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Str. 202» Samstag, den 31 August '1878.
Gießener Anzeiger
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Amtlicher HH «il.
m P2f#1, c u Gießen, am 28. August 1878.
Betreffend: Die Voranschläge der Gemeinden des Kreises Gießen für 1879.
Das Großherzoqliche Kreisamt Gießen
an die Grostherzoglichen Bürgermeistereien und Gemarkungsvorstände.
Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Einsendung der Voranschläge für 1879 im Rückstände find, werden mit Frist von 14 Tagen an Vorlage derselben erinnert.
_______________ Dr. Boekmann.
, .. , er Gießen, am 28. August 1878.
Betreffend: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Wir erwarten die Einsendung der Verzeichnisse der Fortbildungsschüler innerhalb 14 Tagen. Zugleich erinnern wir daran, daß das Schristchen von A. de Beauclair über das Verfaffungs- und Verwaltungsrecht des GroßherzogthumS obligatorisch tinzuführen ist, so daß es bei Anfang der Schule jeder Schüler in Händen hat. Wir verweisen in dieser Beziehung auf unser Ausschreiben im Gießener Anzeiger Nr. 8g von 1878. Dr. Boekmann.
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Oeffentliche Vorladung.
Der Füfilier Julius Wesp der 12. Compagnie 4. Garde-Regiments zu Fuß, geboren am 21. November 1859 zu Leihgestern, im Kreise Gießen, hat fich am 18. Juni 1878 eigenmächtig von seinem Truppentheile entfernt und ist bis jetzt nicht zurückgekehrt. Derselbe wird hiermit aufgefordert, fich zu seiner verantwortlichen Vernehmung spätestens in dern
auf den 17» Decerrrber 1878, Vormittags 10 Uhr, im hiefigen Militär - Genchtslocale anberaumten Termine einzufinden, widrigenfalls er nach geschloffener Untersuchung für einen Fahnenflüchtigen erklärt und zu einer Geldstrafe von 150—3000 verurtheilt werden wird.
Spandau, den 24. August 1878.
... Königliches Kommandantur - Gericht.
politisch
* Zur allgemeinen politischen Lage.
Die allgemeine politische Lage hat sich im Laufe der letzten Wochen nicht unwesentlich verändert. Die Ausführung des Berliner Friedens, welcher dem allgemeinen Wirrwar mit Einem Schlage ein Ende gemacht zu haben schien, geht nicht so glatt von Statten, als man Anfangs annehmen zu dürfen glaubte, droht vielmehr neue Verwickelungen herbetzuführen.
Zunächst ist Oesterreich bet der Occupation Bosniens und der Herzegowina auf einen Widerstand gestoßen, wie ihn Niemand vorher erwartete: nicht bloß die Insurgenten, auch türkische Truppentheile machen der österreichischen Armee jeden Schritt vorwärts mit Fanatismus streitig. Letztere schreitet zwar unter schweren blutigen Opfern Tag für Tag weiter voran, aber Niemand weiß, wohin dieser thatsächltche Kriegszustand zwischen Oesterreich und der Türkei, welcher durch die von der Pforte geführte diplomatisch freundschaftliche Sprache nut einen um so gehässigeren Character erhält, führen wird. Auch die Montenegriner liegen wieder mit den Türken in den Haaren, um die ihnen durch den Friedensvertrag zugesicherten Plätze in ihre Hand zu bekommen. Serbien wird nur durch höhere Einflüsse von erneuertem thätigcn Eingreifen in die Entwicklung der Dinge abgehalten. Sehr bedenklich ist ferner die Hartnäckigkeit, mit welcher die Pforte sich weigert, die vom Congreß anerkannten Ansprüche Griechenlands auf eine „Grenzberechtigung" zu befriedigen: hat sie doch sogar gewagt, ihrer Weigerung durch ein amtliches Rundschreiben an ihre Vertreter im Auslande offen Ausdruck zu geben. Gleichzeitig fährt sie fort, Truppen an der griechischen Grenze anzuhäufen, um eine eigenmächtige Ueberschreitung derselben seitens des verhaßten Nachbarn unmöglich zu machen. Auffallend ist sodann die Säumig- kiit der Türket Rußland gegenüber in der Räumungsfrage: noch ist Varna nicht geräumt und die Uebergabe Datums, auf deffen Besitz die Russen bekanntlich das höchste Gewicht legen, so wenig in Aussicht, daß Rußland schon Anstalten trifft, es den Lazen, welche ebenso wie die bosnischen Aufständischen in geheimem Einverständniß mit der Pforte handeln, mit Waffengewalt zu entreißen. Dem entsprechend stehen sich denn auch noch die russischen und türkischen Heere nebst der englischen Flotte bet Konstantinopel Auge in Auge gegenüber, wird die Verlegung des russischen Hauptquartiers von San Stefano weg von einem Tag zum andern verschoben und werden die russischen Agitationen gegen England in Centralasien fortsetzt, England selbst endlich, welches beim Friedensschluß mit der Türket auf dem besten Fuße stand, scheint nachträglich in der Betätigung seiner Freundschaft bei der Pforte auf unliebsame Schwierigkeiten zu stoßen, da letztere der englischersetts gewünschten Einführung gewisser Reformen alle möglichen Hindernisse entgegenstellt.
