Verzeichnis
der zur Wahl von 4 Mitgliedern des Kreistages berufenen 30 Höchstbesteuerten des Kreises Gießen.
D
Q
Namen.
Wohnort.
Ord.-Nr.
Namen.
Wohnort.
1
Actienbrauerei
Gießen.
29
Müller, Justus
Gießen
2
Adami, Heinrich
ii
30
Noll, Adolph K. Theodor
3
von Arnim, Johann Fretmund Wittwe
Wippersdorf
31
von Nordeck zur Rabenau, Adalbert Freiherr
Friedelhausen
4
Buderus, Friedrich
Audenschmiede bei Weilburg
32
von Nordeck zur Rabenau, Adolph Richard
5
Buderus, Richard Wittwe
Nassau
Freiherr
6
Burk, Ferdinand
Gießen
33
von Nordeck zur Rabenau, Ferdinand Karl
7
Clemm, Fr. E-, Kanzleirath
ii
Freiherr, Major
Großen-Buseck
8
Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft
ii
34
von Nordeck zur Rabenau, Gesammtfamille
9
Emmelius, Karl Wittwe
ii
35p
von Nordeck zur Rabenau, Hermann, Groß-
10
Faber, Hosgerichtsadvocat Wittwe
Gießen
Herzog!. Oberst-Kammerherr
Darmstadt
11
Fernie, E. W.
ii
36
von Nordeck zur Rabenau, Victor Hugo,
12
Fiscus, Großherzoglicher
Freiherr
Gießen
13
Gail, Georg Ferdinand
Gießen
! 37
Pistor, Eniil
it
14
Gail, Georg Karl
ii
38
Pöschel, August
15
Gail'sche Wollenspinnerei
•i
39
Schirmer, Georg Heinrich Wittwe
16
Getse, Albert
ff
40
Schlenke, Karl
17
von Grolman, Ludw. Hofger.-Rath Wwe.
ff
41
Schwan, Karl Heinrich
18
Großherzogliches Haus, Familienetgenthum
। 42
Solms-Braunfels, Fürst Ernst, Durchlaucht
Braunfels
19
Heichelheim, Sigismund
Gießen
43
Solms-Hohensolms-Lich, Fürst Ludwig,
20
Hrß, August
ff
Durchlaucht
Lich
21
Hofmann, Ludwig, Pachter
Hof-Gill
i 44
Solins; Raubach, Graf Friedrich, Erlaucht
Laubach
22
Jhring, Heinrich
Llch
45
Textor, Friedrich
Gießen
23
Kempff, Karl
Rotterdam
1 46
Waiderndors, Gras
Wiesbaden oder Molsburg
24
Kempff, Ludwig Otto
Gießen
! 47
Weber, Johs. HL Wittwe
Lang-Göns
25
Leib, Georg Heinrich Friedrich
ii
48
Wenzel, Wilhelm
Gießen
26
Meyer, Alexander
ii
49
Zimmer, Georg Karl
Winnerod
27
Möser, Heinrich I.
ti
I 50
Zurbuch, Wilhelm Wittwe
Gießen
28
Müller, Arnold
ii
politisch
* Gießen, 30. Januar.
Der Waffenstillstand zwischen Rußland und der Türket ist abgeschlossen. Diese Nachricht ist für die Herstellung des Friedens und der Ordnung von einer Bedeutung sonder Gleichen. Denn nach allen zum größten Thetle zuverlässigen Mttthetlungen ging dem Waffenstillstandsabschlusie zwischen Rußland und der Türkei die Annahme der hauptsächlichsten Frtedensbedingungen durch die Türkei voraus, es ist demnach die begründetste Hoffnung vorhanden, daß der Waffenstillstand im orientalischen Kriege auch zu einem Frieden führen wird, lieber die Art der Frtedensbedingungen selbst liegt auch nicht ein einziges zuverlässiges Wort vor, doch melden Telegramme aus Konstantinopel, daß sich Rußland in den Einzelnfragen des Friedens nachgiebiger gezeigt habe, als man ursprünglich vermuthet hat. Diese Mittheilung ist immerhin kein schlechtes Zeichen für den Frieden selbst. Den weiteren Verlauf der orientalischen Angelegenheiten wollen wir nach den Ereigniffen referiren, da wir keine Lust haben, uns in mehr oder weniger wahrscheinliche Combinationen einzulassen.
