Erfolg haben können, die dringliche Bedeutung der Absichten des Stiebens des Kanzlers irgend zu vermindern oder abzuschwächen.
Ueber die Pest in Rußland schreibt die nämliche Correspondenz: Obwohl der Stand der Dinge bisher zu größeren Besolgn.sien keinen A-loß gewährt, vielmehr erwarten läßt, daß die Krankheit in dem bisherigen Bei eiche erstickt werde, wird doch Seitens der Regierung nichts versäumt werden, um möglicher Gefahr rechtzeitig und energisch vorzubeugen.
Fulda, 29. Januar Die bevorstehende Welr-Publictsten-Audtenz beim Papste giebt der „Fuldaer Zig." Veranlassung, um beschleunig'e Dirreichu.'g von „Liebesgaben für den heiligen Vater" zu bitten; sie hat bis jetzt 218 Mk 80 Psg. gesammelt und sagt in ihrem Aufruf: „Es hat nämlich der heilige Vater den katholischen Publicisten des ganzen Erdkreises auf den 20. Feb.uar d. Js. eine feierliche Audienz zugesagt. Der kürzlich gegiündete Verein der Centrumspresie wird zu dieser Audienz zwei Deputirte mit einer Ergebenheit«' Adresse entsenden. Es ist wünschenswerth, daß dieselben gleichzeitig dem heil. Vatrr reichliche Liebesgaben überweisen können.
München, 29. Januar. Abgeordnetenkammer. Auf der Tagesordnung steht der Antrag Crämer und Genossen: Der König wolle die bayerischen Bevollmächtigken im Bundesrath anweisen, dem Gesetzentwurf, betr. die Strafgewalt des Reichstages, die Zustimmung zu verjagen. Crämer molivirt den Antrag kurz mit Hinweis aus Art. 27 der ReichSoerfassung und drückt den Wunsch eines einstimmigen Votums aus. Jörg erklärt im Namen seiner Parteigenossen: Er habe keine Veranlasiung. in die Debatte einzutreten; der Antrag besitze nach Wort und Sinn die volle Sympathie seiner Partei und spreche er dem Antragsteller seinen Dank für desien Initiative und den ein- stimmigen Anschluß von dessen Fraktion aus. Ministerpräsident v. Psretzschner erklärt: Da der heutige Antrag ähnlich geartet sei wie der frühere, betr. die Stellung der bayerischen Regierung zur Diätensrage, so könne letztere denselben Standpunkt einnehmen wie damals. Die Regierung habe die Angelegenheit der gewissenhaftesten Prüfung unterworfen, hege andererseits aber die Anschauung, daß sie nicht gut thun würde, eine in das Innere der Sache eingehende Ansicht auszusprechen, bevor die Bundesrathsverhandlungen stattgefunden. Diese Haltung scheine im obliegenden Falle um so mehr geboten, als die Angelegenheit Verhältnisse des Reichstags berühre. Trotz des großen Interesses der Regierung an den Berathungen müsse sie doch Bedenken tragen, heute bindende Erklärungen abzuqeben. — Der Antrag wird hierauf bei namentlicher Abstimmung mit 130 gegen eine Stimme angenommen; bie einzige oppontrende Stimme ist die des Abg. Karl Schmidt, welcher die Erledigung der Frage dem Reichstage überlassen will.
Gesterreich.
Wien, 29. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Der Abschluß des definitiven Friedensvertrages wird noch immer durch die Schwierigkeit verzögert, in Betreff der Textirung des Art. 11 ein Einver- ständniß zu erzielen. Auch bezüglich des Zeitpunktes der Bezahlung der Entschädigung für den Unterhalt der türkischen Krtegsg fangenen wurde noch keine Einigung erzielt. Dagegen soll eine Vereinbarung darüber erzielt worden sein, daß binnen 35 Tagen nach der Unterzeichnung des Vertrages die Räumung des türkischen Gebiets Seitens der Russen vollzogen sein müßte.
England.
