Erkamtniß der durch die Soctaldemokratex drohenden Gefahren sei seine Partei mit derjenigen des Vorredners und der Regierung einverstanden; es handle sich darum, geeignete Mittel dagegen zu finden. Redner bedauerte, daß die Vorlage im Zusammenhänge mit dem Attentat erfolgte, kritistrte ihre Bestimmungen und bezeichnete die vorgeschlagenen Maßregeln als die denkbar wenigst geeigneten. Der BundcSrath als entscheidende Instanz sei nach seiner Zusammensetzung, seinem Lharacter, nach der Zeit seines Beisammenseins ungeeignet für die gestellte Aufgabe, ebenso der Reichstag als Control- und Revisions-Instanz. Bennigsen beleuchtete die andern einzelnen Be sttmmungen der Vorlage und fragte, ob auf dem Boden der bestehenden regelmäßigen Gesetzgebung nichts wirksameres gegen die Socialdemokraten vorgekehrt werden könne. Es sei viel versäumt; die bestehenden Gesetze hätten von den bestehenden Verwaltungsbehörden bis zur äußersten Grenze deS Zulässigen angewendet werden müssen; daS sei nicht geschehen! Wenn Lücken der Gesetzgebung vorhanden, so sei er mit seiner Partei bereit, Hand zur Abhülfe, eventuell in der Herbstsession, auf dem Gebiete des gemeinen Rechtes zu leihen. Repressio-Maßregeln gegen die Socialdemokraten hätten nie und nirgends gefruchtet. Bei den jetzigen verworrenm ministeriellen Zuständen in Preußen und im Reich könne man Befugnisse, wie die Vorlage wolle, der Verwaltung nicht geben. In Preußen sei die MinisterkrisiS in Permanenz; auch Falk's Stellung sei nun erschüttert. Der Regierung dürfe man diktatorische Gewalt nur etnraumen, wenn man wisie, wer sie ausübe, und dies müsse man namentlich dann, wenn man die Gefahr nicht sehe, die eine Dictatur erheische. Schließlich berührte Redner die Frage des Culturkampfeb und äußerte den Wunsch nach dessen Ende, weil die Kirche wohl geeignet sei zum Kampf gegen den Sscialtsmus; freilich müste dieselbe sich der staatlichen Ordnung fügen. Alle Parteien müßten ihre Zwistigkeiten aufgeben und gegen den Socialtsmus zusammenstehen. Dazu sei auch die Mitwirkung der Regierung notwendig, die bisher leider oft die liberalen Parteien für das Wachsen des Socialismus verantwortlich gemacht habe. Auch den berechtigten Wünschen der Arbeiter müsse Genüge geschehen. Namentlich aber müste die bisherige Lässigkeit der bürgerlichen Elasten bei den Wahlen aufhören.
Minister Graf Eulenburg erwiederte: der vorgeschrittene Zeitpunkt der Session könne die Regierung nicht abhalten, wichtige für das Staatswohl dringend nothwendtge Gesetze vorzulegen. Ec müste der Behauptung Bennigsen's entschieden entgegentreten, daß die Regierung die Einbringung der Vorlage nicht ernst gemeint habe. Die Lehren der Socialdemokraten verwirren die Gemüther oft derart, daß Verbrechen wie das am 11 Mat möglich würden. Daß die Socialdemokraten dasselbe direct angestiftet hätten, glaube die Regierung nicht. Wenn man helfen wolle, müsse vorläufig Raum geschafft werden, die Socialdemokraten zum Schweigen zu bringen, um in Frieden wirken zu können. Der Entwurf sei keine Gewaltmaßregel, und deshalb nur eine so kurze Dauer für denselben vorgeschlagen. Man habe heute zum ersten Male von zu laxer Handhabung d-r Gesetze gehört; vielmehr sei allgemein über zu strenge Handhabung geklagt worden. Man könne ja nun nach dem Wunsche Bennigsens die Gesetze bis zur äußersten Strenge anwenden, dann möge sich aber auch Niemand beklagen. Dem Gerüchte von dem Demissionsgesuche eines preußischen Ministers könne er nicht widersprechen; er habe aber die Hoffnung, daß das Gesuch nicht zum Austritt des betreffenden Ministers führe. Zweierlei sei maßgebend für die preußische Regierung: einmal alle zusammenhaltenden Elemente zu schützen, zweitens kein Mittel zu scheuen, um diesen Zweck zu erreichen. — v. Helldorf Namens der Conservatioen trat für die Vorlage ein, während Richter sich gegen dieselbe erklärte. Nach der einstündigen Rede des Letzteren vertagte sich daS Haus auf morgen.
