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demonstrirten südlich den türkischen Stellungen gegenüber, während die Haupt­macht, darunter 18 Batterien, nordostwärts blrigtrt wurde. Zugleich verbrei tete sich das Gerücht, die Kosaken wollten Pirmdsikeoi besetzen, worauf der Sultan den Befehl erließ, die Besetzung Pirindsikeois eventuell mit Waffenge­walt zu verhindern. In Folge dieses Befehls wurden an die türkischen Truppen auf der ganzen Linie Patronen vertheilt und mehrere Batterien nordwärts ent­sendet. Am Samstag standen sich beide Armeen so feindselig gegenüber, daß es nur des geringsten Anlaffes bedurft hätte, um einen blutigen Zusammenstoß hervorzurufen. Ueberall war die Nachricht verbreitet, daß die Ruffen sich der europäischen Seite des oberen Bosporus bemächtigen wollten. Labanoff ver­sicherte den Sultan bei der Antrittsaudienz der friedlichen Gesinnungen und Absichten Rußlands.

Arankreich.

Paris. Eine Verordnung des Polizeipräfekten verbietet das Rauchen in den Ausstellungspalästen des Champ de Mars und des Trocadero, sowie in, allen Nebengebäuden.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr» Uorrespondenr-Bureau»

Berlin, 21. Mat. Sitzung des Reichstags. Dritte Lesung der Rechtsanwalts­ordnung. Zu 8 7 (Lokalisimng der Rechtsanwälte) erklärt Saatssekretär Friedberg, der ganze Entwurf fei für die Bundesregierungen unannehmbar, wenn dieser Paragraph nach den Beschlüssen der zweiten Lesung aufrechteihcilten werde. Die Bundesregierungen seien indeß mit dem bereits bei der zweiten Lesung etngebrachten, jetzt wiederholten Amendement Lasker-Struckmann (die Zulassung erfolgt bet einem bestimmten Gerichte; Handelskammern, welche ihren Sitz an einem anderen Orte als an dem Landgerichts- fitze haben, sind als besondere Gerichte anzusehen) einverstanden. In der hieran ge­knüpften längeren Debatte sprechen Lasker, Staudy und Holder für den Lasker'schen Antrag, Pfafferot und Wtndthorst für die Beschlüsse der zweiten Lesung. Das Haus nimmt das LaSker'fche Amendement an. Die folgenden Paragraphen bis 104 werden unverändert resp. in der dem Lasker'schen Amendement zu 8 7 entsprechend modifictrten Weise angenommen. 8 104 a (die Landesjufttzverwaltung ist für drei Jahre ermächtigt, Rechtsanwälten die Zulassung bei einem anderen Gerichte zu versagen, wenn bet dem Gerichte, bei dem sie zugelaffen sind, nicht ausreichend Rechtsanwälte vorhanden sind) wird des Widerspruches des Bundescommtssars ungeachtet gestlichen. Der Rest des Gesetzes mit der Resolution betreffend eine einheitliche Regelung des juristischen Prüfungswesens wird unverändert genehmigt.

Die Gertchtskostengesetze werden nach kurzer Discussion, wobei die Württemberger Schwarz und Payer sich gegen dieselben, als die Prozeffe vertheuernd, au?sprechen, auf Antrag Marquardsens in dritter Lesung en bloc angenommen Es folgt h'.erauf die dritte Berathung der TabakS-Enquete-Vorlage. Retchensperger gegenüber resumtri der Minister Hofmann die von ihm und dem Finanzminifter bet der zweiten Lesung abgegebenen Erklärungen. Hierauf wird 8 1 mit geringer Majorität, 8 2 (die Auf­bringung der Kosten betreffend) mit 141 gen 123 Stimmen genehmigt. Ferner werden in dritter Lesung der Ausitrferungsveltrag mit Spanten, dte Vorlagen betreffend die Uebernahme der bisher aus den Landesfonds gezahlten Pensionen auf das Reich und die Revision der Servtstartfe ohne Debatte angenommen. Die dritte Berathung der Gewerbegerichtsvorlage beginnt bei dem an dte Commission zurückgewiesenen 8 8 (die Wahl des Vorsitzenden.) Die Commission hat sich über einen Beschluß nicht zu einigen vermocht. Minister Hofmann erklärt das Gesetz bet der Aufrechterhaltung des Beschlusses der -wetten Lesung zu 8 8 für unannehmbar. Ein Compromißantrag Gensels wird abgelehnt, ebenso der Btschluß der -wetten Lesung. Präsident v. Forckenbeck erklärt hiernach den Gesetzentwurf für gescheitert, weßbalb die Werterberathung fortfällt. Die Novelle zur Gewerbeordnung wird in der Gesammtabsttmmung angenommen. Zu -wet Berichten der Reichsschulden-Eommission wird Decharge erthetlt- Nächste Sitzung Donnerstag. Auf der Tagesordnung derselben steht dte Berathung über die Vorlage -ur Abwehr der soctaldemokrattschen Ausschreitungen.

