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funbe Lehren für bie Schulen, eine Reform der Gebräuche, besonders im Hin­blick auf die Heiligkeit der Ehe. Er hegt das Vertrauen, daß mit Hülfe Gottes und dem Eifer der Seelenhirten die von so großen Nebeln heimgesuchle Gesellschaft endlich zur Ergebenheit gegen die Kirche zurückkehren werde und dankte den Bischöfen und den (gläubigen der ganzen Welt für die ihm alsbald nach der Wahl zum Papste bewiesene Zuneigung. Die Sprache der Ency klika ist im Allgemeinen gemäßigt und voll Wohlwollen gegen die Gesellschaft.

Wien, 25. April. DiePolit. Corresp." berichtet aus Konstantinopel tzom Heutigen: Die Erhebung der Muselmänner uud Pomaks (Bulgarier mohamedanischer Confejsion) in Bulgarien nimmt, speciell am Rhodopegebirge, immer größere Dimensionen an. Man schätzt die Zahl der Aufständischen auf 25,000, denen 30,000 Ruffen gegenüberstehen. In Folge einer Uebereinkunfl zwischen dem russischen Hauptquartier von San Stefano und der Pforte soll nunmehr eine aus russischen und türkischen Officieren zusammengesetzte Com­mission an Ort und Stelle die Ursachen des Aufstandes und die Mittel zur Pacificirung ergründen.

Aus Athen von heute meldet die nämliche Correspondenz: Die theffali- schen Insurgenten lehnten das Ansinnen der britischen Consuln Blunt und Merlin, die Waffen niederzulegen, ab, forderten jedoch dieselben auf, sich nach Karditza zu begeben, um daselbst mit von den Jnsu.rgeii-ten abgeordneten Ver-. tretern Verhandlungen einzulelten. Inzwischen errangen die Aufständischen nahe bei Karditza einen Vortheil, indem sie den Türken 3 Geschütze abnahmen. Von Lartffa treffen jetzt Tag für Tag Verstärkungen der türkischen Truppen ein.

Konstantinopel, 25. April. DieAgence Havas" meldet: Den letzten Nachrichten auS Adrianopel zufolge haben die Ruffen mit den aufständi­schen Mohamedanern im Rhodopegebirge Verhandlungen eingeleitet; die Feind­seligkeiten hätten gegenwärtig nachgelassen und die russisch-türkische Commission sei mit der Pacificirung beschäftigt. Die Krankheiten in der russischen Armee nehmen zu. Es wird versichert, die Feindseligkeiten in Thessalien seien einge­stellt. An der Einfahrt des Bosporus strandete ein türkischer Transport- Dampfer, wobei 95 Personen umkamen.

Berlin, 25. April. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Aufent­halt des Grafen Stolberg in Wien werde sich aus naheliegenden Gründen noch einige Zett verlängern muffen; die bereits daran geknüpften Gerüchte über veränderte Entschlüffe desselben bezüglich feiner künftigen Stellung seien jedoch grundlos.

London, 25. April. Die Nachricht eines Wiener Blattes, daß die deutsche Regierung England ein Schutz- und Trutzbündntß angetragen habe, kann nach Informationen aus bestunterrichteter Quelle als völlig unbegründet bezeichnet werden.

Belgrad, 25. April. Das Amtsblatt veröffentlicht eine Ergebenheits- adreffe der angesehensten Bürger von Risch, Prokoplje, Leskowatz, Pirot und Vranja, worin dieselben dem Fürsten für die Befreiung von der türkischen Herrschaft Dank sagen, die Vereinigung mit dem Fürstenthum fordern und sich bereit erklären, Hab und Gut für die Befreiung der übrigen Serben und deren Vereinigung mit der serbischen Nation zu opfern. Sämmtliche türkischen Gefangenen wurden heute in Raca den türkischen Commissären übergeben. Von allen serbischen Gefangenen sind nur 37 nach -Serbien zurückgekehrt; die übrigen sollen von den Türken niedergemetzelt worden sein.

Vermischtes.

** (Die Pariser Weltausstellung und die deutsche Presse.) Ausgiebige Bericht­erstattung Über die schönsten und lehrreichsten Erscheinungen des riesenhaften Pariser Weltbazars ist für diesen Sommer eine Hauptaufgabe der Presse.

Wer die Ausstellung nicht besuchen, Parts nicht genießen, die Fortschritte in seinem Fach dorten nicht selbst studiren kann, der wünscht dies Alles doch im Geist und durch Vermittelung geschickter Federn zugänglich gemacht zu erhalten. Aber Special­berichte in so theurer Ausstellungszeit bürden den meisten Zeitungen allzu beträchtliche Kosten auf. Somit entspricht es einem eminent dringlichen Bedürfntß eines großen Thetles der Presse, wenn die regsame Firma G. L. Daube & Co. denselben hierin an die Hand geht.

