endigung der Betsetzungsfeierlichkeiten verweilten die höchsten Herrschaften kurze Zett bet der Frau Erbptinzesstn von Meiningen und kehrten um 121/2 Uhr per Extrazug nach Berlin zurück. Die krouprinzliche Familie trifft einige Stunden später h er ein.
Potsdam, 29. März. Die Beisetzungsfeier des Prinzen Waldemar fand in der Fiteder.Skirche programmmäßig um IP/i Uhr statt. Die Kaisern, der Kroi prinz und alle hier anwesenden Mltglteder des königl. Hauses und Fürstlichkeiten wohnten derselben bei.
Karlsruhe, 29. März. Die .Bad. LandeSztg." meldet als aus guter Quelle herrührend: Die Hessische Ludwigsbahn werde von Heffen angekauft werden, welcher Staat den Betrieb dieses, sowie seines anderen Bahn- besitzes ernem Stritten überlasten würde. Derselbe würde der Frankfurter Dtrectton unterstellt werden.
Straßburg, 29. März. Nach Erlaß des Oberpräsidenten werden die Bekanntmachungen der Landesverwaltung von Elsaß - Lothringen, welche bisher auf Grund der Verordnungen des General-Gouverneurs vom 9. Septbr. und 18. Octbr. 1870 in der „Straßb. Ztg." veröffentlicht worden sind, künftig in der Gemeinde-Zeitung und den Amtsblättern der Bezirkspräsidenten veröffentlicht werden.
Vesterreich.
Wien, 29. März. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von gestern: Eine besondere mobile Truppendtvtsion unter dem Commando Nedschib Paschas wird in Rumelten etwa entstehende Unruhen unterdrücken und das Land von Marodeurs reinigen. — Mazhar Pascha wurde mit der Einführung der englischen Reformen in Kleinasien betraut. — Die „Polit. Corr." meldet aus Bukarest vorn 29. d.: Seitens einer leitenden Großmacht ging der rumänischen Regierung eine dringliche Note in Betreff der Judenfrage zu.
Pesth, 29. März. Das ungarische Oberhaus hat den Gesetzentwurf in Betreff der Jnartikulirung des Berliner Vertrages ohne Debatte angenommen.
AranLreich.
Paris, 29. März. Die „Republique francaise" glaubt zu wisten, daß Waddington eine Note an die Mächte vorbereite, worin er die Forderungen des griechischen Cabinets in der Grenzfrage unterstützt.
— Abends. Die Delegirten-Versammlung der landwirthschastlichen Gesellschaften Frankreichs, in welcher 60 Departements vertreten sind, hat eine Resolution angenommen gegen die Erneuerung der Handelsverträge und für Einführung allgemeiner Tarife. Die Versammlung stellt ferner folgende Forderungen: Der Ertrag der Grenzzölle soll zur Herabsetzung der indirecten Steuern, mit welchem gewiste Consumtionsobjecte, wie namentlich Zucker und Getränke, belastet sind, verwendet werden. Für den Ackerbau soll ebenso wie für d e Industrie protectionistische Maßnahmen getroffen werden. Alle land- wirthschastiichen Erzeugniffe des Auslandes sollen einem Ausgleichszoll unterworfen werden, welcher gleichkommt der Summe von Steuern aller Art, welche für gleichartige französische Erzeugniffe erhoben werden. Aus dem Auslande kommender Weizen soll 3 Frcs. Zoll pro Centner zahlen, so lange der Weizenpreis unter 30 Frcs. steht. Diese Resolutionen sollen morgen dem Präsidenten der Republik überreicht werden.
Versailles, 29. März. Im Senat brachte Laboulaye den Bericht der Commission für Prüfung des Antrages Peyrat ein. Derselbe schließt mit dem Anträge aus Ablehnung des Antrages aus Berufung des Congrefses. Die Rechte beantragt Verlesung des Berichtes, die Linke ist dagegen, die Majorität aber entscheidet für die Verlesung. Der Bericht giebt Motive für die Aufrechthaltung des Sitzes der Kammern in Versailles und gegen die Einführung irgend einer Veränderung in der Versaflung. Der Bericht wird gedruckt und sodann vertheilt werden. Die Discussion ist aus Dienstag festgesetzt worden.
Italien.
