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Character Janinas accentuiren. Letztere Dinge spielen noch gänzlich außerhalb des Congresses. Wahrscheinlich findet am Sonnabend zu Ehren der Delegirten ein Diner bet dem türkischen Botschafter statt. In der nächsten Woche hält derselbe feierlichen Empfang.

Kesterrrich.

Wien, 23. Juni. Aus Bukarest schreibt diePolit. Corresp." vom 21. d. versichert man uns heute nochmals auf telegraphischem Wege, daß die rumänische Regierung fest entschloffen sei, selbst für den Fall, daß der Congreß die Retrocession Bessarabiens an Rußland declartren sollte, sich diesem Beschlusie sogar mit Gewalt zu widersetzen, da man es vorziehe, in Ehren un­terzugehen, als sich einer europäischen Felonie zu unterwerfen. In dieser Be­ziehung seien Fürst und Nation Eines Sinnes. Mit besonderer Entrüstung weise man in Bukarest die hier und da laut gewordene Verdächtigung zurück, als ob Rumänien ein falsches Spiel treibe und etwa mit Rußland Hand in Hand ginge und weiter gar gegen Oesterreich Front machen wollte.

ßngland.

London, 25. Juni. Aus den von den britischen Congreßbevollmächtig- ten für ihre betreffenden Departements hierher gelangten Anordnungen glaubt man schließen zu dürfen, daß die Congreßverhandlungen, wenn anders nicht große Zwischenfälle eintreten, in der zweiten Hälfte des Juli beendet sein wer­den. Es gehört dazu, daß die Plenarsitzungen nicht mehr durch größere Inter­valle unterbrochen werden. Auf diese Zeit der Abwesenheit ist selbst Lord Beaconsfield vorbereitet. Was die Frage der Räumung Rumeltens durch bie Russen resp. der Räumung Varna's und Schumla's durch die Türken betrifft, meint man, daß, sobald Rußland Europa gegenüber eine bestimmte Räumungs- frist übernommen habe, dies den Türken andererseits jeden Vorwand, die Räumung dieser Festungen hintanzuhalten, benehne; man glaubt in dieser Be­ziehung sogar, daß die Verpflichtung zur Räumung für die Türkei in dem Augenblick eintrete, wo Europa Garantien für die Räumung in der gegebenen Frist Seitens der Russen empfangen habe.

London, 25. Juni. Rücksichtlich" der Gegenconcesflon Rußlands in Betreff der Befestigung der Balkanpäffe durch die Tücken ist von Seiten anderer Congreßmttglieder der Widerstand wegen Sofias und des Sandschaks Sofia, welche man der Südprovtnz, wofür Name und Normen für die Er­nennung der Gouverneure noch sestzusetzen, anderweitig einverleiben wollte, aus­gegeben. Durch diese Concessionen soll die Concilianz der Verhandlungen und deren Beschleunigung gefördert werden. Rußland legte ein erstes Gewicht auf diese Frage und hat für das Fürstenthum Bulgarien mit Sofia ein großes Zugeständniß erlangt. Bezüglich der coursirenden Gerüchte wegen der sestzu- setzenden Räumungsfristen, welche verschiedene sein werden, meldet dieTimes", der Congreß habe die Frist für den Abzug der Russen aus Ostrumelien und Bulgarien auf 9 Monate fixirt.

London, 25. Juni, Abends. In einer heute gehaltenen Versammlung von Arbeitern und Beamten von Zucker-Raffinerien wurden Resolutionen ange­nommen, wonach die Regierung ersucht wird, ihren Einfluß bei den europäischen Regierungen dahin geltend zu machen, daß die Exportprämien für Zucker abge­schafft werden. Mittwoch sollen die Besprechungen fortgesetzt werden.

Türkei.