Sie thut dies durch regelmäßige, angenehm zu lesende und gründlich informirende Berichte, welche ihrer Natur nach den Spectalberichten am nächsten kommen. Dieselben haben ihr Vorbild in den Briefen von der Wiener Weltausstellung, welche 1873 einem sehr großen Theil der deutschen Presie von Daube geliefert wurden. Die gleiche Chef­redactton, verstärkt durch technologische und journalistische Mitarbeiter ersten Ranges bieten Gewähr für die Trefflichkeit des zu Liefernden. Ziehen wir noch in Betracht, daß die schon seit einer Reihe von Jahren von den Herren G. L. Daube & Co. er­richtete Firma gleichen Namens in Paris mit ollen einschlägigen Verhältnissen auf das Genaueste vertraut ist, so dürfte wohl in diesem Unternehmen jede wünschenswerthe Garantie geboten werden.

Die Herren G- L- Daube & Co. in Paris, 31 bis Faubourg Montmartre, deren rastlose Thätigkeit und Fachkenntntß es gelungen ist, unterstützt von dem Wohlwollen der deutschen und ausländischen Presse, sich zu einer der bedeutendsten Firmen ihrer Branche an jenem Platze emporzuschwingen, und in deren Händen sich fast ausschließlich der Stoff sür ausländische Publicität concentrtrt, werden den die Ausstellung besuchen­den Deutschen mit Rath und Auskunft gerne an die Hand gehen und ihre langjährigen Erfahrungen daselbst in deren Interesse zur Verfügung stellen. Auch hierin erfüllt die strebsame Firma gewiß die Wünsche aller die Ausstellung Besuchenden.

Würzburg, 20. April. Wiederholt schon wurde auf die Resultate des Quellen- finderS Joseph Beraz in München htngewiesen. Wir können in unserer Stadt einen neuen Erfolg desselben verzeichnen. Das mit einer Wallfahrtskirche verbundene Kloster auf dem Ntkolausberge (Kappele") batte bisher für den eigenen Gebrauch und für die zahllosen Pilger nur Cisternenwasser. In diesem so fühlbaren Bedürfnisse wurde Hr. Joseph Beraz aus München berufen, um das Terrain des Klosters auf Quell­wasser zu untersuchen. Er bezeichnete an zwei Orten zwei verschiedene Quellen, die eine in einer Tiefe von ca. 95 Fuß- Da diese am passendsten gewesen war. so wurden hter die Arbeiten begonnen, und schon in einer Tiefe von 80 Fuß fand sich die Quelle, die beim Wettergraben immer stärker heroordrang, so daß die Grabungen eingestellt werden mußten. So besitzt jetzt das Kloster und der berühmte und beliebte Wallfahrts­ort einen Brunnen, der für seine Bewohner und die zahllosen Besucher eine mehr als hinreichende Menge frischen, klaren Wasser- liefert.

München. Einige Soldaten der 3. Eskadron des in Landshut garnisonirenden Kürassier-Regiments belustigten sich jüngst damit, den grellen Reflex der auf einen Handspiegel sollenden Sonnenstrahlen in die Zimmer eines gegenüber der Kaserne wohnenden Bürgers zu lenken und das blendende Spektrum dort herumtanzen zu lassen. Diese harmlose Spiegelfechterei hatte den Bürger so in Wuth versetzt, daß er sein Gewehr ergriff und einen Schuß in's Kasernenzimmer feuerte. Die volle Schrot­ladung traf einen Soldaten in's Gesicht.

(Unter Verkittung der Gratulation!) Ein Freund derLeipziger Volks­zeitung*, Besitzer einer Sammlung von allerhand gedruckten Kuriositäten, besitzt das Original der Geburtsanzeige, in welcher Herr Ferdinand v. Bismarck die erfolgte Geburt des jetzigen deutschen Reichskanzlers bekannt gibt. Die Anzeige lautet:

Entbindungs-Anzeige.

Die gestern erfolgte glückliche Entbindung meiner Frau von einem gesunden Sohne verfehle ich nicht, allen Verwandten und Freunden unter Verbittunz des Glück­wunsches bekannt zu machen.