Der politische Himmel hat sich somit im Osten von Neuem einigermaßen verdüstert. Trotzdem ist es uns unmöglich, an den abermaligen Ausbruch eines ernsteren Donnerwetters zu glauben. Einerseits ist das Machtgefühl der euro-
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pätschen Mächte zu stark, als daß sie sich von der Pforte auf der Nase tanzen lassen sollten und andererseits ihr Friedensbedürfniß zu lebhaft, als daß sie zum Schutz der von Allen im Grunde aufgegebeuen Türket sich gegenseitig bekämpfen sollten. Oesterreich wird ohne Zweifel bald allen Widerstand gebrochen haben und sich dann in dem mit den Waffen eroberten Lande, aller etwaigen formellen Anerkennung der Autorität des Sultans zum Trotz, festsetzen, als ob es sein eigenes Land wäre. Montenegro und Serbien sind nur Marionetten, die auf höheren Wink springen oder ruhig bleiben. Zu der Abtretung gewiffer Grenzstriche an Griechenland wird sich die Pforte nothgedrungen bequemen müssen, wenn sie nicht die österreichischen Heere über die bosnische Grenze hinaus auf Salontcht zu marschircn sehen will. Für die Uebergabe der Rußland zugesprochen en Plätze wird die russische Armee sorgen. Zudem haben die Mächte, Deutschland vor allen, schon in Konstantinopel Winke gegeben, die verständlich genug andeuten,daß eine beharrliche Weigerung, die Beschlüsse des Berliner Friedens auszuführen, eine neue Verminderung des türkischen Gebietes zur Folge haben könnte. Rußland und England wünschen begreiflicherweise, nachdem sie beide Großes erreicht, vor der Hand weiter nichts mehr, als sich in ruhigen Besitz und Genuß des Erreichten zu setzen. Rußland setzt schon seine Armee auf den Friedensfuß und die englischen Minister sprechen ebenso wie der französische Minister des Auswärtigen geflissentlich wiederholt die Ueberzeugung aus, daß der Friere dauerhaft sein werde, wenn er eine loyale Ausführung finde.
Das sicherste Unterpfand einer dauernden Erhaltung des Friedens liegt jedenfalls in der fortdauernden Intimität, welche zwischen den Häuptern der drei Kaiserreiche obwaltet, deren kraftvolles Zusammenhalten im vergangenen Frühjahr den Ausbruch eines allgemeinen europäischen Krieges verhindert hat. Sollte sich gar das Gerücht bestätigen, welches von einer bevorstehenden Verlobung des österreichischen Kronprinzen Rudolf mit einer Enkelin deö Deutschen Kaisers spricht, so würde die Sache des Friedens eine neue Befestigung erhalten, denn dadurch würde allen Jntriguen, welche auf Herüberztehung Oesterreichs zu England und Frankreich gegen Deutschland und Rußland ausgehen, der Boden entzogen. Dem sei indeß wie ihm wolle, sicher ist, daß gegenwärtig von Gastein aus, wo Fürst Bismark mit dem Kaiser Wilhelm zusammen weilt, mit gewohnter Klugheit und Energie die nöthtgen Schritte gethan werden, um die Pforte zur Raison zu bringen, eventuell den Weltftieden selbst für den Fill, daß eine zweite Theilung der Türket nothwendtg werden sollte, zu sichern.
Z)erttfchkimd.
Darmstadt, 27. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 22) enthält:
1. Verzeichniß der Vorlesungen, U ebungen und Practica, welche im Winter


