ist die Besetzung unterblieben, weil die Bischöfe sich weigerten, den formellen Nct einer Anzeige der Besetzung bei dem Oberprästdenten zu vollziehen! Die Folgen, welche dem Verhalten der Ultramontanen vorausgesagt werden, daß sie die katholische Kirche in Preußen auf den Aussterbe Etat setzen würden, haben nicht auf sich warten lasten. Bekanntlich sind von den zwölf Bischofssitzen Preußens nur noch Kulm, Ermeland und Hildesheim besetzt. In Fulda ist wenigstens ein Bisthumsverweser.
Berlin, 22. December. Die Gemeinde-Commission berichtet durch ihren Referenten Abg. Knebel über die Petition von Fehrs und Genosten, Vorstehern des liberalen Vereins des Kreises Wetzlar, um Einführung bei Kreisordnung für die östlichen Provinzen im Kreise Wetzlar, bezw. Zutheilung dieses Kreises zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Die Commission beantragt, die Petition der Staatsregierung zur Erwägung bei der in Aussicht stehenden Reformgesetzgebung für die westlichen Provinzen zu überweisen.
Altona, 22. December. Die Nachricht von der Freilassung Hassel- mann's bestätigt sich nicht. Die „Hamb. Nachr." melden nämlich von hier: Nachdem die Rathskammer des hiesigen Kreisgerichts, wie mttgetheilt, den Erlaß eines Haftbefehls gegen den früheren socialdemokratischen Agitator Hastelmann abgelehnt, welcher wegen Vergehens gegen das Soctalistengesetz in polizeilichen Gewahrsam genommen worden, gelangte die Sache zur wetteren Entscheidung an das Appellationsgericht, welches dieser Tage einen Beschluß im Sinne der Rathskammer abgegeben hat. Die Oberstaatsanwaltschaft hat hiergegen die Berufung beim Obertribunal eingelegt und befindet sich Hastelmann demzufolge noch immer im polizeilichen Gewahrsam.
Hesterreich.
Wien, 20. December, Abends. Die „Preste" meldet: Der Dirigent der Brünner Filiale der Creditanstalt, Soukup, welchem die Troppauer Agentur untergestellt war, wurde in Folge der Troppauer Defraudation suspendirt.
Wien, 21. December. Das Abgeordnetenhaus hat heute die Verlängerung des Wehrgesetzes nebst einem Anträge auf Einbringung einer neuen Vorlage bei Beginn der nächsten Session und mit einer Resolution, welche die Herabminderung des Heeresaufwandes für die Zukunft ermöglichen soll, angenom. men. Ferner wurde das Rekruten-Contingent für 1879 bewilligt. Der deutsche Handelsvertrag wurde mit der Resolution Pacher's betreffs des Appreturver- fahrens und der Entwurf bezüglich Vorkehrungen wegen des italienischen Handelsvertrages ohne Debatte angenommen.
Italien.
Rom, 20. December, Abends. Deputirtenkammer. Ministerpräsident de Pretis zeigt die Bildung des Cabinets an und erklärt: Er könne augenblicklich ein vollständiges Programm nicht entwickeln; die Mitglieder des Cabi- nets indeß seien bekannt; dieselben würden ihren bisherigen Prtncipien treu bleiben. Doch halte er es für nothwendig, schon jetzt einige Punkte des ministeriellen Programms darzulegen. Das Cabinet werde die öffentliche Ordnung aufrechterhalten durch feste Handhabung der bestehenden Gesetze, werde um Berathung des Gesetzes, betr. die Eisenbahnbauten, ersuchen, das Gesetz wegen Abschaffung der Mahlsteuer befürworten, das finanzielle Gleichgewicht anstreben und eine Vorlage bezüglich einer weitgehenden Wahlreform etnbringen. — Der Finanzminister legt einen Gesetzentwurf betreffs provisorischer Finanzgebahning während 2 Monate vor, für welchen die Dringlichkeit beschlossen wtro. — Im Senat werden von de Pretis die gleichen Erklärungen abgegeben. — Maze de la Roche ist zum Senator ernannt.
Asten.
Jellalabad, 20. Decemaer. (Officiell.) Jellalabad ist heute besetzt worden; von den Einwohnern wurden die Truppen freundlich ausgenommen. Hier herrscht Ruhe, über Jellalabad hinans und in Kabul Anarchie.