Rom, 29. März, Abends. Das Amtsblatt meldet: Der König wandelte die Todesstrafe Paffanante's in lebenslängliche Zwangsarbeit um.
Rom, 29. März. Wie der „Italia" berichtet wird, hat die zur Prüfung des Eisenbahnbetriebes eingesetzte Commission gestern Vormittag eine Sitzung abgehalten, in welcher der Bericht Laporta's über den Rückkauf der römischen Eisenbahnen verlesen wurde. Die Commission beschloß einstimmig eine Tagesordnung, in welcher die Nothwendigkeit des Rückkaufs anerkannt, aber der Regierung angerathen wird, den gegenwärtigen Betrieb ausrechtzu- erhalttn, um der Commission zur Prüfung des Eisenbahnbetriebes im Königreiche die volle Freiheit der Berathung zu sichern. — General Corte, ehemals Präfect von Palermo, ist zum Präfecten von Florenz ernannt. — Die Königin Victoria ist gestern Nachmittag 5 Uhr in Baveno angekommen.
Nurnänierr.
Bukarest, 29. März. Die Kammer verwarf ungeachtet der eifrigen Befürwortung des Finanzministers die Regierungsvorlage in Betreff des Tabaksmonopols mit 66 gegen 22 Stimmen.
Telegraphische Depeschen.
Wagners telegr. Korrespondenz - Bureau.
Berlin, 30. März. Der Kaiser empfängt heute Nachmittag 3 Uhr das Präsidium des Reichstages, um 3*/, Uhr das Staatsministerium, und demnächst den Präsidenten des evangelischen Oberkirchenraths. — Der Kronprinz und die Kronprinzessin mit Prinz Wilhelm und den jüngeren Prinzessinnen begeben sich morgen Abend auf etwa 14 Tage bis 3 Wochen nach Wiesbaden.
Rom, 30. März. Das Journal „Esercito" meldet: An Stelle des zum Militär-Attache in Berlin ernannten Obersten Orero ernannte das Ministerium den Generalstabs-Hauptmann Pallavicini zum Vertreter Italiens bei der Valkan-Grenzcommission. Major Velini soll Nachfolger des ermordeten Obersten Gola werden.
Wien, 30. März. Die „Montagsrevue" meldet: Der Vorschlag Rußlands, einerseits die Vollmachten der europäischen Commission tn Ostrume- lien zu verlängern, anderseits dem von der Pforte einzusetzenden Gouverneur zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ein gemischtes europäisches Be- satzungs-Contingent zur Verfügung zu stellen, darf als im Princip von allen Mächten angenommen betrachtet werden.
Paris, 30. März. Das Journal „Temps" erfährt, daß die franzö
sische Regierung ein russisches Circularschreiben, betr. die gemischte Besetzung Ostrumeliens, noch nicht empf.ngen habe, wohl aber einfache telegraphische Mittheilungen bezüglich dieser Anzelegmheit. „Temps" fügt hinzu, F ankreich sei vollständig entschlossen, sich an dieser Occupation in feiner Weise zu bethei- ligen. Emer weiteren Meldung des „T»rnps" zufolge hat Waddington eme neue Regelung der griechisch - türkischen Grenzlinie in Erwägung genommen, welche geeignet sein würde, von den Mächten genehmigt zu werden und auch die Zustimmung der Pforte zu finden.
Wien, 30. März. Die amtliche „Wiener Zeitung" veröffentlicht den Berliner Vertrag.
DaS Schulwesen in Heffen vor dem Richterstuhl der „Deutschen ReichSpost".
(Schluß.)