London, 29. Januar. Die Grubenbesitzer und die Grubenarbeiter von Süd-Aorkshire und Nord-Derbyshire kamen überein, ihren Lohnstreit einem Schiedsgerichte zu unterbreiten. — Der „Standard" meldet aus Khost vom 27. d.: Vali Mahomed, Halbbruder des Emir Schir Ali, ist auf dem Wege nach Hasarpir, um sich General Roberts zu unterwerfen. Vali Maho- med hatte Befehl, nach Kabul zu kommen, fürchtete aber seine Hinrichtung in Folge seiner Niederlage im Peiwar-Pisse. — Die „Times" meldet aus Kon- stantinopel: Zuhdi Bey wurde entlassen, weil er nicht im Stand war, den Werth der Kaimes zu heben. Ktant Pascha wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Dasselbe Blatt veröffentlicht eine Depesche Lord Odo Rtssell's an Lord Salisbury vom 10. Jan. Odo Russell bedauert darin, daß die projec- tirten deutschen Eisenzölle und neuen Maßregeln das englische Eisen vom deutschen Markte gänzlich verdrängen würden. Der Botschafter erfährt aus guter Quelle, die Eisen-Enquete-Commission werde wahrscheinlich einen Schutzzoll von 50 Pfennigen pro Ctr. befürworten.
Außland.
Petersburg, 29. Jan. Heute hat eine Sitzung der Minister-Comit^s stattgefunden, in welcher unter Zuziehung hiesiger medicinischer Autoritäten, darunter die Professoren Deckauer uno Botkin, die energischsten Vorsichtsmaßregeln gegen die Pest beschlossen wurden. Es wird eine besondere hygienische Commission gebildet.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Burea«.
Paris, 30. Jan., 3 Uhr Nachm. (Wiederholt, weil nicht in allen Exemplaren der gestrigen Nummer enthalten.) „Havas" meldet: Mac Mahon verließ heute Mittag das Elysee, prästdirte um 1 Uhr einem Ministerrathe zu Versailles, in welchem er ein kurz motivirtes Schreiben übergab, welches seine Demission anzeigt. Der Congreß wird sogleich zusammentreten können. Die Wahl Grevy's ist gewiß.
Paris, 30. Januar, 4 Uhr Nachm. Der Rücktritt des Marschalls Mac Mahon ist amtlich angezeigt worden. Der Congreß ist auf heute Abend 6 Uhr zusammenberufen. Die Wahl Grevy's ist gewiß.
Versailles, 31. Januar. In dem gestern Abend stattgefundenen Congreß waren 713 Votanten anwesend. Gültige Stimmzettel wurden 670 abgegeben. Die absolllte Majorität beträgt mithin 336 Stimmen, der seitherige Präsident der Deputirtenkammer, Gr vy, erhielt 563 Stimmen, Chancy 99, weiße oder ungültige Zettel wurden 43 abgegeb-n. Grevy ist somit auf fieben Jahre zum Präsidenten der Republik auSgerufen. Donnernder Bestall ertönte bei der Kundgabe des Resultats.
Versailles, 30. Januar. Das Schreiben Mac Mahon's findet allgemeine Anerkennung. Die Minister äußerten sich sämmtlich dahin, daß der Marschall im heutigen Conseil eine ruhige, würdige und correcte Haltung bewahrte; er erklärte namentlich, daß er sich in das Privatleben zurückzuziehen
gedenke und unter keinerlei Titel zugeben würde, daß man seinen Name» für irgencwelche Kundgebungen gebrauche; zugleich gab er fernen innigen Wünschen für das Glück des Landes Ausdruck. — Der Botschafter in London, Marquis Hircourt, hat sein E tlaffuvgsgesuch übersendet — Ji der Congreßsitzang wird Duf u e bet seinem Ersch wen auf de" Tribüne mir Beifall begrüßt.
