Ausgabe 
30.1.1878
 
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feinen Rath. Jetzt ist ein friedlicher Protest gegen den neuen König beschlossen worden, der ihn als unrechtmäßig bezeichnen und die frühern Verwarnungen wiederholen soll. Es ist jedoch ungewiß, ob das Schriftstück an die Kirchen- thüren angeschlagen werden wird oder nicht. Die Beziehungen Oesterreichs zur Curie sind getrübt, der Papst befürchtet feindliche Maßregeln auf dem Gebiete der Schule und der Klöster.

19 Stimmen den Antrag auf Vertagung der Berathung über das Zoll- und Handelsbündniß mit Oesterreich und beschloß, sofort tu die Generaldebatte darüber einzutreten.

London, 28. Januar, Abends. Im Unterhause erklärte Schatzkanzler Northcote: Dte Credttforderung liege in der Situation. Die Friedensbasen lägen noch nicht osficiell vor, sondern nur autoritativ. Der Waffenstillstand sei noch nicht unterzeichnet. Die bekannten Friedensbasen müßten als sehr weitgehend die Aufwerfung von Fragen veranlaffen, die durch einen Congreß zu regeln wären. Die Regierung verlange die Bewilligung des Credits als Vertrauensvotum, um in jeder Hinsicht stark auf dem Congreffe zu erscheinen.

Loudon, 28. Januar, Abends. Im Oberhause bestätigte Derby auf Befragen Granville's, daß er sein Entlaffungsgesuch zurückgezogen habe. Der Antrag Srratheden's auf Erhaltung der Neutralität wurde schließlich zurückge­zogen. Das Unterhaus vertagte die Berathung über die Creditforderung der Regierung nach längerer Debatte auf nächsten Donnerstag.

Wien, 28 Januar, Abends. DiePolit. Corresp." meldet aus Kon­stantinopel: Bis zum 27. Mittags waren osficielle Anzeigen über die Unter­zeichnung der Präliminarien noch nicht auf der Pforte eingetroffen; übrigens ist die Verzögerung wahrscheinlich nur der Uebersiedlung des russischen Haupt­quartiers und der türkischen Bevollmächtigten nach Adrianopel zuzuschreiben, wo die Unterzeichnung stattfinden soll. Aus Bukarest meldet dasselbe Organ: Oie Rumänen haben vorgestern außer dem von drei Redouten vertheidigten Dors Emirdan dte türkischen Positionen Rupcaz und Kaptitanootscha unter er­heblichen Verlusten mit Sturm genommen. Dieselben haben nunmehr die Türken aus allen vorgeschobenen Werken Wtddins vertrieben, welches jetzt vollständig eingeschloffen ist. Aus Cettinje meldet die genannte Correspondenz: Gestern ergab sich das Fort Esendra den Montenegrinern- diese rücken gegen Skutari vor. Der Commandant von Skutari, Ali Saib Pascha, dürfte von der Be­völkerung gezwungen werden, sich mit seinen Truppen zurückzuziehen.

LoLal-Mottz.

Gießen, 29. Jan. Wir lassen nachstebend die Tagesordnung für dte Stadt- oerordneten-Sitzung am Donnerstag den 31. Januar 1878, Nachmittags 4 Uhr, im alten Realschulgebüude folgen:

1. Dte Anlegung eines Streifen Waldes im Heegstrauch zu Wiesen.

2. Dte Branntwein Großhändler betreffend.

3. Beitrag der Stadtkasse zu den Bedürfnissen der Armenkasse pro 1877.

4. Definitive Besetzung dreier Lehrerstellen an der erweiterten Volksschule für Mädchen.

5. Die Ausführung des Regulativs vom 20. März 1869.

6. Kostendecreturen.

Gießen, 28. Jan. Rechenschaftsbericht des Herrn Bürgermeisters Bramm für 1876. (Fortsetzung aus No. 21.)

Erläuterung der Abweichungen der vorgesehenen Beträge von den wirklichen Ergebnissen.

Ord.-Nr. Einnahme.

1 Rest aus vorderen Jahren.

Zur Zeit der Aufstellung des 1876er Budgets lag das Ergebniß der 1875er Rechnung noch nicht vor; als voranfchlagsmäßig wurde daher auf Grund der §§ 51 u. 52 der Instruction für dte Aufstellung der Voranschläge der Ad- schlutz der 1874er Rechnung eingetragen, welcher bestand:

a) in Kassevorrath . . . . . . . 51191 82H

b) in Ausständen......... 2227 ,, 33

Zusammen . . 53419 15 H

während der in der 1876er Rechnung vereinahmte Ueberschuß

der 1875er Rechnung beträgt:

1) an Kassevorrath........ 88063 90 H

2) an Ausständen 5579 91

Zusammen . . 93643 JL 81

mehr . .... 40224 66

Aus Gras und anderen Naturalien.

