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habe sich mit Rücksicht auf Frankreich geweigert, auf das ihm von deutscher Seite gemachte Anerbieten einzugehen, Egypten für England mit Beschlag zu belegen. Angesichts der russischen Ansprüche aufJBatum sei aber die Besetzung von Cypern das Mindeste, was England zur Sicherung seines Handelsweges nach Indien thun könne. Da es nun der Regierung der Königin Victoria nicht darum zu thün sei, durch Besetzung Cyperns französische Interessen zu schädigen, wolle England der Republik einen Beweis seiner guten Gesinnungen geben, indem es sich anheischig mache, einer französischen Besitzergreifung der Regentschaft poti Tunis allen erdenklichen Vorschub zu leisten. Herr Waddington nahm diese Erklärungen zwar mit Dank, aber mit jener Reserve auf, welche der republikanische Statlksrnann allen solchen Anerbietungen gegenüber festzu­halten für unumgänglich erachtete. Er sagt wörtlich:Je veux revenir i Paris les mains nettes I Damit waren die Compensativns-Verhandlungen zwischen Frankreich und England beendet.

Berlin, 18. Juli. Heute ist die Tabaks-Enquete-Commission zur ersten Sitzung zusammengetreten.

Die Worte des Staatsanwalts Tesiendorf bei Verurtheilüng eines^!7jäh- rigen Burschen wegen Majestätsbeleidigung sind in der Fülle des täglichen Stoffes unbeachtet vorüber gegangen, sie verdienen aber sehr wohl eingeprägt und ver­breitet zu werden. Hier in dem angegebenen Falle konnte die Socialdemokratie nicht sagen, daß der Verbrecher sie nichts angehe, denn dieser erst 17 Jahren alte Mensch erzählte mit einem gewissen Triumph vor Gericht, daß er seit 2 Jahren sociäldemokratische Versammlungen besuche, und die That seines Freundes Nobiling nur billigen könne. Der Staatsanwalt schloß seine Rede mit folgenden Worten:Die sociäldemokratische Preffe hat aus diesem Proceß Anlaß genommen, die Jahre der Verhaftung, welche erkannt sind, herauszurech­nen und Verdächtigungen der Gerichte daran zu knüpfen; sie hätte lieber eine Berechnung anstellen sollen, wie viel von diesen Strafen, wie viel von dem dadurch angerichteten Unheil auf das Konto der socialdemokcatischen Agitatoren zu setzen ist."

Zur Ausführung des Gesetzes, betr. die Gewährung einer Ehrenzulage an die Inhaber des Eisernen Kreuzes von 1870 bis 1871, vom 2. Juni 1878, hat der Kriegsminister unterm 3. Juli d. I. Folgendes bestimmt:Die Ehren­zulage ist monatlich postnumerando zahlbar. Die Zahlung derselben erfolgt durch die Corpszahlungsstellen, und zwar an alle Empfangsberechtigte, so weit dieselben Militärpersonen des Friedensstandes sind, unter Vermitltung der zu ständigen Truppenkaffen, an alle übrigen Empfangsberechtigte unter Vermitt­lung der Kaffen der Ortsbehörden bis einschließlich der Regierungs- rc. Hauptkaffen. Die Zahlung ist nur zu leisten gegen Vorzeigung eines die Empsangsberechtt- gung bescheinigenden Legittmations-Attestes und gegen Aushändigung einer voll­ständigen über die Zahlung des Betrages aus der betr. Corpszahlungssteüe lautenden Quittung, auf welcher die Unterschrift und das Leben, sowie der Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte des Empfängers durch den Truppentheil, bezw. die Ortsbehörde bescheinigt ist. Behufs Erlangung dieses Legitimations' Attestes haben sämmtliche nach dem vorstehenden Gesetze zum Empfange der Ehrenzulage berechtigten Inhaber des Eisernen Kreuzes von 1870 bis 1871, und zwar so weit dieselben zu den Militärpersonen des Friedensstandes gehören, auf dem militärischen Dienstwege, alle übrigen durch Vermittlung derjenigen Bezirkscommandos, in deren Controlbezirk ihr Wohnsitz belegen ist, die Befitz- zeugnifle über die zum Bezüge der Ehrenzulage berechtigenden Dienstauszeich­nungen unter Namhaftmachung der Kasse, aus welcher sie die Zulage zu erheben wünschen, den Generalcommandos ihres Corpsbezirks einzureichen. Empfangs­berechtigte, welche ihren Wohnsitz außerhalb des Militärverwaltungsbereiches von Preußen haben, reichen ihre Besttzzeugniffe den ihnen nächstgelegenen Bezirks­commandos ein. Welche nichtpreußischen Dienstauszeichnungen dem preußischen Militärehrenzeichen 2. Klasse gleichzuachten sind, wird nach Maßgabe der Be stimmung in § 2 des Gesetzes besonders bekannt gemacht werden. Die General­commandos stellen nach Prüfung der Besttzzeugniffe bei Rückgabe derselben jedem Empfangsberechtigten ein Attest dahin aus: daß der (Name, Titel, Wohnort) auf Grund der vorgelegten Besttzzeugniffe über die (zu bezeichnenden) Dienst­auszeichnungen zum Empfange der Ehrenzulage von 3 Mk. monatlich nach Maßgabe des Reichsgesetzes vom 2. Juni 1878 berechtigt ist. Empfangsbe­rechtigte, welche ihren Wohnsitz wechseln und demgemäß die Zulage aus einer andern als der ursprünglich namhaft gemachten Kaffe zu erheben wünschen, haben dies bebufs der erforderlichen Uebertragung der Intendantur desjenigen Corpsbezirks, in welchem sie ihren bisherigen Wohnsitz gehabt, anzuzeigen bezw. durch die Ortsbehörden anzeigen zu lassen. Geht ein Empfangsberechtigter in's Ausland, so wird die Zulage von derjenigen Intendantur zahlbar gemacht, in deren Bezirk er zuletzt seinen Wohnsitz gehabt und die Zulage empfangen hat."

