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2OS. Donnerstag den 4. September 187tt

Mchener DWger

Anzeige- enb Amtsblatt fit bcn Kreis Gießen.

Schulstraß« B. 18.

Re-actto«Sd«reaur

GxpedittonSbureau r

Deutschland.

Berlin 1 Septbr. Die vielfach eerireitete Nachricht, welche den König von Italien bedenklich erkrankt sein läßt, erweist sich als grundlos. Es sind sogar die italienische» Vertreter im Auslande angewiesen, den bezüg­lichen Gerüchten entgegenzutreten. Richtig ist, daß König Humbert stch nicht der stäiksten Constitution erfreut und namentlich gegen klimatische Einflüsse nicht widerstandsfähig ist. Er residirt deshalb bereits s-i'Jahren vorzugsweise in Monza bei Mailand und wird auch m der nächsten Zeit sich dort

Westerland ans Sylt, 31. August. Gestern sand die feierliche Eröffnung des deutsch-norwegischen Kabels durch den Gene.ralpostmeistcr Dr. Stephan statt. Nachdem derselbe die Anlage und die am äußersten Meeresgestade Deutschlands gelegene Kabelstation besichtigt hatte, sandte er die fle unterseeische Depesche an das Marine- und Postdepartement in Christia- nia und meldete die erfolgte Eröffnung Sr. Majestät dem Kaiser. Kurz- Zeit daraus traf ein Glückwunsch-Telegramm des Kaisers an den Generalpost- weister ein, dessen Verlesung von den zu einem Mahle vereinigten Festgästen mit begeisterten -Hochs aus Se. Majestät begrüßt wurde.

Rußland.

Petersburg, 1. Septbr. Der Führer der Expedition gegen die Tekke-Turkmenen, General Lazareff, ist an der Diffenterie gestorben.

Türkei.

Prinz Wilhelm führte die erste Compagnie, Prinz Leopold einen Zug vom ersten Gard-r-gtm-nt zu Fuß. Das Gardecorps war in zwei Treffen auf­gestellt. Die Parade commandirtc Prinz August von Württemberg. Nachdem der Kaiser die Fiont beider Treffen abgeritten war, erfolgte der zweimalige Vorbeimarsch. Der Kaiser und ter Kronprinz wurden auf dem Hinwege und dem Rückwege von den in den Straßen und auf dem Tempelhofer Felde ver­sammelten dichtgedrängten Menschenmaffen mit unaufhörlichen Jubelrufen be­grüßt. D>e Stadt ist überall reich mit Flaggen geschmückt; alle Straßen von der den Festtag feiernden Menschenmenge durchwogt.

Berlin, 2. Septbr. Der Sedantag wurde hier aus s Festlichste be- gangen. Morgens fand in mehreren Kirchen ein zahlreich besuchter Festgottes- dienst statt. In den Schulen wurden Feierlichkeiten abgehalten, woran stch meist Festausflüge in die Umgegend anschloffen. Mittags fand Fchmuflk vom Rath- hausthurme statt. Am Nachmittage, sowie Abegds veranstalteten Vereine, Private, BureauS und Behörden zahlreiche besondere Festlichkeiten. Die mei­sten Geschäfte waren geschloffen. Die Stadl zeigte sich reich beflagg-, dre Schaufenster waren geschmückt. In den Straßen wogte eine festlich bewegte Menge. Für den Abend ist eine Illumination in Vorbereitung begriffen.

- Aus vielen Städten des Reiches liegen Nachrichten über die Feier des Sedantages vor, welche überall durch Festgottesdienst, Schulacte, Festzuge, Musikaufführungen und Illumination begangen wurde, so aus Breslau, Halle, Elberfeld, Posen, Weimar und Kaffel.

Darmstadt, 2. Septbr. Der Großherzog von Sachsen-Weimar be­suchte heule den Großherzog Ludwig und nahm- eine Einladung zur Tafel an.