Ve* faiües, 3<». Januar. Wortlaut des Schreibens deS Marschalls Mac MahonS. Bei Eröffnung der Session legte Ihnen das Ministerium ein Programm vor, welches, indem damit der öffentlichen Meinung eine Genugthuung gegeben wurde, seiner (des Ministeriums) Ansicht nach zugleich ohne Gefährdung der. Sicherheit und guten Verwaltung des Landes angenommen werden konnte, auch jede persönliche Rücksicht bet Seite ließ. Ich hatte diesem Programme meine Genehmigung ertheilt, denn ich gab damit keines der Principien Preis, welchen treu zu bleiben mein Gewiffen mir gebot. Heute schlägt mir daS Ministerium, in der Meinung, damit der Ansicht der Majorität beider Kammern zu entsprechen, bezüglich der großen Militärcommandos allgemeine Maßregeln vor, welche ich als mit den Jntereffen der Armee und folglich auch des Landes in Widerspruch stehende erachte; ich kann denselben meine Unter- schrift nicht geben. Jedes andere Ministerium, welches aus der Majorität der Kammern genommen wäre, würde mir die nämlichen Bedingungen auferlegen. Demnach glaube ich die Dauer des mir von der Nationalversammlung anvertrauten Mandats abkürzen zu sollen und gebe meine Entlassung alS Präsident der Republik Indem ich aus meinem Amte scheide, finde ich Trost in dem Gedanken, während der 53 Jahre, die ich dem Dienste meines Landes als Soldat oder Bürger gewidmet habe, niemals von anderen Gefühlen geleitet worden zu sein als denen der Ehre und Pflicht und unbeschränkten Hingebung an daS Vaterland. Ich ersuche Sie, meine Entschließung den Kammern mitzuthetlen. Empfangen Sie den Ausdruck meiner Hochachtung.
Es ist davon die Rede, Gambetta zum Präsidenten der Deputirtenkammer zu wählen. Dufaure bekundet die Absicht, sich in das Privatleben zurückzuztehen.
Berlin, 30. Januar. In den bisherigen Sitzungen d^s Justizauö- schuffeS des BundeSrathS sind in Bezug auf das Gesetz, betreffend die Straf- gewalt des Reichstages, nur einige Modificationen empfohlen worden. — Gegenüber abschivächenden Darstellungen einiger Blätter hnn versichert werden, daß die Staatsregierung sich sehr ernst mit der Frage bezüglich des Welfenionds beschäftigt.
Berlin, 30. Januar. Seitens der deutschen Regierung wurden der Universttärs-Professor Hirsch und ein jüngerer Arzt für die Sendung nach Rußland designirt.
Berlin, 30. Januar. Die Pest-Commission hält ihre nächste Sitzung morgen ab. Heute finden Einzelbesprechungen über technische Fragen betreffend die Einrichtung von Desin- fections-Anstaltcn an der Grenze statt, wobei namentlich Dr. Pettenkofer betheiligt ist. Das von dem Bundesrath nach dem Anträge der Commission beschlossene Verbot von Einfuhrartikeln umfaßt alle von der Wiener Commission vorgeschlagenen Artikel mit der Hinzufügung von Filz. — Die Commission wird demnächst über die Behandlung des Personen- und Gepäckverkehrs an der Grenze Beschluß fassen. In Betreff der Entsendung eines dieffettigen Delegirten wird mit Professor Hirsch und einem jüngeren Arzt noch verhandelt, denen em der russischen Sprache mächtiger deutscher Beamter beigegeben wird. Eingegangene Nachrichten bestätigen erneut, daß der ursprüngliche Pcstheerd von der Seuche nicht überschritten worden ist. Die Nachricht etneS Wiener Blattes, wonach der deutsche Delegirte bei der Wiener Commission, Dr. Finckelnburg, von diesseitigen bereits im Gange befindlichen militärischen Absperrungsmaßregeln gesprochen habe, wird von kompetenter Seite für unbegründet erklärt.
Berlin, 30. Januar. Die (verstärkte) Budgetcommission des Abgeordnetenhauses hat den von der Regierung im Betrage von 114o0 jt vorgeschlagenen Gehaltssatz für die Präsidenten bcr Oberlandesgerichte auf 14000, und das Maximum des Gehalts der Oberlanves- gerichtsräthe von 6000 auf 6600 JL erhöht.
Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde beschloffen, die Gehaltssätze der Oberstaatsanwälte und Staatsanwälte bei den Oberlandesgerichten unverändert zu taffen. Das Gehalt der Landgerichtsdircctoren wurde im Maximum von 6000 auf 6600 erhöht, das der Land- und Amtsrichter im Maximum von 5400 auf 6000, das der ersten StaatSanwälte bei den Landgerichten) im Maximum von 6000 auf 6600. Die Staatsanwaltsgehilfen sollen 2400 als Minimum erhalten.
