28. März, welchem zufolge man bereits den Namen Desjenigen kennt, welcher daS Attentat aus General v. Drentelen ausführte. Vier SlaatSiäthe, deren Frauen und der Sohn eines derselben, ein Student, sind verhaftet.
Telegraphische Depeschen.
Waaner's telegr. «orrespondeuz - Bureau.
Berlin, 2. April. Reichstag. Fortsetzung der zweiten Berathung des Gesetzentwurfes betr. Maßregeln gegen die Verfälschung von Nahrungsmitteln. §• 10 (Definition des Schuldbegriffes) wird nach langer Debatte mit einem den Begriff erweiternden Amendement von Bär (Offenburg) angenommen. Im §• 11 hatte die Commission die Fahrlässigkeitsstrafe verschärft. Das Haus stellt jedoch die Regierungsvorlage wieder her. 8- 12 wird nach der Commissionsfassung angenommen. Der Rest des Entwurfes wird nach unerheblicher Debatte in der Commissionsfassung genehmigt- Das Haus tritt nunmehr in die zweite Berathung des Vogelschutz-Gesetzes ein. 8- 1 wird mit einem unerheblichen vom Fürsten Hohenlohe-Langenburg gestellten Amendement genehmigt. 8- 2 wird gleichfalls genehmigt. Bei 8- 3, zu welchem zahlreiche Amendements vor liegen, beantragt Graf Stolberg die Ueberweisung des §. 3 und der übrigen Paragraphen des Entwurfes an eine Commission von 21 Mitgliedern. Das Haus beschließt demgemäß. Sodann werden eine Reihe von Petitionen ohne erhebliches Interesse erledigt. Bei Berathung des Stempelsteuergesetzes vertagt sich das Haus auf morgen.
Wien, 2. April. Meldung der „Poltt. Corresp." aus Konstantinopel vom 2. April: Es heißt, daß ein türkischer Würdenträger die Königin von England in Italien begrüßen und der Sultan ein eigenhändiges Schreiben an die Königin richten werde. Das Project der gemischten Occupatton wird von den Bulgaren in Ostrumelien ungünstig ausgenommen. Man befürchtet Demonstrationen, wenngleich solche nur friedlichen Charakters sein würden.
London, 2. April. „Morning Advertiser" meldet: Die britische Regierung beschloß, ein 5000 Mann starkes Truppen-Contingent nach Ost- rumelien zu senden.
Pesth, 2. April. Unterhaus. Dem seitherigen Präsidenten Ghyczy, der seines hohen Alters wegen zurücktrat und sein Mandat niederlegte, wird der Dank des Hauses ausgesprochen. Apponyt beantragt, dem Auslande anläßlich der Sammlungen für Szegedin Dank zu votiren.
Berlin, 2. April. Die gestrige erste Spazierfahrt ist Sr. Maj. dem Kaiser sehr gut bekommen. Nach seiner Rückkehr empfing der Kaisrr den Fürsten Bismarck, welcher für das Geburtstagsgeschenk Dank abstattete. — Der österreichische Feldmarschall-Lieutenant, Graf Bellegarde, ist aus Wien hier eingetroffen.
— Bezüglich des Zolltarif Gesetzentwurfes, in deffen Berathung der Bundesrath heute elntritt, und worüber alsbaldige Berathung und Beschlnßfaffung im Bundesrath (nicht nochmalige Vorberathung durch die Ausschüffe) in Aussicht genommen ist, schreibt die „Prov.-Corr." : Die Regierung ist, wie auch der Präsident des Reichskanzleramts im Reichstage hervorhob, von der dringenden Noth- wendigkett einer baldigen Lösung der schwebenden Fragen überzeugt, weil unter der augenblicklichen Unsicherheit der Zustände das gesammte Erwerbsleben in Deutschland leidet. Den Uebergangszustand, worin sich die gesummten industriellen Verhältniffe befinden, möglichst abzukürzen, das erkannten der Reichskanzler und mit ihm die Bundesregierungen als ihre Pflicht und Aufgabe. Je rascher die deutsche Industrie aus dem Zustande der jetzigen Ungewißheit herauskommt, desto begründeter ist die Hoffnung auf eine neue aufsteigende Entwickelung. Der Reichskanzler wünscht deshalb die Zoll- und Steuervor- lagen, worüber bereits eine vertrauliche Verständigung unter den Bundesregierungen stattfand, noch vor Ostern an den Reichstag zu bringen, damit deren Berathung unmittelbar nach den Osterferien beginnen könne.
