Ausgabe 
24.5.1878
 
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zugegangenen Gesetzentwurfs zur Abwehr socialdemokratischer Ausschreitungen. Derselbe zählt nur 7 Paragraphen, stimmt im Uebrigen seinem Inhalte nach mit den bereits gemeldeten Angaben überein. Die Einbringung des Entwurfes, welcher wohl gleich Anfangs der nächsten Woche an den Reichstag gelangen dürste, wird selbstverständlich auf die bisherigen Dispositionen über den Schluß der Session einen abändernden Einfluß üben.

Hesterreich.

Wien, 18. Mai. DiePolit. Corresp." meldet aus Belgrad: Das serbische Ministerium überreichte dem Fürsten die Gerichtsacten der Toppola- Affaire. Ein beigefügtes Referat des Ministeriums empfiehlt die größtmögliche Milderung des gefällten Urtheils. Fürst Milan besuchte einige Minister, um den Gerüchten über die angebliche Entlastung des Cabinets entgegenzutreten. Bischof Stroßmeyer wird am 27. d. in Belgrad erwartet.

Dieselbe Correspondenz meldet aus Athen vom 18.: General Soutzo. sowie die beurlaubten griechischen Ofstciere sind wieder einberufen und an die Grenze beordert worden. Die türkischen Truppen in Thestalien haben sich in Volo und Salontchi eingeschifft, um theils nach Bosnien, theils nach Kreta zu gehen. Berichten derPolit. Corresp." aus Galatz zufolge unterhandelt dort der russische General wegen des Transportes der mit der Bender-Galatz-Eisen- bahn anlangenden russischen Truppen nach Giurgewo. Die russische Garnison in Galatz ist ungefähr 8000 Mann stark. Aus Jassy wird gleichfalls gemeldet, daß auf Grund des Uebereinkommens zwischen dem russischen Commando und der dortigen Eisenbahn, die Verwaltung täglich 9 Züge mit russischen Truppen in der Richtung gegen die Donau befördert. Mehrere mit Munition beladene, für San Stefano bestimmte Schlffe erhielten Contreordre und gehen nach Giurgewo. Ein neuer Sanitätstrain hat Jasty passirt.

Wien, 18. Mai. DiePresse" meldet aus Konstantinopel: Von hier gehen seit einigen Tagen fortwährend Lebensmittel- und Munitions-Transporte nach Varna ab.

Irankreich.

Paris, 18. Mai. DieR^publ. Francatse" schreibt: Die von dem Botschafter Grafen Schuwaloff erlangte Lösung ist die beste Genugthuung für bfe Wünsche Englands und der Westmächte und läßt in der russischen Regie­rung einen Geist der Mäßigung erkennen, welcher gute Aussichten auf die Zu­kunft erwarten läßt. Rußland tritt damit in das europäische Concert zurück, indem es sich den für einen Congreß unerläßlichen Bedingungen anschließt, welcher nicht mehr eine einfache Zusammenkunft von Diplomaten, sondern ein entscheidendes Tribunal sein wird. Die Anschauungen, welche anscheinend bei dem russischen Hofe Eingang gefunden haben, lasten sich als Unterpfänder der Beruhigung ansehen, die sehr günstig sind für den Ausgang des Congrestes.

Kngland.

London, 17. Mai. Heute fand Hierselbst ein Meeting statt, welchem Lord Carnarvon präsidirte, dastelbe will Vorkehrungen treffen, englische Ver­treter zu dem internationalen, im August in Stockholm tagenden Congreffe zur Verhinderung von Verbrechen, zu entsenden. Es wurde eine Resolution an­genommen, welche den Zweck des Congrestes billigt und eine Deputation ernannt, die den Minister des Innern ersuchen soll, einen Beamten nach Stock Holm zu entsenden.

London, 18. Mai. Die Nachricht von dem Tode Lord John Russells bestätigt sich nicht. Aus Blackburnc wird gemeldet: die hervorragendsten Industriellen haben die auf eine Vereinbarung gerichteten Vorschläge abgelehnt und beharren bet ihrem früheren Beschlüsse. Man befürchtet nach Bekanntwerden dieser Ablehnung die Erneuerung der Ruhestörungen.

Die meisten Blätter äußern sich überden gestrigen Artikel derAgence Rüste" hoch befriedigt und sehen die Friedensaussichten bei Weitem hoffnungs­voller an.Standard" erklärt es in einem sehr versöhnlich gehaltenen Artikel für den wesentlichsten Gewinn, daß Rußland bereit sei, im Friedensrath das Recht Englands, seine Stimme bei Lösung der orientalischen Frage geltend zu machen, anzuerkennen. Dagegen warntMorning Post" vor allzu optimistischen Anschauungen.Daily Telegraph" bemerkt: An der Newa würden Friedens­betheurungen gegeben, während vor Konstantinopel kriegerische Demonstrationen pattfänden.