Stuttgart, 30. Januar. 13 Abgeordnete, zur Volkspartet und den Ultramontanen zählend, haben in der Abgeordnetenkammer den Antrag ein- gebracht, daß die Regierung ersucht werde, in Uebereinstimmung mit ihren Grundsätzen bei Revision der Verfassung, dem Gesetzentwürfe betr. die Strafgewalt des Reichstages, welches die württembergische Verfassung wie die Rechte des Reichstages gefährde, im Bundesrathe nicht zuzustimmen.
Berlin, 30. Januar. Der „Reichsanzeiger" publicirt die von gestern datirte, heute in Kcaft tretende kaiserliche Verordnung, wonach zur Verhütung der Emschleppung von ansteckenden Krankheiten die Einfuhr von gebrauchter Leib- und Bettwäsche, gebrauchter Kleider, Hadern, Lumpen, Papierabsälle, Pelzwerk, Kürschnerwaaren, Felle, Häute, halbgarem und sämisch zugerichtetem Ziegen- und Schafleder, Blasen, frischen, getrockneten und gesalzenen Därmen, Filz, Haare, Zackelwolle, Borsten, Federn, Caviar, Fischen und Sareptabalsam aus Rußland verboten wird. Ausgenommen von dem Verbot sind Wäsche, Kleidungsstücke und anderes Reisegeräth, welches Reisende zum Gebrauch mit sich führen. Der Reichskanzler ordnet an, wie und in welchem Umfange diese Gegenstände der Desinfection zu unterwerfen sind. Die Einfuhr von Schafwolle ist, soweit solche nicht überhaupt durch die Landesbehörden verboten ist, nur nach vorgängiger Desinfection gestattet. War die einzuführende Schafwolle der Fabrikwäsche unterzogen, so beschränkt sich die Desinfection auf die Emballage.
Wien, 30. Januar. Der Vertreter des Petersburger Petroleumhauses, Nobel, ein geborener Oesterreicher Namens Grubisttsch, telegraphirt der „Neuen Fr. Pc." aus Zrritzin von gestern: Seit 12 Tagen haben alle Erkrankungsfälle in Wetlianka, Prischibe, Udatschnoje, Nikolskoje und Stanitz- koje, 120 Werst von hier, ganz aufgehört. Der Betrieb der Bahnlinie von Zaritzin bis Griasi dauert fort. Im Falle die Krankheit in Zaritzin austau« chen sollte, hat die Bahn-Commtsfion beschloffen, die zweite Abtheilung der Bahnstrecke von Zaritzin bis Borisoglebsk zu schließen. Kälte 20 Grad. Die erste Quarantäne befindet sich bei Sarepta.
Versailles, 30. Januar, Abends. Nach der Wahl Grevy's zurr Präsidenten der Republik hielten Senat und Kammer eine kurze Sitzunz, um von der Wahl Grevy's Act zu nehmen. — Die Kammer wird morgen ihren Präsidenten wählen. — Der Marschall Mac Mahon richtete ein Schreiben an Grevy, worin er den Wunsch ausdrückte, ihn beglückwünschen zu dürfen, sobald er zum Präsidenten gewählt sei. Grevy antwortete und sagte, wie empänglich er für einen solchen Beweis hoher Courtoifie sei, aber er halte dafür, daß er, Grevy, ihn, den Marschall zuerst besuche. Maa versichert, der Marschall werbe heute Abend den neuen Präsidenten der Republik begrüßen.
Paris, 30. Januar, Abends. Die Minister statteten dem Präsidenten Grwy einen Besuch ab und überreichten ihm die Gesammt-Demisston. Grevy drückte den Wunsch aus, daß die gegenwärtigen Minister fortführen, die Regierung zu leiten oder wenigstens provisorisch ihre Functionen ausübten. Die Minister werden morgen unter dem Vorsitze Dufaure's über die Lage berathen, welche die neuesten Ereignisse für sie aeschvffen. Marschall Mac Mahon besuchte und beglückwünschte Grevy. Die Unterhaltung war eine sehr artige. Der Marschall wird, wie er sagte, sich nach Grasse begeben und dort für einige Zeit bleiben.


