stration statt, die aber sehr mager ausfiel. Die „Capitale" publlicirt Garibaldis Proclamation an die Italiener. Garibaldi constatirt barm, daß eine Vereinigung aller republikanischen Fractionen am 21. April unter dem Ahnten einer „Demokratischen ßiguc" erfolgte. Sie meldet ferner die (Srnennun^ eines Executiv'Comit6s und erklärt, die Agitation werde sich in den Schranken des Rechtes und der friedlichen Mittel halten. Dieselbe müsse jedoch zu andern Mitteln greisen, falls die Regierung die Ausübung der Rechte bet Demokratie verhtnbere ober verletze. In diesem Falle trage lediglich die Re- pierung die Verantwortlichkeit. — Prinz Karl ist in Venedig an^ekommen. — Der deutsche Botschafter, Herr v. Keudeü, gcht auf Urlaub nach (Stellten.
England.
London, 28. April. Nach mehr als vierwöchentlicher Abwesenheit ist die Königin wieder in ihr Land zurückgekehrt und hat ihren Wohnsitz im Schloß Windsor genommen, wo sie etwa fünf Wochen zu verweilen gedenkt, um sich dann später, wie gewöhnlich im zeitigen Sommer, nach Schottland zu begeben. Ihre Ankunft trug am Samstag durchaus denselben privaten Charakter, wie vor einem Monat ihre Abreise. Bis auf die Beseitigung der düstern W lke, welche vor vier Woche« noch drohend über dem Kriegsschauplatz am Cap schwebte, findet die Königin die politische Lage nicht wesentlich verändert. — Die vier mächtigen Hundert-Tonnengeschütze, welche zur Zeit der KriegSrüstun- gen von Armstrong gekauft wurden, sind erst jetzt nach 14 Monaten fertig geworden und es sind davon zwei in Woolwich zur Ablieferung gekommen. Die Monstre-Geschütze sollen nunmehr geprüft werden, und selbstoerstäadlich sehen unsere Artilleristen der Prüfung mit Neugierde entgegen. Die Geschosse werden voraussichtlich jedes gegen 2000 Pfund wiegen, «nd man erwartet, daß sie mindestens drei Fuß Eisen durchschlagen.
Ztußkand.
Petersburg, 29. April. Gegenüber den Vermuthungen Wiener Blätter, die Missioa des Grafen Schuwaloff ziele auf eine Art gegen das revolutionäre Treiben gerichteten heiligen Bundes ab, will das „Journal de St. Petersbourg" wisien, Schuwaloff werde mit den österretchtsch-ungaii- schen Staatsmännern nur über Maßregeln unterhandeln, weiche die Erfüllung des Berliner Vertrags und die Sicherung des Friedens im Orient bezwecken.
Afrika.
Kairo, 29. April. Die Commiflare für die egypttsche Schuld machen amtlich bekannt, daß Zahlung auf die Coupons der Änlethe von 1864 und der untfictrten Schuld erfolgt.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. Eorrespondenz- Bureau.
Berlin, 30. April. Noch in letzter Stunde auf das dringende Gesuch der östlichen Städte, wie Königsberg, Danzig, Thorn, Stettin und Kiel, welche offictell den Berliner Magistrat darum angingen, und auf Anfragen verschiedener anderer Städte und Personen entschloß sich der Magistrat, den deutschen Städtetag nach Berlin zu berufen.
Bremen, 30. April. Das Antwortschreiben des Reichskanzlers an die Tivoli-Versammlung besagt, der Reichskanzler sehe in den Beschlüssen derselben eine Ermuthigung, seine auf den Schutz der deutschen Schifffahrt gerichteten Bestrebungen fortzusetzen und hoffe, daß es gelingen werde, in der Flaggenfrage die nicht ganz identischen Interessen des Handels und der Schiff» fahrt zu vermitteln.
Berlin, 30. April. Reichstag. Eingegangen ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Uebertragung von Rechtsgeschäften auf das Reichsgericht. Abg. v. Mtnnigerode theilt mit, daß er durch private Gründe gezwungen sei, von seinem Amte als Schriftführer des Reichstages zurückzutreten. — Das Nab rungsmittelgesetz wird in letztmaliger Abstimmung angenommen. Der Gesetzentwurf wegen Abänderung des Wechselstempelsteuergesetzes wird in dritter Lesung nach längerer Debatte ui ter Ablehnung verschiedener Amendements i ach den Beschlüssen der zwetten Lesung angenommen.