Berlin, 20. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Wie zuverlässig verlautet, gedenkt der Kaiser, sobald es die Witterung irgend gestattet, seinen Aufenthalt in Babelsberg zu nehmen. Darüber hinaus, namentlich über eine etwaige Kur in Teplitz und Gastein, sind noch keinerlei Entschließungen gefaßt, welche wesentlich von der Genesung des Kaisers, besonders von der Zunahme seines Kräftezustandes, abhängen dürsten.

DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt gegenüber der Meldung verschiede­ner Blätter aus Kiel über das den Untergang desGroßen Kurfürsten" betr. Urtheil der Havarie-Commission, zur Richtigstellung, daß hier die bezüglichen Verhandlungen noch nicht eingegangen und jene Mittheilungen daher, im Falle sie richtig seien, nur auf einen Act der Jndiscretion beruhen könnten. Dieselbe sei jedoch insofern bedeutungslos, als erst auf Grund dieser Voruntersuchung das weitere gerichtliche Verfahren eingeleitet werden könne.

JSerlin, 20. Juli. Der Kaiser hat heute Nachmittag um 3 Uhr die erste Spazierfahrt unternommen.

Kiel, 20. Juli. Die Nachricht mehrerer Zeitungen von der Freisprechung der bei der Katastrophe desGroßen Kurfürst" betheiligteu Officiere durch die Havarie-Commission ist unrichtig. Die Havarie-Commission hat lediglich ein technisches Gutachten erstattet. Daffelbe liegt gegenwärtig dem Stations-Ches vor und geht dann an die Admiralität. Authentisches ist über den Inhalt des Gutachtens nicht bekannt.

Hesterreich.

Wien. DieNeue Fr. Pr." schreibt bezüglich der Abtretung Cyperns: Unwillkürlich fragt man sich: Haben die russischen Staatsmänner um den englisch-türkischen Vertrag gewußt oder werden sie davon überrascht? Haben Beaconsfield und Salisbury chreedlen Freunde Gortschakoff nnd Schuwa- loff betrogen oder haben sich beide Theile vorher verständigt und wie die

Auguren über einander gelacht, wenn sie anscheinend heftig wegen Sophias und Datums stritten? Jedenfalls weiß jetzt die Welt, warum Beaconsfield den Erfolgen Rußlands so geringen Widerstand entgegensetzte. Er hatte bereits seinen Gewinn in der Tasche, er besaß, was er daheim vor dem Parlamente braucht, um sich und seine Politik zu rechtfertigen. England, das eben erst die Transvaal-Republtk in Afrika confiscütte, macht auch in der orientalischen Frage sein Geschäft. Der Sultan willigt, zum Dank für die Garantie, die England fortan der verstümmelten Türkei gewährt, in eine neue Amputation, er überläßt Eng­land die Insel Cypern. Wo einst die Lusignan geherrscht, wo Katharina Cornaro gewandelt, dort werden künftig die Rothröcke Schildwacht stehen. Cypern ist ein reiches, fruchtbares, blühendes Land und ein unschätzbarer Posten für die Vertheidigung des Suez-Canals. Lord Beaconsfield hat Romane geschrieben, aber er ist kein Romantiker. Mit Idealen giebt er sich nicht ab, er will etwas Greifbares, Praktisches. Eine Insel von hundertdreiundsiebzig Qua­dratmeilen mit hundertfünfunddreißigtausend Einwohnern, ist ein ganz hübscher Bissen, und den ächten Cyperwem alsinländisches" Gewächs betrachten zu können, wird dem englischen Nationalflolz nicht wenig schmeicheln. Die sitt­liche Entrüstung der Presse über Beaconsfield's Verhalten auf dem Congresse wird jetzt plötzlich verschwinden; ein Staatsmann, der das Reich vergrößert, wird in England immer mit Beifall belohnt. Wer ein Stück Land als Geschenk mitbriugt, den feiert die Menge leicht, ohne zu fragen, wie es er­worben worden.