Wien, 23. Mai. Die „Presse" meldet aus Cettinje: Fürst Nikolaus sendete ^ach Wien und Petersburg eine Note ab, worin gegenüber den (nach montenegrinischer Behauptung angeblich stattfindenden) türkischen Truppenansammlungen bei Skutari die friedfertige Haltung Montenegros dargelegt und der Pforte allein die Verantwortung einer eventuellen Compltcation zugeschoben wird. Die Nachrichten über eine Spannung zwischen Oesterreich und Montenegro sind unbegründet, vielmehr erbat Montenegro die österreichische Intervention in obiger Angelegenheit, sowie betreffs Repatriirung der Flüchtlinge.
Paris, 23. Mai. Berichten aus Perpignan zufolge durchzogen etwa 50 bewaffnete Individuen mehrere spanische Dörfer bei Junquera unter dem Ruse: Es lebe die Föderativ • Republik! und entwaffneten einen Posten Grenzzollwächter.
Wien, 23. Mai. Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad vom Heutigen: Rußland machte der serbischen Regierung die Mittheilung, daß die nachträglich zugesagten Subsidien bis zum letzten Mai ganz gesendet würden und soeben ein bedeutender Geldbetrag unterwegs sei. In Folge deflen machte der Kriegsminister bei Lieferanten namhafte Bestellungen für die Occupations- Armee. Der militärische Vertreter Rußlands bet dem serbischen Obercommando, General Bobrtkoff, ist nach Petersburg berufen, um über den Zustand der serbischen Armee zu berichten.
Berlin, 23. Mat. Der Reichskanzler hat an den Bundesrath eine Zuschrift wegen dauernder Verbefferung der Bewachung der österreichischen und russischen Grenze zur Verhütung der Einschleppung der Rinderpest gerichtet.
London, 23. Mat. „Reuter's Bureau" meldet aus Boston vom 22. d. : Russische Agenten haben mit einer Bostoner Eisengießerei Unterhandlungen wegen Fabrtcation schwerer Geschütze angeknüpst.
— Gras Schuwaloff hat heute eine Unterredung mit dem Lord Salisbury. Morgen findet wahrscheinlich wieder ein Cabinetsrath statt.
Posen, 23. Mai. Die „Posener Zeitung" meldet: Die Rinderpest in Polen ist nunmehr auch in Radziwie (Kreis Gostynia) und in Wladis- lawono (Kreis Galwarya) erloschen.
Wien, 23. Mai. Die Nachricht, daß Feldmarschall von Manteuffel der Ueberbringer eines eigenhändigen Schreibens Kaisers Wilhelm an den Kaiser Franz Joseph gewesen sei, ist vollständig unbegründet. Herr v. Manteuffel hat sich in Wien nicht aufgehalten, ist vielmehr direct nach Gastein weitergereist.
Das „Fremdenblatt" veröffentlicht Depeschen über den am 20. Mai im Palaste von Tscheragan in Konstantinopel stattgehabten Putsch. Darnach rotteten sich einige Tausend Flüchtlinge vor dem Palais des Exsultans Murad zusammen und verlangten uuter Verwünschungen gegen Abdul Hamid und deffen Günstlinge Brod. Der Kamps zwischen den unter der Führung Alt Suavi's eingedrungenen Rotte und den kaiserlichen Truppen war ein sehr erbitterter. Die Rebellen waren bis zu dem ehemaligen Sultan Murad vorgedrungen und riefen ihn zum Sultan aus. Murad entsprach jedoch nicht ihrer Aufforderung, sich an ihre Spitze zu stellen und sich den Truppen, sowie dem Volke als der rechtmäßige Sultan zu zeigen. Er bat vielmehr, sein Leben zu schonen und verbarg sich, als die Truppen mit den Rebellen handgemein wurden. Sämmt- liche Eindringlinge wurden theils getödtet, theils gefangen. Murad dankte den Truppen. Der Eindruck, welchen der Letztere machte, war der eines vollständigen Idioten. Die Zahl der beiderseitigen Todten und Verwundeten beträgt vierzig
Berlin, 23. Mai. Die „Nordd. Allgem. Ztg." erfährt von compe- tenter eeite: Se. Maj. der Kaiser habe schon in voriger Woche erklärt, auf das Entlaffungsgesuch des Ministers Falk nicht eingehen zu können. An diese Ablehnung hätten sich aber weitere Erörterungen geknüpft, so daß die entscheidende Wendung noch ausftehe.
