Ausgabe 
30.6.1878
 
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Sonntag, den 30. Juni

1878.

Kichener MWM

Meige- m) Imtobltit fit den Kreis Gießen.

9?ebacfionSbttreau: Gartenstraße B. 165.

Expeditionsbureau r Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Votitischer Theis.

Wochenübersicht.

Das Befinden unseres Kaisers war auch in der vergangenen Woche den Umständen nach befriedigend; einer amtlichen Mittheilung der Aerzte zu­folge ist indeß seine völlige Genesung trotz des über Erwarten günstigen Ver­laufes des Krankheitszustandes leider erst nach längerer Zeit zu erwarten. Von orthodoxer Sette ist ein Aufruf zur Erbauung einer Gedächtntßktrche in Berlin für die Rettung des Kaisers ergangen. Dagegen haben die in Petersburg wohnenden Deutschen an alle außerhalb des Vaterlandes lebenden Deutschen einen Ausruf ertasten, zum Dank für die Rettung Sammlungen zur Anschaffung eines neuen PanzerschiffesGroßer Kurfürst" zu veranstalten.

Neben dem Befinden des Kaisers und dem Kongreß nahmen die Vorbe­reitungen zu den Reichstagswahlen das Interesse der Bevölkerung fast ausschließlich in Anspruch. Alle Parteien haben schon Wahlaufrufe veröffent­licht. Da außer den Socialdemokraten und den Ultramontanen nur die Fort­schrittspartei ihre Mitwirkung zu Ausnahms-Maßregeln behufs Abwehr der socialdemokrattschen Ausschreitungen verweigert, so steht es schon jetzt außer Zweifel, daß die Reichsregierung in dem zukünftigen Reichstage eine ihren Wünschen günstig gestimmte Mehrheit finden wird. Die Soctaldemokraten be­finden sich denn auch schon in einer merklich gedrückten Stimmung. Ob die Aufforderung des Staatsanwalts Hoffmann in Ltegnitz zur Bildung einer staatstreuen und zugleich freisinnigen Mittelpartei von Erfolg sein wird, bleibt abzuwarten. Welchen Werth die der Reichsregterung nahestehenden Kreise auf den Ausfall der Wahlen legen, geht daraus hervor, daß der Cultusminister Folk angeordnet hat, der Unterricht solle in denjenigen höheren Schulen, an welchen der Wahltag in die Ferien fällt, acht Tage früher beginnen.

Die Leiche des ehemaligen Königs Georg von Hannover ist, nachdem zuvor in Paris eine pomphafte Trguerseier stattgefunden, in Gegen­wart der englischen Königsfamilie in der Georgscapelle zu Windsor beigesetzt worden. Der Umstand, daß der älteste Sohn des Königs, Prinz Ernst August, nicht den Königstitel, sondern den eines Herzog von Cumberland angenommen hat, deutet darauf hin, daß er geneigt ist, allen Thronansprüchen zu entsagen und mit Preußen Frieden zu machen. Die Bevölkerung des Königreichs Sachsen feierte die silberne Hochzeit ihres Königspaares mit einer Theilnahme, welche für die Verehrung, deren sich das Jubelpaar im ganze Lande erfreut, «in schönes Zeugniß ablegt.

Der deutsch-österreichische Handelsvertrag ist bis zu Ended.I. verlängert worden.

In Kaltsch, einer Stadt Polens, hat der süße ultramontane Pöbel das Frohnleichnamsfest durch eine großartige Hetzjagd gegen die Juden und Protestanten verherrlichen zu müffen geglaubt, bei welcher die Synagoge und verschiedene Kaufläden geplündert und mehrere Menschen getödtet wurden.

Das neue belgische Ministerium hat sich unter der Präsidentschaft von Frere-Orbau ans den hervorragendsten Vertretern der liberalen Partei gebildet.

Ganz Frankreich befand sich aus Anlaß der großen Revue, welche der Marschall-Präsident über die Pariser Garnison abhielt und bei welcher die Truppen einen günstigen Eindruck machten, in gehobener Stimmung. Auch Gambetta brachte dieser Stimmung den schuldigen Tribut dar, indem er bei der Jahresfeier des Generals Hoche einen Toast aus die Armee ausbrachte, in welchem er sagte, letztere gehöre keiner Partei an und unter ihrer Fahne müßten alle Franzosen einig sein! Daß unter diesen Umständen die von Victor Hugo auf dem internationalen literarischen Congreß angestimmte Friedenshymne leinen allgemeinen Anklang fand, vielmehr die Blätter der verschiedensten Farben zu der Erklärung veranlaßte, so lange Elsah-Lothrtngen nicht zurückgegeben sei, könnten derartige hochherzige Ideen nicht verwirklicht werden, begreift sich und mahnt uns Deutsche eindringlich, Frankreich gegenüber unermüdlich die Augen offen zu halten.

Die Ungeheuerlichkeiten des englischen Freihandels.