Konstantinopel, 25. Juni. Es heißt hier, daß der deutsche Bot­schafter, Prinz Reuß, Konstantinopel sehr bald verlaffen und noch im Juli seinen neuen Posten in Wien antreten werde. Ferner verlautet hier, daß im Schooße des Congresses die Schleifung sämmtlicher an der Donau gelegenen, wie überhaupt der bulgarischen Festungen beschlossen sei.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz- Bureau.

Berlin, 26. Juni. Das dem Congresse überreichte Memorandum Ru­mäniens faßt die Wünsche Rumäniens in folgende fünf Punkte zusammen: 1) kein Theil des gegenwärtigen Territoriums wird von Rumänien abgetrennt; 2) das rumänische Gebiet wird keinem Durchzugsrechte zu Gunsten der russi­schen Armeen unterworfen; 3) Rumänien ergreift mit Rücksicht auf Jahrhun­derte alte Rechtstitel wieder Besitz von den Inseln und Donaumündungen incl. der Scklangeninsel; 4) Rumänien wird im Verhältniß zu der in's Feld gestell­ten Militärmacht eine Entschädigung erhalten in der Form, wie sie für am billigsten (plus expödient) erachtet werden wird; 5) die Unabhängigkeit Rumä­niens wird oefinltiv anerkannt und sein Gebiet neutralisirt werden.

DiePost" erfährt : Der Gras und die Gräfin von Flandern, welche auf der Rückreise von Dresden nach Brüssel den Umweg über Berlin machten, um sich selbst über das Befinden des Kaisers zu informiren, wurden von Sr. Majestät empfangen und fanden den Kaiser den Verhältnissen nach sehr wohl. Die Unterbaltung sei allerdings nur kurz gewesen; der Kaiser habe sein Be­dauern ausgesprochen, den Besuchenden nicht die Hand reichen zu können, und hinzugefügt: Die Aerzte hätten Genuß der Landluft angerathen, Er möchte jedoch den Wünschen der Aerzte nicht gern folgen, da Ihm die Einsamkeit des Landlebens nicht behage, während Er in Berlin selbst auf dem Krankenlager etwas von Leben und Beweglichkeit spüre.

Paris, 26. Juni. DieAgence Havas" meldet aus Madrid von heute, Mittags 12 Uhr 35 Minuten: Die Königin Maria Mercedes ist gestorben.

Posen, 26. Juni. DieOstdeutsche Ztg." meldet aus Kalisch vom 25. Juni: Die Revolte vom 23. Juni wurde durch Militär unterdrückt. Der Gouverneur erließ einen Tagesbefehl, wonach alle Läden an dem folgenden Tag geschlossen bleiben müßten und nur drei Menschen auf der Straße zusammen geben dürfen. 80 Personen, darunter mehrere Geistliche, wurden verhaftet, 200 andere Personen zur Anzeige gebracht, welche Alle vor das sofort einge­setzte Kriegsgericht gestellt werden sollten.

Berlin, 26. Juni. Der russische Gesandte, Tortschakoff, ist gestern Abend mm Besuche seines Vaters hier eingetroffen. Waddington und St. Valller conferirten gestern Abend halbstündig mit Beaconsfield ' im Hotel Katserhof.

Berlin, 26. Juni. DieProv.-Corresp." schreibt in einem Artikel, überschrieben: Die Absichten und Wünsche der Regierung bezüglich der Maß­regeln gegen die Socialdemokratie: Es wird für geboten gehalten, den Weg der Gesetzgebung in derselben Richtung, wie die frühere Vorlage bezeichnet hatte,

weiter zu beschreiten, vor Allem specielle Vollmachten gegenüber der social- demokratischen Presse und den socialdemokratischen Vereinen und Versammlungen in Anspruch zu nehmen. Für die practische Ausführung und Wirksamkeit der betreffenden Bestimmungen werden In der neuen Vorlage, sowie durch ander- weite Schärfung einzelner Bestimmungen des Strafgesetzes entschiedene Bürg­schaften zu sichern sein. Hierdurch allein würden die socialisttschen Verirrungen nicht durchgreifend geheilt und überwunden werden können; vielmehr werde die gesetzliche Vorkehr nur den Boden frei machen für eine positiv heilende Wirk­samkeit aller berufenen staatlichen, kirchlichen und bürgerlichen Kreise. Die Regierungen erkennen es als eine ihrer höchsten Aufgaben, diese von innen heraus bessernde Wirksamkeit in jeder Weise anzuregen, zu beleben, mit Rach und That zu fördern.

