*• 6 I hr
Sonntag den 24 Marz
Erstes Blatt
1878,
$<>• ss
Anzeige - und Anlisblntt für den Kreis Meßen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Stadt
inr ortcrnoiwt, °
Kitßt"
1* *
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
fest
gen i stein.
men 20
•r Vorstand»
e
iversität.
lafien wollte, deutlich genug bewiesen, daß sie ihre Stellung in dem Kampfe Zwider Rom nach wie vor aufrecht zu erhalten entschlosien ist. Allgemeines Aufsehen erregte es, daß die Kölner Regierung dem von den dortigen Stadt' veiordneten zum Mitgliede der Schuldeputation wiedererwählten Führer der jlideralen Partei und eifrigen Vertheidiger des Simultanschul-Systems, Georg Zung, die Bestätigung versagt hat; man nimmt aber wohl mit Recht an, daß bei Cultusminister, bei dem der Kölner Magistrat gegen die Entscheidung der Regierung Beschwerde erhoben hat, letztere wieder aufheben werde. Eine in ,2«rtmund abgehaltene Delegirtenversammlung der altkatholichen Gemeinden
Die „innere Krisis" scheint nunmehr endlich ihrer Lösung entgegen- zugehen. Der Bundesrath hat das Gesetz über die Stellvertetung des Reichskanzlers, nachdem der Reichstag dasselbe unverändert genehmigt, sofort dem Kaiser zur Vollziehung vorgelegt, und dieser soll den bisherigen Bot schaster in Wien, Grasen Otto zu Stolberg-Wernigerode, der seit einigen Tagen in Berlin wellt, zum Vicekanzler bestimmt haben. Es unterliegt jetzt auch wohl keinem Zweifel mehr, daß der Finanzminister Camphausen, der auf seinem Eutlasiungsgesuch besteht, demnächst wirklich abgehen und einen sog. Fachminister zu seinem Nachfolger erhalten wird. Desgleichen soll die baldige Bildung eines selbständigen Reichsschatzamtes in Aussicht stehen. Mittlerweile fetzt Fürst Bismarck seine Bemühungen zur Durchführung der Steuerreform eifrig fort. Auf ein Rundschreiben, in welchem er die einzelnen Bundesregierungen aufforderte, sich über die Einführung des Tabaksmonopols refp. eine anderweitige Besteuerung des Tabaks zu äußern, sind die Erwiderungen theils in zustimmendem, theils in ablehnendem Sinne erfolgt. Die preußische Regierung hat ihrerseits einen Antrag bei dem Bundesrath eingebracht, durch welchen die Reichsregierung zur Anstellung von Ermittelungen über die verschiedenen Formen der Tabakssteuer ermächtigt werden soll. (Vergl. die
Rheinlands und Westfalens sprach sich für Aufhebung des Cölibatzwanges und Einführung der deutschen Sprache bei der Meffe aus.
In Bayern hat die extreme katholische Volkspartet durch den überaus zahlreichen Besuch, deffen sich ihre Jahresversammlung zu erfreuen hatte, während die von den Patrioten veranstaltete Papstfeier verhältnißmaßig schwach besucht war, einen entschiedenen Sieg über die Partei der Gemäßigten davongetragen.
Die Bevölkerung der Stadt Gent in Belgien hat ihrem Gemeinderath für den Protest, den dieser gegen die Angriffe des dortigen Bischofs auf die Schulen der Stadt veröffentlicht hatte, eine öffentliche Ovation dargebracht.
Der Schweizer Bundespräsident, sowie die Gesandten Deutschlands und Italiens unterzeichneten am 13. d. den Vertrag, wonach die beiden letztgenannten Länder je 10 Mill., die Schweiz 8 Mill. Frcs. Nach-Subvent'.on für das Gotthardt-Unternehmen zu zahlen haben.
