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Nr. 281. Erstes Blatt. Sonntag, den 1. December 1878

Hichmer Anzeiger

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flimmer gewählt.

Paris, 29. November. Ein Telegramm desJournals des Dubais aus London bezeichnet die Nachricht von der Sendung einer englischen Note nach Petersburg, betr. die Ansprache des Generals Kaufmann, als unbegründet, mit dem Zusatze, daß die Beziehungen zwischen England und Rußland einer Verständigung günstig seien.

Madrid, 29. Novbr. Das ministerielle JournalPolttica" schreibt: Die Regierung halte keine außerordentlichen Maßregeln für erforderlich. Die demagogischen Anschläge in Saragossa und Kreta seien ohne Bedeutung. Zwei an einem Complot bethetligtc Marine -Osficiere sind aus den Kadres entfernt.

Athen, 29. November. Die Regierung ist auf nichtamtlichem Wege von der Ernennung der türkischen Commission zur Bestimmung der neuen Gren­zen unterrichtet worden. Die Kammer hat mit 83 gegen 64 Stimmen das Gesetz wegen Organisation der Mobilgarde angenommen.

Vermischtes.

Darmstadt, 28. Novmbr. Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Grosthbrzogthums veröffentlicht eine Tabelle, worin in übersichtlicher Weise die Procentsätze hinsichtlich des Kirchen- und Abendmahlbesuchs, des Verhältnisses der blos civiliter Getrauten zu den kirchlich Getrauten, der unehelichen Geburten zu der Gesammtzahl der Geborenen, und der nicht kirchlichen Beerdigungen zu der Gesammtzahl der Beerdigungen nach den einzelnen Dekanaten mitgetheilt sind. Am schlechtesten von allen größeren Städten scheint hiernach der Kirchenbesuch in Offenbach zu sein, wo etwa nur 1,6 pCt. der Bevölkerung im

DKNordd. Allg. Ztg." meldet: Se. Maj. der Kaiser und König hat auf Antrag deS evangelischen Oberktrchenraths genehmigt, daß zur Feier seiner Wiedergenesung in allen evangelischen Kirchen am 8. December ein Dankgottes­dienst stattfinde.

Rom, 29. November. Im Senat wurde mitgetheilt, daß Cairoli eine chlechte Nacht gehabt hat. Cambray Tigny und Casati kündigten Interpella­tionen wegen Anwendung des Sicherhe!tsgesetzes auf anarchische Vereine an. Die Deputirtenkammer verhandelte über die Trockenlegung der Campagna Romana.

Ancona, 28. November.Corriere della Marche" meldet, daß der Kriegsminister auf Grund von Gutachten der Eeneralprocuratoren bei den Casiationshöfen gestern die Gerichtsbehörden beauftragt hat, gegen die Barsanti- Clubs mit gleichzeitiger Schließung der Vereinslocalstäten vorzugehen.

Berkin, 29. November. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die österreichisch-ungarischen Commisiarien zur Wiederaufnahme der commerctellen Verhandlungen werden Sonntag ober Montag erwartet. Nach Ablehnung des von deutscher Seite gemachten Vorschlages auf einjährige Verlängerung des bestehenden Handelsvertrages ist statt dessen und als Ersatz ein den wichtigen Veredelungsverkebr mitumfassender Meistbegünstigungsvertrag, wobei Tartspost- honen nicht in Frage kommen sollen, in Aussicht genommen. Hieraus werden die Verhandlungen gerichtet sein. Doch bleibt die Erreichung einer Verständi- aung immerhin fraglich. Diese ist an und für sich schwierig, die Zeit ist kurz und'es scheint, daß ein einflußreicher Theil der österreichisch-ungarischen Presie diese schon vorhandenen Schwierigkeiten, anstatt sie im beiderseitigen Interesse zu vermindern, eher zu vergrößern sich angelegen sein läßt.

Bukarest 29. November. Der Minister des Innern hat seine Ent­lastung genommen; Cogalniceanu ist interimistisch mit der Leitung des Mini­steriums des Innern betraut. Rosetti wurde zum Präsidenten der Deputirten-

Derttschtaud.