Hierunter war der Erlös für Heu- und Grummetqras, für Obst, Lehm, lz außer dem Walde und auf Durchschnittsberechnung vorgesehen mit 10572 je 51 H die wirkliche Einnahme beträgt 19560 96 H

sonach Mehretnnahme 8988 45 H

und diese Mehretnnahme hat sich ergeben mit:

a) bet dem Erlös für Heu- und GrummetgraS. . . 7147 35

b) der Einnahme für verkaufte Erbbegräbnisse . 711

c) für Obst und Lehm .... 326 58

d) durch den Verkauf von Obstbäumcn in Folge des

Orkanes im März 1876 492 95

e) bet den Werth und Schadenersatzgeldern von Feld­

strafen aus dem Jahr 1875 ........ 310 57

Zusammen wie oben . . . 7 8988 45 H

5 Don Waldungen

Die unter dieser Rubrik vorkommenden Erträgnisse der Gießener Stadt­waldungen bestehen in Brenn-, Bau-, Werk- und Nutzholz sowie in Neben­nutzungen und die Ansätze für dieselben sind auf Grund des Wirthschaftsplans nach Maßgabe des Tarifs berechnet auf........ 87986 04 H

Die Emnahme hat sich in Wirklichkeit gestellt 108604 27 also Mehrerlös . 7 20618J4 23 H Diese Mehreinnabme hat hauptsächlich darin ihren Grund, daß in Folge des bedeutenden Windfalles im März 1876 eine den Etat weit übersteigende Quan­tität Holz hat aufgearbeitet werden müssen. Auch für das Jahr 1877 wird ein Theil dieses Windfalles aufgearbeitet und verrechnet. Eine Berfchnung über die hierdurch nöthig gewordene Gesammtaufarbeitung kann erst nach Schluß des Erndtejahres. 1877 und wenn alles Holz verwerthet ist, vorgelegt werben. Obwohl diese Rubrik eine Mehretnnahme von 20618 JL 23 3. r- geben hat, so muß doch angeführt werden, daß der Tarifprets im Durchschnitt nicht erreicht worden ist, weil ein großer Theil deS aufgearbeiteten HolzeS von geringer Qualität war.

10 Don verkauften Baumaterialien und Mobilien.

Hauptsächlich durch den Verkauf der städtischen Gewehre ist die Mehretn­nahme unter dieser Rubrik entstanden.

21 Octroi.

Die Einnahme unter dieser Rubrik war nach der Durchschnittsberechnung der letzten zehn Jahre veranschlagt zu........ 58448 4

eS wurden aber an Octroi erzielt 81929 ,, 34 mithin mehr . . 234^1 34 H

Der Grund dieser Mehretnnahme liegt in der Zunahme der Bevölkerung und dem damit in Verbindung stehenden größeren Consum.

22 Schul- und Holzgeld.

Das Schulgrld aus allen Schulen der Stadt war veranschlagt mit Be­rücksichtigung der lktztjährigen Ergebnisse auf..... 42295 64 Ä

nach der Rechnung erfielen.......... . 50393 44

sonach mehr .... . . 8097 jl 80

welche Mehretnnahme hauptsächlich in der fortwährenden Steigerung der Schülerzahl ihren Grund hat.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr» Eorrespondeuz-Bureau.

Athen, 27, Januar, Abds. Heute sanden abermals tummultuarische Kundgebungen (tatn Eine große Menschenmasse sammelte sich in den Straßen und zog unter Lärmen und Schreien vor die Wohnungen der Minister. Eine Schaar von circa 2000 Menschen zog nach dem Piräus, wo es ebenfalls zu lärmenden Auftritten kam. Das Militär schritt ein und zerstreute die Menge durch mehrere Angriffe. Gegenwärtig tst bie Stadt ruhig.

Konstantinopel, 27. Januar. Die Kammer hat beschlossen, den Kriegsmimster über dte Gründe der Exilirung verschiedener Personen zu inter- pelliren und verlangte ferner, die Regierung solle Maßregeln ergreifen, um die Bevölkerung vor Acten der Plünderung zu bewahren, wie solche namentlich in Rodosto von Tscherkessen begangen worden seien.

London, 28. Januar. DerMorning-Post" zufolge sind die vom Grafen Schuwaloff mitgetheilten Friedensbedingungen folgende: Autonomie Bulgariens die Grenzen sind noch nicht defiuirt unter einem gemäß den Beschlüssen der Konstantinopler Conferenz zu ernennenden Gouverneur; die tür­kischen Truppen sollen nach gewissen, näher zu bestimmenden Ortschaften zurück­gezogen werden; Unabhängigkeit Rumäniens mit einer Entschädigung für ein an Rußland abzutretendes Gebiet unweit der Donaumündung; Unabhängigkeit Serbiens mit einer Gebietsrectificirung; Gewährung einer lokalen Autonomie für Bosnien und der Herzegowina; Vergrößerung Montenegros anf der Basis quo post bellum, vorbehaltlich der Genehmigung der Mächte; Abtretung des Hafens von Datum; Kriegsentschädigung in Geld, Gebiet oder anderem Aequi- valent. Der Sultan übernimmt die Verpflichtung, zu erwägen, wie Rußlands Interesse in der Dardanellenstraße zu schützen. Amtlicher Mittheilung zufolge willigte Lord Derby nach Auseinandersetzung mit seinen Collegen und in Folge der Rückkehr der Flotte in die Vesikabai ein, auf seinem Posten zu bleiben.