Wien, 20. Juli. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Mit Rücksicht aus die Verhandlungen mit Griechenland wegen der Grenz-Rectification hat der Ministerrath beschlossen, einstweilen die für Volo bestimmte zweite Truppen-Expedition nicht abzusenden. Die internationale Consular-Commission für die Enquete im Rhodopezebirge reist morgen dahin ab. Die türkischen Behörden in Macedonien verlangen wegen der revolutio­nären Agitation Truppenverstärkungen. Dieselbe Correspondenz meldet aus Bukarest von heute: Die Gehirnerschütterung Bratiano's (welcher aus dem Wagen stürzte) dürfte den ernstesten Ausgang nehmen. Auch mehrere Souveräne haben ihr Beileid auf telegraphischem Wege ausgedrückt.

Arankrcich.

Paris, 20. Juli. Marschall Mac Mahon verläßt heute mit seiner Frau und Tochter Paris, um einige Tage tn Trouville zuzubringen.

St. Etienne, 20. Juli. 700 Arbeiter der Färbereien striken und ver­langen eine Erhöhung ihrer Löhne.

Valenciennes, 20. Juli. Der gestrige Tag verlief ruhig. Die Zahl der Strikenden beläuft sich auf ungefähr 9000. Es ist Hoffnung vorhanden, daß dieselben nächste Woche die Arbeit wieder aufnehmen werden.

England.

London, 20. Juli. Die von Hartington im Unterhause angekündigte Resolution wird die Genugthuung darüber aussprechen, daß die Unruhen im Orient durch den Berliner Vertrag beigelegt worden, ohne daß es von Neuem zum Kriege gekommen sei, sowie daß einigen Völkerschaften der Türkei Freiheit und eine selbstständige Regierung bewilligt worden sei. Die Interpellation wird aber zugleich bedauern, daß den Reclamationen Griechenlands nicht mehr Folge gegeben worden und daß England, indem es allein die Garantie für die der Pforte verbleibenden Territorien übernommen, damit zugleich sich Verpflich­tungen und Verantwortlichkeiten ausgebürdet habe, ohne daß ein Mittel angezeigt fei, denselben nachzukommen und ohne zuvor die Genehmigung des Parla­ments einzuholen. Die Besprechung der Resolution findet voraussichtlich am 29. Juli statt.

Times" undDaily Telegraph" wollen wissen, daß die Discussion über die Resolution Hartington's am 25. Juli beginnen und voraussichtlich bis zum 29. Juli dauern werde. Die regierungsfreundlichen Mitglieder beider Häuser geben am 27. Juli im Carlton-Club ein Banket zu Ehren Lord Bea- consteld's und Lord Salisbury's.

WusMnd.

Petersburg, 20. Juli. Das Amtsblatt veröffentlicht drei Ukase vom 19. Juli, betr. die Annahme des aus Gesundheitsrücksichten eingereichten Ent- laffungsgesuchs des seitherigen Finanzministers Reutern, die Ernennung des Reichsgeneral-Coutroleurs Greigh zum Finanzminister, ferner die Ernennung des Directors der Reichskanzlei, Ssolsky, zum ReichsgeneralControleur und des Staatssecretärs Peretz zum Director der Reichskanzlei. Ein Handschreiben des Kaisers verfügt die Verleihung des Andreas-Ordens an Reutern und gedenkt der ausgezeichneten Verdienste desselben, namentlich um die Herstellung des großen Eisenbahnnetzes, sowie des Gleichgewichtes im Budget, welches dem Lande die Bestreitung der beträchtlichen Kosten des jüngsten Krieges ermöglichte. Das -,Journal de St. Pätecsbourg" publicirte gestern den Berliner Ver­trag und beginnt heute mit der Publication der Sitzungsprotokolle.

Türkei.

Konstantinopel, 20. Juli. Die Verhandlungen bezüglich des Rück­zuges der russischen Truppen nehmen guten Fortgang. Die Engländer auf der Insel Cypern haben angefangen, das alte Fort Famagusta auszuräumen.

leirgraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Lorrespondenz-Bureau.

London, 21. Juli. Auf einem gestern in Bermondsey abgehaltenen Meeting der Liberalen erklärte Gladstone, er lehne es ab, die Führung der liberalen Partei wieder zu übernehmen und sprach sich dann sehr entschieden gegen die Art und Weise aus, wie das britische Volk seit einiger Zeit regiert werde. Kein despotischer Staat in Europa hätte es gewagt, wie das jetzige Cabinet zu handeln, das eine bedeutende Verantwortlichkeit ohne Wissen des Volkes über­nommen. Die Liberalen seien weder Freunde der Russen, noch der Türken, sondern überhaupt Freunde aller unterdrückten Völkerschaften. Gladstone ver- urtheilte heftig das Regiment der Pforte und hob hervor, die liberale Partei hätte stets darauf bestanden, der Situation durch das gefammte Europa und nicht durch einen einzelnen Staat abzuhelfen. Der Redner kritistrte ferner den Berliner Vertrag und tadelte lebhaft, daß England der Abtretung Bessarabiens an Rußland zugestimmt hätte. Rußland hätte übrigens das Recht auf eine große Kriegsentschädigung behalten und könne hieraus zu jeder Zeit den Vor­wand zu einem neuen Kriege ableiten. Der Berliner Vertrag zerstöre die Un-