Konstantinopel, 21. Mai. Vor dem Palast Tscheragan fand am Montag ein tumultuarischer Auflauf von Flüchtlingen, welche dem Sultan eine Petition überreichen wollten, statt. Dte Ruhe wurde indeß noch vor der An­kunft der Polizei wieder hergestellt.

London, 21. Mai. In Parlamentskreisen nimmt man an, daß die Debatten bezüglich der Resolution Hartington's bis zum Donnerstag dauern werden.Times" meldet aus Philadelphia, die Russen hätten den Dampfer Columbus" von der New-Aork-Havannah-Linte für 300,000 Doll, gekauft.

London, 20. Mat, Abends. Bet Begründung der vorgeschlagenen Resolution betreffs der indischen Truppen erklärte Hartington: Er beschränke sich auf die constttutionelle und finanzielle Seite der Frage und sehe davon ab, auf die Besprechung der orientalischen Politik der Regierung etnzugehen, da er Angesichts der schwebenden Verhandlungen der Regierung keine Verlegenheiten zu bereiten wünsche. Colonial-Minister Hicks Beach befürwortete sein Amende­ment, verchetdigte die Regierung und forderte das Haus auf, durch Ablehnung der Resolution Hartington's seinen Patriotismus zu bekunden und sein (Beack's) Amendement mit größter Majorität anzunehmen, damit dte Welt zukünftig wtffe, England habe in Zeiten der Gefahr stets aus die geeinigte Nation zu rechnen. Harcourt trat für Hartington's Resolution ein. Stanhope sprach für die Regierung, worauf dte Fortsetzung der Debatte aus morgen ver» tagt ward.

Im Oberhause trat Lordkanzler Cairns den Ausführungen Selborne's entgegen und rechtfertigte das Verfahren der Regierung. Cardwell und Gran« Ville vertheidigten das Verhalten der Opposition und erklärten, daß sie kein Tadelsvotum beantragten. Granville äußerte noch, er gebe zu, daß große Noth- sälle eintreten könnten, in denen die Regierung aus eigene Verantwortung han­deln müffe, er bestreite aber, daß gegenwärtig ein derartiger Fall vorliege. Beaconsfield verfocht den Standpunkt der Regierung und schloß mit folgenden Worten: Der Regierung seien gegenwärtig die Lippen geschloffen, und sie könne augenblicklich ohne Schädigung der Staatstntereffen ihre Politik nicht darlegen. Ihr einziges Ziel sei immerdar gewesen: Sicherung der Segnungen des Friedens, Wahrung der Freiheit Europas und Behauptung der gerechten Position Englands. Die Regierung sei auch gegenwärtig bemüht, diese großen Ziele zu erreichen. Wenn die Zett komme, wann die Regierung ihre Politik darlegen könne, werde es sich zeigen, daß das, was geschah, in dem Glauben ausgesührt sei, daß es zum Besten des Staates ausschlage. Obschon ange­griffen, müffe die Regierung jetzt schweigen, da sonst das Staats-Jntrr'effe nur Schaden leiden dürfte. (Lauter Beifall der Regierungspartei). Damit wurde Selborne's Antrag als erledigt angesehen. Das Haus vertagte sich aus morgen.

Blackburn, 20. Mai. Ein großes Meeting der strikenden Arbeiter nahm eine Resolution an, in welcher sie die Vorschläge der Arbeitgeber ableh. nen, sich aber bereit erklären, aus eine Lohnreduction von 5 pCt. einzugehen.

Paris, 21. Mai, Abends. Der Postcongreß hat den Entwurf des Postvertrags genehmigt. DerAgence Havas" zufolge überschreitet die durch­schnittliche Zahl der Besucher der Ausstellung an Sonntagen dte Zahl 100,000,

SS

Dampfer mit indischen Truppen sind heute in den Suez-Canal emgefahren einer derselben wurde in Quarantaine zurückgehalten wegen des Vorkommen- von zwei Cholerafällen.