Im letzten Artikel macht der Herr Correspondent auch einige Ausstellungen an den höheren Schulen. Nach der flüchtigen und allgemein gehaltenen Art seiner Bemerkungen zu schließen, scheint er übrigens mit den einschlägigen Verhältnissen nicht besonders vertraut zu sein, will es auch vielleicht nicht scheinen. Da werden die alten Klagen wiederholt von Ueberbürdung und Ueberlastung der Schüler. Diese Klagen hört man im Augenblick aus ganz Deutschland, vielleicht mit einigem Recht. Wir möchten nur darauf aufmerksam machen, daß unsere Regierung ganz außer Stand ist, in einem solchen Fall Abhilfe zu schaffen. Die höheren Schulen haben ihre Berechtigungen vom Reich ; das Reich steckt also auch die zu erreichenden Ziele, und eine Einzelregierung kann sich von diesen für gam Deutschland geltenden Bestimmungen nicht emancipiven, wenn nicht das Reich vorgeht. Uebrigens war der technische Leiter des höheren Schulwesens während seiner Thätigkeit als Gymnasiallehrer gerade wegen seiner Bestrebungen gegen Ueberlastung der Schüler in Lehrerkreisen bekannt Während seiner Amtswaltung ist denn auch, um nur eins zu erwähnen, die altberüchtigte crux der Gymnasiasten, der lateinische Aufsatz, vom Lehrplan verschwunden. Ohne Frage müssen indeß auch viele Beschwerden aus Uebertreibungen fauler und nachlässiger Jungen und nachsichtiger schwacher Eltern zurückgeführt werden. Aber das ist zweifellos: es wird in unseren höheren Schulen jetzt etwas gelernt; die Schüler werden angehalten zu energischer, angestrengter Arbeit und kommen in ganz anderer Weise vorbereitet auf die Hochschule als früher. Recht dankenswerth ist, daß die gegenwärtige Schulleitung in die bunte Mannigfaltigkeit, die früher unsere höheren Schulen auszeichnete, einmal einige Ordnung gebracht hat. Es ist unter Zuziehung der Gymnasialdirectoren ein Lehrplan für Gymnasien ausgearbeitet worden, der bei competentcn Beurtheilern des In- und Auslandes die allgemeinste Billigung gefunden hat- Zur Feststellung eines Lehrplans für die Realschulen ist in allerletzter Zei hier in Darmstadt eine Conferenz sämmtlicher Rcalschuldirectoren abgehalten worden.
Ungleichheiten in der Aussühnung kommen freilich überall vor und sind bei uns früher in noch viel höherem Maße vorhanden gewesen. Mit Massenpensionirungen, die der „Reichspost" als Ideal vorzuschweben scheinen, läßt sich da nicht immer Helsen, abgesehen davon, daß Finanzministerium und Kammern für diesen Fall auch mitzureden haben.
Ganz besonderes Mißfallen erregt der „Reichspost" das neu eingerichtete pädagogische Seminar in Gießen. Warum, ist uns unerfindlich; sie spricht nämlich ohne wertere Begründung einfach ihr Mißbehagen über diese Schöpfung aus und überläßt es dem Leser, sich die Gründe selbst zu suchen- Das pädagogische Seminar ist unserer Meinung nach eine der zeitgemäßesten und vernünftigsten Institutionen, welche die neue Regierung überhaupt geschaffen hat Sollte der Herr Gegner wirklich in der gymnasialpädagogischen Literatur so unerfahren sein, um nicht zu wissen, daß schon seit Jahrzehnten von den bedeutendsten Gymnasiallehrern und Directoren in ganz Deutschland auf Errichtung von Seminarien gedrängt wird, daß namentlich ein Mann wie Stoy ganz in neuester Zeit wieder sein gewichtiges Wort dafür eingelegt hat?
