Jahre die Kirche besucht, während in Gießen dies von ca. 4,3, in Mainz und Darmstadt von 6,3, in Worms von ca. 7,4 pCt. der Berolkerung geschieht. Auf dem Lande ist dagegen der Kirchenbesuch ein mehr erfreulicher und steigt in einzelnen Dekanaten bis nahezu 40 pCt. In Starkenburg zeichnet sich das Dekanat Groß-Umstadt durch regeren Kirchenbesuch aus, während nicht zu verkennen ist, daß in der Provinz Oberhessen im Allgemeinen noch am meisten kirchlicher Sinn bei der evangelischen Bevölkerung herrscht. Im Zusammenhang hiermit steht wohl die Thatsache, daß diese Provinz in der Reael die wenigsten, die Provinz Starkenburg dagegen die meisten Schwurgerichtssälle aufzuweisen hat.
An Seelen hatte im Jahre 1877 die Superintendentur Darmstadt 253,535, die Superintendentur Gießen 229,828, die Superintendentur Mainz 117,005, die ganze Landeskirche 600,368.
Zur Landeskirche Ubergetreten waren 35 Katholiken, 156 von anderen christlichen Confessionen, 21 von anderen Religionen, zusammen 211. Ausgetreten waren: zur katholischen Kirche 4, zu anderen christlichen Konfessionen 17, zu anderen Religionen 2, zusammen 23.
Von der Landeskirche Getrennte gab es zu Ende 1877: Altlutheraner 146, Dar- bysten 31, Baptisten 167, Tempelbrüder 17, Freiprotestanten 4209.
An Ehescheidungen sind angegeben 32; an von Evangelischen gehaltenen Wirths- häusern in der Superintendentur Darmstadt 1611, Gießen 1608, Mainz 603, zusammen 3822; an öffentlichen Tanzbelustigungen in der Superintendentur Darmstadt 1518, Gießen 759, Mainz 588, zusammen 2865. — An Selstmorden: Superintendentur Darmstadt 75, Gießen 37, Mainz 20, zusammen 132. — An Bestrafungen von Evangelischen wegen Sonntagsentheiligung: Superintendentur Darmstadt 225, Gießen 74, Mainz 38, zusammen 337.
Darmstadt, 29. November. Wir machen namentlich die Herren Züchter von Kana- rten und ausländischen Vögeln auf den am 1. und 2. December im Hotel zur Post dahier abzuhaltenden Vogelmarkt aufmerksam, indem daselbst Gelegenheit geboten ist, nicht nur Zuchtmatertal von allen Kanartenraffen und Exoten, sondern auch vorzügliche Vorschläger billig zu erstehen. Die Vögel können abgehört werden und somit ist Jeder im Stande, sich das für ihn Taugliche bequem auszusuchen. Außerdem werden von einer Commission unparthettsch alle Ka- nartcn vorher schon abgehört und dürfen als fehlerfreie Sänger nur solche Vögel verkauft werden, welche die Commission als solche spectell bezeichnet hat. Die Preise sind sicherem Vernehmen zu Folge durchaus keine hohen, erreichen wenigstens die meist von den Händlern für gute Sänger geforderten hohen Summen nicht, wodurch selbst bet geringen Mitteln ein Ankauf möglich gemacht ist.
Darmstadt, 27. November. Anknüpfenv an die neue Verfügung des Ministeriums, wonach in Zukunft auf den Ladungen rc. der Gerichtsbehörden die Titulaturen „Herr" resp. „Frau" betzufügen sind, bemerkt der „Mzr. Anz.": „Das ist schon recht gut, aber es bliebe noch ein Uebriges zu thun. eine praktische Höflichkeit zu üben, die nämlich, die Leute nicht auf das Gericht um 9 Uhr zu bestellen, um ihre Sachen vielleicht erst um 12 Uhr und später vorzunehmen. Die schon großen Schwierigkeiten, Zeugen zu bekommen, werden dadurch noch ver. mehrt, daß die Leute die lange Zett fürchten, die sie vor Gericht zuzubringen haben und bei unseren heutigen Verhältnissen ist ein ganzer Morgen oft viel mehr werth, als das Object der Gerichtsverhandlung. Daß die Sache anders geht, dafür liefern die Gerichte in Wiesbaden gleich ein Beispiel. Die Vorladungen lauten dort auf 8, 8*/2, 9, 9% 10 Uhr u. s. w.