Der hiesige russische General-Consul Coumany ist nach Petersburg abgereist, wohin er von seiner Regierung berufen wurde. DieAg. Havas" will erfahren haben, Coumany werde an dem Eongreffe theilnehmen, sei es als Rath Gortschakoff's, sei es als zweiter Bevollmächtigter.

London, 21. Mai, Abends. Salisbury theilte dem Herzog von West­minster mit, er könne eine Deputation, die ihm eine Erklärung zu Gunsten des Friedens überreichen wolle, nicht empfangen.

ÄVren, 21. Mai. DtePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel, caß außer dem Vertreter Deutschlands auch dte Vertreter einiger anderen Mächte gegen die von der Pforte geplante Erhöhung des Einfuhrzolles zur Bedeckung der Kosten der Repatriirung der Flüchtlinge Einsprache erhoben hätten. Dieselbe Correspondenz meldet aus Bukarest vom 21., daß das 11. russische Armeecorps nach Bulgarien abrücken soll.

Wien, 21. Mai, Abends. Das hiesigeTelegr. Corresp.-Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 21. d. Abends: Ali Suavt Effendi, jenes Individuum, das gestern in den Palais Tscheragan eindrang, wurde getödtet. Bet einem Zusammenstöße mit den Truppen wurden 25 Personen getödtet und ebensoviel verwundet. Auch mehrere Soldaten blieben todt oder trugen Wunden davon. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.

Der ehemalige Sultan Murad erklärte, dem gestern entdeckten Complotte ganz fremd zu sein. Entgegen anderweitig verbreiteten Gerüchten wird ver­sichert, daß Murad sich gegenwärtig in einem zum Palais Dildiz-Kiosk, der Residenz des Sultans, gehörigen Kiosk befinde. In Folge einer Durchsuchung des Hauses Suavi Effendi'S wurden weitere Verhaftungen vorgenommen. In Folge der gestrigen Vorfälle ist der Marinemintster abzesetzt und Vessin Pascha zu seinem Nachfolger ernannt worden, lieber den Nachfolger des seit­herigen Knegsministers ist noch nichts bekannt.

Konstantinopel, 21. Mat. Einer von 5000 Flüchtlinge abgesandten, um Unterstützung bittenden Deputation sagte die Pforte die Lieferung von regelmäßigen Rationen zu.__

Lokal-Notiz.

Gießen, 22. Mai. AuS den Verhandlungen der Großher-ogl. Handelskammer. Sitzung am 11. Mai.

1) Auf die das Eisen-oll- und Etsenbahntarifwesen betreffende wiederholte Emzabe der Maln-Weser-Hütte zu Lollar wurde beschloffen, dte tn derselben enthaltenen Destderten, deren Berücksichtigung bereit« der Elsenbahntartfcommtfston empfohlen worden, auch Großherzozltchem Ministerium des Innern zur Kenntntßnahme und Befürwortung zu unterbreiten, soweit die von der Main-Wefer-Hütte geltend gemachten Wünsche mit dem von der Handelskammer vertretenen Standpunkt übereinftimmen.

2) Der dem Reichstag Ende vorigen Monats zur Beschlußnahme vorgelegte Entwurf eines Gesetzes, die Statistik deS auswSrtiqen Waarenverkehrs des deutschen Zoll­gebiets betreffend, veranlaßte die Handelskammer, eine Eingabe an den Reichstag zu richten, welche für die Beseitigung einiger Bestimmungen diese« Entwurfs ein­tritt. Zunächst ist es 8 7, der zu Bedenken Veranlassung gibt. Darnach sind die Anmeldestellen befugt, Maaren, für welche die vorgeschriebenen Anmeldungen fehlen, und vom Waarenführer nicht sofort beschafft werden können, bis -u ihrer Bei­bringung von der Weiterbeförderung zurückzuhalten, eine Bestimmung, die den Absender in zahlreichen Fällen schwer benachtheiltgen würde, ohne daß ihm die geringste Schuld zur Last gelegt werden könnte; denn, da nach 8 6 weder öffent­liche Transportanstalten, noch sonstige Fuhrunternehmer Güter, welche der Anmelde­pflicht unterliegen, ohne Anmeldeschein übernehmen dürfen, so wird sich der Absender gewiß nicht der sicheren Verweigerung der Uebernahme zur Beförderung aussetzen. Würde daher bet der Anmeldestelle der Schein nicht übergeben, so könnte derselbe nur durch die Schuld de8 Frachtführers oder mindestens unter seiner alleinigen Verantwortlichkeit nicht vorhanden sein. Hiernach würde es aber sicher ein Unrecht involoiren, wenn man für diese Unterlassung eines Dritten den Absender der Maare dadurch schädigen wollte, daß der Weitertransport der Sendung aufgehalten würde. Die Handelskammer glaubt, an Stelle dieser den Verkehr hemmenden Bestimmung die Vorschrift einer seitens de« Frachtführer« für die Nachlieferung der Deklaration zu leistenden (Kaution empfehlen zu sollen, oder etwa die Bestimmung, die Deklaration nicht dem Frachtführer, sondern dem inländischen Absender bei der ihm zunächst liegenden amtlichen Stelle aufzulegen, welche dann von dieser an die Anmeldestelle des Frachtführers zu übermitteln wäre.

