Ausgabe 
26.10.1878
 
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Samstag, den 26. October

1878. .

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Aussige- uni AmtsMt für iicn Kreis Gieße«

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Gießen, den 23. October 1878.

se Nr. 9,

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Zur allgemeinen politischen Lage.

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habe. (Siehe Folgendes unter Darmstadt D. R)

(Fr. Journ.)

Starck, zu beauftragen, die Leitung des Ministeriums der Justiz einstweilen

(Darmst. Ztg.)

übernehmen.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringersohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

canco ins Hau5 ptobttt ylieferf, durch den

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Darmstadt, 24. October. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben geruht, durch Allerhöchstes Decret vom 23. October er. den Präsidenten des Ministeriums der Justiz, Wirklichen Geheimen Rath Georg Kempfs auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ausgezeichneten Dienste und unter Verleihung des Großkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen, in den Ruhestand zu versetzen, und durch Allerhöchste Cabi- netsordre von demselben Tage dem Präsident des Gesammtministertums, Mini­ster des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern, sowie des Innern, Frhru.

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stand gegen die Kaisermächte, als eine gewinnreiche Betheiligung an der türki­schen Beute zu erwarten. Italien wird sich, sobald es zu der Ueberzeugung gelangt, daß Deutschland keinen Frieden mit dem Vatican schließt, um so enger an das Deutsche Reich und dessen Freunde anschlreßen. Frankreich ist und bleibt allerdings für uns ein schwarzer Punkt am politischen Horizont. Aber die inneren Streitigkeiten, von denen das Land unter dem Einflüsse Gambetta's in naher Zukunft bedroht scheint, werden schon dafür sorgen, daß der böse Nachbar uns nicht allzu gefährlich wird. Mit beit- Ultramontanen innerhalb des eigenen Landes und der ganzen reichsfeindlichen Gesellschaft wird die deutsche Reich^regierung schon fertig zu werden wissen. Kurz, wir glauben nach wie vor ohne allzu große Sorge in die Zukunft blicken zu dürfen, um so mehr, da die Völker und Regierungen Europas durch den noch immer auf der wirth- schaftlichen Lage lastenden Druck gezwungen sind, sich vor muthwilligen Frie­den s st örungen zu hüten.

Deutschland.

Darmstadt, 22. October. Während bis vor Kurzem die Annahme begründet erschien, oaß der bisherige Präsident des Justizministeriums, Kempff, noch bis zur Einführung der Reichsjustiz-Gesetze in seiner bisherigen Stellung verharren werde, um erst dann in Gemäßheit der beabsichtigten Vereinfachung der Staatsverwaltung in den Ruhestand oder in eine andere Stelle zu treten, erfährt man jetzt, daß der Genannte die vor Kurzem erbetene Entlassung er­halten und sich bereits von den Beamten des Justizministeriums verabschicdet

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Kops zu stoßen.

Auch sonst ist Zündstoff genug in Europa vorhanden. Die Ernennung M Preußenfetndes Grafen Beust zum österreichischen Botschafter in Paris, die Ministerkrtsen in Oesterreich und Italien, die Empfindlichkeit der französischen Regierung über die Aeußerungen des Fürsten Bismarck im Reichstag, die Ge- Mte über eine Verlobung der dänischen Prinzessin Thyra mit dem Prinzen ?oui8 Napoleon oder dem Sohne des verstorbenen Königs von Hannover, end Ich die trotz aller persönlichen Friedfertigkeit des Papstes feindselige Haltung 6er Centrumspartei gegen die Reichsregierung Alles dies deutet darauf hin, dch hinter den Coulissenetwas vorgeht."

Wir wiederholen indeß, daß man sich durch alle diese Symptome nichr allzusehr ängstigen lassen darf. Die Verblendung der Pforte scheint allerdings bei; Auflösungsproceß, der das osmanische Reich in Europa bedroht, mehr zu beschleunigen, als irgend Jemand nach dem Berliner Congreß ahnen konnte. Htr die Natur der Verhältnisse bringt es glücklicher Weise mit sich, daß die ! entscheidenden Faktoren in diesem Proceß, Rußland und Oesterreich, diesmal Pifot gegen, sondern mit einander wirken und dadurch jede den Weltfrieden bedrohende Einmischung von dritter Seite her unwahrscheinlich machen. Für Ocherreich sind, so lange die orientalische Frage nicht gelöst ist, alle Jntriguen Westen Europas ein Ding der Unmöglichkeit. Von England, welches zudem Sm ug zu thun hat, um Indien zu schützen, ist nach den Erfahrungen des letzten Wahres im entscheidenden Augenblick, aller Redensarten von der Nothwendigkeit btr Erhaltung des Türkenretches ungeachtet, nicht sowohl ein activer Wider-

Kesternich.

Wien, 23. October. Gestern Nachmittag fand bei dem Finanzminister Pretis eine Conferenz zahlreicher hervorragender Mitglieder beider Häuser

des Parlaments von allen Schattirungen der Verfassungspartei statt. De Preus eröffnete die Versammlung mit der Mittheilung des kaiserlichen Auftrags, ein Cabtnet zu bilden. Bevor er daran gehe, wolle er die Zustimmung derVerfaffungs- partet für sein Programm haben. Dasselbe enthalte vier Hauptpunkte: In der Occupationsfrage sei er für möglichste Beschränkung der Occupation und für keine weitere Ausdehnung derselben. Die Kosten der Verwaltung der occupirten Länder werde für 1878 und 1879 noch das Reich, von 1880 angefangen die occup'.r- ten Länder selbst tragen müssen. Die Occupation solle nur so lange dauern, bis die Ruhe hergestellt und bis die Kosten wieder hereingebracht seien.