Wien, 2. April. Der Ausschuß des Abgeordnetenhauses für das Seuchengesetz hat einstimmig das Prtnctp des Einfuhrverbots von Rindvieh aus ständig oder häufig verseuchten Ländern angenommen, wonach die Einfuhr von Rindvieh aus Rußland zukünftig verboten wäre.
Pesth, 2. April. Das Abgeordnetenhaus hat den Gesetzentwurf über die Anschlüffe an die rumänischen Bahnen angenommen.
Athen, 2. April. Bei Entgegennahme einer ihm von Epiroten überreichten Aoreffe antwortete der König mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß die Großmächte nicht die Ungerechtigkeit begehen würden, nicht alle die vom Congreffe in Berlin bestimmten Thetle von Thessalien und Epirus einschließlich Janinas mit Griechenland zu vereinigen.
Paris, 3. April. Einem Telegramm des „Journal des Debats" aus London zufolge ist das griechische Circular an die europäischen Mächte abgesandt worden. Daffelbe appellire an die Großmächte und rufe deren Mediation an, damit die Entscheidungen des Berliner Congreffes die ungeschmälerte Aussühruna erhielten.
Lokales.
Gießen, 2. April. Herr Profesior Bratuscheck hielt gestern im Volksbildungsverein seinen dritten und letzten Vortrag über „vie Befreiung des deutschen Arbeiterstandeß". Die Versammlung war noch zahlreicher als bisher, doch erwies sich das Local noch als ausreichend. Der Vortragende setzte seinem Plane gemäß auseinander, was bis jetzt zur wirthschaftlichen Befreiung der Arbeiter geschehen sei. Er erörterte zunächst das Wesen und den Unterschied der Hauswirthschaft und Volkswirthschaft, zeigte, daß die vollkommenste Familienwirthschaft diejenige sei, welche durch das Pflichtgefühl und die Liebe ihrer Mitglieder zusammengehalten wird, und behauptete, daß die Volkswirthschaft in gleicher Weise ihr Ziel nur dann vollständig erreichen könne, wenn alle Mitglieder der Gesellschaft von strengem Pflichtgefühl und ächter Menschenliebe beseelt seien. Dann würden jeder für alle und alle für jeden arbeiten und die wirthschaftliche Freiheit würde mit der Cultur stetig fortschreiten, da jeder so weit wirthschaft- lich frei ist, als er durch die wirthschaftlichen Verhältniffe nicht in der Entwickelung und Be- thäligung seiner vernunftgemäßen Anlagen gehindert wird. Der Vortragende führte nun aus, wie in der Hauswirthschaft, wenn die sittliche Grundlage derselben fehle, der Egoismus, welcher auf der thierischen Natur des Menschen beruhe, zu Streit und Hader, zur Unterdrückung und zur Ausbeutung des Schwächeren durch den Stärkeren führe. Ein ähnlicher Zustand trete in der Volkswirthschaft ein, wenn sie nach dem Princip der Manchesterschule auf den freien Wettbewerb der egoistischen Intcreffen gegründet werde. Denn schrankenloser Wettbewerb entfeffele den Kampf um's Dasein, der nur den Sieg des ökonomisch Stärkeren zur Folge habe. Diese allgemeinen Ausführungen wurden verdeutlicht durch die Darstellung der wirthschaftlichen Zustände, die zu Anfang unseres Jahrhunderts besonders in England herrschten. Die Ausbeutung der Arbeiter durch die Kapitalisten, die Herrschaft des „ehernen Lohngesetzes" hätte den Arbeiterstand nicht nur zur