Telegraphische Depeschen.
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Wien, 22. October. Offictell. Laut Meldung des Generals Reinländer ist die Veste Kladus in der Kraina am 20. d. kampflos von den Truppen besetzt worden, welche dort eine Fahne, drei eiserne Kanonen und Munition vorfanden.
Berlin, 22. October. Das Socialtstengesetz ist, d. d. Potsdam, den 21. October, vom Kronprinzen unterzeichnet worden. Die amtliche Publication steht unmittelbar bevor.
Türkei.
Konstantinopel, 21. October. Layard empfahl dem Sultan die Genehmigung der Convention bezüglich Kretas. Hinsichtlich der in der astatischen Türkei einzuführenden Reformen entstand eine abermalige Verzögerung, da der Sultan den betreffenden Entwurf zurückgab und weitere Erläuterungen forderte.
Italien.
Rom, 21. October. Der König hat die Demission des Ministers des Auswärtigen, Corti, des Kriegsministers Bruzzo und des Martneministers Brocchetti angenommen. Ministerpräsident Cairoli wird am Dienstag hier eintreffen.
Rom, 21. October, Abends. Ministerpräsident Cairoli hatte heute in Monza eine zweistündige Conserenz mit dem Könige und kehrte darauf hierher zurück. — Einige Blätter vermuthen, Cairoli werde das Ministerium des Auswärtigen, General Dozza das Kriegs-, Admiral Acton das Marine-Ministerium übernehmen. — General Menabrea ist von Turin nach Monza abgereist.
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L o k a l - R o t t z.
Gießen, 23. October. Vor einer zahlreichen, aus Herren und Damen bestehenden Zuhörerschaft, hielt vorgestern Abend Herr vr. Martin PerelS den angekandtgtn öffentlichen Vortrag im hiesigen Kaufmännischen Verein über Träume, Sinnestäuschungen, Wahnsinn, Dämonomanie, und tm Anschluß das ffö5rfcnfplele von Robert Hamerun., und wurde derselbe mit Beifall ausgenommen. Glanzpunkte in demselben waren o äußerst lebhafte und naturgetreue Schilderung seiner eigenen früheren Hallucinattone-, nebst Angabe ihrer Veranlassungen und der Weise, wie er sie allmältg beherrschte, fow« der Bezeichnung der verschiedenen Arten von Halluctnattonen, ferner die wirklich meine- bafte Recitation des „Börsenspiels". Hätte der Vortragende nicht zu viel über m Orte, an welchen er Vorträge gehalten und über Persönlichkeiten, mit denen er verkehrte, in seine Darstellung der verschiedenen Seelenzustände, die dm Gegennoi o des Vortrags bildeten, einfließen lasten, und wäre er zugleich etwas mehr in dte wmc^ schaftltchen Erörterungen des Wesens dieser Seelenzustände eingeaangen, so würde vm» in freier, fließender Rede und in elegantem Styl gehaltene Vortrag auch in au- anderen Thetlen glänzend gewesen sein. Sein Inhalt war tm Ganzen recht interen-u und belehrend. (Von anderer Seite wird uns indeß weniger günstig über den £ •- tragmden berichtet. D. Red.) , zT1t , _
--der Woche vom 13. bis 19. October starben in Gießen 6 Person». Todesursachen waren: Lungenentzündung 1, Lungenschwindsucht 1, Her-iehler 1, Brigonio Nierenkrankheit 1, häutige Bräune 1. Sin Mann endete durch Selbstmord imProvn zialarresthauS-
heute: In Folge einer Aufforderung Rußlands hat Fürst Milan die unverzügliche Räumung der von den serbischen Truppen besetzten, zu Reu-Bulgarien gehörenden Ortschaften angeordnet. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Bukarest: In unterrichteten Kreisen wird versichert, die Beziehungen zwischen Rußland und Rumänien hätten in Folge der letzten Erklärungen von der rumänischen Ministerbank eine weitere Alterirung erfahren.
London, 22. October. „Standard" meldet über die Rede Tisza in der Sonnlags-Conferenz der liberalen Partei: Oesterreich-Ungarn wollte keine Cooperation mit Rußland Zwecks Theilung der Türkei; ebensowenig Krieg gegen Rußland zum Zwecke der Erhaltung der Türkei. Trotz der Sympathie für Die Tapferkeit der Türken hat Oesterreich-Ungarn doch kein Jntereffe daran, Die Verwaltung in der Türkei zu beschützen. Oesterreich hat Den Vertrag von San Stefano nicht angenommen, weil derselbe Die Existenz der Türkei unmöglich machte. Die Occupatioa Bosniens und der Herzegowina ist erfolgt, um Den Slavismus zu vernichten, der Oesterreich-Urgarn bedroht und um die Regeneration der Türkei zu erleichtern, falls diese noch lebensfähig genug dazu sei. Die Türkei allein habe die U rterzeichiung der Convention verhindert, Da Graf Andraffy bereit war, die Souveränität der Pforte anzuerkennen.
