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Lichen Leistung der von der kirchlichen Obrigkeit festgesetzten Verpflichtung zur Unterhaltung der kirchlichen Beamten entgegen dem Art. 27 des Gesetzes vom ' 3. Juni 1876 nicht angewendet werden sollen. Nachdem Ministerial-Director < Förster nachgewiesen hatte, daß der ministerielle Erlaß tu vollständiger Ueber einsttmmung mit der Gesetzgebung stehe, folgte eine kurze Debatte, worauf der 1 Gegenstand verlassen wurde. Ueber den nunmehr zur Berathung kommenden i Gesetzentwurf, betr. den Sitz des Oberlandes und Landgerichte, entwickelte sich 1 eine kurze allgemeine Debatte. Bei der Special-Discussion wurde bezüglich 1 der Landgerichte für Berlin der Commissionsantrag angenommen, wonach statt 1 der Seitens der Abgeordnetenkammer beschlossenen drei Landgerichte deren nur zwei in Berlin errichtet werden sollen. Der Justizminister hatte zuvor im Namen der Regierung den Commissionsantrag acceprirt. Im Uebrigen wurden ' die Bestimmungen betreffs der Bezirke der Land- und Oberlandes-Gerichte, so­weit solche die Provinzen Preußen, Pommern, Posen und Brandenburg an- gehen, nach den Commissionsanträgen genehmigt. Fortsetzung-der Berathung morgen. ;

Konstantinopel, 29. Januar. Das Parlament hat die Regierung -aufgefordert, die Albanesen, welche die gesammte Bevölkerung des Dorfes Sta ihopulo bei Burgas niedergemetzelt, und die Tscherkeffen, welche Tschorlu ange­griffen haben, zur Verantwortung zu ziehen. Dem Parlament liegt ein Antrag . auf Abschaffung des Zehnten vor. Die ägyptischen Hülfslruppen haben sich von Bazardschik nach Varna zurückgezogen. Die Stadt Tschorlu ist von den Einwohnern und den Behörden verlassen. Mehemed Ali ist hier, kehrt aber baldigst nach Tschataldja zurück.

Konstantinopel, 28. Januar. Heute Nachmittag begaben sich meh­rere Deputirte zum Großvezir, um die Besorgniß der Kammer bezüglich der Friedensverhandlungen auszudrücken, und'die Frage an ihn zu richten, ob die Pforte Nachricht über die Unterzeichnung der Friedenspräliminarien erhalten habe. Der Großvezir setzte ihnen auseinander, daß der telegraphische Verkehr mit dem russischen Hauptquartier sehr schwierig sei, daß jedoch Telegramme von den Bevollmächtigten erwartet würden.

Petersburg, 29. Januar. Einem Telegramm desInvalide" vom 26. d. zufolge ist in Adrtanopel die Ruhe vollständig wieder hergestellt, die Bevölkerung beruhigt, und hat das öffentliche Leben seinen gewöhnlichen Ver­laus angenommen. Die Verkaufsbuden und Magazine sind wieder geöffnet und der Handel ist ein belebter. DerInvalide" veröffentlicht ein Handschreiben des Kaisers an den Großfürsten Nikolaus, womit Letzterem in Anerkennung des Uebergangs der Armee über den Balkan ein goldener, mit Diamanten geschmück ter Säbel verliehen wird.

München, 29. Januar. In der heutigen Sitzung des Landtages stand die Generaldebatte über die Regierungsvorlage, betr. die Errichtung eines Verwaltungs-Gerichtshofes auf der Tagesordnung. Graf Fugger sprach sich für den Gesetzentwurf aus, unter der Voraussetzung, daß die Anträge Sodens angenommen würden. Rittler gegen die Vorlage; seine Parole ist:diesem Ministerium keinen Gerichtshof!" Minister des Innern, v. Pfeuffer, erklärt, daß die Verwaltungs-Organisation mit der Justiz-Organisation im Zusammen­hänge stehe. Diendörffer und Daller gegen, v. Hörmann und Völck für die Vorlage. Nachdem die Generaldebatte geschloffen, sprach sich der Referent Hauck (ultram.) sehr scharf gegen Rittler aus. Hierauf ward die Sitzung ver­tagt. Morgen beginnt die Special-Discussion.

Berlin, 29. Januar. Die hiesige rumänische Vertretung ist ermächtigt, die von verschiedenen Zeitungen gebrachte Meldung, der Fürst von Rumänien solle zum König ausgerufen werden, aufs Ausdrücklichste zu widerlegen. Ru­mänien habe seine absolute Unabhängigkeit proclamirt und halte diese Thatsache aufrecht, denke aber keineswegs daran, den traditionellen Titel seines Souve- rains umzuändern. '

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Das Staatsministerium versam­melte sich in den letzten Tagen wiederholt und hielt auch gestern wieder eine Sitzung ab. Es handelt sich dabei namentlich um Stellungsnahme zu verschie­denen zur definitiven Beschlußfassung stehenden Landtagsarbeiten und um allge­meine parlamentarische Dispositionen. Eine Flühjahrs-Session gilt nach wie vor als unvermeidlich.