wirthschaftlichen Sclaveret verurthetlt, sondern zugleich alle socialen und politischen Freiheiten illusorisch gemacht. Die schrankenlose Freiheit des Wettbewerbes bedeute die Herrschaft der unvernünftigen Begehrlichkeit und der Willkür, d. h. die geistige und sociale Unfreiheit. Der Vortragende warf nun die Frage auf, ob den dargelegten Uebelständen durch eine radikale Aenderung unserer Wirthschaftsordnung, d. h. durch Aufhebung der Lohnarbeit abzuhelfen sei. Er behauptete, daß diejenigen, welche diese Ansicht aufstcllten, die Ursache mit der Wirkung verwechselten. Die geistige Unfreiheit, d. h. die mangelhafte moralische Bildung vieler Capitalisten und Arbeiter sei die Ursache dtr wirthschaftlichen Unfreiheit, nicht aber um- qefeßit. Dies hätten die Experimente des Engländers Owen deutlich erwiesen. Er habe zuerst seine Arbeiter in Wahrheit wirthschaftlick befreit, indem er sie bildete und zugleich ihren Erwerbsinn durch Antheil an dem Gewinn seiner Fabrik in's Interesse zog. Als er jedoch später auf seinen communtstischen Colonien das Lohnprincip aufhob» seien seine Bestrebungen an
der Trägheit und dem Egoismus der moralisch ungebildeten Arbeiter gescheitert. Der Mensch könne vermöge seiner sinnlichen Natur den Wettbewerb um das Eigentbum nicht entbebrcn und es komme nur darauf an, daß dieser Wettbewerb durch das Pflichtgefühl und die Menschenliebe in Schranken gehalten werde. Die vernunftgemäße Ordnung der Hauswirthschaft werde dadurch herbeigeführt, daß die Mitglieder der Familie vom Staate gesetzlich zur Erfüllung ihrer Pflicht gezwungen würden und gleichzeitig mit diesem äußeren Zwang allmählich zur ricytigen Einsicht gelangten. In ähnlicher Weise seien zunächst in England die Schäden der Volkswirthschaft geheilt. Seit dem Jahre 1802 sei dort eine Fabrikgesetzgebung geschaffen, die 1875 zu einem vorläufigen Abschluß gelangt sei, und zum Zweck habe, die Arbeitgeber an der Verletzung ihrer Pflichten gegen den Arbeiterstanb zu hindern. Zugleich aber sei den Arbeitern seit >824 durch die Coalitionsfreiheit die Möglichkeit zur Selbsthülfe gegeben. Dies« sei durch die englischen Gewerkvereine herbeigeführt, welche zuerst im Kampf mit den Arbeitgeber-Vereinen hauptsächlich durch Arbeitseinstellung die Jntereffen der Arbeiter: Lohnerhöhung, Verkürzung der Arbeitszeit, Schutz der Person, durchgcsetzt hätten, bis sich die Einsicht Bahn gebrochen habe, daß die vernünftigen Interessen der Arbeiter und Arbeitgeber zusammenstimmen. Seit 1860 seien darauf allmählich Schieds- und Einigungskammern als Arbeitsbörsen zur friedlichen Regelung des Arbeitsmarktes entstanden. Außerdem hätten die Gewerkvereine die wirthschaftliche Sicherung der Arbeiter durch Kranken-, Invaliden- und Sterbekaffen in die Hand genommen und gleichzeilig die Genoffen durch geistige und moralische Bildung fähig gemacht, öie wirthschaftliche Freiheit zur wahren Hebung ihrer Lebenshaltung zu benutzen. So sei das eherne Lohngesetz gebrochen, gerade weil man in dem Streben nach wirthschaftltcher Befreiung die Grundlagen unserer Wirthschaftsordnung unverbrüchlich festgehalten habe.