Berlin 30. April. Reichstag. (Schluß.) Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend das Pfandrecht an Eisenbahnen und die Zwangsvollstreckung an denselben Staatssecretär Friedberg empfiehlt den Entwurf, oer nach kurzer Erörterung an die Commission für den Entwurf über die Consulargerichtsbarkeit verwiesen wird. — Hierauf geht das Haus zur zweiten Berathung der Gebührenordnung für Rechtsanwälte über. Bähr (Kassel) stellt ein Amendement, wonach die Gebührensätze durchweg gegen die Satze der Commission erniedrigt werden sollen. Windthorst spricht für Aufrechterhaltung der Commissionsvorschläge. Bundes-Commissar Kurlbaum tritt für die Sätze der Regierungsvorlage ein, welche niedriger als die von der Commission, aber höher als die von Bähr vorgeschlagenen Sätze sind. v. Goßler tritt für das Amendement Bähr ein, Bieler und Marquardsen für die Commissions-Vorschläge Das Haus lehnt das Amendement Bähr ab, ebenso bei itio in partes den Commissions- Antrag und genehmigt den § 9 in der Fassung der Regierungsvorlage. Der Entwurf wird sodann bis $ 27 nach den Commissions-Anträgen erledigt und sodann Vertagung beschlossen. Rach längerer Debatte beschließt das Haus, die nächste Sitzung am Freitag stattfinden zu lassen; Tagesordnung: Wahl eines Schriftführers an Stelle o. Minnigerodes und erste Berathung der Zoll- und Steueroorlagen.
Wien, 30. April. Die „Wiener Abendpost" schreibt: Mit der Wahl des Prtnzen Baitenberg ist ein weiterer .richtiger Schritt zur Durchfüh ung des Berliner Vertrags gediehen. Diese Wahl wird bei allen Ltgnatarmächten sympathische Ausnahme finden. Di/ Gerüchte von einer geplanten Personal- Union zwischen Bulgatien und Ostrumelten werben durch diese Wahl zum Schweigen gebracht.
— General Jgnatieff ist heute aus Italien hier eingetroffen. Schuwa- loff ist vergangene Nacht nach London abgeretst. Bet dem hiesigen russischen Botschafter Nowikoff fand gestern anläßlich des Geburtsfestes des Kaisers von Rußland eine glänzende Soir6e statt.
Paris, 30. April. Die „Agence Havas* sagt, eine Madrider De- pffche vom 29. b erwähnt des beglaubigten Gerüchts von einer H-trith zwi- sche» dem König Alphons und der Erzherzogin Marte Christine von Oesterreich. Die Hochzeit würde im September staitfinden.
Petersburg, 30. April. Telegramme des Gouverneurs von Orenburg an den Minister d S Innern melden: In der Stadt Orenburg ist am Montag Morgen um 10 Uhr ein großes Feuer ausgebrocken. Bet einem starken Sturme dauerte das F uer den Tag unb die Nacht über, sowie einen Theil des folgenden Tages. Der größte Thetl der Stadt wurde vernichtet. Die Krongelder und die meisten Actenstücke wurden gerettet, lieber die Hälfte der Bevölkerung ist ohne Obdach und Nahrungsmittel. Bis jetzt wurden drei Verbrannte gefunden. Während des Brandes sind ketnerlet Ausschreitungen
vorgekommen. Der Gouverneur ersucht den Minister um schleunige (Stilb» unterstütz,nz. Dieser hat tofort vorläufig 10,000 Rubel angewiesen.
Petersburg, 30. April. Telegramm bes Gouverneurs von Orenburg an Otn Munster beö Innern aus Orenburg vom 28. d.s, 111/z Uhr Abends: Bei starkem Sturmwind brennt die Stadt seit 10 Uhr Morgens. Es ist keine Möglichkeit, die brennenden Stadttheile zu retten; das Feuer verbreitet sich rasch, das Unglück ist schrecklich. — Ein weiteres Telegramm vom 29. ds., 8 Uhr 40 Mm. Morgens meldet: Der Brand dauerte bei starkem Sturmwetter den flauen vorigen Tag und die ganze Nacht fort. Heute dauert der Brand einzelner Häuser auf der gesummten Brandstätte noch fort. Der Sturm hat aufgehölt. Eine Kirche ist vom Feuer beschädigt. Nlederg-braunt sind: Zwei Kirchen, die Artilleriekaserne, die Gebäude des Bezirksstabes, der Stadtduma und der Jngenieurverwaltung, der Kaufhof, die Telegraphen-Station, das Lehrer-J .stitut, der Camera Hof, der Controlhos, das KretSkrtegsgericht und die besten Stadttheile. Der von der Bevölkerung erlittene Schaden ist enorm. Die durch den Brand geschädigten Bewohner werden in Baracken hinter der Stidtlinie, sowie im Sommerlocal des Gymnasiums untergebracht. Behufs Zusendung von B od wurde an den Gouverneur von Samara telegraphtrt, sowie in den benachbarten Dörfern bezügliche Vorkehrungen getroffen. Heute kommen Theile der Feuerwehr aus Samara an. Es wird beabsichtigt, ein Unterstützunzs-Comtie zu bilden, jedoch ist die Maffe der Nothleidenden so groß, daß die örtlichen Mittel weitaus unzureichend sein dürsten. Unter den Geschädigten sind febr viele Beamte.