Wien, 29. Januar. Nach Telegrammen derPoltt. Corresp." aus Konstantinopel wird die Verzögerung der Unterzeichnung der Friedensprälimina­rien mit dem Widerstand der Pforte gegen eine temporäre Besetzung Konstan­tinopels in Zusammenhang gebracht.

London, 29. Januar. In der heutigen Unterhaus-Sitzung antwortete Northcote auf eine bezügliche Anfrage Ke'nealy's, der Regierung sei nichts be­kannt von einem Einvernehmen zwischen Rußland, Oesterreich und Deutschland zum Zwecke eines Schutz- und Trutzbündniffes zur Theilung der Türkei. In Betreff einer dieser Mächte sei mindestens starker Grund vorhanden, die Wahr­heit dieser Nachricht zu bezweifeln. In den nächsten Wochen werde es sich wahrscheinlich zeigen, ob diese Mächte zusammen oder separat handeln.

Bukarest, 29. Januar. General Jgnatieff hat dem Fürsten Karl ein eigenhändiges Schreiben des Czaren überbracht.

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Sonntags - Zeichnenschule.

602) Zum Zweck der Ausstellung eines genauen Schülerverzeichniffes werden hierdurch sämmtliche seitherige Schüler der Sonntags-Zeichnenschule aufgefordert, bis spätestens Sonntag den 10. Februar bei dem betreffen­den Herrn Lehrer eine Erklärung darüber abzugeben, ob sie nach der neuen, jedem Schüler mitgetheilt werdenden Schulordnung, noch Schüler der 'Sonntags-Zeichnenschule zu bleiben gedenken oder nicht.

Gießen, den 29. Januar 1878.

Der Vorstand der Handwerkerschule.

__Dr. H. v. Nitgen.___________

Cokes.

Gegenwärtiger Preis in der Gasanstalt 70 Pf. pr. Centner, an's Haus geliefert 73 ,,

Der Transport an das Haus erfolgt von der Gasanstalt aus bei Ab­nahme von mindestens 5 Centner, von Herrn Emil Pi stör auch in kleineren Quantitäten.

Wird das Zerkleinern der Cokes gewünscht, so wird hierfür 10 H per Centner berechnet. (529

Belgrad, 29. Januar. Die serbischen Kriegsoperationen werden eif­rigst fortgesetzt. General Leschjanin hat auf dem Plateau von Petrovagora einen vollständigen Sieg über Hastz Pascha erfochten.

London, 29. Jan., früh. Im Unterhause stellte Stratheden den An­trag auf Erhaltung der Neutralität, welche die Ergreifung von Maßregeln gegen eine feindliche Besetzung von Konstantinopel nicht verhindere. Granville betritt die Richtigkeit der Doctrin Stratheden's, bedauerte die Dürftigkeit der vorgelegten diplomatischen Schriftstücke und richtete die Frage an Derby, wie es mit Veffen Demissions-Gesuch stehe. Derby erwiderte: Nichts wäre deut­licher als die Definiruug der Neutralitäts-Bedingungen seitens der Regierung gewesen. Die Regierung habe nichts erklärt und werde nichts erklären, was von dieser Politik abweiche. Derby erklärte ferner, er habe seine Entlassung erbeten, weil das Cabinet einen Schritt beschloffen, welchem er nicht zustimmen könnte. Nach Zurücknahme dieses Schrittes konnte er sein Demissions-Gesuch zurückziehen. (Beifall.) Der Antrag Stratheden sei ein rein abstrakter. Auf die Besprechung der Friedens Grundlagen könne er nicht eingehen, weil dieselben nur unvollkommen bekannt seien. England beanspruche, wie die anderen Mächte, bei der schließlichen Lösung mit seiner Stimme gehört zu werden. Stratheden zog hierauf seinen Antrag zurück.

London, 29. Jan.Daily News" erfährt, daß die Führer der Oppo­sition heule erwägen wollen, in welcher Form der Rüstungs-Credit bekämpft werden solle. HaittngLon werde ohne Zweifel ein Amendement gegen den Rüstungs-Credit einbringen. Gestern fanden in Leeds, Birmangham, Man­chester, Liverpool, Nottingham, Oxford und anderwärts große liberale Kund­gebungen gegen den Rüstungs-Credit statt. Die gefaßten Beschlüffe erklären, der Rüstungs-Credit sei eine Bürde für das Land und eine Gefahr für den europäischen Frieden.

