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Nr. 80.

Freitag, den 4. April

1879

Meßmer "Anzeiger

Anjchk- M AmtsW für ita Kttis Gießen.

RedaelionSdureau r 1 _ _

Gxpediti-nSbureaur } Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. $rtid vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringe lohn

_____ ' _________________Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

Betreffend: Gesetz, die Gesindeordnung vom 28. April 1877.

haW U"8 Wahrn,hmu.,g g-macht wo,den daß jowoh! von den Dionsth'rrichaft n als von den Dienstboten und den Gesindeoerdlnaerinnen

bZ'ch>.changLn7?werde" ®eflnbe°lbnUn8 bci,()!,d) b ®auet btr ^nstzest und der -t-s.tzlichen Künd.gungszeit entweder nicht g-kknnt sind -der mch- «-leßlich- Bestimmungen Kn.°"""'°^ Cara"f ^"'uweisen, daß in hiesiger Stadt nach Art. 7 und 8 des rubricirten Gesetzes nachfolgende

U 66errhr*l vereinbart, so wird der Vertrag als aus die Dauer eines gesetzlichen Vierteljahres abgeschloffen anaeseben

E>» gesetzUcheS Vierteljahr beginnt et,veder,mt dem. ersten We.ktage natb Weihnachten oder mit dem ersten Werktage nach OSern sbg^ Johannistage oder mit dem Michaelrstage und schließt an rem Tage des Beginnens des jeweilig nachfolgenden Viertel-

^nbc deffelben^e!ngegangen^^ Vierteljahres abgeschlossener Dienstvertrag gilt bei dem Mangel anderweiter Vereinbarung als bis zu Der Dienstvertrag. welcher bei den auf ein Vierteljahr gemietheten Dienstboten nicht vier Wochen vor Ablauf der Dienil-eit gekündigt wird, ist für em weiteres Vierteljahr als stillschweigend erneuert zu betrachten. ' 8

®legen, am 31. März 1879. GroßherzogUche Polizetverwaltung Gießen.

______ _____Freseniu s.

Deutschland.

Berlin. Welche hohe Bedeutung die Eisenindustrie für unsere vvlks- wirthjcdasilichen Zustänke im Allgemeinen hat davon geben die Deposttionen der Sachverständlgen in der Eisen-Enquett-Commission über die Roheisen- Pcoductwn in Deutschland, bezw. über die Selbstkosten und Verkaufspreise des Robeisens Ausschluß. Als Gejammt Resultat dieser Erörterungen ergiebt sich: Westfalen, der Niederrhein und Schlesien haben so viel höhere Selbst­kosten als England und Belgien, daß sie durch Betrt.bs-Veibesserungen nicht ausgeglichen werden können. Tie Verkaufspreise, welche dort erzielt werden, stehen im günstigsten Falle den Selbstkosten ohne Zins und Amortisation gleich, in vielen Fällen aber noch unter den Selbstkosten. Lothringen und Luxen bürg produciren gewöhnliches Puddel Roh.tsen, annähernd gleich den Werken Englands und Nord Frankreichs und kaum höher als Belgien, dage­gen Gußerei-Eisen theurer als England und B lgien. Die Verkaufspreise er­gaben den Selbstkosten gegenüber i och einen unerheblichen Ueberschuß. Die Maxi- milia. shütte tn Bayern, das e nzige süddeutsche Werk, dessen Verhältniffe con- statirt wurden, erzielt mit dem probucirten Roheisen einen ansehnlichen Ueber­schuß über die Produktionskosten. Als Ursache dieser günstigen Lage des Werk.s wird hervorgehoben, daß dasielbe reiche Erzgruben ohne nennenswerthen Aufwand erworben hat. Von der Gesammt Etsenproduction Deutschlands zu 38,6 Mill. Centner Roheis.n im Jadre 1877 kommen auf die Eisenindustrie Rheinland Westfalen und Schlesien 75,8 pCt., auf Lothringen und Luxemburg 21,4 pCt. und auf den südlichen Distrikt 2,8 pCt., so daß nur bei einem Viertel dieser Production die Selbstkosten durch die Verkaufspreise gedeckt er- 'cheinen. Nach den vom Retchekanzleramt zur Eisen-Enquete mitgethellten statistischen Notizen betrug die G sammt Prokuction L eutschlands mit Luxem­burg 1877 an Roheisen 38 6, an Gußwaaren 8,4, an Schweiß- und Flußeisen 30 Mill. Centner, welche nach Abrechnung des Roheisens einen Gesammtwerth von 326 Mill. Mk. repräse. tiren. Von welch' hoher Bedeutung die Eisen- production überhaupt ist, erkennt man, w»nn die Erzeugungekosten des Roh­eisens in ihren Bestandtheilen betrachtet werden. Nach den Aufstellungen der Sachverständigen entfallen trotz der verschiedenen Lage der Hohofenwerke doch im Durchschnitte nahezu 50 pCt. der Kosten auf Arbeitslohn und 25 pCt. auf Frachten. Da der Werth der Roheise, Production 1877 auf 111,6 Mill. Mk. berechnet ist, so find davon mehr als 50 Mill. Mk. an Arbeitslöhnen und ziemlich 30 Mill. Mk. an Frachten davon gezahlt. Hinsichtlich der Erzeu­gungskosten des Roheisens sei noch bemerkt, daß in England und Belgien für Puddelofen, Gießereieisen und Bessemer Roheisen die höchsten Preise 38, 45 und 58 Mk. betragen. In dem rheinisch - westfälischen Eisenbezirk stellen sich die Selbstkosten jedoch durchschnittlich auf 55, 65 und 69 Mk., im oberschle­sischen Eisenbezirk aber bei denselben Sorten auf 52, 60 und 80 Mk.; im ludwestlichen Elsenbezirk gehen die Zahlen auf 37 und 40 Mk. (die dritte Sorte fehlt) herunter; der südöstliche Eisenbeztrk endlich productrt die ver­schiedenen Qualitäten zu 48, 50 uud 63 Mk. die Tonne. Die Fracht von England nach den Ostseehäfen beträgt 7 Mk. pro Tonne, von den südwest- deutschen Werken ebendahin aber 17J/2 Mk.