Der erste Schritt zum Frieden im Orient, der Waffenstillstand zwischen der Türket und ihren Gegnern, kann nicht verfehlen, auf die poltti'che Lage des Ecdtheils und auf diejenige einzelner Staaten einen besonderen Einfluß zu üben. Am meisten sind natürlich Rußland, die Türkei, Rumänien Serbien und Montenegro in der Angelegenheit interessirt, doch die Folgen des Waffenstillstandes und wahrscheinlich darauffolgenden Friedens lassen sich gerade für diese Staaten zur Zeit am wenigsten in concrete Worte fassen, da uns die sie betreffenden Friedensbedingungen nicht bekannt sind. Für einige andere Staaten liegen die Folgen des Waffenstillstandes im Orient näher. England wird wahrscheinlich von einer großen Sorge befreit sein, die ihm eine Mobil machung und ein drohender Krieg gegen Rußland bereitet hat, denn die englische Regierung glaubte eine Zeitlang, eine Uebervortheilung durch Rußland im Orient fürchten zu müssen und hatte nicht übel Lust, an die Waffen zu appelliren. Schon sprach man im englischen Parlamente von einer Kriegsanleihe im Betrage von 6 Mill. Pfb. Sterl. (120 Mill. Mark), schon rüstete man große Transportschiffe aus, um möglichst viel englische Truppen in kurzer Zett nach den Dardanellen zu befördern und die englischen Großkaufleute berechneten schon, was sie durch einen Kriegsausbruch zwischen Rußland und England am Waarenhandel verlieren und am Schacher mit Kctegscontrebande verdienen könnten, bis der Abschluß des Waffenstillstandes im Orient der englischen Sorge plötzlich ein Ende machte oder dieselbe doch bedeutend verminderte. Ohne eine moralische Niederlage kommt England in der orientalischen Frage jedoch auf keinen Fall davon und einige materielle Einbußen wird es auch etnheimsen.
Eine derbe Ohrfeige erhält ein kleiner ehrgeiziger Staat im Orient durch den Abschluß des russisch. türkischen Waffenstillstandes. Es ist dies Griechenland, welches sich in den letzten Wochen mit aller Gewalt in einen Krieg Hetzen wollte. Ein Aufstand in Thessalien wurde geschürt, neue Minister wurden gewählt und eine kleine Action sollte offenbar gegen die Türken in Scene gesetzt werden. Da hat nun der Waffenstillstand im Orient den eroberungs- lustigen Griechen ein Strich durch die Rechnung gemacht, denn Griechenland kann nun doch nicht allein noch Krieg führen, da es selbst gegen die halb- todte Türket zu ohnmächtig ist.
Die Ausgleichungsschwierigkeiten in Oesterreich-Ungarn sind für den Habsburger Kaiserstaat ein wahres schleichendes Fieber, was in gewissen Zwischenräumen seine Opfer fordert. So haben dieselben wiederum zu einem Regierungswechsel für die österreichische Reichshälfte geführt. Wegen der Ver Handlungen bezüglich des Zollausgleiches mit Ungarn sah sich das Ministerium Auersperg in seiner Stellung compromittirt und verlangte seine Entlassung vom Kaiser Franz Josef. Nach kurzem Zögern hat der Monarch dieselbe auch an genommen und eine Anzahl neuer Minister wird demnächst die schwierige Lei
er Hh eil.
tung der österreichischen Staatsgeschäfte übernehmen. Beiläufig bemerken wir daß der Graf Andrassy wahrscheinlich unter allen Umständen Minister des Aeußern bleiben wird, da er als Kanzler und als Vertrauens-Person des österreichischen Kaisers eine Ausnahmestellung gegenüber den Ausgleichsstreitigkeiten einnimmt.