Genua, 21. October. Von einer Sendung Werthpapiere, welche seitens der F'.lrale der Nationalbank in Ancona nach Genua übermittelt wurde, sind 2i/2 Millionen Lire unterschlagen worden. Drei Beamte sind verhastet. Die Untersuchung ist im Zuge.
Madrid, 21. October. Die „Epoca" meldet aus Tanger, daß daselbst die Vertreter der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika von Marokkanern öffentlich beschimpft, Letztere aber unbestraft geblieben seien.
Petersburg, 22. October. Der „Regierungsbote" veröffentlicht folgendes Telegramm des Gouverneurs von Beffarabien, Generals Schebeko, an bet Kaiser, d. d. Ismail, 21. d.: Heute proclamirte ich feierlich die Vereinigung des rumänischen Beffarabien mit unserem Territorium. Die Zollgrenze ist bis zum Pruth und der Donau vorgeschoben. Das Territorium wurde durch bie rumänischen Delegaten uns offictell übergeben. Die Freude der Bevölkerung ist grenzenlos. Der Bischof von Kischeneff celebricte den^Gottesdienst, den Segen Gottes auf Ew. Majestät herabflehend. Sämmtliche Stände des Volkes drücken die loyalsten Gefühle für Ew. Maj. aus.
Paris, 22. October. Alle Journale billigen die Rede des Marschalls Mac Mahon.
Berlin, 22. October. Heute hat unter dem Vorsttze des Justizmtntsters eine Staatsministerial-Sitzung stattgefunden, in welcher in erster Reihe die zur Ausführung der Reichsjustizgesetze nothwendigen Landesgesetze berathen wurden.
London, 22. October. Die „Times" meldet aus Darjeeling von heute: Die militärischen Vorbereitungen werden sehr eifrig betrieben und alle Anstrengungen gemacht, die Organisation der Intendantur aufs Rascheste \u vollenden. Es werden aufs Eiligste die Truppen vorgeschickt, welche in erstn Linie stehen sollen. Alsdann werden Truppen masstrt, welche den Colonnen as Reserve dienen sollen, die gegen Afghanistan vormarschiren.
Paris, 22. October. Heute haben die Verhandlungen in Sichen bJ socialistffchen Arbettercongreffes begonnen. Angeklagt sind 38 Personen, darunter 3 Frauen, wegen des Vergehens unerlaubter Vereinigung. Der Hauptang!- klagte Finance verwahrt sich gegen die Behauptung, daß er Gela von da preußischen Socialisten zur Gründung eines Journals erhalten habe. De Vernehmung der übrigen Angeklagten ergeben Beziehungen zu auswärtiger Socialisten. Das Urtheil wird wahrscheinlich Donnerstag verkündigt werden Wien, 22. October. Ein Armee-Befehl des Kaisers spricht anläß't) i der Durchführung der Occupation und der bevorstehenden theilweisen Versetzurg Der 2. Armee in normale friedliche Verhältniffe dem Commandanten, da ; Generälen und Officieren, sowie der Mannschaft den Dank für die Pflichttreu!, den Opfermuth, die Ausdauer und das einheitliche Zusammenwirken Aller vn i ber Lösung der schwierigen Aufgabe aus. __.
sprechen. Auch dankt der Kaiser der Bevölkerung für die seinem Herzen wohl- thuende Theilnahme für die brave Armee, für ihre unbegrenzte Opferwilligkeit und Fürsorge für das Loos der Reservisten-Familien, für Verwundete und
Desth, 21. October. Die liberale Partei hielt gestern Abend eine ungewöhnlich stark besuchte Conferenz, mehr als 200 Abgeordnete waren erschienen. Tisza, bei seinem Eintritte mit lebhaften andauernden Eljenrufen begrüßt, gab eine längere Darlegung der auswärtigen Lage, welche von der Partei zustimmend zur Kenntniß genommen wurde. lieber die Mittheilungen des Minister-Präsidenten wird auf Wunsch deffelben Discretion beobachtet. Am Schluß der Conferenz constituirte sich die Partei, indem Gorove zum Präsidenten und Paul Szontag zum Viceprästdenten gewählt ward.
— Die Mehrzahl der Blätter constatirt, daß die unbestimmte Faffung der Thronrede der unbestimmten Lage entspreche. — Nach dem Pesther „Lloyd" sprach Tisza den Wunsch aus, daß ein Votum des Parlaments i« der Occu- pations-Frage vorliege, ehe die Delegationen meritorische Beschlüffe fasten. - Das Neue Pesther Journal" bezieht den Pastus bezüglich des rückständigen Theils" der Aufgabe aus Novibazar. — „Naplo" und „Koezvelemeny" bekämpfen scharf die etwaige Absicht der Regierung, dem Parlamente die Jngerenz auf die äußere Politik zu entziehen.
FraNkreich.