Clubconcerte. *)
Das 1. Abonnementconcert konnte nur theilweise befriedigen. Der Beginn einer neuen Kunstepoche pflegt in Mittel- und Großstädten durch die Herbeiziehung einer Capazi- tät, durch eine glanzvolle Leistung illustrirt zu werden, solche konnte jedoch von dem Künstlerpaar Freudenberg nicht geboten werden. Herr Director Freudenberg ist ein geschätzter Musiker und Dirigent, es lag jedoch keine Veranlassung vor, denselben hierher zu berufen, um seine compositorische Fertigkeiten kennen zu lernen. Das hiesige Orchesterre- pertoir ist so arm an Novitäten, daß man sich darauf beschränken sollte, nur bekannte Meisterwerke vorzuführen, die Einflechtung von Capellmeistermusiken ist nicht zulässig. Der Eyrnphoniesatz von Freudenberg „das Meer" konnte uns in keiner Weise an ein großartiges Naturschauspiel erinnern, die Cantilene klang vielmehr sehr ländlich und anspruchslos. Der Vortrag der Arie aus den „Jahreszeiten" durch Frau Freudenberg mollte nicht erwärmen, sehr gut gelangen die Lieder von Jensen mit der mustergiltigen Clavierbeglei- tung des Herrn Freudenberg.
Nach solchen Vorgaben war es dem Orchester nicht schwer, mit der heroischen Symphonie von Beethoven den Sieg davon zu tragen. Die Tempo waren vom Dirigenten Herrn Felchner richtig gegriffen. Auf die hier stereotypen Mängel in der Orchesterstimmung und bei dem Saitenquartett kommen später zurück. Die hier seit mehreren Decennien activen fadenscheinig und abgelebt klingenden Bratschen sollten abgelegt und durch neue, klangvolle Instrumente ersetzt werden. Daffelbe gilt von den Pauken. Es wäre sehr Wünschenswerth, daß diese Instrumente dem botanischen Garten überwiesen, um als academisches Eigenthuni in Gießkannenform eine angemessenere Bestimmung zu finden (?!). Auf diese Weise werden wir das Gerumpel los! Gute correct gestimmte Pauken sind bei einem guten Orchester ganz unerläßlich. Bei dem Concert, welches Beethoven z. Z. des Wiener Eongresses diri- girte, spielte der Componist Hummel die Pauken, woraus deren Bedeutung im Orchester hervorgeht.
Das Concert der Herren de Ah na und Enzian bot einen ungetrübten Kunstgenuß. Sämmtliche Wummern wurden mit großem Beifall ausgenommen.
Bei der bedeutenden Stellung, welche Herr d e A h n a in der Reichshauptstadt ein nimmt, bei dem günstigen Erfolge seines früheren Auftretens, war es zu verwundern, daß das Concert nicht stärker besucht war. Die Leistungen des Herrn Enzian waren vollständig ebenbürtig; bei dem Concert von Mendelsohn erwies sich jedoch die Clavierbegleitung zu spröde und hölzern. Die Gesänge des Fräulein Bay er le wurden beifällig ausgenommen. Dem wiederkehrenden Besuch der Künstler sieht man mit großer Freude entgegen!
*) Wir geben nachstehender Kritik unverkürzte Aufnahme ohne uns mit dem Verfasser als einverstanden zu erklären. Wir möchten bitten, daß dies zu keinen Gehässigkeiten führen möge. Die Red.
U8?u0 a. i>. AanüesamlsrrMeru des Slanürsamis Güßen
Vom 23. biS 29. November 1878.
Aufgebote.
22. Noo. Der Actuar-Asptrant Theodor Heinrich Karl Bühner von Hungen mit Johanna Auguste Adelheid Helene Louise Hermine Becker. Tochter deS verstorbenen Schuhmachermeisters Ludwig Becker von Gtetzen. 23. Briefträger Wilhelm Karl Müller zu Gießen mit Marte Christiane Elisabeth Henriette Stärke!, Tochter des Herzoglich Nassauischen LakatS Heinrich August Stärke! von Wiesbaden. 23. Conseroator Geora Karl Ztnser, Wittwer von Gießen, mit Wilhelmine Marte Schäcker, Tochter de« verstorbenen KretSbauaufseher« Friedrich Schäcker von Gteßm. 33. Der Schußmann Johannes Ochö zu Gießen mit Eltsabethe Barbara Tracht, Tochter de« zu Bcssunaen bet Darmstadt verstorbenen MaurerS Johann Philipp Tracht.
Handel und verkehr.
ün q l.?letzen, A^oobr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd 9^Abio Hühnereier, per Stück 7—8 H, Käse, per Stück 5-8 4, Käsematte, per' SS* 3 ^blen, 1 Liter 20 4, Linsen, 1 Liter 24 4, Tauben, da« Paar 60 4, p?^ück v* —70, Hahnen, ver St. X — 70, Enten, per Stück X 2.-, ffartoffeln, 100 Kilo X 5—6.—. Weißkraut per Hundert X 4—6.—. Zwiebeln per c* StlL. Ochsenfleisch 70—72 4 per Pfd.. Kuh- und Rindfleisch 56—62 A.