Berlin, 28. November. Der Zoll- und Steuer-Ausschuß des Bundes- raths hat bet dem letzteren beantragt, folgendem Gesetz, betreffend die Abänder­ung des Gesetzes vom 10. Juni 1869 über die Wechselstempelsteuer, seine Zustimmung zu geben:

Wir Wilhelm von Gottes Gnaden rc. verordnen im Namen des Deutschen Reiches nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags was folgt: Art. 1. An die Stelle der §§ 2 und 3 des Gesetzes vom 10. Juni 1869, betreffend b;e Wechselstempelsteuer, treten die nachfolgenden Bestimmungen. § 2. Die Stempelabgabe beträgt: von Summen von 200 eX und weniger 0,10 «X, von einer Summe von über 200 bis 500 «X 0,25 eX, von einer Summe über 500 bis 1000 «X 0,50 «X., über 1000 bis 1500 <X 0,75 -X. über 1500 bis 2000 <X 1 -X. und von jedem ferneren 10C0 -X. die Summe 0,50 «X mehr, dergestalt, daß jedes angefangene Tausend für voll gerechnet wird. § 3. Die Umrechnung der in einer anderen als der Reichswährung ausgedrückien Summe erfolgt, soweit der Bundesrath nicht für gewisse Währ­ungen allgemein zu Grunde zu legende Mittelwerthe feüsetzt und bekannt macht, nach Maßgabe des laufenden Curses. Artikel 2 dieses Gesetzes tritt mit dem. 1. Juli 1879 in Kraft.

Karlsruhe, 26. November. Die Confirmation der Prinzessin Victoria, einzigen Tochter unseres Großherzoglichen Paares, findet am ersten Advent- Sonntag den 1. December, Vormittags, in der Schloßkirche in Anwesenheit der kaiserlichen Großeltern und wahrscheinlich auch deS deutschen Kronprinzen durch den Prälaten Herrn Doll statt. Wie wir vernehmen, wird zugleich eine Tochter des Fürsten von Löwei stein-Wertheim mit confirmirt, welche gemeu:- schaftlich mit Prinzessin Victoria den vorbereitenden Religlonsunte'richt erhalten hat. Der Großherzog hat drei von den Schwurgerichten in Const.nz und Offenburg gefällte Todesurtheile in lebenslängliche Zuchthausstrafe verwandelt.

Schweiz.

Bern, 28. November. Die Volksabstimmung über die schweizerische Subvention sür die Gottharbsbahn ist nuf den 19. Januar festgesetzt.

England.

London, 20. November. Ein über die Afghanistan-Angelegenbeit vc- öffentlichtes Blaubuch umsaßt Schriftstücke seit dem Jahre 1863, enthält aber Nichts von Belang, was nicht bereits bekannt wäre. Die Antwort M Emirs vom 6. October, Bett, di- britische Mission, drückt Bedauern aus über Eng lands Eile, vergleicht damit das besiere Verhalten Rußlands und verlangt Auf­schub der Mission wegen des Schmerzes über den Verlust eines Svbnes.

London, 28. November. Ter neuesten Aufstellung zufolge, sind von der Mannschaft derPommerania". die 111 Köpfe stark war 94 gerettet von den 109 Paffagieren 72; demnach sind 54 Personen als ertrunken zu betrach en. Die Masten derPormmrania" sollen heute geborgen werden; es ist Zweifel- hast, ob das Wrack jemals gehoben wird.Times" publiciren die vor den Bergung-beamten zu Dover abgegebene Aussoge eines gewissen Thoma Bllght, Cavuäns der eugli-chen Handelsmarine, welcher sich m Plvnouch auf bn Pommerania" nach Hamburg e ugeschifft hatte. Blight sagt aus, das Wetter sei nickt nebelig, die See sei ruhig gewesen. Ein Officier derPommer arna habe ihm erzählt, daß die Thüren der wasserdichten Abtheilungen offen gewesen seien. Bliaht meint, wenn die Leute sich nicht in die Boote gestürzt hätten, so hätten Alle gerettet werden können. In Folge dieser Aussagen wurde der­selbe auf Anordnung des Handelsamtes zurückgebalten.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'« telegr.

RerUn 29. November. Abgeordnetenhaus. Der Gesetzentwurf über die Reorganisation der säEcken Domstifter wird an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen, die Vortage bttr die beffische Brand-Versichn-unas-Anstalt in Kassel gleichfalls an eine Commission von 44 irou VX N-t der »weiten Lesung des Budgets werden die Etats für die 8ottenet>en walt^na Scehöndl?ng, Münzverwaltung und das Gcsetzsammlungs^Amt 0ene^)mt9t. SBtnbb und Richter (Hagen) sprechen für Aufhebung, v. Benda und Graf L.mburg- ^rst (Meppen) un 8 ^ Ölungs-Institutes. Dom Reglerungs-Commiffar wlro

bÄu* ,Ä H'nb-'-k -Vf ihr. B-nkg-fchäft. mchgewirsen.