Unter dem Titelles 6normit^s du libre dchange Anglais hat Herr Jules Borain, der Herausgeber des belgischen JournalsLe Coton, em Buch herausgegeben, in welchem er, an der Hand von Thatfachen den Nachweis führt, daß das kosmopolitische Freihandelssystem für England eine gebieterische Nothwendigkeit, für Deutschland eine Thorheit sei. Keine Wissenschaft, sagt er in der Einleitung, kann sich bis heutigen Tages berühmen, fertig zu fehl, über Zweifel und Fortschritt erhaben, und der Freihandel, der, wie Str E- Sullivan sagt, zwar eine schöne, aber dumme Idee ist, sollte hiervon eine Ausnahme machen? daß die Händler dem Frei­handel huldigen, ist verständlich. Ihnen ist es nur um Waaren- umtau sch zu thun. Was aber ein Volk bereichert, ist, wie der Verfasser sich ausdrückt, außer der Landwirthschaft, die Arbeit des Industriellen, und ein Jndustrieller, der hundert Arme beschäftigt, ist mehr werth, als alle Kaufleute eines Seehafens.

England leidet, wie der Verfaffer angibt, nach Adam Smith an dem Grundübel, daß sein Grundbesitz in den Händen weniger Begünstigter, der

Aristokratie ist, wodurch die Maste der Bevölkerung auf die Industrie gedrängt worden ist, die unter einem 200jährtgen Schutze eine über alles Maaß hinaus­gehende Entwickelung erlangt hat. Mangel an Lebensmittel eigener Erzeugung auf der einen Seite, Uebeifluß an Manufakturkraft auf der andern, macken England abhängig von der übrigen Welt und gefährlich für letztere zugleich, wenn man sich durch Schlagwörter, wieHandelsfreiheit" undbillige Waare" bestimmen läßt, seine eigene Industrie zum Schaden der Landwirthsehaft prers- zugeben, statt auf die harmonische Entwickelung dieser beiden Grundsäulen jeder staatlichen Unabhängigkeit htnzuarbeiten; denn was Manchester will, ist nicht Freihandel, sondern Monopol. Besonders interessant sind die Capitel über Deutschland, welchem der Verfasser das Prognostikum stellt, daß es unfehlbar und zwar mit raschen Schritten seinem Ruine entgegengebe, wenn es bei seiner jetzigen Wirthschastspolittk beharre. Das Buch umfaßt Thatfachen bis auf den heutigen Tag und bekundet eine solche Vertrautheit mit allen Verhältnissen, daß es auf jeden unparteiisch Urtheilenden Eindruck machen muß.____________________________________________ E. K.

Lokal-Notiz.

