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Donnerstag, den 27. Juni

1878.

A«!kizk- iti Amtsslsit für den Kreis Gießen.

RedactionSbnrearrr Gartenstraße L. 165.

CxpeditionSbu^ eatt r Schul st raße L. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher Hheil.

Betreffend! Die Ausführung des Gesetzes vom 9. März 1878, die Gehalte der Volksschullehrer 6etr. ®M$en' rtm 251 3uni 1878

Die Großherzogliche Kteis-Schul-Commission Gießen

an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien des Kreises.

. rw®?e b<c rno* rückständigen Besoldungsnoten bei Meidung einer Disciplinarstrafe von 3 so zeitig an uns einsenden, daß sie spätestens bis zum 1. Juli l. I. in unsren Händen sind. r '

Dr. B o e k m a n n.

. , Eine Bindkette, 2 kleine goldene Medaillons, 1 Regenschirm, 1 weißes Taschentüchelchen, 1 Paar weiße Kinderhosen, 1 weißes Kinderschürrchen, 1 Arbeitskorbchew v '

Gießen, am 25. Juni 1878. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Aolitisch Zur handelspolitischen Lage.

In den letzten Wochen hat sich die handtlspolitische Lage, über welcher bisher noch ein gewißes Dunkel herrschte, definitiv geklärt. Frankreich, die Schweiz und die Vereinigten Staaten haben ihr Votum abgegeben und der Freihandel befindet sich darnach auf der ganzen Linie im Rückzüge. In Frank­reich hat der Senat eine Resolution angenommen, welche nachdrücklich hervor­hebt, daß es mit den bisherigen Concessionen an das Princip der Handelsfreiheit genug sein möge und die Regierung ihre Aufmerksamkeit dahin richten solle, den Taris in befierer Weise den Produktionsverhältnissen der heimischen Industrie anzupasien, d. h. wo erforderlich, eine Erhöhung der Zölle eintreten zu lassen. In der Schweiz ist Seitens der Regierung eine theilweise Erhöhung des be­stehenden Zolltarifs proponirt worden und es scheint nicht zweifelhaft, daß diesem Verlangen von der Volksvertretung nachgegeben werden wird. Wenn diese Vorschläge auch nicht gerade ein vollständiges Schutzzollsystem begründen, so sind sie doch ein Zeichen, daß in der bisherigen, ans rein freihändlerischer Basis ruhenden Handelspolitik der Schweiz ein entscheidender Umschwung ein­getreten ist.

Die Vereinigten Staaten endlich haben vor wenigen Tagen das ablehnende Votum des Repräsentantenhauses über die Wood'sche Tarifbill erlebt. Wood war bekanntlich der Präsident eines Ausschußes, welcher sich mit der Frage der Tarifreform befassen sollte. Seine Vorschläge liefen auf geringe Ermäßigungen einzelner Positionen hinaus, welche, obwohl bei dcm hohen Tarif Amerikas ohne jede Bedeutung, doch, wenn durchgesetzt, als ein Triumph der Freihandelspartei gefeiert worden wären. Indem die amerikanische Volksver­tretung selbst diese bescheidenen Forderungen der Freihandelspartei oblehnte, hat sie über ihre Tendenzen und über die künftige Richtung der amcrikanischen Handelspolitik keinen Zweifel übrig gelaßen.

Drei der hervorragendsten Industrieländer der Welt haben sich hiermit für ein rationelles Zollsystem entschieden. Rufen wir uns noch in Erinnerung, daß Rußland erst vor Jahresfrist seine ohnehin exorbitanten Zölle durch die Erhebung derselben in Gold weiter gesteigert hat, daß die Einführung des autonomen Tarifs in Oesterreich nur durch die schwebenden Ausgleichsver­handlungen hingeholten wurde, daß Italien sehr gewichtige Erhöhungen der Eingangszölle beschloßen hat, daß Norwegen und andere Länder ein Gleiches thun, so bleiben in der ganzen Welt eigentlich nur England unb Deutsch­land übrig, als die beiden Länder, welche noch keine Maßnahmen getroffen haben, um die Jrrthümer einer verfehlten Handelspolitik zu verbeßern und den Weg unfruchtbarer Theorien zu verlaßen.

England mag ein Interesse daran haben, die Fahne des Freihandels noch länger hoch zu halten, da mit einer Rückkehr zum Schutzsystem in diesem Lande das Urtheil über die Freihandels-Theorie definitiv gesprochen wäre, und alle andern Länder sich beeilen würden, ihren Zolltarif von allen Rücksichten auf diese Theorie zu säubern. Was aber Deutschland bewegen kann, die einseitigen Concessionen an andere Länder in seinem Tarif weiter zu conserviren, nachdem diese Länder sich für eine energische Schutzzollpolitik ausgesprochen haben, erscheint uns ganz unerklärlich. Deutschland, in allen politischen Fragen die Führerin der europäischen Mächte, ist mit seiner Handelspolitik sehr im Rückstände geblieben.