Behufs Wiederbelebung des öffentlichen Vertrauens und Erzielung eines neuen Aufschwunges der gewerblichen und wirthschastlichen Lage der Nation er- warten die Regierungen vom Reichstage bereitwillige und kräftige Unterstützung für die seit Jahren vorbereiteten Reformen auf dem gewerblichen und finanziellen Gebiete. Dahin gehören: die Fortführung der Verbesserung der Gewerbeordnung unter Festhaltung ihrer Grundlage mit Berücksichtigung der heroorgetretenen praktischen Bedürfnisse, ferner die Selbständigkeit der Reichsfinanzen, Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reiches, überwiegende Heranziehung und Ausnutzung der dazu vorzugsweise geeigneten indirecten Steuern, um die directe Besteuerung im Einzelstaate, den Kreis- und Communal-Verbänden zu vermindern. Unter den besteuemngssästgen Vrrbrauchsgegenständen stehe in erster Linie der Tabak, wobei es von der Enquete abhängig bleibe, ob das Monopol, eine hohe Fabrikat­steuer oder em anderer Modus ins Auge zu fassen sei. In der Handelspolitik sollen unter Festhaltung der seit Gründung des Zollvereins stetig beobachteten grundsätzlichen Gesichtspunkte in jeder Beziehung die tatsächlichen Interessen und Bedürfnisse des gesammten nationalen Verkehrs, der Production wie der Cosumtion gewahrt werden. Der Artikel schließt mit der Aufforderung, bei den Wahlen dafür zu sorgen, daß bie Mehrheit aus solchen Männern bestehe, denen ein aufrichtiges und erfolgreiches Zusammenwirken mit den Regierungen nicht blos unter den augenblicklichen außerordentlichen Umständen, sondern auch bei den weiteren Arbeiten für eine gesunde politische und wirthschaftliche Ent­wickelung ernst am Herzen liegt.

London, 26. Juni. Nach hier einzelanzten Congreßnachrichten ist man übereingekommen, daß die Occupationsfcist für alle durch die Russen besetzten Landestheile durchweg nach 9 Monaten vom Friedensschlüsse von San Stefano ab gerechnet, zu bemessen sei und die allseitige Evacuatton in wetteren 3 Mo­naten beendet sein muß. Im Allgemeinen ist zu erwarten, daß die bulgarische Frage ohne jeden weiteren Zwischenfall erledigt und dann die europäische Grenz- regulirungs-Com nissson in Thätigkeit treten wtrd.

Berlin, 26. Juni. Bulletin von 10 Uhr Vorm. Die Kräfte Sr. Maj. haben sich ungeachtet der großen Hitze in dem Grade gehoben, daß der Kaiser ohne jegliche Unterstützung, den rechten Arm in der Tragkapsel, in der Linken einen Stock haltend, im Zimmer umhergehen konnte.

(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.

Wien, 26. Juni. Die Morgenblätter, obwohl dieselben betonen, daß eine endgültige Verständigung der Congreßmächte nunmehr mit ziemlicher Zuver­sicht zu erwarten sei, constatiren, daß der Verlauf der Dinge in Berlin die politische Welt nicht vollständig zu befriedigen geeignet sei. Die Blätter heben die großen Vorthetle hervor, welche Rußland für die gemachten Zugeständnisse sich zu erringen gewußt habe und führen insbesondere an, daß durch die Ein­verleibung des Sandschaks Sofia in Nordbulgarien der türkische Besitz der Balkanpässe und deren Befestigung bedeutend entwerthet werde.

