Ausgabe 
1.6.1879 Zweites Blatt
 
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Deutschland.

Vermischtes.

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setzen werden, der Gelegenbeit der Ansicht ausgtng, daß der Angeklagte m diesem Falle sick nicht anders habe helfen konnm-

hatte, das Treiben Joachim Gehlsen's auch in Berlin kennen zu lernen Im Juli 1877 schlich, sich Gehlscn in das Vertrauen einer in Bern vicnenden Badenserin, einer unverehelichten R. Er verheimlichte ihr, daß er verhcirathet und Vater von fünf Kindern sei, versprach ihr die Ehe und veranlaßte sie dadurch, ihre Stellung aufzugeben und mit ihm in's Hotel zu ziehen, wo sie alsHerr und Frau Schloen" im Fremdenregister verzeichnet standen. Auf weitere Veranlassung Sckloens verlangte dann die N. von ihrem Vater das von demselben verwaltete, 1650 Gulden betragende Erbthetl ihrer Mutter und verklagte denselben auf seine Weigerung schließlich auf Herausgabe des Betrages. Inzwischen mußte sie auch einen Wechsel von 500 auf den Vater ziehen, den Schloen versilberte und den der Vater natürlich nicht bezahlte. End­lich, als diese Schwindeleien nicht mehr länger verborgen bleiben konnten, verschwand Schloen . . . Die von ibm Betbörte aber verbüßt eine längere Gefängnißstrafe wegen . . . Ermordung ibres Kindes, dessen Vater Gehlsen sein soll.

Pesth, 24. Mai. Wie derPesther 21." mitthetlt, betragen dre für dre Szegediner Ueberschwemmten beim Ministerium des Innern eingelangten Spenden nach dem heutigen Aus­weis bereits 2 Millionen und 13,405 Gulden 98 Kreuzer.

Tübingen, 16. Mai. Die evangelisch-theologische Facultat unserer Hochschule rst schon wieder von einem unerwarteten Verlust betroffen worden. Profcsior Dr. Luvewig von Diestel starb gestern Abend, wenig über 50 Jahre alt, nach kurzer Krankheit, kaum 10 Tage nach seiner letzten Vorlesung Nach Ostern hatte er noch an der jedes Frühjahr in Halle tagenden Con- ferenz zur Berichtigung der lutherischen Bibelübersetzung theilgenommen.

Wie nachträglich gemeldet wird, ist der Kammersänger Franz Diener an den Folgen zu starken Arsenikgenusses gestorben. Seit Jahren bereits pflegte er behufs Sttmmerleichterung und Bekämpfung seines Asthma kleinere Dosen Arsenik zu nehmen; die üblen Folgen für den Magen blieben nicht aus. Aber dieses Gift hat wie Opium die Eigenschaft, der, der einmal davon genossen, kann es nicht lassen, wenn er auch seine Schädlichkeit kennt. Vergebens suchte Herr Diener bei medicinischen Celebritäten Heilung. Vergangenen Mittwoch nahm er größere Quantitäten des eine momentane Erleichterung gewährenden Giftes mehr, als sein ohnehin gestörter Organismus vertragen konnte. . , . ,

Die Briefmarkenwette, welche Herr Käding, der Vorsitzende des Verbandes Stolze- scher Stenographenvereine, zu Gunsten der Errichtung eines Stolze-Denkmals eingegangen war, ist von Herrn K. gewonnen worden, und zwar mit einem bedeutenden Ueberschuß, da er anstatt der erforderlichen 2,<>00,000 Stück deren 2,300,000 aufweisen konnte.

- Kürzlich ging durch fast alle Zeitungen die Nachricht:Eine Frau in Dillenburg habe einen Molch erbrochen." Die Sache verhält sich so: Die Frau hat als Ktnd im Sommer aus einem Backe Wasser getrunken und gleich darauf einen kleinen Molch, den sie soeben erst verschluckt hatte, wieder ausgebrochen. Es wird wohl kein vernünftiger Mensch glauben, daß ein solches beim Trinken verschlucktes Tbier sich lebend in der Magensäure erhalten könne. Dre Frau hat dies ihrem Manne erzählt, der es gleich wieder im Wirthsbause erzählte und so hat ein Geschwätziger die Sache dem Publikum durch die Zeitungen zum Besten gegeben.

Ein Friseur in Chicago annoncirle kürzlich:Haar-Regenerator, untrügliches Mittel »ur Beseitigung jeder kahlen Platte. Auf bas Wachsen der Haare kann gewartet werden!' QU ihm kommt ein junger Mann, dessen Schädel an Klarheit nichts zu wünschen übrig laßt. Kann man wirklich auf dar Wachsen der Haare warten, wenn man ihr Mittel gebraucht?