58~“60 Kalbfleisch 56-60 4, Hammelfleisch 50—60 H. Gänse,
18. Roo. Leonhard, ein außereheliche« Kind von auSwärtS. 21. Dem Metzger- meister August Hofmann, eine Tochter, noch ohne Vornamen. 19. Eine außereheliche Tochter von auSwärtS, noch ohne Vornamen. 27. K-roltne Johanna, Tochter de« Photographen Franz Gerbode. 22. Heinrich, Sohn deö Schreiner« Heinrich Karl Dtckhardt. 22. Dem Schreiner Karl Kratzenberger, eine Tochter, noch ohne Vornamen. 25. Katharine, ein außereheliche« Kind von auswärts. 25. Dem Schreiner Christian Orbig, eine Tochter, noch ohne Vornamen- 27. Dem Fabrikarbeiter Friedrich Alt, ein Sohn, noch ohne Vornamen. 23. Ludwig, ein außereheliche« Kind von auswärts. 27. Auguste Louise Johanna, Tochter des Bierbrauer« August Friedrich Lout« Ulrich 27. Karl, ein außereheliches Kind von auSwärtS. 23. Otto Daniel LouiS Georg Sohn de« Sergeanten im II. Großh. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 116 Konrad Ziegler. 23. Maximilian Karl, Sohn de« Schneidermeister« Wernhard Brück. 27. Otto, Sobn de« Metzgermeister« Otto Luft.
Gestorbene.
23. Nov. Marie Louise Berg, geborene Götz, 71 Jahre 6 Monate 23 Tage alt, Witlwe des ConcertvereinSdtener« MattheuS Berg. 23. Anna Margarethe Btttendorf qei.orene Mülich, 47 Jahre alt, Wittwe de« Landwtrth« Heinrich Bittendorf von Wteß! mar. 25. Schuhmachermeister Philipp Jacob Becker, 67 Jahre 11 Monate 7 Tage alt. 27. Friedrich, 2 Monate 16 Tage alt, Sohn des Schlosser« Karl Mootz. 27. etud. pharm. August Otto, 17 Jahre 11 Monate alt, Sohn deö Zimmermetster« Andrea« Otto. 28. Heinrich Karl Nicola, 11 Monate 22 Tage alt, Sohn de« Bremser- bet der Cöln-Mindener Bahn Heinrich Jäger. 29. Der Bremser bei der Oberhesstschen Bahn Kaspar Bott, 30 Jahre 2 Monate 28 Tage alt.
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Auszug aus den Kirchenbüchern der Itadt Ließen. Evangelische Gemeinde.
Getaufte.
m , ®cn 24. Noo. Dem Güteroorsteher August Zöckler, ein Sohn, Friedrich Wilhelm Nctnhold, geb. den 12. October.
Denselben. Dem StattonSasstftenten Jeremia« Wolf, ein Sohn, Ernst Wilhelm geb. den 1. November.
Denselben. Dem Schlesier Peter Gtel, ein Sohn, Philipp Jacob Justus Adam Johann Martin, geb. den 28. October.
Denselben. Dem Schreiner Georg Hammel, eine Tochter, Lina Wilbelmine Franziska, geb. den 9. S-ptember. v
_ Denselben. Dem Felowebel Franz Heinrich Freudenberger, eine Tochter, Karoline Katharine Elifabetb, geb. den 31. Juli.
Denselben. Dem Schreiner Hermann Treppivger, ein Sohn, Adolf Hermann, geb. den 8. October.
Beerdigte.
Q Den 22. Nov. Emil Schimpf, Handelsmann dahier, alt 3« I. 10 M. 22 T., gest. den 20. November.
ß7 <v 26. §bv- Jacob Becker, Bürger und Schuhmachermeister, alt
67 I. 11 M. 7 T-, gest. den 25. November.
. ,. Den 29. Nov- August Ludwig Christian Georg Martin Otto, Apothekerpehilfe do hier, des Bürgers und Zimm.rmtister« Andrea« Friedrich Otto, ehel. Sohn, alt 17 I. 11 M, gest. den 27. November.
Briefkasten.
. m Herrn S. Im Interesse Ihrer selbst hat unsere Expedition Ihren Austrag an den Verfasser de« „Eingesandt" betr. den SonntagSoeretn nicht auSgerichtet. ES dürfte die« jedenfalls bester sein.
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