Dasselbe Blatt erklärt ferner: von der nach Zeitungsmeldungen angeblich in Aussicht genommenen Beschränkung des Wahlrechts und Verlängerung ber|
Legislaturperiode sei in den jüngsten Berathungen des Staatsministeriums nicht die Rede gewesen.
Konstckntinopel, 20. Mai, Abends. (Verspätet eingetroff-n.) Ueber die bereits mehrfach geschilderten Unruhen wird noch ferner berichtet: Eine Anzahl bewaffnete mohamedanische Flüchtlinge begab sich heute nach dem Palast Tscheragan, dem Aufenthaltsorte des ehemaligen Sultans Murad. Diese Flüchtlinge oder als Flüchtlinge verkleideten Personen ermordeten die Schild- wachen und drangen in das PalaiS ein. Die letzteres bewachenden Truppen eilten herbei und es entspann sich ein Kamps, in welchem mehrere Flüchtlinge getödtet wurden. Gegen 15 verwundete Flüchtlinge wurden in das Palais Aildiz Kiosk die Residenz des. jetzigen Sultans, geführt und hier vernommen; aus ihrem Verhör ergab sich, daß mehrere Persönlichkeiten bei dem Complott compromittirt sind. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Der Vorfall verursachte in Konstantinopel panischen Schrecken. Der Bazar ist geschloffen. Gegenwärtig ist Alles ruhig. Das Palais Jildiz-Kiosk ist von Truppen bewacht.
Wien, 23. Mai. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom 22. d.: Die Ruffen in San Stefano erhalten neuerlich ansehnliche Verstärkungen ans Adrianopel; am 19. trafen 4000 Mann ein und seither halten die Zuzüge an; dieselben sollen zur Verstärkung beider russischen Parallelausstellungen vor Konstantinopel vom Schwarzen bis zum Marmara Meer verwendet werden. Seitens des rusfischen Hauptquartiers sollen abermals strikte Weisungen zur energischen und raschesten Unterdrückung des Ausstandes in Rumelien ertheilt worden sein.
Konstantinopel, 23. Mat. Die englische Flotte ist nach Ausführung einiger Evolutionen wieder nach der Bai von Jsmid zurückgekehrt. — Auf der Hohen Pforte ist heute Nacht ein Brand ausgebrochen. Der mittlere Theil des Gebäudes ist niedergebrannt, während die äußersten Theile unversehrt blieben. Die Archive wurden nicht beschädigt.
— Der größte Theil der Hohen Pforte ist vollständig niedergebrannt. Nur das Großoezierat und ein Theil des Mmisteriums des Aeußern blieben erhalten. Die Ministerien der Justiz, des Innern, des Unterrichts, sowie die Räumlichkeiten des Staatsraths wurden zerstört. — Zahlreiche Flüchtlinge wurden heute etngeschifft.
Petersburg, 23. Mai. Der Schah von Persien ist heute Nachmittag 2 Uhr mittelst Extrazuges der Nikolai-Bahn hier eingetroffen und am Bahn- Hofe, wo eine Ehrenwache aufgestellt war, vom Kaiser und den Mitgliedern des kaiserlichen Hauses empfangen worden. Der Schah fuhr an der Seite des Kaisers im offenen Wagen den Newsky-Prospect entlang nach dem Winter- Palais, von der maffenhaft angesammelten Bevölkerung freundlich begrüßt. Die Stadt ist beflaggt. Der Aufenthalt des Schahs dauert nach den bisherigen Bestimmungen bis Mittwoch.
London, 23. Mai. Schuwaloff hatte heute Nachmittag mit dem Staatssecretär des Auswärtigen eine Unterredung, in welcher er die russischen Vorschläge darlegte. Wie verlautet, wird über diese, bis England darauf antwortet, strengstes Stillschweigen beobachtet werden. Die allgemeine Meinung der politischen Kreise geht dahin, daß der Frieden erhalten bleiben und der Congreß zusammentreten werde.
Petersburg, 23. Mai. Das Befinden des Fürsten Gortschakoff ist zwar insofern beffer, als die Schmerzen minder heftig sind und der Kranke das Bett zeitweilig mit dem Ruheseffel vertauschen kann, allein die Anschwellungen der Glieder und die Schwäche dauern unverändert fort. Der erkrankte General Jgnatieff befindet sich beffer.