In Oesterreich-Ungarn war das öffentliche Interesse fast ausschließlich von der Creditvorlage in Anspruch genommen. Nachdem die Ausschüsse der beiden Delegationen — der ungarische sogar einstimmig — sich für die Bewilligung der von der Regierung geforderten 60 Mill. Gulden ausgesprochen, unterliegt die Genehmigung Seitens der genannten Körperschaften selbst keinem Zweifel mehr. Graf Andraffy bekommt also das Geld, ohne daß er sich Herbeigelaffen hätte, deutlich zu sagen, was er unter den Interessen, zu deren Wah- •ruug er es brauchen will, eigentlich versteht!
England setzt seine Rüstungen mit fieberhafter Eile fort. Welch ein Umschwung in der Stimmung der Bevölkerung vor sich gegangen, ergiebt sich u. A. daraus, daß der Ruffenfreund Gladstone erklärt hat, er sei fest entschlossen , in keinem neuen Wahlbezirke mehr als Parlaments - Candidat aufzutreten.
In Frankreich gewinnt die Sache der Republik und mit ihr die liberale Regierung immer mehr Boden. Das Land hat durch die Wahl von Republikanern bei den am 17. d. stattgehabten Nachwahlen zur Deputirtenkammer seine verfaffungsfreundliche Gesinnung von Neuem kundgegeben und das Ministerium Dufaure hat sowohl in dem Senat wie in der Deputirtenkammer glänzende Siege davongetragen, indem jener das freisinnige Gesetz über den Belagerungszustand, letztere das wichtige Gesetz über den Rückkauf der Secundär-Eisenbah- nen nach der Vorlage der Regierung mit großer Majorität annahm. Nach Abschwenkung der sog. Constitutionellen haben sich nunmehr auch die Bouapar- tisten von der conservativen Rechten des Senats getrennt und offen erklärt, daß sie die Wiederherstellung des Kaiserreichs von nun an nur auf breitester demokratischer Grundlage erstreben würden.
Nachdem Papst Leo XIII. die Hauptleitung der Politik selbst in die Hand genommen, mehren sich die Anzeichen, daß derselbe andere Wege einzu- schlagen gedenkt als sein Vorgänger. Nicht nur. daß er den Kaisern von Deutschland und Rußland, sowie der Schweizer Bundesregierung , kurz allen Mächten, mit denen die Curie bisher auf gespanntem Fuße stand, in freundlichsten Schreiben feine Thronbesteigung angezeigt, er hat auch den italienischen Bischöfen erlaubt, alle gesetzlichen Forderungen zu erfüllen, um die Anerkennung der Regierung zu erhalten, und soll sogar Befehle erlaffen haben, um die von Pius IX. seit dem Jahre 1870 eingestellten Zeremonien, deren Mittelpunkt der Papst bildet, wieder aufzunehmen. Leider hat die italienische Ministerkrisis noch keine Lösung gefunden, da der mit der Neubildung des Cabtnets beauftragte Führer der radicalen Partei, Cairoli, bei der Ausführung seines Vorhabens auf zahllose Schwierigkeiten stößt. (Nach neuesten Nachrichten ist es jedoch gelungen, ein Cabinet zu bilden. D. Red.)
In Dänemark geschehen Zeichen und Wunder: das Volksthing hat in Folge der Vereinbarung, welche die gemäßigteren Mitglieder der Linken mit der Rechten getroffen, das Budget in dritter Lesung in einer Fassung angenommen, welche ohne Zweifel ebensowohl die Zustimmung des Landsthing, wie die der Regierung finden wird. Ein noch merkwürdigeres Zeichen der Zeit ist tue
Derselbe erscheint in den Vormittagsstunden täglich, mit Ausnahme Montags, und kostet für die Abonnenten in der Gießen vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg., frei in s Haus geliefert.
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch
ih.
is 6'12 Uhr:
?rsammlung
RedaettonSdrrreaur Gartenstraße L. 165.
Expeditionsdureaur Schulstraße k 18.
4“, *
I-, *
es- Einladung zum Abonnement
auf den
lnd Schüler h 50 A VriuUd01ph’schm lta? Mittag 12 ühl} ÖsSSe ä.