Berlin, 30. April. Der Kronprinz begibt sich morgen auf einige Wochen mm Kurgebrauch nach Kissingen.
Tirnowa, 30. April. Dondukoff wird heute die Deputation ernennen, welche dem Prinzen Battenberg das Anerbieten der bulgarischen Firstenkrone ungesäumt nach Berlin überbringen soll.
Petersburg, 30. April. Depesche des „Golos" aus Odeffa vom 29. d.: Heute pa|nne durch Odeffa der Generaladjutant Obrutscheff, welcher sich nach Konstantinopel begibt und einen Brief des Kaisers an den Sultan überbringt. Obrutscheff ist auch Träger einer Proclamation deS Kaisers an die Bulgaren, worin letztere aufgefordert werden, sich von Unruhen sernzu- halten und sich den Bestimmungen des Berliner Vertrags zu fügen.
Lokales.
Gießen, 1. Aat. Der „Darmst. Ztg." wird über die Oktroi-Einnahmen der Stadt Gießen, wie folgt berichtet: Wie es bei der andauernden wirthschaftlichen Nothlage nicht anders erwartet werden konnte, sind die OktrouResultate unserer Stadt auch im Jahr 1878 i* kein bessere» Verhältniß getreten; sie haben vielmehr die im Jahr 1876 begonnene rückläufige Be wegung in fast demselben Maßstab wie in den beiden vorausgegangenen Jahren fortgesetzt. Im Jahr 1878 betrugen die Einnahmen für eingebrachte oktroipflichtige Gegenstände im Ganzen 81,823 X, wovon, nach Hauptrubriken zusammengefaßt, auf Getränke 21,954 JL, «uf Mehl und Backwerk 18,46* Jü, auf Hafer 1352 JL, auf Schlachtvieh und zerlegtes Fleisch 26,313 J4 und auf Brennmaterialien 13,736 entfallen. Die Rückvergütungen, welche für wieder ausgeführte Objekte zu entrichten waren, beliefen sich «uf 12.715 JL Nach Abzug der letzteren Summe von der Einnahme ergiebt sich mithin ein Oktroiertrag von 69,078 während das Jahr 1877 73.89 < JL, das Jahr 1876 79,003 JL erbrachte Werden die Einnahmen von 1878 mit denjenigen von 1877 in Relation gesetzt, so stellt sich heraus, daß in ersterem Jahr für Getränke 2488 JL, für Schlachtvieh und zerlegte« Fleisch 467 ,x, für Brennmaterialien 630 JC. weniger in den Stadtsäckel floffen. Mehl und Backwerk ergaben dagegen ein Plus von 2381 Da jedoch die für wieder «uSgeführtes Mehl zu leistende Rückvergütung sich um 3052 JL höher wie in 1877 stellte, so wurde die aus Mehl und Backwerk geschöpfte Mehreinnahme nicht nur vollständig compensirt, sondern es blieb die Einnahme, gegen die im Jahre 1877 erzielte, noch um 671 je zurück. Mit Ausnahme von Bier, dem etwas mehr zugesprochen wurde, ist der Verbrauch in allen seinen Theilen und namentlich in den werth- volleren Artikeln, wie Wein unb Fleisch zurückgegangen Im Jahr 1878 kamen, abgesehen von den Flaschenweinen, 74,000 Liter Wein weniger zur Eonsumtion und wurden 1911 Lhtere weniger wie in 1877 zur Schlachtbank gebracht.
— Der „Wonnemonat" Mai ließ sich bei seinem Eintritt nicht sonderlich wonniglich an. Heute Nacht hatten wir drei Grad Kälte und starker Reif zeigte sich am Morgen auf den Dächern Obs überhaupt dieses Jahr einmal warm wird?
— Freunde der Natur machen wir auf den eben schön blühenden Enzian bei Rödgen aufmerksam.