Schönhausen, 2. April 1815. Ferdinand v. Bismarck*

(Was die Nase eines Mädchens w.rth ist.) Dec Appellationshof in Part- batte dieser Tage eine außerordentlich schwte ige Frage zu enticheiden. Die Pariser Omnibus-Gesellschaft war nämlich von einem Herrn Cambuzat v rklagt wcrven auf Ersatz für eine verlorene Nase. Fräulein Cambuzat, die Tochter des Klägers, befand sich in einem der Omniduswagen der Gesellschaft, als durch e nen Zu ammen- stoß eine Scheibe des Gefährtes zersp.itterte und die junge Dame an der Rate ver­wundete. Zuerst legte man der Verwundung keinerlei B-deukunz bei, aber später verschlimmerte sie sich auf einmal derart, daß eine starke Wunde ei.itra; um vag das Gesicht der Dame nach den abgegebenen ärztlichen Gutachten für alle Z t enistellt bleiben wird. In der ersten J istanz, vor dem Cioil - Tribunal, vrrlanzte H:rr Cum buzat 25,000 Fr. Entschädigung für seine Tochter. Die Omnibus GZellsch ist war überaus höflich und machte dem Fräulein Cambuzat allerlei Camp imente. Ad­vokat sagte, die junge Dame sei so schän wie jemals, ihre Rate sei durchaus nicht entstellt rc. Aber mit den Complimenten gina es doch nicht ab. Die erste Jistanz hatte entschieden, daß die Gesellschaft nur 1000 Fr. Schadenersatz zu oergü en hätte. Das Appellationsgericht aber hat diese Summe auf 5000 Fr. erhöht. Run weiß man doch wenigstens, was die Tadellosigkeit der Nase eines jungen MäocheuS ungefähr werth ist!

(Magyarische Justiz.) In der Gemeinde Meßtißno, Saroser Comstai, machren sich zwei Zigeuner, mit Säcken versehen, Nachts in der Absicht auf den Weg, die Kartoffelgrude eines bortv gen Einwohners zu öffnen, um ihrer hungernden Familie Nahrung zu bieten. Unterwegs jedoch nahm sie ein Bauer wahr und beobachtete sie bis zu dem Augenblicke, da sie zu der betreffenden Grube gelangten. Nun meldete er dem Eigenthümer, was er bemerkt. Beide nahmen Aexre mit sichb- eilten zu der Orube und trafen richtig die zwei armen Teufel bei der Arbeit. Der Eigen- thmner der Kartoffeln schlug nun dem einen, neben der Grube stehenden Zigeuner mit der Axt so heftig auf den Kopf, daß dieser nur noch wenige Schritte weil bahinzutaumeln vermochte und Dann ohnmächtig niederfiel. Der andere Zigeuner, der in der Grube stand, wurde ebenfalls mit der Axt auf den Kopf geschlagen und dann in die Wohnung des Bauers geschleppt. Auf dm Lärm eilten die Nachbarn herbei, diesm wurde der eine Zigeuner zur Bewachung übergeben, während die beidenHelden" dahin zurückeilten, wo der andere Zigeuner niedergefallen war. Sie fanden ihn noch lebend, zerrten ihn in bie Küche, wo der Eigenthümer der Kartoffeln ihm in Gegenwart der versammelten Nachbarn mehrere Axthiebe versetzte, bis er ihn vollends getödtet hatte. Dann gingen sie in das Zimmer, wo der andere Zigeuner von den Nachbarn gehütet wurde und schickten um den Richter. Der Zigeuner wurde gebunden. Die Bauern ließen Branntwein holen. Der arme Zigeuner, Later von fünf Kindern, jammerte und winselte: man möge mit ihm vor­nehmen, was man wolle, nur das Leben möge man ihm lasten, damit er für seine hungernden Kinder, und sei es bettelnd, Nahrung schaffen könne. Es nützt nichts, der Bauer schlug ihn in Gegenwart des mittlerweile herbeigekommenen Richters und 10 bis 12 Nachbarn nach mehr als einstündiger gemeinsamer Beratyung mit der Axt tobt und warf dann beide Leichen in den Schnee hinaus, eine Beute für die Hunde. . . Am dritten (1 !) Tage verfügte sich der Bezirks- rickter und der Bezirksarzt an den Thatort nahmen ein Protoeoll auf und ließen den Mörder in's Gefängniß bringen. Der Richter und die Bauern, welche der entsetzlichen Mordthat bei» wohnten, befinden sich auf freiem Fuße . . .

«(Excommunicirte Zeitungen.) In der Pfarrkirche eines Dorfes der Oberpfalz wurde am Sonntag den 24. März von dem Pfarrer Folgendes öffentlich von der Kanzel verkündet:Wer dieAugsburger Abendzeitung", dasRegensburger Tagblatt", ober dasAmberger Tagblatt" liest, wirb zur heurigen Osterbeichte nicht absolvirt. Absolvirt ber Geistliche einen Leser dieser Blätter, ohnezu wissen, daß der betreffende Sünder dieser Lectüre ergeben ist, so ist die Absolution ungiltig."