Gießen, 29. Juni. (Sitzung der Stadtverordneten am 27. Juni.) Zu Anfang der Sitzung theilte der Herr Bürgermeister ein Schreiben des Sängerfeft-Comttss mit worin dasselbe die Stadtverordneten zum Feste und Betheiltgung am Festzuge einladet. Die Versammlung ccceptirt die Einladung und genehmigt außerdem eine Standarte und verschiedene Transparente zum leihweisen Gebrauch bet dem Feste. Es erfolgt eine Mtttheilurg des stüdt. Sckulinspcctors, wonach sie ftädt. Schulen durch Einver­leibung der kath. Schule in dieselben einen Zuwachs vön 53 Schülern erhalten haben. Betreffend die Anlegung einer Straße vom Kirchenplatz nach dem Oswalds Garten beschließt die Versammlung, einem Antrag der Bau-Deputation gemäß, das Project vorerst auf sich beruhen zu lassen. Das heute zum 4. male vor liegende Baugesuch des Herrn PH. Kreiling soll genehmigt werden wenn Petent 40 Fuß Straßenfront der Stadt aktritt. Die Meinungen über diesen Bau waren verschiedener Art. Herr Kreiling offerirte der Stadt, wenn dieselbe eine Straße ncch dem Oswald'schen Garten eröffnen sollte einen Streifen Garten unentgeldlich, verlangt aber für dos übrige nothwendig werdende Gelände pro lüFuß 1,25 So unscheinbar dieses klingt rtpräsentirt das ganze zu erwerbende Gelände die Summe von übet 5000 Herr Kauf war der Meinung man sollte Herrn Kreiling 2000 ju cfferiren. Herr Homberg er stellte den Antrag das Baugesuch unter der Bedingung zu genehmigen, daß Petent sich verpflichte bet einer etwaigen Eröffnung einer Straße, der Stadt das Gelästde zu einem billigen Preis zu überlassen. Herr Wenzel will daS Gesuch einfach genehmigt wissen. Wenn einmal eine Straße nothwendig wäre, könne man dcs Gelände durch Expropriation vielleicht billiger erhalten. Die Stadt habe nachgerade genug neue Straßen angelegt und eröffnet und sei es an der Zeit, daß damit aufgehört werde. Die Stadt habe Lasten genug zu tragen. Wenn, was Herr Kauf auch befürworte, die Barriöre am Webe rächen Hause entfernt werde, so sei eine Erleichterung des Verkehrs vom Wallthor her schon geschehen und müsse er dringend diese Entfernung empfehlen. DerAnftag Hom^exger wftd fyst einstimmig abgelehni, dagegen derjenige des Bauausschusses, wie oben bemerkt, angenommen. Die Erweiterung der Kaplansgosse refp. die Erwerbung derZwesch'schen Häuser behufs Niederlecung ist auch eines der Schmerzenskinder, welches die Stadtverordnete^ schon öftere beschäftigte. Herr Zwesch offerirte zum wiederholten Male seine Besitzung der Stadt für 14000 x uni) einen Bauplatz bevor er anfange zu bauen.. Die Versammlung beschloß jedoch auf dem Beschluß vom 2. Mai einfach zu beharren. Bet dieser Gelegen­heit wird em Schreiben des Großh. Kreisamts perlesen, worin dasselbe dem Stadl baumeister und der Bau-Deputation, wie man so zu sagen beliebt, eine Nase ertheilt- Bet Gelegenheit der Erbauung des Käuflichen Hauses in der Kaplansgasse soll der Stadtbaumeister und die Bau-Deputation demselben eine andere Richtung, wie vorg^ sehen, gegeben haben und sei ein solch einseitiges Vorgehen nach den bestehenden Vor­schriften nicht zulässig. Es wird jedoch seilens deS Vorsitzenden bemerkt, daß da? Kreisamt vom unrichtigen Standpunkt ausgehe, bie Rüge, weil' unverschuldet, nicht verdient sei und soll dieses dem Kreisamt in einer Zuschrift auch ersäht^ werden. Eine Beschwerde des Schuhmachermeisters Herrn Ty. Schneider, welcher behauptet, daß durch Anlegung eines Schlammcanals vor seinem Hause, die Fundamentmaüern desselben beschädigt würden und er Wasser in seinen Keller bekomme, wird durch An­nahme des Antrags der Bau-Deputation erledigt, welcher Antrag lautet, auf das Ge­such, weil unbegründet, nicht näher einzugehen. Zur Erweiterung des Friedhofes bedarf die Stadt ein Gelände der Herren Will & Kretzmüller, welches dieselbe.^ zum Auffüllen am Justizpalaste erworben haben. Dieselben zahlten damals für die OKlstr. 1 JL und haben bereits auch dasselbe zur Hälfte abgefahren. Trotzdem fratzi. Gelände kaum eine Mark pro kUKlftr. werth sei, bietet die Stadt denselben 1,50 JL eoen;. soll das Expropriationsverfahren eingelettet werden. Die Besitzer verlangen nämlich 4 JL pro lüKlftr. Pos. 6 der Tages-Ordnung behandelt den Schießplatz der Schützengesellschaft. Der Sturm am 12. März 1876 räumte unter dem Jnventa^ der Gesellschaft, was die Schießhalle namentlich betrifft auf, während andere Fmer- schlünde als diejenigen der Schützengesellschaft die Demolirung der Wälle und Mauern besorgten. Rach einem Beschluß der Stadtverordneten vom 4. April wurde qu. Gesell­schaft aufgefordert ihre defekten Wälle u. s. w. wieder Herrichten zu lassen anderenfalls die Stadt den Schießplatz wieder an sich ziehen würde. Da man nun auch heute noch im Unklaren war ob die Schützengesellschaft überhaupt noch extsttre beschließt die Ver­sammlung eine öffentl. Aufforderung zu erlassen, sich zu melden im anderen Falle unter­stellt wird, daß die Gesellschaft nicht mehr extsttre und soll dann über den Platz seiters der Stadt definitiv verfügt werden. Bet diesem Passus gelangt eine Eingabe mehrerer Einwohner zur Verlesung, worin dieselben mittheilen, daß sie eine neue Schützengesell- ichaft gegründet haben und um Ueberlässung des seitherigen Schießplatzes bitten. Ehe jedoch hierauf eingegangen werden kann, Muß das Resultat der Aufforderung abgewartet werden. Einer Anordnung des Baumeisters, welcher eine größere Strecke in bei Straße zwischen Afterweg und Garifeld hatte pflastern lassen, weil der eröffnete Credit ihm solches gestattete, wurde Zustimmung ertheilt. Die Baugesuche der Herre A. Bender und H. Scherf werden genehmigt. Bet dem Gesuche des Herrn H. Adami, welcher eine Einfriedigung an seinem Hause in der Reuen Anlage errichten will, beantragt die Bau-Deputation auf dem Beschluß vom 24. Januar zu beharren und stimmte die Versammlung diesem bei. Eine Abänderung des Bauplans des Herr P. Hubel er wird genehmigt. Herrn H. Plank kann das erbetene Gelände