— Se König!. Hoheit der Großherzog passtrten gestern Abend 725 auf der Durchreise nach Alsfeld den hiesigen Bahnhof.
— Auf dem Spielplatz vor der alten Realschule sind eben Bäumchen gepflanzt, welche wenn größer, den Kindern Schatten spenden sollen Sieht man beim Vorübergehen während der Freistunden dem Spielen der Mädchen zu, so wird man öfters bemerken, daß um bte Bäume berumgelaulen wird, diese hin-unb hergezerrt und dadurch entwurzelt werden. Gewiß bedarf es nur dieser Zeilen um die Lehrer darauf aufmerksam zu machen, daß sie ein wenig Acht auf dieses Treiben haben.
— Die Bewohner eines Theils des Selterswegs führen lebhafte Beschwerde über das zu frühe Schließen des Thores am Hospital und das dadurch bedingte Absperren der iin Hofe befindlichen Pumpe. Bei dem notorischen Mangel an öffentlichen Brunnen in der Stadt sollte man doch einigermaßen Rücksicht auf die Anwohner nehmen und nicht, wie gestern Abend geschehen, schon um 8 Uhr die Thüre zuschließen.
— Einem Obdachlosen, welchen die Schutzmannschaft heute Nacht in der Kap- lansgasse liegend fand, mußte Quartier gegeben werden.
— In den letzten Tagen sind an mehreren Häusern in- und außerhalb der Stadt Fensterscheiben eingeworfen resp. eingeschossen worden. So u. A. an einem Hause auf dem Kirchenplatz und einem auf dem Ludwigsplatz. Es geschieht solcher Unfug von Jungen mit Gummischleudern. Die Eltern dürften darauf aufmerksam zu machen sein, daß sie im Betretungsfalle für allen Schaden aufzukommen haben, welchen ihre Sprößlinge mittelst solcher Schleudern anrichten. Außerdem dürfte auch in den Schulen auf das Unstatthafte solchen Treibens hingewiesen werden.
Vermischtes.
— Das neuerbaute Lokal des 6af 6 Reuf in Frankfurt a. M. ist eie prachtvoller Raum im Sinne markiger, deuticher Renaiffan^e. Entschieden in der Farbe, reich und phantasievoll gegliedert, mit architektonischen unb malerischen Mitteln gleichwerthig decorirt, erinnert es an die längst verblichene Pracht der altdeutschen Rathhaus-, Ritter- und Kaufhanssöle. Eine ächte Holzdecke enthält in einigen Caffetten die bunten Wappenschilder von Frankfurt a. M. und Erlangen, letzteres Vie bewährte Bezugsquelle für das Gitränk im alten Local.
Altdeutsche Kernreime mit Characteiköpfen darüber und Anspielungen in den bunten Malereien helfen auch dem Humor zu seinem Rechte.
Wir können den Be uchern Frankfurts eine Besichtigung des Interessenten Locales nur bestens empfehlen, indem auch dem unternehmenden Wirthe^ von früher her nur der beste Ruf v^rangeht und derselbe hoffentlich auch im neuen Locale seinem alten Principe: „Gutes Vier"! „Gute Speisen"! getreu bleiben wird.
Berlin, 28. April iJst Kaffee Gift?) Mehrere lebenslustige Lhambregarnisten saßen am Freitag Abend gemüthlich plaudernd beisammen, als man auch auf die Schabltchkeit des Kaffees zu sprechen kam. Während die Einen die Unschädlichkeit des edlen Mocca behaupteten, meinten die Anderen, daß der Trank sogar tödtlich wirken könne; der Streit sollte bald entschieden werden, indem einer der Anwesenden, ein Architekt S., sich bereit erklärte, die Unschädlichkeit des Kaffees sofort an sich selbst zu prüfen und zu beweisen. In Gegenwart aller Freunde bereitete man aus einem halben Pfund besten, gemahlenen Kaffee eine kleine Portionstaffe voll Mocca-Extract, die S. denn auch mit sichtlichem Wohlbehagen in einem Zuge leerte. Ungefähr 10 Minuten später stellten sich bei S. die ersten Symptome einer Vergiftung ein. Zuerst erfolgte heftiges Erbrechen, hierauf quollen die Augen aus den weitgeöffneten Augenhöhlen, Schaum bedeckte die blaugewordenen Lippen, der ganze Körper verfiel in krampfhafte Zuckungen, wobei der Angftscbweiß in Hellen Tropfen aus den Poren floß. Der sofort herbei: gerufene Arzt erklärte den Zustand für einen äußerst gefährlichen, da jeden Augenblick ein Schlag-


