ersten zwei Jahren des Aufenthalts durch geschickte Benutzung der Privat- wohlthättgkeit durchzubrtngen und melden sich dann erst bei der Armenbehörde, wenn fie den Unterstützungs-Wohnsitz erworben haben und eine Ausweisung mcht mehr möglich ist. Um diesem Uebelstand möglichst zu begegnen, will der Armenrath die durch die Vereine und Privaten setiher gewährten Unteistützun- gen selbst vermitteln und die Geber über die Dürftigkeit und die Würdigkeit der Empfänger benachrichtigen, namentlich und darüber, ob die Letzter» nicht in einer andern Gemeinde unterstützungspfllchttg sind.
Dänemark.
Kopenhagen. Am Abend des 21. December, während der Vermäh- lungsfeter, fiel es in Kopenhagen allgemein auf, daß die Lllaatsgebäude sich an der Illumination nicht betheiligten. Dagstelegraphen erklärt dies dahin, daß die Behörden allerdings den Antrag gestellt hätten, ihre Gebäude erleuchten zu dürfen, aber durch ausdrücklichen Beschluß des Mlnisterrathes abschlägig beschreden worden seien, „weil die Regierung unter den gegenwärtigen Umständen der folkethingslosen Zett sich nicht zu Ausgaben berechtigt fühle, die Nicht durchaus nothwendig seien."
England.
London, 1. Januar. Den „Daily News" wird aus Peshawer vom 31. Decbr. gemeldet: Eine Bande von Hochländern besetzte eine von den britischen Truppen verlassene Position im Kkyber-Paffe, zerschnitt den Telegraphen und sperrte die Verbindung mit Alt-Musjid. Eine von Jamrod entsendete Truppencolonne stellte die Verbindung wieder her. — Der Herzog von Edin- burg ist zum Contre-Admiral ernannt worden.
Spanien.
Madrid, 31. December. Der Vertheidiger, ein Bruder und die Frau Moncast's y Oliva, haben sich heute zum Könige begeben, um für Moncafi um Gnade zu bitten.
Rußland.
Petersburg. Die Studenten-Unruhen in Rußland mehren sich, trotz der drakonischen Maßregeln, welche die russische Regierung gegen dieselben in Scene setzt. Zu den Tumulten in Petersburg, Moskau und Charkow hat sich ein neuer in Kiew gesellt. Die dortigen Studenten hatten in einer außerhalb der Stadt abgehaltenen Versammlung beschlossen, gegen die angeblich ohne alle Begründung erfolgte Schließung der Universität mit materieller Gewalt zu protestiren. Sie drangen darauf, zum großen Theile gut bewaffnet, in das Universitäts-Gebäude ein, machten die sich widersetzenden Stadt-Gensdarmen kampfunfähig, zertrümmerten mehrere Lehrstühle und schlugen am Brett einen fulminanten Protest gegen die Willkür der Behörden, die alle Rechte der Studenten mißachten, an. Mittlerweile marschtrten zwei Compagnien der Lokaltruppen heran, und versuchten mit gefälltem Bajonnete die Tumultuanten zu verdrängen. Die Studenten wichen aber nicht vom Platze und leisteten trotzigen Widerstande, der zu einem beklagenswerthen Blutvergießen führte. Es heißt, daß auf beiden Seiten circa 80 Mann theils verwundet, theils getödtet worden find. Die angesprengte Kavallerie vertrieb die Studenten, von denen viele verhaftet wurden. Die Aufregung in Kiew ist ungeheuer. Von anderen russischen Universitätsstädten werden ähnliche, wenn auch weniger blutige Vorfälle gemeldet. Man glaubt, die Regierung werde den Belagerungszustand über Kiew, Charkow und Umgegend verhängen. Inzwischen ist aus der geheimen Druckerei des russischen Revolutions-Comit6's eine Darstellung der letzten Petersburger Vorgänge mit einem Aufruf an die Studenten der höheren Lehranstalten her- v-orgegangen, der das Motto trägt: „Wer nicht mit mir hält, ist gegen mich" und Folgendes enthält:
„Die lang erwartete „Bartholomäus-Nacht" ist endlich über unsere Jugend gekommen, am 30. November, das ist am zweiten Tage nach der Ueber- reichung der mäßig gehaltenen Abreffe an den Thronfolger. Ungefähr zweihundert Studenten find in den Kerker geworfen, die medicinische Fakultät ist von Gensbarmen, Kosaken und Soldaten umzingelt; die Studenten sind mit Peitschen geschlagen und Arrettirungen sind auf's Geradewohl vorgenommen worden. Auch der Proseffor Tarchanoff wurde verhaftet. Am 1. December fand wieder eine Zusammenkunft von 900 Studenten statt. Dieselben wurden abermals von Kosakenlanzen und Nahajkas (Knuten) bedroht, und obwohl die Studenten von 2000 Soldaten umringt waren, faßten sie doch den Entschluß, die Aenderung der Statuten und die Befreiung ihrer College» durchzusetzen. Weder die brutalen Drohungen noch die feigen Versprechungen des Stadthauptmanns Zuroff, für die Studenten eine billige Küche zu errichten, haben etwas geholfen. Der Rector der Universität war so gewissenlos/ die Studenten der Polizei zu