Paily News" wird aus Konstantinopel vom 17. gemeldet: Totleben habe der Pforte eine Note zugestellt, worin die Räumung von Schumla, Varna und Datum, sowie die Aufhebung des türkischen Lagers bei Maslak gefordert und die Erlaubniß zur Besetzung von Bujukdere erbeten werde. Der Minister rath und die Generale unter dem Vorsitze des Sultans hätten gestern die russische Forderung berathen; heute würden die Beratungen fortgesetzt. Man vermutbe, daß die Pforte nicht nachgeben werde.

London, 18. Mat. Gestern fanden ernstliche Krawalle in Preston unb. Greatharwood statt. Aus einem Hause bes letzteren Ortes, aus welches bie Aufrührer einen Angriff gemacht hatten, wurde geschosten und mehrere der Aufrührer verwundet. Der Pöbel beging die gröbsten Exceffe und wurde schließlich durch Militär versprengt.

Rußland.

Petersburg, 18. Mai. Dem Vernehmen nach reist Graf Schuwaloff heute ab und wird unterwegs einen Tag in Berlin verweilen. DieAgence Russe- schreibt, die Lage sei unverändert so. wie sie solche in ihrem gestrigen Artikel niedergelegt habe. Vor der Ankunft Schuwaloffs werde nichts Wichtiges zu erwarten sein.

Serbien.

Belgrad, 18. Mat. Sämmtliche Urlauber erhielten unbestimmte Urlaubsverlängerung. Zur Behandlung der nicht unbedenklich erkrankten Fürstin ist ein Wiener Arzt berufen worden. .

Türkei.

Konstantinopel, 17. Mai. Die Ruffen haben in der Umgebung von San Stefano, 2 Kilometer von den türkischen Linien entfernt, 40 Kanonen schweren Kalibers aufgefahren. Das russische Hauptquartier allein bleibt in San Stefano; die Truppen lagern sämmtlich in besten Umgebung. Ebenso haben bie Rusten eine kleine Vorwärtsbewegung in ber Richtung nach ben An. höhen hinter Bujukdere gemacht. Die Türken ergriffen die nothwendigen Vor­

sichtsmaßregeln, um sich vor einer Ueberrumpeiung sicherzustellen. In der Frage wegen Räumung ber Festungen Schumla, Varna und Datum zeigen die Türken keine Nachgiebigkeit.

Der britische Botschafter Layarb erhielt einen officiellen türkischen Be­richt, wonach das Gerücht, daß die Rusten Piringlikeoi mit Waffengewalt besetzt bälten, unbegründet ist. Nach dem Berichte hätten sich russische Truppen Piringlikeoi genähert und die Ueberzabe gefordert. Der türkische Commandant hätte von der Pforte Instructionen erbeten und diese den Fürsten Labanoff um Aufklärungen über die Zwecke dieser Bewegungen ersucht. Die Pforte erhielt einen Bericht, daß die Rusten sich Gumuldschina bei Gallipoli näherten. Der Commandant erbat Verhaltungsweisungen. Die russische Botschaft erklärt alle russischen Bewegungen durch sanitäre Zwecke.

Konstantinopel, 18. Mai. Fürst Labanoff überreichte heute in feier­licher Anvienz Dem Sultan seine Creditive als russischer Botschafter. Es wurden dabei die üblichen Worte gewechselt. Später machte der Botschafter seinen officiellen Besuch auf Der Pforte. Die Bewegungen Der russischen Truppen in der Umgebung von Konstantinopel dauern fort, dieselben haben sich aber heute ben türkischen Lmien nicht weiter genähert. Die russische Besatzung in ÄDrianopel wirD^aus Gesunbhettsrücküchten reducirt unb bie Truppen in die Umgebung der Skadt vertheilt. Die Pacificirunzs-Commission für bas Rhodopegebiet scheint noch keinen Erfolg erzielt zu haben. Der persische Gesanbte ist nach Petersburg abgereist. Die britische Flotte, welche gegen­wärtig in Jsmid ankert, wirb am Montag nach Tuzla gehen.

Amerika.

Washington, 17. Mai. Die Kammer ber Repräsentanten genehmigte mit 145 gegen 2 Stimmen bie Resolution Potter's, laut welcher eine Unter­suchung angeorbnet wird, bezüglich der bei der Präsidentenwahl in Florida und Louisiana vorgekommenen betrügerischen Manöver. Die Republikaner enthielten sich der Abstimmung.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr» Torresp»udeuz-Bureau.