Daß seither so wenig für pädagogische Seminarien an höheren Schulen geschah, ist eine Vernachlässigung der Candidaten des höheren Lehramts gegenüber den Volksschullehrern, eine Benachtheiligung der Kinder gebildeter Eltern gegenüber dem ärmsten Bauernjungen gewesen. Der junge Schuloicar, der in das geringste Vogelsbergdorf geschickt wird, ist zur Ausübung seines Berufes geeigneter, wie der angehende Gymnasiallehrer für den {einigen. Der erstere ist auf dem Seminar wenigstens auf die gröbsten Anfangsschnitzer aufmerksam gemacht worden, der letztere hat vielleicht viel gelernt, vom Unterrichten aber hat er feine Ahnung, und wenn er nicht das Glück hat, zu einem fleißigen und energischen Director zu kommen, so experimentirt er fröhlich darauf los, um bann durch Schaden klug zu werden, leider weniger durch eigenen, als durch den der Schüler *). Wenn das die Jdealpädaaogik der „Reichspost" ist, wir können uns absolut nicht damit befreunden, weil uns die Jugend zum Experimentiren zu kostbar ist. Bei dem Gießener Seminar ist nur Eines zu bedauern, daß nämlich die Einrichtung nicht eine größere Zahl von Seminaristen zuläßt. Nach unserer Ansicht müßte der Besuch des Seminars mit der Zeit für jeden Candidaten des höheren Schulamts obligatorisch gemacht werden-
Der beschränkte Raum zwingt uns, zum Schluß zu eilen. Nur noch ein Wort über die Angriffsweise der „Reichspost":
Sie macht sich's da oft recht leicht. Ein Beispiel für viele: Da wird erzählt, allerdings ohne Nennung von Ort und Namen, jüdische Schulvorstandsmitglieder hätten bei Prüfungen in den christlichen Religionsunterricht hineingeredet. Das wäre allerdings sehr komisch- Indeß scheint uns, als habe sich hier der Herr Correspondent einen recht ansehnlichen Bären aufbinden lassen- Werden nämlich die bestehenden Vorschriften eingehalten, so ist das gar nicht möglich Bei öffentlichen Prüfungen prüft ausschließlich der Lehrer, bei Visitationen ist die Prüfung Sache der Commission; der Schulvorstand hat nur zuzuhören. Sollte sich aber roirfhd) em jüdisches Schuloor- standsmitglied die Dummheit beigehen lassen, in den christlichen Religionsunterricht drein reden zu wollen, so würden wir den einfältigen Menschen durch Veröffentlichung seines Namens dem allgemeinen Hohngelächter preisgeben. Und warum es die „Reichspost" nicht thut, begreifen mir nicht; sie ist doch sonst gerade nicht sehr rücksichtsvoll gegen den „Samen Abrahams." — Das nennt man Stimmung machen.'
Wer über die Schulverhältnisse eines Landes schreibt, muß sich doch auch fragen, was sagen die mitten im Strom stehenden Lehrer zu der neuen Ordnung der Dinge?
Die „Reichspost" ist nun in der für sie unangenehmen Lage, zugeben zu muffen, daß die Lehrer damit zufrieden sind.
Aber sie fährt fort:
„Man hat nämlich mit einer anzuerkennenden Geschicklichkeit unter den „Lehrern die Parole ausgegeben: Ihr müßt unter allen Umständen zu dem „gegenwärtigen Schulregnnent halten- Dasselbe hat gar wenig Leute hinter „sich. Wenn ihr auch von ihm adfallt, so kann es sich nicht halten, und dann „kommt die finsterste Reaction."
Die Finte i|t denn doch gar zu grob! Wem will man denn weiß machen, die zweitausend Lehrer unseres Landes ließen sich auf eine so einfältig-plumpe Art den Mund stopfen, wenn sie wirklich mit den Verhältnissen unzufrieden fein müßten? Sie haben sich doch bisher nicht so ängstlich gezeigt, vielmehr haben sie ihre Forderungen stets mit Freimuth und Energie geltend gemacht. Wir wollen der „Reichspost" sagen, warum die Lehrer zu dem gegenwärtigen Schulregiment halten: Weil es der Schule Licht und Luft und freie Bewegung geschafft, weil es den Lehrern Inspektoren gegeben hat, die ihr Geschäft verstehen und für die Schule ein Herz haben, weil es sorgt für anständige, gesunde Schulräume, weil es die materielle Lage der Lehrer in einer Weise ve. bessert hat, wie man sich das vor sechs Jahren nicht ttäumen ließ Deßhalb halten die Lehrer zu dem neuen Regiment, indem sie sich bemühen, ihre volle Schuldigkeit zu thun und an ihrem Theil mitzuwirken, daß unser Vaterland Hessen für das Schulwesen ein Mutterland werde.
Möge dieser frische, fröhliche Geist rüstigen Schaffens und treuer Pflichterfüllung unserem Lehrerstande zum Heil des Heranwachsenden Geschlechts erhalten bleiben! Möge aber auch unser oberstes Schulregiment auf dem von ihm betretenen Weg sich weder durch offene noch durch versteckte Angriffe und Schwierigkeiten beirren lassen, sondern energisch durchführen, was sie begonnen. Dann wird es sich um das Vaterland wohl verdient machen!
*) Wem fällt ba nicht bas Wort bes Dichters ein:
„Schneidet, schneibet ihr Herren, durch Schneiden lernen die Schüler, „Aber wehe dem Frosch, der Euch die Schenkel muß leih'n."