Einen weiteren Anstand bietet 8 1° des Entwurf«, wonach von den schriftlich anzumeldenden Maaren ausschließlich zur Deckung der Anmeldekosten eine in die Reichskasse fließende statistische Gebühr erhoben werden soll- Auch diese Bestimmung ist eine nicht zu rechtfertigende Benachtheiligung de« Handelsstands, dem damit eine allgemeinen Reichszwecken dienende Steuer auferlegt wird, welche die Zoll­freiheit für viele Gegenstände illusorisch machen würde. Dem Versender wird hier zugemuthet, dem Frachtbrief, welcher Gewicht und Gattung des Versandsgegenstands bereits enthalt, noch eine vorschriftsmäßige Deklaration deizufügen, für welche obendrein noch eine Gebühr in Gestalt einer neuen Stempelsteuer erhoben werden soll, deren Ertrag nach den jüngsten Publikationen deS Kaiserlichen Statistischen Amttz mehr als 3 Millionen Mark betragen müßte, somit zugleich den für die ij errichtenden Anmeldestellen erforderlichen Kostenaufwand in bedeutendem Maße übersteigen und zum arößten Theil dem ReichSfisku« zu Gute kommen würde.

3) Einer Einladung des Vorstandes des Mittelrheinischen Fabrikantenoereins, an dessen Verhandlungen der nächsten Monatsversammlung, Mittwoch den 15. L Mts., thetlzunehmen, wird in Rücksicht auf die Wichtigkeit des Hauptoerhaadlungs- gegenständes, die Errichtung eines volkSwirthfchaftlichen Senats, entsprochen, und der Präsident der Handelskammer ersucht, dieser Sitzung beizuwohnen.

4) Die Handelskammer zu Halle geißelt in einer Eingabe an den Ausschuß der Verkehrsinteressenten der deutschen Tartscommisston das Verfahren verschiedener Eisenbahnen, welche bei Wagenladungsgütern für das 5000 Kg bezw. 10000 Kg übersteigende Gewicht den Stückzutfrachtfatz in Anwendung bringen, und bittet nachstehenden Zufatzantrag zu einem am 28. Februar eingebrachten und dieffett« mitunterzeichneten Antrag unterstützen zu wollen:

In die Tarifoorfchriften für die allgemeinen Wagenladungsklassen beantragen wir nach dem Satze: .Von jedem Wagen wird die Fracht zu dem Satze der Klaffe A 1 nach dem wirklichen Gewicht, mindestens aber für 5000 Kg erhoben--, einzuschatten:frür das in den Grenzen der Tragfähigkeit des betreffenden Wagens (§ 52 deS BetrtebSrealementS) über 5000 Kg verladene Mehrgewicht kommt gleichfalls der Satz der Klaffe A 1 zur Anwendung", worauf der jetzig« Schlußsatz des alin. ju folgen hätte:Ergiebt jedoch die Berechnung für lOOMKg dem Satze »der Klasse B eine geringere Fracht, so kommt diese zur Erhebung."" Diesem Satze beantragen wir binzuznfügen:Bei Verladung von 10000 Kg auf einen Waaen kommt für das innerhalb der Tragfähiakeit des WaaeuS etwa überschießende Gewicht gleichfalls der Satz der Klaffe B zur Berechnung.""

Die Kammer beschließt in Anerkennung der vollen Berechtigung dcs Antrag« auch diesem Wunsche zu entsprechen.

8ehlfTHberleM. ll-tttgelheM von dem Ägeinen öes Rorvveulichen Lloyd C. W. Dietz tn Gießen.

Newyork, 20. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampffchiff Hohenzollern, Capt. F. Himbeck, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 5. Mai von Bremen und am 7. Mai von Southampton abgegangen war, ist gestern