Der zweite Punkt sei das Wehrgesetz: Er wünsche dasselbe auf ein Jahr proloKgirt wegen der militärischen Situation und weil das Mandat der Abge­ordneten im nächsten Jahre erlösche. Bezüglich des dritten Punktes, des Bud­gets, sprach der Minister die Erwartung aus, daß, falls es nicht möglich, das­selbe noch in diesem Jahre zu vottren, ihm ein dreimonatliches Provisorium bewilligt würde. Den vierten Punkt, die Steuerreform anlangend, so hoffe er zwar nicht auf die Möglichkeit, dieselbe noch in diesem Jahre durchzuführen; er wünsche aber die Zuendeberathung derselben bis auf das Einführungsgesetz, das dem neuen Parlamente überlassen bleiben solle. De Pretis ersuchte schließ­lich, ihm beschleunigt die bezüglichen Clubbeschlüffe mitzuthetlen. Wenn fern Programm angenommen werde, so werde er sich der Aufgabe, ein neues Cabi- net zu bilden, unterziehen. Hierauf entwickelte sich eine dreistündige Debatte über sämmtliche vier Punkte, namentlich über die Occupationsfrage, worauf die

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Betreffend: Die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir fordern Sie unter Bezugnahme auf Art. 11 des Gesetzes vom 6. Juni 1853 (Reg.-Bl. S. 453) hierdurch auf, das Brandkataster Ihrer Gemeinden mit dem Gemeinderath zu durchgehen und insoweit sich hierzu Anlaß bietet, die Gebäudebesitzer unter Hinweisung auf Art. 178 des Polizeistraf- oesetzes zur Stellung von Anträgen auf Versicherung neuer Gebäude oder auf Erhöhung oder Herabminderung der Versicherungsanschläge solcher Gebäude, welche in ihren Hauptdimensionen wesentlich erweitert oder verringert worden sind, zu veranlassen, auch diesen Anträgen entsprechend das gesetzliche Verfahren einzuleiten und uns die entstehenden Verhandlungen demnächst vorzulegen.

Ueber das Ergebniß jener Durchgehung wollen Sie alsbald und ohne die Erledigung des Declarationsversahrens abzuwarten, berichten, dabei aber zugleich angeben, inwieweit die Gebäudeeigenthümer Ihrer Aufforderung zur Stellung von Versicherungsanträgen Folge geleistet haben.

Dr. Boekmann.

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Die allgemeine politische Lage ist in der letzten Zett wieder recht ver­wickelt geworden. Die Beziehungen Oesterreichs zur Türkei haben sich durch die scha'fe Note, in welcher Graf Andrassy die Vorwürfe der Pforte zurückge­wiesen, begreiflicher Weise nicht verbessert. Das vollständige Schweigen dieser Note über den wichtigsten Punkt, den wetteren Vormarsch der Armee nach Süden, läßt dte vorhandene Spannung deutlich genug hervortreten. Man ist eben österreichischersetts entschlossen, das durch den Berliner Frieden zuerkannte

I. ab Milch Recht auf Besetzung des Bezirks von Novibazar erforderlichen Falls auch ohne Zustimmung ccr Pforte auszuüben. Die theilweise Demobtlisirung der Occu Mions-Armee dient offenbar nur dazu, um die Parlamente in Wien und Pesth zu der Bewilligung der erforderlichen Geldmittel geneigter zu machen und sie kann gegenwärtig auch um so unbedenklicher vorgenommen werden, da weitere mllt- lmsche Operationen doch nicht wohl vor dem Frühjahre vor sich gehen könnten. Die Pforte fährt denn auch in Vorahnung der ihr drohenden Gefahr fort, Truppen nach der bosnischen Grenze zu dirigiren. Gleichzeitig soll durch die Truppen Concentrirungen im Westen Griechenland im Zaum gehalten werden, renn die Griechen sind keineswegs gesonnen, auf die ihnen vom Congreß zuge- Migte Grenzberichtigung zu verzichten; ihre Absicht geht vielmehr dahin, sich ihr Recht nöthigenfalls mit Gewalt zu erzwingen.

Nicht minder schlimm steht es um das Verhältntß der Türket zu Rußland. Da die Pforte nämlich mit dem definitiven Abschluß des russisch-türkischen Separatfriedens zaudert, so hat Rußland in Konstantinopel in aller Form erklärt, daß es seine Truppen erst drei Monate nach Unterzeichnung dieses Friedens aus dem türkrschen Gebiet zurückziehen werde, und die Pforte hat ihrerseits nicht angestanden, diese Erklärung den Mächten zu benunciren. Die zwischen Rußlanb und ber Türkei eingetretene Spannung hat endlich ihre Rück- virkung auf bas Verhältniß der nordischen Macht zu England nicht verfehlt. Die englische Regierung hat sich nämlich gedrungen gefühlt, den Rückmarsch ber russischen Truppen in der Richtung auf Konstantinopel zum Gegenstände er ster Vorstellungen in Petersburg zu machen und nachdrücklich zu betonen M sie auf einer pünktlichen Innehaltung ber im Berliner Vertrag festgesetzten liäumungsfrist unb überhaupt auf einer stricten Ausführung aller Bestimmun jtn des Berliner Friebens unter allen Umstänben bestehen müsse; bie englischen Minister haben sich sogar beeilt, ihrer mißtrauischeli Gesinnung gegen Rußland «ich durch öffentliche Reden Ausdruck zu geben und die Türkei dadurch ebenso tyr in ihrer Hartnäckigkeit zu bestärken, wie der russischen Regierung vor den