Von den Franzosen kann man wahrhaftig nichts anderes sagen, als daß sie curiose Gimpel find. Den Äerger über den Empfang und das Auftreten des deutschen Kronprinzen in Rom konnten sie nicht nur nicht verbergen, sondern sind auch nicht im Stande, ihn los zu werden. Immer und immer suchen sie das Auftreten des Marschalls Caurobert, welcher im Paletot und mit einem Stöckchen in der Hand die ihm zu Ehren ausgestellte italienische Compagnie inspicirte, zu bemänteln und dafür das ritterliche Auftreten des deutschen Kronprinzen anzuschwärzen. Durch diese Art von Kundgebungen ver- rathen unsere Gegner jenseits der Vogesen aber nur, daß sie sehr klein an Geist und sehr groß in der nationalen Eitelkeit sind, was sie für uns nicht gefährlicher machen kann. — Die Wahlcassationen in der französischen Deputirten- kammer dauern unurterbrochm fort und waren die Gegner der Republik über dieselben derartig ergrimmt, daß sie beschlossen, sammt und sonders aus der Deputirtenkammer auszutreten. Da aber ein solcher Austritt der bonaparti- stischm, legitimistischen und orleanistischen Abgeordneten aus der französischen Kammer dieselbe nicht beschlußunfähig macht, also den Gegnern der Republik noch allen übrig gebliebenen Einfluß geraubt haben würde, so besannen sich die Herren von ter Rechten bald wieder und blieben in der Deputirtenkammer und stellten den Antrag, daß künftig zur Ungültigkeitserklärung einer Wahl zwei Drittel der Mehrheit vorhanden sein Müsse, welcher Antrag jedoch in Folge einer von Gambetta gestellten Vorfrage bezüglich der Deputirtenwahl abgelehnt wurde. — Im französischen Senat wurde die letzte Senatorenwahl nicht entschieden, weil keiner der aufgestellten Candidaten die absolute Stimmenmehrheit erhalten hatte.
Seit dem 2 5. Januar beschäftigt sich der deutsche Bundesrath mit der Berathung der Vorlage bezüglich der Tabakssteuer-Erhöhung. In der von Preußen eingebrachten Vorlage wird der Mehrertrag aus der neuen Tabakssteuer auf 29 Millionen veranschlagt. Vom 28. Januar ab wird vom Bundesrath auch eine vom Reichskauzleramte eingegangene Vorlage bezüglich der Reorganisation der Reichsbehörden berathen werden. Dem Vernehmen nach soll eine in dieser Richtung maßgebende Vereinbarung zwischen dem Fürsten Bismarck und der nationalliberalen Partei zu Stande gekommen sein, wonach die Nationalliberalen drei Ministerstellen erhalten sollen. Wenn sich dieselbe bewahrheitet, so kann in derselben der erste Schritt zu einer anderweiten Regelung der obersten Reichsbehörden gesehen werden und mag es sich bei den in Erwägung genommenen Maßregeln darum handeln, einen Theil der bisher dem Reichskanzler allein zugewtesenen Verantwortlichkeit auf die Spitzen mehrerer großen Reichsämter zu übertragen, dan^it aber eine weitere Entwickelung in doppelter Beziehung einzuleiten; einmal: dem Reichskanzler ohne Schwächung seiner bisherigen Stellung die Möglichkeit einer Erleichterung und einer vollen geschäftlichen Vertretung zu gewähren; sodann: dem oft wiederholten Wunsche des Reichstags wegen einer wetteren Ausbildung des Systems der Verantwortlichkeit im Reiche entgegenzukommen. Gutem Vernehmen nach ist nicht anzunehmen, daß solche Veränderungen an entscheidender Stelle grundsätzlichen Widerstand finden könnten.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 28. Januar. In der heutigen Sitzung des Herrenhauses stellte v. Kleist-Retzow eine Interpellation über die Begründung des Ministerialerlasses, wonach Executionsmaßregeln gegen Kirchengemeinden bei Weigerung der gesetz-