Der Vortragende wies nun darauf hin, daß man in Deutschland die Bcfferung der wirthschaftlichen Lage der Arbeiter längst in derselben Weise wie in England erstrebt habe, daß wir aber vor England den Vorzug einer höheren Volksbildung voraus hätten und daber auf einen noch größeren Erfolg rechnen könnten. Doch sei bet uns die Entwickelung der Großindustrie später als in England eingetreten und daber die Fabrikgesetzgebung zum Schutze der Arbeiter noch unfertig. Die Gewerbezählunq von 1875 habe bewiesen, daß bei uns die überwiegend größte Anzahl der Arbeiter in den Kleingewerben beschäftigt sei und der Mittelstand, der die Ueber- macht des Capitals am wirksamsten hindere, werde jetzt durch bte Reorganisation der Handwerker-Innungen neu gestärkt werden, was wohl thunlich sei, weil das Handwerk als Kunstarbeit seinen Platz neben der Fabrikarbeit behaupten müffe. Der Vortragende machte hierbei auf eine Broschüre des Oberbürgermeisters Miquel von Osnabrück aufmerksam, von welcher er im Auftrage des Volksbildungsvereins den Zuhörern 10 Exemplare zur Lektüre vorlegte. Er wies besonders auf die dieser Schrift beigefügten Statuten der Schuhmacher-Innung in Osnabrück hin, die von der preußischen Regierung und den Regierungen mehrerer anderen deutschen Staaten als Muster zur allgemeinen Nachahmung empfohlen werden. Er erörterte darauf, was bisher in Deutschland geschehen sei um die Arbeitgeber durch das Gesetz an der Verletzung ihre Pflichten gegen die Arbeiter zu hindern und wie gleichzeitig die Selbsthülfe organisirt sei. Hierbei bezeichnete er als den Fehler der seit 1868 nach englischem Muster gestifteten deutschen ■ Gewerkvereine, daß sie von der Fortschrittspartei wie von den Socialdemokraten von vornherein als Mittel zu politischen Parteizwecken benutzt und dadurch der allgemeinen Theilnahme beraubt seien. Ferner hätten sie verhindert, daß die vortrefflichen von Schulze-Delitzsch ins Leben gerufenen Erwerbs- und Wirthschaftsgenoffenschaften von den Arbeitern bester verwerthet seien, da in diesen Vereinen nur etwa der 20. Theil der Mitglieder dem Arbeiterstande angehöre. Eine neue unseren Verhältnisten entsprechende Organisation der Gewerkvereine verbunden mit Einigungskammern sei also dringend zu wünschen. Doch sei unter den deutschen Arbeitgebern die richtige Einsicht und wahres Wohlwollen gegen die Arbeiter weit verbreitet. Daher sei zu hoffen, daß die vom Mittelrheinischen Fabrlkanten-Verein angeregte und von Männern ausgfast allen politischen Parteien unternommene Gründung des Vereins „Concordia" gelingen werde, welcher eine einheitliche Organisation aller auf die sittliche und materielle Hebung der arbeitenden Klassen gerichteten Anstalten bezwecke. Dann würde auch die vom Kaiser an seinem letzten Geburtstage genehmigte und unter das Protektorat des deutschen Kronprinzen gestellte Stiftung aus der Kaiser Wilhelms-Spende ihren Zweck erreichen. Diese Stiftung müsse eine Sühne des deutschen Volkes für die Attentate des vorigen Jahres sein, indem dadurch eine der Hauptursachen der schweren socialen Gebrechen beseitigt würde, deren Folge die Attentate gewesen seien. Doch würden die wohlwollendsten Bestrebungen der Regierung und aller Arbetterfreunde nichts fruchten, wenn die Arbeiter ihre Befreiung nicht selbst in die Hand nähmen, und dazu wolle der Dolksbildungsverein hier Anlaß geben. Er sei der Concordia als corporattves Mitglied beigetreten und laste den Aufruf zum Beitritte bei den hiesigen Fabrikanten circuliren. Er werde bis zum nächsten Herbst einen Arbeiterbtloungsveretn ins Leben rufen, worin ein ständiges Lehrercollegium Cyklen von Vorträgen halten und nach Be- dürfniß auch fachlichen Unterricht erthefien würde. Auch werden hiermit eine Volksbibliothek und ein Lesezimmer verbunden werden. Dieser Bildungs-Verein solle zugleich Anregung zur Hebung des materiellen Wohls der Arbeiter geben und durch den Verkehr derselben mit allen Freunden des Arbeiterstandes das wahre Arbetterprogramm der Zukunft zu verwirklichen suchen : durch geistige Freiheit, durch sittliche und intellektuelle Bildung die sociale und wirthschaftliche Befreiung zu sichern.
An den Vortrag schloß sich eine Discussion, welche gegen 11 Uhr vertagt wurde; die Fortsetzung derselben findet Dienstag Den 22. April Statt.