"Gewiß, mein Herr!" Der Kahlköpfige kauft ein Flacon von 2 Dollar und erhalt auf sein Ersuchen die Erlaubniß, sich gleich im Laden den Kopf mit dem untrüglichen Mittel einzureiben. Nachdem dies Geschäft beendet, stellt er sich mit zuversichtlicher Miene vor den Spiegel:So, mein Herr! Erwarten wir jetzt das Resultat!"Wie?" ruft jetzt der Verkäufer, hier in meinem Laden? DaS geht nicht an, mein Mieths-Contract lauft nur noch einige

Monates Ausdehnung der Krupp'schen Fabrik. Wie großartig die Krupp'schen Anlagen zu Essen sind, von denen man sich vielfach keine rechte Vorstellung macht, dürfte wohl aus dem Nachfolgenden hervorgehen, was wir dem Jahresberichte der genannten Werke ent­nehmen: In der Gußstahlfabrik sind 8500 Arbeiter beschäftigt. Es stehen daselbst 298 Dampf­kessel und eben so viele Dampfmaschinen mit zusammen 11,0<»0 Pferdekräften und 77 Dampf­hämmer von 2-1000 Ctr im Betriebe. Monatlich werden 300 Kanonen verschiedener Große erzeugt, und seit 1847 sind über 15,000 Kanonen angefertigt worden. Täglich werden 1800 Tonnen (zu 10»0 Kilogramm) Kohlen und Coaks verbraucht. Gasflammen brennen täglich 21 000 Eine etwa 60 Kilometer lange Eisenbahn mit 24 Locomotiven und 700 Waggons vermittelt den Verkehr innerhalb des Fabrikbesitzes, sowie mit der benachbarten Eisenbahnstation. cvm Etablissement befinden fick 44 Telegraphen-Stationen. Die Fabrik-Feuerwehr verfugt über 8 Feuerspritzen nebst Zubehör. Ein neuer Schießplatz von 18 Kilometer Lange wurde bekanntlich bei Meppen eingerichtet In den Bergwerken der Firma sind 5300 Arbeiter mw der Kohlen- und Erzgewinnung beschäftigt. Die Gruben in Nordspanien liefern sahrlich 200 000 metrische Tonnen Eisenerz,' die auf fünf, dem Etablissement gehörigen Dampfern verschifft werden. Die Hüttenwerke der Fabrik beschäftigen weitere 700 Arbeiter. Nicht minder wichtig, ja nachahmenswerth ist es, daß Krupp auch für das leibliche und geistige Wohl seiner Arbeiter und ihrer Familien Sorge trägt. In den 3278 Arbeiter-Wohnungen der Firma wohnen 16,209 Menschen. In 22 Verkaufsstellen für Kolonialwaaren, Manufakturen, Kurzwaaren, Möbel, Fußbekleidung, Fleisch, Mehl u. s. w. werden die Artikel zu Engrospreisen abgegeben. Die Fabriksbäckerei^erzeugt täglich über 195,000 Kilo Brod, das Getreide hierzu wird durch eigene Agenten, meist in Odessa, gekauft. In vier Volksschulen mit zusammen 21 Klaffen, sowie m einer Industrieschule für Mädchen und Frauen wird der nöthige Unterricht erthcilt.

Berlin. Ein Zwist zwischen Herrschaft und einem renitenten Dienstboten fand am 24. Mai seinen Austrag vor der 6. Kriminal-Deputation des Stadtgerichts. Der Bankier Langenback batte am 1.'Januar d. I. eine neue Köchin in Dienst genommen, fand aber balv Ursache, seine, oder vielmehr seiner Gattin Wahl zu bereuen; denn die neue Köchin zeigte si-Y nickt von der besten Seite. Auf nähere Erkundigungen erfuhr Herr Langenbach - er hatte das Mädchen ohne Dienstbuch angenommen daß daffelbe bereits mit der Polizei m Konflikt qerathen war Dies bestärkte ihn in seinem Vorsatze, sich des Mädckens zu entledigen, und bereits am 7. Januar erklärte er ibr, daß er sie nur diesen Monat über behaltm werde. Diese Mittheilung machte das Mädchen aber so renitent, daß Herr Langenbach aus ihre frühere Entfernung drang Er erzielte hiermit jedoch nur, daß sich die Köchin am 30. Januar, wo er sie aufgefordert, mit zur Polizei zu kommen, ins Bett legte, indem sie erklärte, sie et krank. Hierbei blieb sie trotz des gegenteiligen Ausspruches des Hausarztes,^ bis enbltfl am 31. Herrn Langenbach die Geduld riß und er zu einem allerdings üemlicy drastischm Mittel griff Er ging nämlich in die Kammer des Mädckens, zog sic, als sie Rd) seigerte aufzustehen, aus dem Bett und warf sie ohne Weiteres vor die Thür. Hier stand das Madchm mehrere Minuten in sehr leichtem Negligö, bis endlick Herr Langenback ihr auch die Kleid» nackwarf Da an jenem Tage eine Kälte von 7-8 Gr. herrschte, wurde das Verfahren d» Dienstberrn von der Staatsanwaltschaft als Mißhandlung angesehen und eine Anklage aus c 223 des Strafgesetzbuches erhoben. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 500.» event. 50 Tage Gefängniß, während der Gerichtshof auf Freisprechung erkannte, indem er ven