- X SbvSrtWt "°n M°n.°g wird ein« Ruh- kleinere. Klagen ge.etzt, ba.unt« der Gesetzentwurf bezüglich der Reffortveränderungen im Ministerium.

ßabore 29. November. General Brown führte eine Recognosctrtmg au« aus ber Straße nach Dj.llalabab, 10 Meilen weit bis zu dem am Mut

Di-Ag-nzia Stefan.» meldet. Die bei den letzten Verhaftungen beschlagnahmten Schriftstücke bieten der Regierung eme genaue Einsicht in die Organisation der Internationalisten und deren auswar. tige Beziehungen. - DieOpintoue« bestätigt, daß em ministerielles Rund- schreiben betreffs Verfolgung der Barsanii-Elubs ergangen ,st.

Berlin, 29. November. Wik die Abendzeitungen vernehmen, sind heute Mittag etwa 40 hervorragenden Mitgliedern der Socialdemokratie, darunter auch Haffelmann und Fritzsche, durch dass Polizei-Präsidium Ausweijungsorore. zugestellt worden.

Lokal-Notiz.

W. Gießen, 30. November. Nichts ist so schlimm, es hat auch sein Gutes. So baben die neuerlichen Brände Anlaß gegeben, daß vor einigen Wochen in Heuchelheim und in dieser Woche zu Groß-Linden freiwillige organisirte Feuerwehren gebildet worden sind. Die Ortsvorstände beider Gemeinden haben in Würdigung des Werthes einer zeitgemäß geordneten Feuerwehr einstimmig die nöthigen Mittel zur Uniformirung und Ausrüstung der Mannschaften bewilligt und die jungen Männer haben es um so weniger an sich fehlen laffen, als in beiden Gemeinden Mitglieder des Ortsvorstandes selbst mit gutem Beispiel vorangegangen sind und sich in die Dienstliste eingetragen haben.

Die Feuerwehr Heuchelheim, aus gegen 60 Helmen bestehend, dürfte in ihrem Hauptmann, Fabrikant Mylius, den rechten Mann gefunden haben, und für Groß-Linden steht ebenwohl ein Mann in Aussicht, den Besonnenheit und Energie, sowie volle Hingabe für die gute Sache, zur Führung befähigen.

Mögen nun die anderen größeren Gemeinden unseres Kreises nicht zurückbleiben, auf daß der Feuerswutz bei uns ein allgemeiner werde.Früher war ich ein Nachtwandler, jetzt aber bin ich ein glücklicher Mann, seit unsere Feuerwehr besteht, kann ich wieder schlafen", sagte neu­lich Herr Kaufmann und Ortsvorstand Moll in Allendorf beim zweiten Jahresfest der dortigen Feuerwehr. Dies Wort dürfte den Vorständen der anderen Ortschaften zu denken geben, denen es jetzt dazu durch die Beihilfe der hiesigen Feuerwehr so leicht gemacht wird, ihren Gemeinden die Wohlthat eines zuverlässigen Feuerschutzes zu geben. Die Jugend ist überall willig zu gemein­nützigem Werke; möge jene das andere Wort schlagen, das die Ortsvorstände die Väter der Schwierigkeiten nennt.

--Heute wurde wiederum Seitens der Schutzmannschaft mit der Revision der Maaße und Gewichte in den verschiedenen Läden fortgefahren. Ein Monstrum von einer sog. Salz- waaae wurde in der Nähe der Polizeiwache aufgefunden. Diese Waage hatte ursprünglich zwei Blechschalen. Um jedoch ber Waage ein eleganteres Ansehen zu geben, hängte man statt der einen Blechschale eine Pvrzellanschale in vielleicht dreifachem Gewichte an, ohne das Gegenge­wicht auszugleichen. Man muß wirklich staunen über die Naivität der Verkäufer,^ um keinen anderen Ausdruck zu gebrauchen.

--Heute Vormittag wurde auf dem Kreuz eine Frau durch einen Wagen überfahren. Ohne weitere Verletzungen davongetragen zu haben, konnte die Ueberfahrene ^ihren Weg fort­setzen. _ _____________________________________________