Gießen, 3. April. Von dem Scbwurgerichtshof dieser Provinz wurden ver- urtheilt: am 1- April, wegen Diebstahls, Beihülfe, Hehlerei und Begünstigung,
a. Carl Lehr von Nidda in eine Gefängnißstrafe von 8 Monaten, b. August Schneider von Nonnenroth in eine solche von 7 Monaten, c. Heinrich Schrot von Gelnhaar, in eine solche von 7 Monaten, d. Wilhelm Schmidt von Nidda in eine solche von 3 Monaten, „ Heinrich Väth von Nieder-Rosbach, wegen Urkundenfälschung, in eine Gefängnißstrafe von 2 Monaten.
am 2. April Johannes Euler von Hoch-Weisel wegen schweren Diebstahls in eine Gefängnißstrafe von 4 Monaten; wegen zweier einfacher Diebstähle erfolgte Freisprechung.
„ Elise Willenbücher von Hetzbach im Odenwald, wegen zwei schwerer und zwei einfacher Diebstähle, ihn eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 2 Mon., wovon jedoch 2 Mon. als durch die erlittene Untersuchungshaft bereits verbüßt in Abzug kommen. —
„ wurde die Verhandlung der Anklagesache gegen Christoph Richters Ehefrau und Ph. Richter von Nieder-Weisel wegen Urkundenfälschung wegen Nichterscheinens eines der Angeklagten vertagt.
Gießen, 3. April. Im Monat März 1879 wurden von Seiten der Schutzmannschaft arretirt: Bettler 107, Obdachlose 1, wegen Ruhestörung 11, Trunkenheit 8, Prosti- tuirte 10, Diebstahl 11, Betrug und Unterschlagung 3, auf Requisition wurden 4 Personen arretirt und Schulkinder 1. Anzeigen erfolgten in samtätspolizeilicher Beziehung wegen schädlicher Ausdünstung 5, Lebensmittelfälschung 6, bösartiger Thiere 5, in ficherheitspllizei« ttcher Beziehung gegen Bettler 107, Trunkenheit 4, Ruhestörung 52, Diebstahl 10, Betrug 5, Meldewesen 12, sonstige Sicherheitspolizei 14. Ferner wegen Thierquälerei 5, Prostitution 4, Störung der Sonntagsfeier 2, Uebertretung der Feterabendstunde 24, wegen Vergehen gegen die Droschkenordnung 2, Str^ßenreinigung 30, sonstige Straßenpolizei 49. Summa sämmtlicher Anzeigen 346 gegen 372 im Monat Februar.
— Verhaftet wurden im Laufe des gestrigen Tages resp. Abends 2 Handwerksburschen, welche nach 9 Uhr Abends fechteten, 2 liederliche Dirnen und ein verheiratheter Mann auf Requisition einer auswärtigen Behörde.
— In Frankfurt a. M. war der Kaffenbote bei der Rkichsbank Albrecht am 31. v. A. mit 32,000 3L einkassirten Geldern durchgcgangen. Nach einer Depesche des dortigen Polizeipräsidiums ist der Durchbrenner bereits ergriffen.
— Im Wetzlarer Anzeiger fanden wir folgenden Nachruf an den früher schon hier wohnenden und jetzt wieder hierher übergesiedelten Herrn Lehrer W- Plaut:
Wetzlar, 31. März. Am heutigen Tage scheidet aus unserer Mitte unser verehrter und verdienter Prediger, Lehrer und Cantor Herr W- Plaut. Wir verlieren an ihm einen Mann, dem Wahrheit und Recht die höchsten Ideale gewesen und der in That wie tn Wort, wie er dieses vorgestern in seiner ergreifenden Abschiedsrede mit Recht betonte, mit Einsetzung aller Kraft für dieses höchste Menschenprincip eintrat. — Aber wir verlieren in ihm auch einen Mann der strengsten und pünktlichsten Pflichterfüllung, und es ist keine von den vorgenannten Functionen, in welchen er nicht, wie namentlich auf dem Gebiete der Jugendbildung und Erziehung, die schönsten Erfolge aufzuweisen hätte. Wie uns daher fein Andenken stets theuer bleiben wird, so möge er sich aucb unser stets freundlich erinnern.
Handel und Verkehr.
Limburg, 2. April. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen JL. 18.20, Weißer Weizen JL —, Korn 12.25, Gerste JL 9.30, Hafer JL 6.80, Erbsen JL —, Kartoffeln 2.60. (Durchschnittspreis pro Malter.)