Alle Länder versperren den Erzeugnissen fremder Industrie ihre Grenzen, nur wir allein fahren fort, unfern Markt den Unbilden der ausländischen Con- currenz ohne jedes Aequivalent preiszugeben. Dieser Zustand kann nicht länger dauern, soll nicht schließlich die industrielle Macht Deutschlands unb sein Wohl­stand) geschädigt unb untergraben werben. Deutschland, kann sich ber Überein- stimmenben Haltung ber anbern Länber gegenüber unmöglich ifoliren. Es muß für bie Erhaltung unb Entwickelung feiner Industrie sorgen, wie bies Überall sonst geschieht, unb bazu bebarf es zunächst der Etablirung eines ratio­nellen Zolltarifs, welcher als sichere Grunblage ber weiteren Zollpolitik bes Reiches bienen kann. Daß man mit ber Aufstellung eines solchen Tarifs nicht chon längst vorgegangen ist, muß dem Unbefangenen ein Räthsel sein. Die

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allgemeine Geschäftslage, die unaufhörlichen Bitten ber Industriellen unb bie Mißstände, welche in einzelnen Industrien offenkundig geworben sinb, hätten jebe anbere Regierung schon zu eingreifenden Reformen veranlaßt.

Deutschland.

Berlin, 23. Juni. DerAktionär", ein Fachblatt, welches sich dem Vernehmen nach des Vertrauens des Hanbelsministers Maybach zu erfreuen bat, bestätigt bas Gerücht von ber beabsichtigten Uebernahme ber Eisenbahn- stacken Oberhausen-Arnheim unb Deutz-Gießen ber Cöln-Minbener Bahn durch d( Staat. DaS gedachte Blatt sucht bie Stimmen, welche sich aus den jiretsen der Interessenten dagegen geltend gemacht haben, zu widerlegen. Es stützt sich hauptsächlich darauf, daß die Regierung bei der über den Bau der Wetzlarer Bahn gemachten Vorlage in den Motiven bie Intention kunbgegeben babe, bie Zweigbahnen zu übernehmen. Es wirb baraus als selbstverstänblich geschloßen, ber Lanbtag werbe sich mit bem Ankaufsprojecte ber Regierung ein- verstauben erklären. Diese Ausführung trifft bie Grünbe gegen bie Maßregeln durchaus nicht. Die Verkehrs-Interessenten fürchten bie Aussonderung jener beibeu Linien aus bem Cöln-Minbener Bahnnetz, weil bamit eine Einschränkung des Verkehrs verbunben ist, bas Unternehmen badurch finanziell geschwächt unb weniger in ber Lage fein wird, durch billige Tarife die Jntereffen des Kohlen- nnd Eisenreviers zu fördern. Außerdem wird es allseitig als ein großer Fehler angesehen, zu Gunsten lediglich fiskalischer Jntereffen bie Communication ber Cöln-Mindener Bahn zu schädigen.

Berlin, 24. Juni. DieNordb. Allg. Ztg." unb biePost" setzen ifyre Polemik gegen bie National Liberalen fort, deren Jahrzehnte währendes Zusammengehen mit ber Negierung unb den Frei-Conservativen, wie sie sagen, jetzt bem Bündniß mit ber Fortschritts-Partei gewichen sei. DieNat.-Ztg." elklärte bem Kanzler den offenen Krieg; sie ziehe ein Ministerium Bennigsen ober Bennigsen-Delbrück vor. DieNordb. Allg. Ztg." citirt eine Nachricht berNat.-Ztg.", wonach ber Kanzler schon nach ber Eröffnung bes Reichstags an die Auflösung gebacht habe ober gebacht haben sollte unb schließt:Empö­rend) ist die Verblendung, welche durch die Partei-Fanatiker hervorgerufen ist. Noch ist unsers Kaisers Leben nicht außer Gefahr, noch sinb bes über achtzig­jährigen Helben Wunben ungeheilt, aber Lasker unb seine Freunbe sinb über bie bittere Empfindung von Scham unb Unwillen völlig hinaus. DiePost" greift speciell bas Organ Bennigsen's, benHannov. Kurier", an, einen histo­rischen Rückblick auf bie Kanzler-Krise unb stimmt berNordb. Allg. Ztg." zu, baß ben Artikel berNat.-Ztg." bas extremste Fortschritts-Organ hätte brin­gen können. DieNat.-Ztg." erwartet, bas beutsche Bürgerthum werbe bie Insinuation berNorbb. Allg. Ztg." gegen Bennigsen zurückweisen; es seien das unqualificirbare Zumuthungen.

Wie berKreuz-Ztg." mitgetheilt wirb, beabsichtigt bie Regierung bett neugewählten Reichstag für bie ersten Tage bes Septembers einzuberufen.

Hesterreich.

Wien, 24. Juni. Das hiesigeTelegr.-Corresp.-Bureau" melbet aus Konstantinopel von heute: Die Nachrichten über bie Verkleinerung Bulgariens riefen in ber russischen Armee lebhafte Unzufriebenheit hervor. Ungeachtet ber günstigen Nachrichten über ben Congreß bauern bie Vorbereitungen unb £rup= penbewegungen beiderseits fort.___

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Burea«.

Berlin, 25. Juni. Bulletin von 10 Uhr Vormittags. Bei allmälig zunehmenden Kräften ist auch das Verhalten der noch nicht geheilten Wunden bei Sr. Maj. ein durchaus befriedigendes.

(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.

Paris, 25. Juni. Bei einem gestern stattgehabten Banket zu Versailles anläßlich der Geburtstagsfeier von Hoche, des französischen Feldherrn in den