Berlin, 19. Mai. Die Angabe, daß die Entscheidung im Staats- mtnisterium, betr. Die Vorlage gegen die Ausschreitungen der Socialdemokratie, durch Abstimmung erfolgt sei, sowie die Bezeichnung von Mitgliedern des Staatsministeriums, welche die Minorität gegen die Vorlage gebildet hätten, ist thatsächlich unbegründet; vielmehr ist das Staatsministerium nach wieder­holter eingehender Berathung in völliger Uebereinstimmung mit Einhelligkeit zu Dem Beschlüsse gelangt, die Vorlage einzubringen.

Petersburg, 19. Mat. Der seitherige Stadtpräfekt von Petersburg, Trepow, hat eine Reise zum Kurgebrauch in's Ausland angetreten.

DasJournal de St. P^tersbourg" erklärt gegenüber den Meldun­gen von der Absicht des russischen Obercommandos, sich Konstantinopel zu nähern, vielleicht sogar zu besetzen, um auf die Türkei eine Pression auszuüben, Folgen­des : Die Truppenbewegungen könnten wohl aus strategischen oder einfach sanitären Gründen vorgenommen sein; jedoch implictrten dieselben keineswegs eine Drohung.

DieAgence Russe" ist autorisirt, in kategorischer Weise allen Nach­richten zu widersprechen, bie Totleben bie Absicht beirnrssen, in Konstantinopel einzudringen ober sich ber Stabt so zu nähern, um eine Pression auf bie Pforte auszuüben. Derartige allarmtrenbe Gerüchte seien ein neues Manöver ber Kriegspartei in Konstantinopel, ber es wünschenswerth erscheine, bie Annähe­rung ber Cabinete von London und Petersburg zu verhindern. Die Bewegun­gen der russischen Truppen hätten ihren Grund in hygienischen Verhältnissen. Im Befinden des Reichskanzlers Gortschakoff ist eine leichte Besserung ein» getreten, doch verhindert ihn seine große Schwäche an anhaltender Arbeit.

Versailles, 18. Mai, Abends. Nach langer lebhafter Debatte über die Gültigkeit der Wahl des klerikalen Abgeordneten Mun vertagte die Depu- tirtenfammer ihre Entscheidung bis zur Einreichung des Berichtes der Wahl- untersuchungs Commission. Minister Teisserenc de Port legt einen Gesetz- entwurf vor, betr. die Wiederherstellung der Tuilerien.

London, 18. Mai. In letzter Nacht kam es in Blackburne neuerdings zu ernstlichen Ruhestörungen, wodurch großer Schaden verursacht wurde; bei einem Zusammenstöße mit der Polizei wurden 14 Ausrührer verwundet; um 2 Uhr Morgens war die Ordnung wiederhergestellt.

Bukarest, 18. Mai. Der Senat nahm den Gesetzentwurf an, durch welchen feer den bessarabischen Bauern bewilligte Termin zur Ablösung der denselben vom Staate überlassenen Grundstücke um 10 Jahre verlängert wird. Derselbe Gesetzentwurf stellt die weitere Vertheilung von Grundstücken an die­jenigen Colonisten in Aussicht, welche die kleinsten Komplexe erhalten haben.

Berlin, 19. Mai, Abends. DiePost" versichert auf Grund zuver­lässiger Informationen, daß nicht Differenzen im Staalsministerium für das Abschiedsgesuch des Cultusministers maßgebend gewesen seien. Zwischen dem Cultusminister und den übrigen Mitgliedern des Staatsministeriums, nament­lich auch dem augenblicklich abwesenden Präsidenten desselben seien auf dem gesammten Gebiete der Tagesfragen Meinungsverschiedenheiten nicht zu Tage getreten.

London, 19. Mai. Bei dem gestern ftattgehabten Jahresbanket zum Besten des Hülfsfonds der Presse wies Minister Salisbury, der den Vorsitz führte, bei Erwiederung eines Trinkspruches auf die Eintracht der nationalen patriotischen Gesinnung hin; die Beseitigung ber obwaltenben Schwierigkeiten l'änge ab von ber Eintracht unb Einheit bes Patriotismus, welcher sich jeder Gefahr aussetze, ausgenommen bie Gefahr ves Verlustes ber Ehre.

New-Bork, 19. Mai. Rusfischerseits werben bie Verhanblungen wegen des Ankauses von Dampfern fortgesetzt.

Port Said, 19. Mai. Die englischen TransportschiffeGoa" unb Athol" mit indischen Truppen sind heute Nacht nach Malta abgesegelt.

Suez, 19. Mai. Zwei englische Transportschiffe, an deren Bord sich 441 LancierS mit 250 Pferden befinden, pasfiren heute den Suez-Canal.

Berlin, 20. Mai, 71/* Uhr Morgens. Graf Schuwaloff ist soeben mit dem Frühzuze von Petersburg eingetroffen und wird Vormittags von dem Kaiser empfangen werden. Derselbe reist am Mittag zum Besuche des Fürste« Bismarck nach Frtedrichsruh und von da nach London.

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