Rom, 23. Mai. Der Papst empfing heute deutsche Pilger. Der römische Gras Loo las eine Ergebenheits-Adresse vor, worin der Stand der katholischen Kirche in Deutschland beklagt wird. Der Papst zeigte sich über die Huldigung erfreut und erwiderte: die Kirche erdulde einen schweren Kampf; er beglückwünsche sich zu den deutschen Söhnen, welche im Kampfe gegen Vie Kirche ihren Glauben kräftig aufrechterhielten; er empfehle ihnen Bewahrung des Glaubens und Erziehung der Kinder in demselben; er bitte Gott, er möge Deutschland Ruhe und Frieden gewähren und die Bekehrung der Feinde der Kirche bewirken, denen er wünscht, daß sie die Wohlthaten erkennen mögen, die sie aus der Hülfe der Kirche ziehen können.
Vermischte-.
Weilburg, 20. Mai. Heute Nacht zwischen 10 und 12 Uhr wurde in der Wohnung des hiesigen LandSrathS, Grafen v. Schwerin, eingebrochen und in den Wohnraumen Secretäre u. f. w. erbrochen. Gestohlen wurden folgende Gegenständen Aus dem Schubfach des erbrochenen Secretärs: 1) eine Perlenschnur von drei Reihen, mit Schloß, aus Brillanten und großem Saphir bestehend; 2) ein Stern aus Brillanten, 3) zwei gleiche Haarnadeln aus Brillanten; 4) ein großes Medaillon: Camee mit «Brillanten in Goldfassung; 5) ein Amethyst-Schmuck, bestehend aus Broche, Medaillon und zwei Haarnadeln und langer goldener Kette; 6) eine kleine, runde Broche mit blauer Emaille und Perlen; 7) eine kleine goldene Broche in Form eines Kleeblattes; 8) eine kleine goldene Broche in Form einer Harfe; 9). eine kleine goldene Broche in Form eines Pfeils; 10) ein Armband aus Perlen und Brillanten. Ferner aus einem 2ten Zimmer vom Schreibtische: 1) ein Spiegel zum Anhängen, mit blauer Emaille und kleinen Brillanten; 2) ein altes goldenes Kreuz; 3) ein goldenes AugenglaS; 4) ein Medaillon mit lapis lazuli und Goldfassung. Sodann noch verschiedene kleine Gegenstände au8 Gold und Silber, welche sammtlich an einer Staffelei auf dem Schreibtische hingen. Die gerichtlichen Unterfuchuagen zur Ermittelung deS Einbrechers haben bis jetzt zu keinem befriebtgenben Refnttatr geführt. Der Graf nebst Gemahlin waren verreist.
— Beitrag zur deutschen Titelkunde. Unlängst geriethen in einer Theegesellschast im Detmoltschen zwei Damen in einen Rangstreit, welcher durch eine plötzliche Ohnmacht der einen geendigt wurde. Die eine rühmte sich nämlich die Gattin eineS Hofraths zu fein, worauf die andere mit Geringschätzung erwiderte sie sei die Gemahlin des Hermannsmonumentteutoburgerwaldquadersandftetnbedarfherbeischaffungsactienge- sellsckaftSausschußmit......Bei der letzten Silbe: — „gltedS" —, versagte ihr
der Athem, sie sank von ihrem Sitze und mußte bewußtlos auS dem Saale getragen werden.
Malsfeld, 20. Mai. In Folge deS Pfeilerumfalls der Fuldabrücke der Berlin-Eoblenzer Bahn ist heute hier abermals ein schweres Unglück passirt. Man ist nämlich immer noch mit dem Wegräumen des Fundamentes des im Herbst v. I. utr. gestürzten Pfeilers beschäftigt und muß bei Beton mittelst Sprengung lösen. Heule traf nun ben Poltrer beS Brückenbaus das Mißgeschick, daß ihm eine Dynamitpatrone nebst der brennenden Zündschnur im Zufuhrrohr stecken blieb und in der rechten Hand exploditte. Der ganze Arm wurde natürlich so zerschmettert, daß' er sofort ab genommen werden mußte. Ein Stück dieses eisernen Rohres traf den Unternehmer des Brückenbaues, Herrn Althof auS Duisburg, der sich des zu erwartenden Schuftes halber mit all seinen Leuten weitwcg vom Sprengloch begeben hatte, in die rechte Brust, und wurde so schwer verletzt, daß man ihn auf einer Bahre von der UnglückS- ftätte tragen mußte Die Theilnahme an dem Unglück dieser beiden Herren, von denen sich besonders der Letztere durch seine Liebenswürdigkeit die Achtung Aller zu erwerben wußte, ist eine allgemeine. (R T)
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