Sdlfuttd, 21. December. (Officiell.) General Roberts ist gestern nach Kurum zurückgekehrt.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Torrespondenz-Bureau.
Berlin, 23. December. Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht ein über zwei Spalten füllendes Schreiben des Reichskanzlers an den Bundesrath, dattrt von Frtedrichsruh, 15. Dec., worin derselbe die Gefichtspunkte darlegt und zur Erwägung stellt, welche ihm bet Revision des Zolltarifs als leitende vorschweben, in deren Richtung er amtlich zu wirken bestrebt sei. In dem Schreiben heißt es unter Anderem: In erster Linie stehe für den Reichskanzler das Jntereffe der finanziellen Reform: die Verminderung der dtrecten Steuerlast durch Vermehrung der auf tndirecten Abgaben beruhenden Einnahmen des Reiches. Es beruhe nicht auf Zufall, daß andere Großstaaten, zumal solche mit weit vorgeschrittener politischer und wtrthschaftlicher Entwickelung die Deckung ihrer Ausgaben vorzugsweise in dem Ertrage der Zölle unb inbtrecten Steuern suchen. Am meisten litten unter ben birecten Steuern gegenwärtig bte Mittelklaffen, beten Einkommen sich etwa bis 6000 Mk. bewegt, welche durch execu- torisch beigetriebene ober über ihre Kräfte gezahlte directe Steuern noch häufiger als bie Angehörigen ber untersten Steuerklaffen in ihrem wirthschaftlichen Bestaube untergraben würben. Nicht in einer Vermehrung bet für bte Zwecke des Reiches unb der Einzelstaaten nothwendtgen Lasten, sondern in ber lieber- tragung bes größeren Theiles der unvermetbltchen Lasten auf bte weniger drück, r- ben inbtrecten Steuern bestehe bas Wesen ber Ftnanzteform, zu bereu Verairk- ltchung auch bie Revision des Zolltarifs dienen solle. Es empfehle sich, nicht mit höheren Zöllen zu belegen, sondern zum Prtnctp der Zollpflichtigkeit aller über die Grenze eingehenden Gegenständen zurückzukehren. Von dieser allgemeinen Zollpflicht würden diejenigen für die Industrie unent bchrlichen Rohstoffe auszunehmen fein, die in Deutschland gar nicht oder nur in ungenügender Quantität oder Qualität erzeugt werden können. Alle nicht besonders ausgenommenen Gegenstände sollten mit einer Eingangsabgabe belegt fein, die nach dem Werthe ber Maaren unter Zugrundelegung versch ebener Procentsätze je nach bem Bebarfe ber einheimischen Production abzustufen wäre. .5, mf^e^cn^e Vereinszolltarif enthalte neben reinen Finanzzöllen eine Reibe m äßiger Platzzölle für bestimmte Industriezweige. Eme Beseitigung ober Verminderung biefer Zölle werbe, zumal bei ber gegenwärtigen Lage ber Jnbustrie, nid)t rathsam erscheinen. Vielleicht werde sogar bei manchen Artikeln im Interesse einzelner besonders leitender Zweige der heimischen Industrie, je nach Etgebmß ber im Gange befindlichen Enqueten, bie Wiederherstellung höherer ober bie Er-
hühung ber gegenwärtigen Zollsätze sich empfehlen. Schutzzölle für einzelne Industriezweige aber wirken, zumal wenn sie das durch die Rücksicht auf den finanziellen Ertrag gebotene Maß überschreiten, wie ein Privilegium und begegnen reitens der Vertreter der nicht geschützten Zweige der Erwerbsthätigkeit der Ab neigung, welcher jedes Privilegium ausaesetzt ist. Dieser Abneigung werde ein Zollsystem nicht begegnen können, welches innerhalb der durch das finanzielle Interesse gezogenen Schranken der gesammten inländischen Production den Vorzug vor der ausländischen Production auf ben einheimischen Markt gewährt. Mit der Revision der Grenzzölle müsse die Revision ber Eisenbahntarife noth- roenbifl Hanb in Hanb gehen. Auf bie Dauer könne ben einzelnen StaatS- unb Privat-Eisenbahn-Verwaltungen nicht bie Berechtigung verbleiben, ber wirthschaftlichen Gesetzgebung des Reiches nach eigenem Ermessen Con- currenz zu machen, bte Handelspolitik der verbündeten Regierungen und des Reichstages nach Willkür zu neutraliftrcn und das winhschastliche Leben der Nation ben Schwankungen auszusetzen, welche im Gefolge hoher unb wechselnber Einfuhrprämien für einzelne Gegenstänbe nothwendig eintreten. — Lei ber bevorstehenben Revision könne nur unser eigenes Interesse maßgebend fein. Dieses Interesse führe vielleicht demnächst zu neuen Verhandlungen über Tarifverträge mit dem Auslande. Sollen aber solche Verhandlungen mit Aussicht auf glücklichen Erfolg für Deutschland begonnen werden, so sei es nothwendig, vorher auf autonomem D^ge ein Zollsystem zu schaffen, welches die gesammte inländische Production der ausländischen gegenüber in die möglichst günstige Lage bringt.