Fulda, 25. Mai. Die großen Brände häufen sich in der Rhön in schreckenerregender Weise. Kaum sind 14 Tage verfloßen, seit in dem Rhönstädtchen Tann das Feuer gewuthet, und jetzt ist schon wieder, nach derFr. Z.", die Nachricht von einem schweren Brandung ück einqetroffen, von welchem das l'/z Stunden von Tann entfernte großherzoglich sachsen-weimarische Dfarrdorf KaltenWestheim, bekannt durch die Verfertigung von Peitschenstielen, heimgesucht worben ist. Am Freitag Abend nach 9 Uhr brach daselbst Feuer aus, welches in kurzer Zeit 30 Häuser und 10 Scheunen einäscherte. Die zu dem vierten weimartschen Verwaltungsbezirke Dermbach und zu dem Justizamte Kalten-Nordheim gehörige, ehemals henneberglscke Gemeinde Kalten Westheim zählt nur 97 Häuser, es ist sonach ein Drittel derselben das Opfer der Flammen geworden. Man vermuthet, daß auch hier, wie bei dem großen Brande in Tann, das Feuer durch vorsätzliche Brandlegung entstanden sei. Am 18. März 1796 war Kalten Mestheim ganz- lick niedergebrannt und mußte vom Grunde aus neugebaut werden.

Mainz, 26. Mai. Eine rohe That wurde am Samstag in dem Stall eines hiesigen Metzgermeisters begangen Als der Metzger gegen Abend in seinen Stall kam, um nach den darin befindlichen zwei Ochsen zu sehen, fand er beide Thiere auf eine schändliche Werfe miß­handelt. Einem der Ochsen war mittelst eines Beiles derart auf den Kopf geschlagen worden daß das Hirn aus der Wunde drang; Dem anderen Thiere hatte man mittelst eines sckarsen Messers die Sehnen an den Beinen durchschnitten. Die Ochsen mußten sofort geschlachtet werden. M. Tagbk)

Berlin, lieber den nunmehr auch aus der Schweiz ausgewiesenen berüchtigten Heraus­geber des längst eingegangenen Revolverblattes dieEisenbahnzeitung" enthält buNeue Züricher Zeitung" Mitteilungen, welcke Niemanden in Erstaunen s o

cvw Oesterreich ist das Abgeordnetenhaus aufgelöst und die sofortige Einleitung allgemeiner Neuwahlen angeorduet worden. In Folge besten Hal die Wahlagitation alsbald begonnen.

Aus Rußland kommen fortwährend ernste Nachrichten über das ver­brecherische Treiben der Nihilisten: in Kiew scheint ein förmliches Arsenal von Explosions- und Mordwerkzeugen entdeckt zu sein.

Enal and feierte den Geburtstag seiner Königin in hergebrachter Weise unter allgemeiner Theilnahme. Gleichzeitig wurde es durch die Botschaft von der Unterzeichnung des FriedensvertragS durch Jakub Khan, den Emir von Kabul erfreut. Selbst im Caplande scheint, seitdem General Wolseley zum Civil-' und Militär-Gouverneur auf dem Kriegsschauplätze ernannt worden, eine baldige Beendigung des Krieges üi Aussicht zu stehen.

In einer Besprechung der jüngsten Zolldebatte faßt dieDeutsche Landwirthschaftliche^ Presse" ihr Urtheil über die Stellung der ^^wirthschaft zur Zoll- kaae dahin Msammen:Wir sind heute noch der Ansicht, daß der geringe Gewinn, meNber den Landwirthen möglicherweise, aber auch nur möglicherweise, aus den Dieh- unÄ werden wird durch die Verth euer ung