Kesternich.

Wie«, 1. April. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom 31. März: Die Pforte stimmte principiell der gemischten Okkupation Ostrumeliens zu, wenngleich unter mancherlei Vorbehalten, worunter der An­spruch, daß die türkischen Truppen, deren Betbetligung an der Okkupation außer Frage sei, auch an der Besetzung der Balkanpässe participiren. Am 30. M ärz sand ein Ministerrath wegen der neuen Redaktion der Convention mit Oesterreich statt. Die Mitglieder der internationalen Commission für

Ostrumelien werden hier auö Philippopel emireffen und am 5. April eine Sitzung halten, worin die erste Lesung des organischen Statuts für Ostrume- lien statlfindet. Die Demission Khereddin Paschas wurde vom Sultan nicht angenommen.

AranLreich.

Versailles, 1. April. Der Senat nahm mit 157 gegen 126 von 283 Summen den Antrag auf Vertagung der Diskussion über den Antrag, betr. die Rückverlegung der Kammern nach Parts und die Revision der Ver- fafsung, an.

England.

London. In diesem Augenblicke stehen nach zuverlässiger Schätzung an heimisch-englischen Truppen 14,000 Mann Infanterie und 1200 Retter mtt 35 Kanonen, ungerechnet dte Freiwilligen und die Eingeborenen - Conttngente, auf dem Boden Natals zum Angriff gegen das Zululand bereit. Die Ent­setzung Pearson's ist wahrscheinlich schon erfolgt, dagegen glaubt man, daß ein allgemeines, auf die gänzliche Vernichtung der Zulu-Armee abzielendes Vor­gehen erst gegen Ende April werde erfolgen können. Inzwischen reichen die am Sonnig von Madeira telegraphirten Nachrichten ans der Capstadt und Pietermaritzburg bis zum 11. März herab. Es war an letzterem Orte gerade ein von den Zulus heftig verfolgter Bote Pearson's eingetroffen mit der Nachricht, daß die Lebensmittel blos bis Ende März ausretchten. Mit den Basutos hatte schon ein kleines Scharmützel stattgefunden, bei dem die Eng­länder 2, die Eingeborenen 20 Mann verloren. Sir Bärtle Frere stand int Begriff, sich zum Transvaal-Lande zu begeben, um der auf den 17. März an» beraumten Versammlung der Boers beizuwohnen. Ein eigenthümliches Ma­növer wird aus dem Norden des Zulu-Landes gemeldet. Cetewayo ahnt nämlich, daß er den Engländern ans die Dauer nicht werde Stand halten können und hat einen Theil seiner Truppen abgesandt, um im Norden die Straßen offen zu halten, die ihm und seinem Volke einen freien Abmarsch sichern würden.

Italien.

Rom, 1. April. Die Begnadigung Passanante's zu lebenslänglicher Zwangsarbeit hat trotz des noch nicht beendigten Zwistes über Abschaffung oder Beibehaltung der Todesstrafe überrascht, denn Paffanante war in aller Form zum Tode verurtheilt worden und die Begnadigung verdankt keineswegs irgend welchen mildernden Umständen oder gar der Empfehlung des Gerichts­hofes ihre Entstehung, sondern ausschließlich dem zur Souveränetät gehörigen Begnadigungsrecht des Königs. Paffanante ist inzwischen schon am Abend deS 30. März nach der Insel Elba übergeführt worden.

Nußkand.

Petersburg. Ueber das Attentat auf General Drentelen bringen die russischen Journale noch folgende Einzelheiten:Der Attentäter hatte während der Flucht eine Brieftasche verloren, in welcher sich 500 Rubel und ein versiegelter Brief befanden. Der Bries war an Drentelen adresfirt und fofl die Worte enthalten:Wenn meine Kugel Dich nicht trifft, so richte ich an Dich im Namen desExecutiv-Comitös" die Mahnung, Du sollst auf der Suche nach dem Vollstrecker deS TodeSurtheils, welches dasExecutiv.Eomi^" über Dich verhängt hat, nicht Unschuldige zur Verantwortung ziehen und die­selben foltern oder gar verderben lasten. Merke es Dir! . . . Solltest Du ober bi» (er Mahnung kein Gehör geben, so wird Dich unsere Kugel früher oder später erreichen."

In denDaily News" finden wir ein Telegramm anS Petersburg vom