Basel, 23. December. Der „Schweizer Volksfreund" meldet: Bundesrath Scherer liegt hoffnungslos darnieder; sein Ableben wird stündlich erwartet.
— Der „Schweizer Volksfreund" meldet: Bundesrath Scherer ist heute Nachmittag halb 5 Uhr gestorben.
Pesth, 23. December. Das Unterhaus genehmigte den Handelsvertrag mit Deutschland in dritter Lesung. Weitere meritorische Berathungen des Hauses sollen bis zum 20. Januar nicht stattfinden, sondern nur Sitzungen zur Promulairung sanctionirter Gesetze gehalten werden.
London, 23. December. „Daily News" meldet aus Allahabad von gestern: Der Emir Schir Ali hat sich mit der russischen Gesandtschaft nach Balkh zurückgezogen. Das Land zwischen Djellalabad und Kabul befindet sich in völliger Anarchie. Die Zukkurkhels flüchten fich vor der Ankunft der briti scheu Truppen in das Gebirge. Ihre Forts und Häuser werden zerstört.
Bukarest, 23. Decbr. Die Regierung hat mit der Tabaksmonopol- Gesellschaft vorbehaltlich der Genehmigung der Kammern einen neuen Vertrag abgeschlossen.
— Die Deputirtenkammer beschloß anläßlich des Ablebens der Großher- zogin von Hessen einstimmig eine Beileidsadresse an die Königin Victoria.
Loka l-R o t t z.
Gießen, 24. December. Unsere Leser erinnern sich vielleicht noch eines Artikel« in diesem Blatte vom verflossenen Sommer, worin wir einer Erdhöhle und ihrer B--- wohner, einer armen Schreidersfamilie, erwähnten. Dieser von ber reinsten Menschen- liebe verfaßte und von un« auch in diesem Sinne aufgenommene Artikel gab bem Gemeinderoth zu Lauter, refp. einigen Mitgliedern desselben Veranlassung, eine Klage wegen Beleidigung gegen uns anzustrengen. Wir übergehen die Motive, welche vielleicht die betr. Herren geleitet haben mögen und begnügen unS bamit nachfolgende Verfügung, welche uns heute als Weihnachtsgabe infinuirt wurde, unseren Lesern mitzutheilen:
Betreffend: Untersuchung gegen Redakteur Adam Scheyda von Gießen und Lehrer Carl Sommerlad in Lauter,
wegen Beleidigung durch die Presse. Vers.
Wird, da nach dem Ergebniß der Untersuchung anzunehmen ist, daß ber in Rebe stehenbe Artikel beS Gießener Anzeigers zur Wahrnehmung berechtigter Interessen verfaßt worben ist unb weber au« seiner Form noch au« ben Umständen, unter welchen er geschrieben und veröffentlicht worben ist, eine Beleidigung des Anklägers unb beziehungsweise beL GemeinberathS zu Lauter sich ergibt, baS Verfahren eingestellt.
Gießen, ben 20. December 1878.
GroßherzoglicheS Stabtgericht Gießen.
, _ Oppermann.
Herrn Redactenr A. Scheyda dahier.
Jnsin. 24. December 1878. L^ng.