aller ihrer Gebrauchsmittel, sowohl der durch den Zolltan- geschützten alS btr unge- sckükten. Denn daß auch die letzteren im Preise mit in die Hohe gehen werden, sobald andere Gebrauchsartikel (und vielleicht auch Lebensmittel?) höher bezahlt werden müssen, K -SerorauSjufeU Wir sind der Ansicht, daß die künstliche Un; eiitujunj ^meiner Industrien durch Schutzzölle auf's Neue zur übermäßigen Spekulation, zu Wr°7°g°nz°n in der E?w°it°rung einzelner Snbuftriebetriebe, und aufs Neue zur Ueberprobuction, an der wir gegenwärtig noch laboriren, verfuhren werde, daß sie den für Fabrikanlagen und die Zinsverpflichtung der Käufer aufs Neue ver. mehren^ dem Lande aus'^s Neue (wenn auch nur aus wenige Jahre bis zum neuen Krach) die Arbeiter entziehen, ihre Unzufriedenheit mehren, die Lohne aus dem Lande erhöhen daß sie auf's Neue das Capital dem ländlichen Grundbesitze entfremden weide daß das verwerfliche System der Verschleuderung von Fabrikaten zu billigem Preise in's Ausland neben der Erhöhung der Preise für das ^nland sich "vierer Aus­dehnung des Coalitionswesens noch mehr ausbilden werde. Der deutschen Landwuth. schast kann auf die Dauer nur geholfen werden durch billigere Productionsbedlngungen. Dazu gehört vor Allem die Entlastung von allen Prögravationen Es ist natuigemaß daß Deutschland die Nahrungsmittel für Menschen und Vieh, deren die Vevolkeiung bedarf selbst erzeugt; nicht für alle Zeit, da die Bevölkerung alliahrlich um V- Million und ihr Bedarf alljährlich um etwa 4,000,000 Centner Getreide zur directen Nahrung und Fleischerzeugung wächst, wohl aber für absehbare Zeit. Das Arsument für den Niedergang" unseres Getreidebaues, daß vor 25 Jahr en em Mehrexport von Getreide stattgesunden habe, während man jetzt 30-40 Millionen Centner Mehrnnport habe, ist äußerst kindlich, wenn man erwägt, daß wegen^ Zunahme derVcvolkerung seit 25 Jahren der Mehrbedarf an Getreide um mindestens 60 Millionen Centnei, d h- um mehr als die Differenz zwischen jenem früheren Mehrexport und dem heutigen Mehrimport, gewachsen ist Daraus erhellt, daß der deutsche Getreidebau nicht zuruck- gegangen fein9 kann, obwohl ein erheblicher Theil des früher dem Getreidebau ge­widmeten Terrains gegenwärtig dem Futterbau, bezw. der Fleisch-, Butter- und Kase- production zugewiesen ist. Der Getreide- und Futterbau konnte trotzdem bedeutend und zwar unter verhältnißmäßig billigen Bedingungen erhoht werden durch Venutzung d Kräfte, welche unsere Heimath bietet Nicht über das Meer herüber gegen unser gutes Geld wollen wir uns die Hilfsmittel holen. Die Wahrnehmung der Dungstoste, welche die eigene Wirtschaft bietet, und noch mehr die Wahrnehmung der vornehmsten Hilfskraft, des Wassers, welches die Natur in verschwenderischer Weise über unsere Muren ergießt das sind die billigen Mittel zur Steigerung der Production. Unsere Ströme enthalten in ihrer großen Breite zwanzigmal mehr Wasser, aKJ bie ® bedarf. Wer will leugnen, daß em regelmäßig, zumal mit Slußwasser befruchteter Boden in fast allen Lagen das Doppelte seines Egen Ertrages an Futter und Ce­realien zu liefern vermag und daß die jährliche Verzinsung der Anlagekosten m d n meisten Lagen noch nicht 20 pCt. des Mehrertrages abforbiren wurde? Wann werden die deutschen Regierungen beginnen, diesem Gegenstände Aufmerksamkeit zu widmen, um Deutschlands Ernährung auf diese Weise vom Auslande unabhängig zu machen? Warum warten, bis die Zwangslage einmal zur Ausführung treibt, welche nur e ne Frage der Zeit und gar nicht zu umgehen ist? Wo billig Futter tft, ba lst billig Dünger; wo billig Dünger, da ist billig Getreide. Nicht höhere Preise, sondern billigere Production, weil mehr Erzeugung, ist das Erftrebenswerthe. l

Allgemeine = Gluthbiigeleisen und Ghilhholzeii. = preiswürdig ausgezeichnet namentlich für den Som­mer, da nur V» Stunde der Ofen nötliig zu 5 bis 6 stündigem Bügeln, wobei weder Hitze noch Dunst belästigen und schaden. Da nach einmaliger Erwärmung der Bolzen die 6luth anhält, auch nach 1 oder 2 Stunden gedämpft und dann wieder benutzt werden kann, so ist eine Unterbrechung oder Einstellung des Bügelns nach Belieben thunlich. Der Bolzen liegt nicht direct auf dem Boden, daher Versengen der Wäsche kaum möglich.

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