München, 2. Septbr. Die deutsche Kronprinzessin ist heute Mor­gen 8 Uhr hier eingetroffen, wurde aus dem Babnhofe von dem Personal der preußisL-n Gesandtschaft empfangen und begab sich zu Wagen in das Hotel Zünden vier Jahreszeiten." Die Kronprinzessin besucht heute die Kunstaus­stellung und reist morgen weiter. ,

Wien, 2. Septbr. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantmopel: Die Pforte verlangte von Aleko Pascha die Absetzung von 16 Osstcieren der ostrumeltscheu Miliz, welche gelegentlich eines Banketes fU ^ner Majestäts- beleidtgung gegen den Sultan schuldig machten. Es wird versichert, Aleko .""2. «*«*

natfa Septbr. DasJournal be St. Petersbourg", die

phantastischen Combinationen verschiedener ausländischer Leitungen anläßlich des Besuches d-s Thronfolgers in Stockholm, der blos ein Höflichkeitsbesuch gewesen sei, besprechend, sogt: Wenn Rußland sich glücklich schaßt, tn vor­trefflichen Beziehungen mit seinen nördlichen Nachbarn zu leben unv dasur Zeugntß zu geben durch den Besuch des Thronfolgers in Stockholm und wenn es liebt auf volle Reciprocität zählen zu können, so liegt es ihm wenigstens ebenso sehr am Herzen, eine alte Freundschaft, aufrechtzuerhalten. und zn. befe­stigen , welche sich so oft bewährte und welche vorübergehende leichte Wölkchen ntewal^zu^tiuben ve^e»ch^ber. serbische General Protks traf am 29. August hier ein und überbrachte ein Antwortschreiben des Fürsten Milan auf die Anzeige der Thronbesteigung des Fürsten Alexander. Eine ®6ren= Wcorte empfing General Protics an der Grenze und geleitete ihn nach Sofi Der Fürst empfing den General am 30. August m 1°^^ Audienz und Tübtcte Letzterer im Namen seines Souveräns eine freundschaftliche Ansprache an den Fürsten, welcher dieselbe ebenso herzlich erwiderte. Abend« sand ein Diner xu Ebren des Generals Protics statt, woran die Mallster und das gesammie diplomatische Corps thellnahwen. Fürst Astrander erhielt i>en

Takovo-Orden. Dr. Kyrovics wurde zum diplomatischen Agenten Bul-

gariens für Serbien ernannt.

Leivna, 2. Septbr. Die Sedanfeier wurde in diesem Jahre hier großarüge^und allgemeü.er gefeiert, als im vorigen Jahre. Schon gestern sand eine Vorfeier am sog. Nopoleonstein statt. Heute früh ging Reveille rniufit durch die Straßen der Stadt. Nach einer entsprechenden Feterlichkeit ^1'er AdenseA ?m Rosenthale wurde um " Uhr Festgottesdienst in en Kirchen und Bethäusern abgchalten. Daran reihte sich Fesimusik von den Balkons des Rathhanses und des Theaters. Nachmittags Uhr bewegte sich ein großer Festzug nach dem Markt, wo paffende Musik-Anffuhrungen statt- anden und Oberbürgermeister Georgi eine Festrede hielt. Eine größere Fest- ichk-it im neuen Schützenhause und glänzende Illumination beschließen den Tag. Die Häuser der Stadt sind geschmückt und. säst all« Geschäftslokale geschlosien. % tem6er. Der Fürst von Montenegro ist heute Abend »3/ ußr hier einaetroffen, von dem Statthalter, dem Landes-Cvmmnndirenden, dem Polizei-Präsidenten und der Bahndirection begrüßt. Fürst Niklla dankte iii"fr^zöstscher Sprache und fuhr sodann mit seiner Begleitung in den bere.t stehend^r^Wagen^in die^Burg^mber^ @{neral gotnaf(n hat sofort nach dem Tode Lazareff's die Führung bei Tekke-Expedition übernommen.

' . ' ' Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Konstantinopel, 25. August. Die Vorgänge im Kriegsministerium überschreiten jetzt völlig die Grenze alles bisher Dagewesenen, unb europäische Scfer werben sich schwer an den Gebanken gewöhnen können, daß Vorkomm- > iffe, wie folgende, überhaupt möglich find. Der weite Platz vor bem Seras- k-rat und die umfangreichen Corridore und Säulenhallen d-s majestätischen Gebäudes, in welchem Osman sein eiserne« Scepter schwingt, sind vom Stoor- aenarauen an mit Hunderten von Weibern und Kindern angesull, zum über- wiegend größeren Thetl Wittwen und Frauen von Osficieren, Aerzten und Soldaten. Alle schreien und zetern, bitten um Brod, um Rationen, um fällige Pensionen und Gehälter, rufen de« Himmels Fluch auf den Sultan und die Regierung herab und häufen alle nur denkbaren Verwünschungen auf Osmans Haupt. Die wachehaltenden Soldaten schreiten nicht ein; einmal beherrscht auck sie das jedem Orientalen innewohnende Gefühl, wonach es nicht erlaubt iit ein Weib rauh anzmühren, andernthetls hegen auch sie die nämlichen bitteren Gefühle gegen Regierung und Krtegsminifler und werden nur durch den Rest von Disciplin, den sie noch bewahrt, vor dem lauten Ausdruck ihrer Stimmung zurückgehalten. Die Beamten des Ministeriums verhalten sich Lg.nd und theilnahmlos: werden sie angerebet, so ist bi-stete Antwort: ffßa« können wir machen? wir haben selbst nichts I Wenbet Euch an ben Minister." Enblich erscheint ber glänzende Wagen Osman s an bem wachen- umgebenen Eingänge zum Seraskerat. Schaaren von Weibern umringen sofort ba/ Gesähr beS Ministers unb Worte ertönen, bie in fernem Complimentir- huch ber Welt auszufinben sind.Hund, Verfluchter, Kuppler, Dieb , so tönt es dem Löwen von Plewna entgegen, wir sterben vor junger unb bu bauest Paläste. Gib uns Brob! Unsere Ernährer sinb für das Reich gefallen unb bu läßt uns vor schwarzem Hunger zu Grunbe gehen. Mas machst bu mit dem Gelbe, Verbammter 1 Möge bein Weib sterben, mögen beine Kinder »er» nn7lückeu Sund I Wir lasten dich nicht durch, ehe bu versprochen, zu zahlen I Der Kutsch» steigt vom Bock und führt die Pferde mühsam durch die wüthen- den Reihen Steine fliegen die gräßlichsten Schimpfworte erklingen an Osman prallt Alles eindruckslos ab, wie die tosenden Stoeereswogen an ben zackigen Felsen ber Küste. Inmitten von Flüchen unb Verwünschungen gebt der Pascha ruhig in sein Zimmer. Und diese ©eenen wiederholen sich Atzt täglich eit dem Beginn des Ramasan. Die Preffe darf nichts darüber schreiben, ber Sultan erfährt nichts davon, die übrigen Minister zucken die Achseln und seufzen, wenn man ihnen von diesen Vorgängen spricht, unb im Volke unb im Heere steigt bie Erbitterung höher. Wie soll bas enben? Wo- bIn sollen wir noch kommen? ___________________

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Berlin, 2. Septbr. Kaiser Wilhelm reist morgen früh zunächst nach der russischen Grenze, woselbst in Alexandrows eine Begegnung mit dem Kaiser Alexander, ber aus Warschau dorthin kommt, stat.finben wird Am Donner- üaa setzt der Kaiser seine Reise nach Königsberg zu den Manöver» fort. Der Vnikr reist nur mit militärischem Gefolge.

Berlin, 2. September. Die heutige Parade des Garde-Corps vor

Satter auf dem Tempelhoser Felde nahm bet herrlichem Wetter den nänrendsten Verlauf. Der Kronprinz, Prinz Carl, Prinz Friedrich der Nieder­lande und die Erbprinzesfln von Meiningen mit glänzendem Gefolge und die militärischen Abgesandten vieler fremdländischen Armeen wohnten der Parade zu Pferde bei, die Kaiserin und die Prinzessin Friedrich Carl zu Wagen.