Literarisches.

Die Redaction der wohlbekannten Grieben'schen Reise-Bibliothek bereitet für die Pariser Welt-Ausstellung ein praktisches Reisehandbuch vor, welches den Besuchern derselben einen erwünschten Wegweiser sowohl für die Ausstellung selbst, wie auch für Paris bieten wird. Daraus ist nun soeben derjenige Theil, welcher Paris und Umgebungen behandelt, mit neuen Karten und Plänen, zu dem überaus billigen Preise von 1 50 $ erschienen. In diesem praktisch und übersichtlich angelegten

Buche ist auf dem oerhältnißmäßig geringen Raum von 10 Bogen das riesenhafte Material in einer so geschickten Weise geordnet, daß der Reisende auch während eines längeren Aufenthaltes durch treuliches Befolgen der erlheilten Rathschläge eine merkliche Ersparniß an Zeit und Geld machen dürfte. Wir heben besonders die ungemein Über­sichtliche Angabe der Hotels, Restaurationen und der Omnibus-Linien hervor. Letztere, einfach mit Buchstaben bezeichnet, sind in einer alphabetischen Zusammenstellung der Plätze, Sehenswürdigkeiten und Denkmäler so angegeben, daß der Fremde sich durch die beigegebenen Buchstaben sofort über die betreffenden Omnibus-Linien orientiren kann. Der die Ausstellung selbst betreffende Abschnitt des praktischen Reisehandbuch- wird im April erscheinen. Wir empfehlen diesen Führer (Berlin, Albert Goldschmidt) allen Besuchern der Weltausstellung auf's Wärmste.

Jlluftrirte Jagdzeitung. Organ für Jagd, Fischerei und Naturkunde. Heraus­gegeben vom k. Oberförster H. Nitzsche. 8. Jahrgang. Nr. 13 enthält: Zur Hunoe- aufzucht von H. v. Clausewitz. Eine seltene Doublette von Graf Reichenbach. Schnellzündung und Durchschlag. Die Platzkugel von v. Frankenberg Ludwigsdorff. Zur Auerhahnbalz mit Illustration u. s. w. Verlag von Schmidt & Günther in Leipzig. 3 halbjährlich.

Als Anhang dazu erscheint:

Bibliothek für Jäger und Jagdfreunde. Von erfahrenen Fachmännern herauSgegeben. 7. Lieferung: Die Jagdzonen der Erde von vr. Foichtinger. Jährlich 12 Hefte, 6 pro anno. Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehmen Be­stellungen an.

Georg GberS Aegypten. Wir erhalten soeben den Prospectus eines neuen, hervorragenden Werkes, das in den nächsten Tagen bei Eduard Hallberger in Stuttgart erscheinen wird und bei welchem nach der vorliegenden Probe der be­rühmte Verfasser, eine Reihe erster Künstler und der Verleger in edlem Wetteifer bestrebt sind, ein Prachtwerk im vollsten Sinne des Wortes zu schaffen. Der Titel des Werkes ist: ^Aegypten in Bild und Wort, dargestellt von unseren ersten Künstlern, beschrieben von Georg GberS*.

Da ja ohnehin jetzt Aller Blicke nach dem Orient gerichtet sind, so kommt das Prachtwerk eben recht, um der gebildeten Welt von dem Wunderlande Aegypten zu erzählen, und wahrlich einen besseren Erzähler als Georg EberS, den gelehrten Dichter, der sein reiches Wissen in so schöne Sprache, so ansprechend zu kleiden versteht, kann das Land der Pharaonen nicht finden.

Ebers Aegypten" wird unzweifelhaft ein Werk werden, das unserer deutschen Literatur zur Ehre gereicht und das einer glänzenden Aufnahme bei allen Gebildeten um so mehr sicher fein darf, als es bei der prachtvollen Au-statttung doch Verhältnis mäßig billig ist. Dasselbe wird in ca. 36 aufs reichste illustrirten Lieferungen von V 5 Bogen größt Folio erscheinen, und es wird die Lieferung nur 2 kosten.

Irischbäcker in Gießen.

Sonntag ben 28. Ap ril Ludwig Krouebcrg, Neustadt, Hermann Vogt, Selterswea, Gustav Eger. Lindenplatz.

Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst.

Sonntag den 28. April. Morgens: Pfarrvicar Schöner. Nachmirtags: Mitprediger Drescher.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 28. April bis 4. Mai besorgt Pfarrer Schlosser.

Künftigen Sonntag den 5. Mai wird das h. Abendmahl gefeiert werden.