Paris, 21. October. Heute fand die Vertheilung der Anerkennungen an die Aussteller statt. Der Feierlichkeit präsidirte der Marschall-Präsident, in deffen Umgebung sich die Prinzen von Wales, Dänemark und Schweden, der Köniz Franz Assisi, ber Graf von Flandern, der Herzog von Aosta, sowie die Präsidenten beider Kimmern und die Minister befanden. Ja seiner Rede sprach der Marschall-Präsident den Fürstlichkeiten und den Vertretern sämtlicher auswärtigen Staaten seinen Dank aus, daß sie durch ihre Gegenwart zum Glaaze von Parts beitrügen. Sein Dank gebühre auch den Regierungen und Völkern dafür, daß sie durch ihren Eifer, sich an der Ausstellung zu be- theiligen, ihr Vertrauen bekundeten. Es sei zu coastatiren, daß ungeachtet der schmerzlichen Prüfungen, welche Frankreich durchmachte, und der ausgedehnten HandelSkrisis die Ausstellung von 1878 doch ihre Vorgängerin erreiche, wenn nicht gar übertreffe. Der Marschall danke Gott, der dem Lande zu feinem Tröste friedlichen Ruhm gab. „So konnte Frankreich zeigen, wie viel 7 Jahre der Sammlung und Arbeit vermochten, um schreckliche Unfälle wieder gut zu machen. Die Solidität seines Credits, die Reichhaltigkeit seiner Hülfsqaellen und die ruhige Haltung der Bevölkerung legen Zeugniß ab für die Organisation des Landes, welche Fruchtbarkeit und Dauer verspricht." Der Marschall- Präsident schloß seine Rede mit folgenden Worten: „Wir sind vorsichtiger und arbeitsamer geworden. Die Erinnerung an unser Unglück wird unter uns auch den Geist der Eintracht, die vollkommene Achtung der Institutionen und Gesetze, die glühende und uneigennützige Liebe zum Vaterlande erhalten und entwickeln." — Der Feier wohnte das ganze diplomatische Corps bei, mit Ausnahme des russischen Botschafters Orloff, welcher unpäßlich ist. D-r Zu- dranz des Publikums war enorm. Unter den bei Gelegenheit der Ausstellung decorirten Personen befindet sich Baron Erlanger, griechischer GenerakConsul in Paris, dem die Förderung der hauptsächlichsten Kabelverbindungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten, Algier und Dem Orient zu verdanken ist.
Petersburg, 22. October. „Golos" meldet: Gemäß einer Vorstellung des Zoll-Departements hat das Finanzministerium dem Reichsrathr einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach vom Jahre 1879 an die im Petersburger und Moskauer Zollamt übliche Extrasteuer von 2 pCt. pro Zollrubel aufge- hoben wird.
Stockholm, 22. October. Die Commandit-Grsellschaft Asp, Berger & Comp. (Großes Vermittlungsgeschäft für den nordischen Holzhandel) hat heute ihre Zahlungen eingestellt.
Berlin, 22. October, Rachm. 2 Uhr 43 Min. Das soeben auSgegebene Reichs-Gesetzblatt veröffentlicht das Soeialistengesetz.
— Fürst Bismarck ist heute Nachmittag nach Friedrichsruh abgereist.
— Der „Reichs-Anz." erklärt die MelDung mehrerer Blätter von Vergleichs-Verhandlungen der Regierung mit Den Agnaten der N^enlinien Des früheren Kurhauses über das sog. kurfürstliche Hausfioeicommiß für unbegründet. Seit der Abfindung der kurfürstlichen Familie im Einverständnisse mit deren gegenwärtigen Haupte, dem Vertreter der älteren Linie, durch den bekannten Vertrag von 1873, habe für die Regierung zu weiteren Verhandlungen mit den jüngeren Nebenlinien keine Veranlaffung Vorgelegen. Auch hätten solche nach Der Einleitung des von Letzteren anzestellten Prozesses nicht stattgesunden.
Wien, 22. October. Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad von
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England.
London, 21. October. Die „Times" meldet aus Darjeeling vom 20. d.: Die ganz unbelästigte Rückkehr des britischen Abgesandten aus Kabul scheint den Entschluß des Emirs anzudeuten, wenn auch nicht den englischen Forderungen stch vollständig zu unterwerfen, so doch wenigstens in Verhandlungen zur Vermeidung des sofortigen Ausbruchs des Kriegs stch etnzulaffen. — Die indische Regierung hat die Absicht eines Winter-Feldzuges vollständig ausgegeben.
— Mit der Meldung der „Times" aus Darjeeling scheint die Mitthei- lung des „Daily Telegraph" zusammenzuhängen, wonach die Staatssecretäre des Krieges und der Marine die anläßlich der afghanischen Verwickelung bereits aufgegebene Reise nach Cypern doch noch antreten; der erstere ist gestern nach Paris abgereist, um stch nach Cypern zu begeben; der Marineminister folgt morgen nach. — Bei einem am Sonnabend in der Nähe von Pontybrid stattgehabten Eflenbahn-Unfalle kamen 12 Personen ums Leben und wurden außerdem einige 40 verwundet.
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