*riS’ w. 8 " ”"kb Fmkfurt,r dichwMchlck hab«, t8 «iMtrmdrn md die ra$ zu hüten, verbunden zestellten und provisorisch
wird Samstag btn j®iie gütigst bemiOigitn ^dluog, fo®i( in der
. ottot gtitW l” W l, Md Memrbck estch"" Mort Wt »ute etilm M-
irt _____—
im II. Quartal 1878 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.
Die Abonnenten, welche den Anzeiger abholen, erhalten denselben zu 2 Mark»
Für alle außerhalb Gießen wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonnementspreis 2 Mark excl. Postgebühr. Dieselben können nur bei der Post oder den Landpostboten abonniren. —
Um vollzählige Exemplare liefern zu können, ersuchen wir unsere geehrten Abonnenten, ihre Bestellungen rechtzeitig bei der ihnen zunächst gelegenen Postanstalt oder den Landpostboten aufgeben zu wollen.Die Redaktion.
- gen ’
Ittf 4#
«minus ’T « ttt'i
““Wemanfc. M
gestrige Nr. D- Red.).
Der Reichstag hatte sich, nachdem er den Gesetzentwurf über die Ersparnisse aus den französischen Dcrpfleguugsgeldern, für den Gras Moltke mit Energie eintrat, an die Budgetcomnnssiou verwiesen und das Deficit des Etats durch Höherveranschlagung der Zölle rc. um 4,868.540 Mk. vermindert, am 13. d. auf 8 Tage vertagt, um dem preußischen Landtag Zeit zur Erledigung seiner Arbeiten zu lassen. Das Herrenhaus nahm seitdem das Aus iührungsgesetz zum deutschen Gerichtsverfaffungsgesetz meist nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses — darunter auch den über die Amtstracht der Richter — an; das Abgeordnetenhaus erledigte u. A. die Gesetze über den Forstdieb- stahl und die Kirchenverfassung für Schleswig-Holstein und Nassau. Bei der ] Berathung über das letztgenannte Gesetz that der Cultusminister die bemerkens- .... . werthe Aeußerung, sein Ideal sei zwar die Einheit der gesammten evangelischen
"v lkirche, nicht bios in Preußen, sondern auch in Deutschland, er werde indeß
s<rt nr. w .......1=631 njcht versuchen, dasselbe auf dem Wege der Gewalt zu verwirklichen.
WaS das Gebiet des Culturkampf es in Preußen betrifft, so scheinen gegenwärtig wtiklich etwas mildere Lüste jenseits der Alpen zu wehen, denn es ,wluB v™ bestätigt sich, daß Papst Leo ein verbindliches Schreiben mit der Anzeige von seiner Thronbesteigung an Kaiser Wilhelm gerichtet und zugleich den Wunsch 'äw*1,1 "ach Unterhandlungen Über Herstellung eines besseren Verhältnisses zwischen Arche und Staat ausgesprochen hat. Wie verlautet, gedenkt die Curie ihre angebliche versöhnliche Gtsinnung zunächst dadurch kundzugeben, daß sie den Bischöfen vorjchreiben werde, die Vorschrift der Maigesetze, wonach sie dem Oberpräsidenten die für die geistlichen Stellen in Aussicht genommenen Candi- baten benennen soll, zu befolgen. Ob sie indeß durch Erfüllung dieser Formalität etwas Wesentliches erreichen wird, ist sehr zu bezweifeln. Die Staats- Teuerung hat ihrerseits durch Ernennung des Ehrenpräsidenten des Deutschen Vereins, Prof. v. Sybel, zum Geheimen Oberregierungsrath, eine Auszeichnung, durch welche sie demselben ohne Zweifel eine öffentliche Anerkennung seiner von Den Ultramontanen in so perfider Weise angegriffenen Thätigkeit zukommen
«erl-Vereins.
^verein?
'• i*.
1 2 9“, V>.
m