übergeben. Die Professoren Botkin, Junge, Koschlakoff, Gorwitz und Andere forderten die Einberufung einer Conferenz, sie protestwten gegen die den Studenten gegenüber von der Polizei an den Tag gelegte Willkür. Der Kampf spitzt sich zu und wird immer intensiver; indifferent zu bleiben, würde jetzt eine Schande sein. Wir haben Niemanden prooozirt, wir haben kein Verbrechen begangen. Wir haben blos den Thronfolger aufmerksam gemacht, daß die Statuten den Studenten Einschränkungen auferlegen, d»e Unruhen und Aufregungen unausbleiblich zur Folge haben müssen; wir sprachen vor zu Gunsten unserer Charkower Cokegen; man war bestrebt, mit den lächerlichsten Mitteln, wie der Abbrechung der Communlcation über die Neva, uns an unserem edlen Vorhaben zu hindern. Als das nichts genützt hat, nahm man Zuflucht zu Gewaltthätigkeiten. Russische Soldaten nahmen feinen Anstand, mit den Waffen über wehrlose Russen herzufallen! Der Angriff war so vehement, daß der Professor der Chirurgie Sklifusowskl mit Verbandzeug den Verwundeten zu Hülfe eilen mußte. Diese Heldenthat russischer Soldaten ist würdig, an die Seite der türkischen Gräuel in Bulgarien gestellt zu werden. Unsere verhafteten College« erwarten im Administrattvwege ihre Verbannung. Daher müssen wir energisch den aufgenommenen Kampf zu Ende führen. Wir müssen Vereine bilden und einen Fonds schaffen, um die Agitation in den Provinzen zu betreiben. So lange unsere Forderungen, betreffend die Abänderung der Statuten und die Befreiung unserer Collegen, nicht befriedigt w rden, dürfen wir die Vorlesungen nicht besuchen. Wir werden den Kampf fortsetzen — und die Verantwortung dafür, sowie die Folgen werden auf unsere Henker fallen. Ueber diesen Kampf der Aufklärung mit der Kosakenknute möge das russische Volk, ja ganz Europa zu Gericht sitzen. Wir laden die Studenten aller höheren Lehranstalten — sowohl in Petersburg als auch
in der Provinz — ein, sich mit uns zu vereinigen, um mit vereinten Kräften das beschämende Joch der Willkür abzuschütteln. Wir fordern auf, unseren Manifestationen mehr überzeugende Argumente als Kosakenknute und Bajonnete entgegenzusteüen."
Leider fehlen über die socialen Krankhettserscheinunzen, welche die russische Gesellschaft in dieser Welse Helmsuchen, noch alle authentlschen und objektiven Berichte. Denn weder die schönfärbenden officiellen Petersburger Darstellungen, die der europäischen Presse zugehen, noch Die tendenziösen Schilderungen oes „russischen Revoluttonö-Comitees" können Anspruch aus den Titel glaubwürdiger Berichte machen. Indessen geht doch so viel aus ihnen hervor, daß Rußland einer würdigeren Aufgabe gerecht geworden wäre, wenn es, anstatt „Christen- thum und Humanität" nach der Türkei zu tragen, sich der Mission unterzogen hätte, vorerst Cultur und Gesittung im eigenen Lande recht gründlich zu verbreiten.
Türkei.
Konstantinopel, 31. December. Die ostrumelische Commission in Phtlippopel beneth dte Lage Ostrumeliens nach der russischen Eoacuation: Der britische Deleatrte Wolff schlug eine gemischte Occupation und eine Organisation Rumeliens wie diejenige des Libanon vor. Die Vertheidigang des Balkans solle der bulgarischen Miliz anvertraut werden. — Dte Pforte theilte den Mächten mit, sie beabsichtige den ersten Secretär der Pariser Botschaft, Nasri Bey, zum Gouverneur des Libanon zu ernennen.
— Karatheodori Pascha wurde zun ersten, Ali Pascha zum zweiten Bevollmächtigten für dte Verhandlungen über den definitiven türkisch-russischen Friedensvertrag ernannt.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz - Bureau.
Berlin, 2. Januar. Der „Proo.-Corresp." zufolge erwiderte Se. Maj. der Kaffer bet dem gestrigen Empfang der Minister auf die Ansprache des Vicedräsidenten Graf Stolberg, daß Ihn die Geschäfte bisher nicht angegriffen hätten, wenn auch die alte Spannkraft noch nicht zurückgekehrt sei. Daß Er von einem Jahre mit so schweren Erfahrungen mit sehr ernsten Gedanken scheide, sei natürlich. Andererseits habe Ec so viel Beweise von Thetl- nahme und treuer Anhänglichkeit empfangen, daß dadurch die schmerzlichen Elndrücke wesentlich gemildert seien. Ec danke dem Staatsmintstertum für das zur Bekämpfung der Gefahren Geschehene, was unverkennbar nicht ohne Erfolg gewesen; die volle Aufmerksamkeit und Thätigkell der Regierung müsse aber darauf gerichtet bleiben. Der Kaffer forderte das Ministerium auf, Ihm auch ferner dte Führung der Regierung zu erleichtern. Se. Majestät reichte jedem Minister die Hand und richtete an jeden freundliche Worte.
