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U«. V4- Donnerstag den 28. März 1878.
Kichener MWWk
A^eigk- «n- Amtsblatt für Heu Kreis Gießen.
-- o„ ' —. &"— n 1 ic- ' ' Dreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohr.. Kt»«ctionei>ur«tUi Jarienstraße B 16». Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag«. * w Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Expediti ons brrreau r Schulst raße B. 18. _ Bll I Iiiimi «IBII! IM m——
Amtlicher Hheil.
° f Gießen, am 23. März -878.
Betreffend: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen. ,
Die Großhcrzoglichc Krcis-Schul-Comm>sswn Gießen
an die Schulvorstande des Kreises.
Wir sehen der Einsendung der Berichte über ertbeilte Stundenzahl in der Fortbildungsschule während des Winters, über ^eistungen und Betragen der Fortbildungsschule! innerhalb 14 Tagen entgegen.
Für die Schule einer jeden Gemeinde ist ein besonderer Bericht einzusenden.
Dr. Boekmann. _____
-----------------------—------------— - " ' ' Gießen, am 26. März 1878.
Betreffend: Das Behüten der Wiesen.
Das Großherzogllche Kmsamt Greßeu
an die Großher^oqliche'n Bürgermeistereien des Kreises.
Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß das Behüten der Wiesen nach der Wiesen-Poltzer-Ordnung für den Kreis Gießen vom 1 April an untersagt ist. Sie wollen die Schäfer hierauf aufmerksam machen und die Feldschützen strengstens anwersen, etwaige Ueber- tretungen zur Anzeige zu bringen. Die Gendarmerie ist gleichfalls angewiesen, Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot zur Anzeige zu bringen. Dr. Boekmann.
Zur inneren Lage.
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soll. — Bei der kaiserlichen Geburtstagsfeier ist die Frage des Waffentragens außer Dienst gelöst worden, indem sowohl gestern Abend als auch heute bte mit besonderem Urlaub aus den Kasernen gelassenen Mannschaften ohne Seitengewehre in der Stadt circulirten. (Fr- Journ.)
Berlin, 24. März. Wie verlautet, sind unter den Regierungen, die sich gleich gegen das Tabaksmonopol ausgesprochen haben, und nur noch die Habnkatsteuer für discutirbar erklären, auch Bayern, Sachsen und Baden, ferner elbstredend die Hansestädte und Oldenburg.
— In dem Schreiben des Papstes Leo XIII. an Kaffer Wilhelm kommen ungefähr folgende Worte vor: „Da gegenwärtig ein großer Theil der Untertanen Sr. Majestät sich von Gewiffens-Scrupeln bedrängt sthle, so hoffe der Papst für die Beruhigung der Gemüther auf die Hochherzigkeit des Kaffe«. Die Mitglieder des Centrums haben beschloffen, unter den gegenwarNgen Umständen eine abwartende Haltung anzunehmen, wie sie denn schon auf Berathung der Petitionen gegen die Maigesetze verzichtet haben. Sie sind der Meinung, daß sie die hiesigen Verhältniffe besser beurtheilen können, als die Curie in Rom, und wollen sich daher nicht nach Rom um Verhaltungsregeln wenden. Diese Verhaltungsregeln könnten ja vielleicht auch nicht ganz nach ihremGeschmacke ausfallen.
Hesterreich.
im nächsten Sonntag b noch einmal zu lesen, (ir
>nds 8'l2 Uhr: M L (Treibhaus). Mung. Mage.
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Deutschland.
Mair»» 22. März. Die Einquartierung in den umliegenden Orten in Folge der Krankheits-Fälle in dem Weisenauer Lager dauert noch immer fort- Diese Kasernen, welche bis setzt wegen ihrer Lag- auf hohem Terra,n als ge- Snb gegolten haben, sollen nicht mehr belegt «erden. Ueber die Ursachen> der typhösen Erscheinungen hat die Untersuchung hauptsächlich die mang hafte Heizung der kasemattirteu Räum- in Folge unzulänglich gelieferten Materia s festgestellt; ein Verhältniß, das sich bei allen Truppentheilen geltend mach
Pest. 26. März. Hier herrscht große Bewegung. Es circuliren Alarm- Gerüchte. Die Bevölkerung glaubt, Oesterreich könne unmöglich neutral blerben wenn England den Krieg beginnt. Die rumänischen Diplomaten Ghika und Stroudza haben aus der Durchreise durch Pest öffentlich versichert. Rußland wolle sich bis an die Karpathen ausdehnen. Demzufolge ist die Aufregung im Wachsen begriffen. Der P-st-r „Loyd" meldet: Serbisch- Truppen werden gegen die österreichische Grenze dislocirt. Iö”t- Jtn.j
Arankreich.
Versailles. 25. März. Der Senat hat die Berathung des Budgets der Ausgaben beendigt und dabei bezüglich des Artikels, welcher von den Fonds der Seminarien handelt, die von der Commission vorgeschlagene Fa^ng ange- u°mme7 nach welcher der Beschluß der Deputirtenkammer .m Sinne der Rechten modificirt wird.