Paris, 28. Januar- Aus diplomatischen Kreisen verlautet, Graf Schu­waloff habe am Freitag Nachmittag dem britischen Cabiuet die russischen Frie­densbedingungen mitgetheilt. An dem nämlichen Tage habe sich die Pforte für die Annahme der Bedingungen entschieden, deren Unterzeichnung in Adria- nopel nach der Ankunft des Großfürsten Nikolaus erfolgen soll.

London, 28. Januar. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Konstanti- i.opel vom 27.: Der Minister des Auswärtigen, Savfet Pascha, benachrichtigte den britischen Botschafter Layard, es sei ihm noch nicht möglich, Layard Mit- theilung von den Friedenspräliminarien zu machen, obwohl die am Freitag telegraphirten Bedingungen annehmbar seien. Heber die Waffensttllstands-Ver- handlungen sei er ohne Nachricht.

Standard" will wissen, daß Derby nichts gegen den Extracredit einzuwenden habe, welcher laut Beschluß des gestrigen Ministerrathes heute ein- gebracht werde. Den Oppositionsantrag stellt nicht Hartington, sondern Rylands; der Antrag lautet: Irgend eine Mehrausgabe für Heer und Flotte sei durch die bestehenden Umstände nicht gerechtfertigt und würde solche die drückende Steuerlast des Landes nur unnöthig erschweren. In einem von Gladstone an den Secretär des liberalen Vereins in Greenwich gerichteten Schreiben heißt es hinsichtlich der Creditforderung: Er (Gladstone) sei fest da­von überzeugt, daß dieser höchst indiscrete Vorschlag im Parlament stetig und mächtig bekämpft werde, und hoffe, das Land werde seine Meinung darüber verständlich ausdrücken.

Times" glaubt noch immer, die Regierung werde die Creditforde­rung in elfter Stunde vertagen; andernfalls werde Hartington die Vertagung der Debatte beantragen. Es verlautet, die Regierung werde einem solchen Anträge zustimmen.

Konstantinopel, 28. Januar. Nach hier eingegangenen Berichten haben am 26. d. bei Silistria und Bettkick Gefechte stattgefunden; auch mit den Serben wurde bet Sienitza und Kurschumlje, ferner mit den Montenegri­nern bei Kova und Popova gekämpft. Bei Mostar wurden sämmtliche feind­liche Angriffe zurückzeschlagen. Suleiman Pascha befindet sich in Kirkagutel. Die Einschiffung der Truppen dauert fort; sechs ägyptische Transportschiffe werden erwartet.

Stuttgart, 28. Januar. Commerzienrath Schiedmayer, Inhaber der weitbekannten Pianoforte-Fabrik, ist gestorben.

Petersburg, 28. Januar. DerRegierungsbote" veröffentlicht eine Adresse der Bewohner des Sandschaks Tultscha, worin der Kaiser zu seinen glänzenden Siegen beglückwünscht und der Dank der Bulgaren für ihre Be­freiung ausgesprochen wird. Aus Tiflis vom 26. d. wird amtlich gemeldet: t>er Frost in der Umgebung von Erzerum dauert fort; das starke Schneege­stöber hat feit dem 24. d. aufgehört. Ismail Pascha ist am Typhus erkrankt.

Rom, 28. Januar. Das JournalBersagliere" meldet: Der König hat ein Decret gezeichnet, durch welches Prinz Amadeus zum Commandanten des Armee CorpS von Rom ernannt wird. Der Gesundheitszustand des Papstes bat sich etwas gebessert, doch hütet derselbe wegen Anschwellung der Beine das Bett.

Konstantinopel, 27. Januar, Abends. DieAgence Havas" meldet: Es wiid verficbeir, die Friedenspräliminarien, welche gegenwärtig in Adrianopel wahrscheinlich schon unterzeichnet sind, würden morgen der Kammer vorgelegt- letztere scheine geneigt, dieselben ohne Debatte zu genehmigen.

München, 28. Januar. Wie die hiesigenNeuesten Nachrichten" vernehmen, ist Herzog Karl Theodor in Bayern zu Possenhofen schwer an Blut­erbrechen erkrankt und Professor Buhl an sein Krankenlager berufen worden.

Konstantinopel, 28. Januar. Nachdem am Freitag die Zustimmung zu den Friedenspräliminarien Seitens der Pforte beschlossen worden ist, haben noch Verhandlungen über die Specialitäten des Waffenstillstandes stattgesunden.

Paris, 28. Januar. Gestern wurden neun Ergänzungswahlen zur Deputirtenkanrmer vorgenommen, davon 7 an Stelle von ungültig erklärten

; cs wurden 8 Republikaner gewählt; in Bordeaux muß eine Stich­wahl stattfin en.

Pesth, 28. Januar. Das Unterhaus verwarf mit einer Majorität von

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