Berlin, 26. Juni. Der Bundesrath wählte zu Mitgliedern der Enquete- Commission bezüglich der Eisen-Industrie: Berghauptmann Serlo (Breslau) als Vorsitzenden, Geh. Rath Huber, den bayerischen Staatsrath v. Schloer, Geh. Rath Stumm (Neunkirchen) und Consul Meier (Bremen).

Graf Herbert Bismarck soll auch in Meiningen als Reichstags» Can- didat aufgestellt werden.

Paris, 26. Juni. DasJournal des Döbats" bespricht die Congreß- arbeiten und wirft den englischen Bevollmächtigten vor, daß sie die englischen Interessen aufgäben, indem sie Batum preisgäben. Das Journal greift auch Oesterreich an und sagt, die Balkangrenzen seien nicht ernsthaft zt nehmen, weil Virna und Sofia den Russen überlassen seien. Bulgarien, das in ver- bängnißooller Weise dem Einflüsse der Russen überlassen worden, werde in dem östlichen Rumelien Bewegungen Hervorrufen, wie früher Serbien dergleichen in Bosnien und der Herzegowina angestistet habe.

Berlin, 26. Juni. General Grant ist hier eingetroffen.

Posen, 26. Juni. DiePosener Ztg." meldet, die russische Grenz­stadt Wieruszaw sei fast gänzlich niedergebrannt.

Madrid, 26. Juni. Die Leiche der Königin wird morgen ausgestellt und am Freitag in die Känigsgruft im Escurial gebracht werden. Der K im­mer ist der Tod der Königin alsbald ang'zeigt worden. Der Präsident gab dem einmüthigen Bedauern über den unersetzlichen Verlust Ausdruck und setzte die Sitzungen bis auf Weiteres aus. Die Bestürzung in Madrid ist allgemein.

Lokal-Noti».

Gießen, 27. Juni. Auch die gestrige Generalversammlung deS nationalen und liberalen Vereins war sehr zahlreich besucht. Der Vorsitzende erläuterte in längerem Vortrage die Gründe, welche den Ausschuß deS Vereins bestimmten an der Candidatur bes seitherigen Vertreters unseres Wihlkreises Herrn v. Rabenau festzuhalten und eröffnete sodann die DiScusston über diesen Punkt, welche denn auch eine sehr lebhafte und lehrreiche war. Die Versammlung war wohl im großen Ganzen mit den Aus­führungen des Vorsitzenden einverstanden, glaubte aber, daß, bevor die Aufstellung deS Herrn v. Rabenau zum Reichstags-Eandidat als eine definitive zu betrachten fet, eS nothwendig erscheine, daß Herr v. Rabenau vor einer demnächst einzubecufenden allgemeinen Wähleroersammlung seine Anschauungen über das Ausnahme­gesetz, Tabak-Monopol, Militär-Etat u. s. w den Wählern darlege. ES wurde denn auch ein Antrag fast einstimmig angenommen, welcher lautete, daß von einer bcfinitiöcn Aufstellung deS Herrn v. Rabenau vorerst abzusehen, der­selbe jedoch zu einer allgemeinen Wählerversammlung durch den Ausschuß e.nzuladen fct und dann der Verein in einer weiteren Generalversammlung, nach An­hörung deS Herrn v. Rabenau, definitiven Beschluß über Aufstellung eine» Candi- daten für unseren Wahlkreis fassen solle.

Vermischtes.

Brand und Explosion in Augsburg. Der Abend deS 23. Mai versetzte die Einwohner der Stadt Augsburg in grsße Angst und großen Schrecken. Gegen V27 Uhr signalisirten die Thurmwächter einen auSgebrochenen Brand. DaS Feuer war entstanden in einem mit leicht entzündbaren Stoffen, wie Petroleum, Ligroin, Benzin, gefüllten Gewölbe deS Materialisten Hrn. Schauer am hinteren Perlochberg, mitten