ßngland
London, 25. März. Derby erklärte sich bereit, eine Deputation zu emvianaen welche die Sache der Armenier vertritt. — „Times bringt fol- geitde anscheinend inspirirte Mittheilung: Derby besteht fortgesetzt auf Vorlegung des ganzen Friedensvertrages an den Congreß; derselbe fragte indeß, UM in verböten daß auf einen formellen Punkt zu großes Gewicht gelegt werde, bei Rußland an, ob die Mittheilung des Vertrages an die Mächte als aleichbedeutend anzusehen sei mit der Vorlegung deffelben an den Congreß. Rußland verneinte diese Frage absolut und damit die einzige Bedingung, unter welcher England Vertreter nach Berlin zu senden bereit ist. 6T h
Aus Petersburg von gestern wird der „Times geschrieben. Rußland werde wahrscheinlich vorläufig keine formelle Vorstellung gegen bk Anwesenheit bet britischen Flotte im Marmara-Meer erheben, aber auch die Einschiffung ■ per russischen Truppen werde unterbleiben.
— Der Londoner Maurerstrike ist nun seit mehreren Tagen zu Ende ge- ; gangen; einstweilen find aber noch gegen 500 Mann ans dem Strikefondso , lange yt unterhalten, bis sie zu dem alten, jetzt wieder angenommenen Satze von
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Die Freunde deS Reiches haben schon seit geraumer Zeit Gefahren be- , fürchtet, die unsere innere Entwickelung bedrohen. Es ist bekannt, daß deren Zukunft auf einer Weiter-Entwickelung der gemäßigt-liberalen Grundlagen, auf ' denen sie errichtet wurde, berubt. Aber auch der bescheidene Liberalismus schnnt vor den Augen des Reichskanzlers keine Gnade mehr zu finden, und »war wohl deshalb, weil der Reichskanzler durch eine Begünstigung der Ge^ mäßigt-Liberalen eine Besitznahme der öffentlichen Meinung durch die extremen Parteien zu fürchten scheint. Der Mittelweg ist daher vom Kanzler als Auskunftsmittel in der Parteien Hader gewählt worden. Erscheinen ultramontane und reactionäre Parteien in den Augen des Steuermanns, welcher das deutsche Staatsschiff lenkt, als rückwärts strudelnde Chaiybdrs, so drohen ihm heiß- - Vorstand. spornige Forischritiler und Socialdemokraten, denen et mit dem Sannet be« '^alismus zu nahe zu kommen fürchtet, wie die klippenreiche Scylla. Fürst Bismarck hat daher augenscheinlich als Regi-rungsfahrwaffer das gemaßigt- conscrvative Element gewählt. Bekräftigt wird dieser Umschlag tu den Gesinnungen des Reichskanzlers durch di- in Angriff genommene Neubildung des preußischen Ministeriums. Das Ministerium des Innern hat an Stelle des aussckeidenden Grasen Eulenburg ein Vetter deffelben. der bisherige Ob-rprafl- bent von Hannover, Graf Eulenburg, übernommen. Derselbe hat sich als höherer Verwaltungsbeamter ausgezeichnet bewährt, was jeboch seine Politische Richtung anbetrifft, so ist er noch conservativer, als sein Vorgänger. Wenn man nun auch hervorheben sollte, baß der Wahl dieses Ministers km« politische Bedeutung beizulegen sei, so muß doch immerhin mit großem M'ßmuthe bemerkt werden, daß der neue preußische Minister des Innern keiner der Einfluß habenden parlamentarischen Parteien Deutschlands angehort. Wir beugen uns gern vor der Staatsweisheit des Fürsten Bismarck unb bewundern und schätzen bk Erfolge ,emer äußeren Politik, aber m Bezug auf d,e inneren Verhältnisse des Reiche« wünschen wir im Interesse einer gebethlichen Entwi^lung des bis- der Geschaffenen, baß Fürst Bismarck, der doch die Seele der Reichsregierung ist, auch der gemäßigt-liberalen Partei, die im deutschen Volke auch drei meisten Anhänger zählt, etwas mehr Beachtung schenken möge. Eine Ze't ang, zumal als Fürst Bismarck wiederholte vertrauliche Unterredungen mit eurem Fuh bet national liberalen Partei, bem Herrn v. Bennigsen, hatte, hegte man dt- Hoffnung, baß bie größte parlamentarische Partei nunmehr auch m das V - itauen der Regierung gezogen werden würde, die neuesten Ereignis in Reäierungsk,eisen haben aber diese Annahme als irrig erwiesen. Der neue Minister des Innern in Preußen ist conservativ und seine noch zu cr-irend Kollegen werden sich offenbar z» derselben Farbe bekennen. Wenn derartig Vorgänge auch nicht das Signal sür eine Reactivn find, so erregen sie doch md,® ungerechtfertigte Besorgniffe bezüglich der im Werden begriffenen Reform pläne in der inneren Politik. ___ - - -


