Bismarck an der Erledigung des TartfgesetzeS vor- ' läufig nichts Besonderes gelegen sei, sei unbegründet.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Etatsarbeiten sind bis auf einige nachträgliche Anträge völlig beendigt. Der Etat liegt größtentheils schott gedruckt vor. Dessen Einbringung wird nach Erledigung der ersten Landtagsformalten sofort erfolgen. Der Gesetzentwurf über dte Verwendung der aus dem Betrage der Reichssteuern an Preußen zu überweisenden Geldsumme ist bereits im Bundesrathe vorgelegt und zur Zeit Gegenstand schriftlicher Nota.
München, 2. Oct. Prinz Wilhelm v. Preußen ist heute früh 9*/4 Uhr von Ulm kommend hier eingetroffen und im Hotel „zu den vier Jahreszeiten" abgestiegen. Der deutsche Kronprinz wird Ende der Woche hier erwartet.
Lokales.
Gicsien, 3. Oktober. Im Monat September 1879 wurden von Seiten der Schutz- mannschaft arretirt: Bettler 58, Obdachlose 25, wegen Skandal 8, wegen Trunkenheit 16, Diebstahl 10, Betrug und Unterschlagung 4, schwerer Körperverletzung 2, auf Requisition wurden 5 Personen arretirt. Anzeigen erfolgten in sanitätSpolizeilicher Beziehung wegen schävlicher Ausdünstung 4, Lebensmittelfälschung 4, bösartiger Thiere 4, in ficherheitspolizeilicher Beziehung gegen Bettler 62, Obdachlose 2, Trunkenheit 3, Ruhestörung 98, Diebstahl 18 Betrug 14, schwere Körperverletzung 9, Meldewesen 13, sonstige Sicherheitspolizei 12. Ferner wegen Thierquäleret 8, Störung der Sonntagsfeier 8, Eoncubtnat 4, Uebertretung der Feierabendstunde 10, wegen Vergehen gegen dte Droschkenordnung 16, Straßenreinigung 11, Fahr-, ordnung 14, sonstige Straßenpolizei 25, Bau-Polizei 1, Feuerpolizei 4, Feldpolizei 1, Oktroi 4. Summa sämmtlicher Anzeigen 350 gegen 412 im Monat August.
Gießen, 3. Oktober. (Feuerwerk.) Sonntag den 5. Oktober wird in Wenzel's Garten Fräulein Rennebarth aus Berlin ein großes Feuerwerk veranstalten. Es ist wohl ein seltener Beruf für eine Dame, dte FeuerwerkSkunst zu üben. Doch bat Fräulein Renne« barth. wie ihre Berichte sagen, in den ft. ft. Laboratorien zu Wien und Berlin der Ordnung gemäß ihre Kunst erlernt; dann hat sie in vielen Städten Deutschlands und des Auslandes sie geübt. Einem Berichte der „N. fr. Hess Ztg." entnehmen wir über ein Feuerwerk im Cafe Germania zu Kastel, daS von Tausenden von Zuschauern besucht wurde: DaS Feuerwerk nahm einen großartigen Verlauf. Di« Raketen-Productionen in ihren wunderbaren Farben sptelen, die Leuchtkugeln in ihrer riesigen Höhe waren bas Geringste, was dem Auge stch in nie gesehener Schönheit darbot. Das Decorations-Feuerwerk entfaltete eine Pracht und Akkurateste, bie da« zahlreiche Publikum tn und außerhalb des Parke« in jubelnde Beifall-Begrüßung
Vermischtes.
v Bilb-l, 28^ Septbr. In d« zu hiesigem Amtsgericht gehörigen Dorfe Büdesheim ist der Rechner der Spar- und Lethkaflr seit einigen Tagen verschwunden. Es hat sich «in Deficit von 8—10,000 JC herausgestellt.
— Vom Königl. Hofthrater in München wird gemeldet: MU dem Sänger-Paar Vogl wurde dieser Tage aus weitere 10 3a^e rin Kontrakt abgeschlossen, nach welchem Herr Vogl 19,000 und Frau Vogl 13,000 JL per Jahr erhält; außerdem ist Beiden vier Monate Urlaub gewährt.
Der von Frankfurt a. M. nach Eannstadt verbrachte Verbrecher Albert Htlsenbeck, der etwa 10—14 Tage in letzter Stadt in gerichtlicher Untersuchungshaft war, wurde am
Krdirstt flittlcrt Kittel früh»'
Höchste - Meterschlag
FW
6459) Die des eine halbe S Nidda der Gieße bahn gelegenen tenden 6-8 6t 1 Ctr. Hechte s mijsionswcge verk die Gebote probt
Samstag bei
Lomittc portofrei bei in welche Zeit bann nunfl in GegeiM Submittenten erfo
Die Leckufs iti uns wr 6infid
Nidda, am 2. £ Geosth. Ober! ___________«i
Mvers
MWn MM
Mittag soll das Obst de jcwlt der P/arre/, Nüssen und Zwe versteigert werden. Die Zusammen!! Bellrrsbrim, der Troßh. Bürgerm« M58) %i
Pm
ZI
Großen j
?E-rn
Uvr ftiHc Gieß Die tz..
ail
S'itie ist ron । SM (H. Hw