Gießen, 24. December. Der Tod halt noch zu Schlüsse des Jahres unerbittliche Ernte. So haben wir heute das Hinscheiden des Geh. Finanzraths Herrn Prof. Dr. Buff, eines hochverdienten Lehrers an unserer Hochschule, zu melden. Er ruhe in Frieden
--Die Prüfung der Freischule des Herrn Saßmannshausen, welche gestern Abend im Sitzungssaal der Stadtverordneten statthatte, war von zahlreich eingeladenen Herren vom Stavtvorstanoe und Freunden der Schule besucht. Das Institut zählt 44 Schüler, von welchen 28 die franz östschc und 16 die englische Sprache erlernen. In einer Ansprache dankte Herr Saßmannshausen den Erschienenen für das Interesse, welches sie am Institut be- kündeten und erläuterte in kurzen Umrissen das Entstehen, Reüssiren und den eigentlichen Zweck desselben. Die Prüfung selbst anlangend, lösten die Schüler ihre Aufgaben recht brav und zeigte überhaupt die ganze Art und Weise des Examens, daß im Institute mit Fleiß und gründlichem Wissen gelehrt wird und daß aufmerksame Schüler Vieles erlernen können. Zwanzig derselben wurden hierauf für ihre Leistungen prämiirt und erhielt den 1. Preis sowohl im Englischen wie Französischen Ludwig Weidig, Sohn des hiesigen Hauptsteueramtsdiencrs. Nach Schluß der Prüfung folgte eine Ansprache des Hern, Bürgermeisters, welcher sich sehr anerkennend über die Leistungen der Schüler und ihres uneigennützigen Lehrers auSsprach. Wir sagen hier uneigennützig und zwar deßhalb, weil den Schülern der Unterricht unentgeldlich ertheilt wird und der noch junge Leiter des Instituts nach der Berufs-Arbeit des Tages seine freie Zeit Abends zum Wohle der Schüler darbringt und dafür wohl deren Anerkennung aber auch »en anderer Seite Anfeindung und Verdächtigungen erntet. Doch möge dieses nicht hindernd für das Institut sein, sondern möge es sich immer weiter entwickeln als ein Glied unseres Gemeinwesens, welches in unserer Stadt für immer Stätte haben soll.
--Wir verfehlen nicht nochmal« darauf aufmerksam zu machen, baß für bie Feiertage ein Bemch im Wenzel'scheu Garten sehr anreg enb unb unterhaltenb sein wirb. Ein mächtiger Weihnachttzbaum reicht fast bi« zur Decke des großen Saale«, ge- 4'ert mit allem wa« an einen solchen Baum gehört- Unb nun noch bie prächtigen Gewinne, welche unter bem Baume auögebrettet liegen! Wer sich Kurzweil verschaffen will, versäume nicht ber Tomböla beizuwshneu unb sich hauptsächlich bte »Wiener Be
feuchtung" anzusehen, welche einen wahrhaft magischen Effekt heroorruft-
--Wir können beim Schluffe unserer heutigen Nummer nicht umhin unsere 'chönrn Lesei innen unb geneigten Leser auf bte frierenden unb hungernden Vögletn auf» wirksam zu machen. Bereitet baß Christkind un« Freude, Jedem nach seinem Wollen unb Können unb freuen wir un« de« Erhaltenen, so wollen wir barüber ber kleinen gefieberten Wett doch nicht vergessen wenn Flur unb Wald mit fußhohem Schnee zu- 0 deckt ist. Richten wir Futterplätze für biefelben ein unb tm Frühling, wenn KnoSpen unb Blüthen herom quellen, wirb un« reichlich Alle« ba« wieder vergolten, was wir jetzt an ben armen Geschöpfen tbun. Unseren Lesern wünschen wir aber vor Allem: Recht vergnügte Weihnachten!
Vermischte S.
Mainz, 20. December. Heute hat sich hier ein schreckliche« Unclück ereignet. Al« heute Mittag eine Anzahl Kinder eine« hiesigen Ji.stituts bie Schule verlassen
fiel pM die S^ße U aus sMtssenßel Ä-äJ S’S-*, _ 2ßir ßl feit -in'g» 3«**
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Vormittag an hiesiger Gei Die Gläubige werden aufgefoi ihre Ansprüche mit Beweismitle machen, widrig? auegeschlosien w
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