— Zur Angelegenheit des „Großen Kurfürsten" schreibt die „Norad. Allg. Ztg." : Die Einsetz ing des Kriegsgerichts sei nicht vor Mitte Januar, der Abschluß der Hauptuntersuchung nicht vor dem Februar zu erwarten. Demselben Blatt zufolge steht die Einführung dec neu ernannten Mitglieder des Oberkircheurathes Kögel und Baur in den nächsten Tagen bevor. Betreffend die Zettunqsmeldungen über die Besetzung höherer Commandostellen in der Armee, so sei allerdings in nicht langer Zett ein Avancement in den höheren Ofsictersgraden zu erwarten, bestimmte Angaben seien aber verfrüht, da betr. Entschließungen noch nicht gefaßt worden.
Wien, 2. Jrnuar. M ldungen der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel, 2. d. Ein Jrade des Sultans ermächtigt dte Pforte zur Verhandlung des defintttoen Frtedensvertrages mit Rußland. Eme an die Albanesen zu erlassende Proclamation der Pforte wird dieselben auffordern, der Abtretung von Podgoritza und Spuz an Montenegro keine Hindernisse zu bereiten; entgegengesetzten Falls wird mit Waffengewalt gedroht. Die türkisch-griechische Grenzregulirunas-Commission tritt in Athen zusammen.
Dieselbe Correspondenz aus Bukarest meldet: Rosetti hat sich in besonderer Mission nach Rom, Demeter Bcatiano desgleichen nach Wien und Parts begeben.
Berlin, 2. Januar. Die „Pcovinzial-Correspondenz" hebt in einem Rückblick auf das Jahr 1878 den hochb.deutsamen Erfolg und Fortschritt der gemeinsamen Friedenspolitik der Mächte heroor, welcher in dem Berliner Vertrag zu Tage getreten sei. Es hätte eine Zeit lang scheinen können, daß der Bestand des mühsam erreichten Werkes auf's Neue in Frage gestellt sei. Je mehr aber diese Gefahr hervorgetreten, desto entschiedener seien die Bestrebungen der Großmähte zur Wirksamkeit gelangt, aus welchen die ursprüngliche Verständigung heroorgegangen war. In den letzten Wochen des abzelrufenen Jahres seien von allen betheiligten Mächten dir bestimmtesten Kundgebungen und theilweise positive Schritte erfolgt, welche den gemeinsamen Willen und die allseitige Zuversicht bezüglich der wetteren vollständigen Durchführung des Berliner Vertrages bestätigten. „Bei Beginn des neuen Jahres ist somit der auswärtige Horizont reiner und klarer als seit langer Zett. Soweit das Wiederaufleben des öffentlichen Vertrauens von den Beziehungen der Mächte abhängt, können wir mit lang entbehrter Zuversicht den wetteren Entwickelungen entgegensehen."
London, 2. Jrnuar. Der Strtke in Oldham ist beendet. Die Baum vollspinner haben die Lohnreductton von 5 pTt. beding ingslos accepttrt. — „Daily Telegraph" meldet aus Jellalabad: Vier afghanische Regimenter sind in Folae eines Streites um den Sold mit Jrkub Khan desertirt.
Konstantinopel, 2. Januar. Beim Neujahrs empfang des diplomatischen Corps sprach der österreichische Botschafter Graf Zichy als Doy m desselben dem Sultan seine Gmugthuung über dessen Bemühungen um Sicherung des Friedens aus mit dem Wunsche, solche von Erfolg gekrönt zu sehen. Der Sultan hob tn seiner Erwiderung hervor: Ec wünsche die Wohlfahrt seiner Völker und freundschaftliche B ziehungen zu allen Mächten. An einzelne Diplomaten richtete der Sultan huldvolle Worte. — Die Unterhandlungen wegen des definitiven russisch-türkischen Frtedensoertrages nehmen seit Dienstag einen befriedigenden Verlauf; es verlautet, Rußland habe etngewilligt, daß die Kciegskosten-Entschädigung in Papierrubeln gezahlt werde. — Die britische Flo te ist bei Jrmid eingetroffen. — Der Gcoßoezir ist bereit, als Princip für dte Regulirung der griechischen Grenze die Feststellung einer strategischen Linie anzunehmen; außerdem sollten dte Mächte sich verpflichten, für den Frll, daß n ue Ansprüche Griechenlands zu dem Versuche einer Gebietsbesetzung führen sollten, Neutralität zu beobachten.
Madrid, 3. Januar. Der Attentäter Moncasi wird heute früh 8 Uhr hmgerichtet werden.