Berlin, 29. Januar. Das Abgeordnetenhaus verwies die Berichte über die Verwaltung des Hinterlegungsfonds pro 1877 und über die Verwaltung des Staatsschuldenwesens pro 1876 an die Budget-Commission und ertheilte zu den Rechnungen der Oberrechnungskammer-Caffe pro 1876 und I. Quartal 1877 Decharge; das Reblausgesetz wurde im Wesentlichen nach den Commis­sions-Anträgen angenommen.

Hierauf folgte die zweite Berathung des Gesetzentwurfs Betr. die Unter­bringung verwahrloster Kinder. Abgeordneter Dautzenberg spricht gegen den § 1, weil der Religion kein Einfluß auf die Kindererziehung gewährt werde; Löwenst-in für die Commissionsanträge; Zelle für das von ihm eingebrachte Amendement auf schärfere Begrenzung der Rechte des Vormundschastsrichters. Minister Friedenthal erklärt sich gegen das Zelle'sche Amendement als unzweck­mäßig und für die Regierungsvorlage; Brüel für den Zelle'schen Antrag. § 1 wurde mit dem Antrag Zelle, § 2 nach den Commissionsanträgen, § 3 mit den Verbesserungsanträgen Miquels, die folgenden §§ bis zum 7., nach den Commissionsanträgen angenommen. Nächste Sitzung morgen Abend 7 Uhr.

Wien, 29. Jan. Die Präliminarien wurden Oesterreich officiell mit­getheilt. Als Antwort hierauf richtete Andraffy eine Note nach Petersburg, worin er vollständige Mitwirkung bei der Umgestaltung der Balkan-Halbinsel reclanürt und Rußland an sein Versprechen, Oesterreichs Jntereffe zu berück­sichtigen, erinnert. Er bestreitet die Zulässigkeit einer langen Occupation Bul­gariens durch die Russen. Auch die Frage der Donau-Mündmrgen nebst meh­rerem Anderen wird in der Nothe berührt.

Petersburg, 29. Januar. Officiell wird aus Semenli vom 25. d. gemeldet: General Skobeleff II. meldet: Die Befestigungen von Adrianopel sind ausgezeichnet angelegt; alle Profile sind dauerhaft mit steinernen Escarpen und Contre-Escarpen versehen. An Geschützen sind von den Türken nicht 26, sondern viel mehr znrückgelaffen worden. Die genaue Zahl ist noch nicht be­kannt. Der letzten Meldung des Generals Gurko zufolge nahm die Cavallerie Skobeleffs I. am 19. D. außer den von den Kosaken Grekoffs erbeuteten 4 Ge­schützen noch 23, im Ganzen also 53.

Vermischtes.

Offtciöse Zeitungen veröffentlichen wie alljährlich bis in's Einzelne Deutsch­lands Kriegsstärke. Sie ist erstaunlich. Bet Eröffnung eines Krieges können fofert zur Verwendung kommen 900,000 Mann mit 2224 Feldgeschützen und diese Zahl kann rasch verstärkt werden durch 148 4. Feld- und 148 oder 293 resp. 270 Landsturm-Ba­taillone, von der deutschen Flotte abgesehen. Es wäre wohl am zweckmäßigsten, diese Ziffern von Zeit zu Zeit in Frankreich zu veröffentlichen, denn sie wissen jetzt drüben, daß unsere Soldaten nicht nur auf dem Papier stehen.

In tmereffanten Aufsätzen über die Besteuerung des Tabaks in Deutschland erzählt Dr. R.^ Schleiden, in Thüringen würden angeblich jährlich 20,000 Cmtner Runkeliübendlätter zu Tabak verwendet Diese, sowre Ctckorienblätter und sogar Kar­toffelkraut würden auch im Maadeburgischen und in der Pfalz viel verarbeitet. Die in Süddeutschland v.rchreiteten Vevy Cigarren, welche zu 1 JL 92 bis 2 56

für 100 Stück verkauft wurden, enthielten gar keinen Tabak, sondern bestehen aus sorg­fältig ausgewaschenen und dadurch ihres ursprünglichen Geruchs und Geschmacks ent­kleideten Kohl- und Rübenblättern, bie bann in einer besonders zubereiteten Tabaks­brühe längere Zeit getränkt, getrocknet und verarbeitet würden. Schteidenerklält ferner, daß Cigarren m keinem Lande so billig seien wie in Deutschland und daher rühre 'hr ungemeiner Verbrauch.

r Anzeiger.

Norddeutscher Lloyd.

Siratt Deutsche pogdauiplschiffslchrt von nach

BREMEN -. AMERIKA.

nacji Newyork*. I i a4 Baltimore : I n«* New-Orleans : jeden Sonntag. | jeden zweiten Mirtwoch. | einmal monatlich.

Direkte Billets nach dem Westen der Vereinigten Staaten.

Nähere Auskunft ertheilt die Direction des Norddeutschen Lloyd in Bremen, sowie deren alleiniger General-Agent

Eduard Hu mann in Mainz

und dessen Agent C. W. Dietz in Gießen. 6604

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